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Lea-Lina Oppermann: Fürchtet uns, wir sind die Zukunft, Beltz & Gelberg 2021 € 14,95

Theo, der Flügel und drumherum das Universum. Theo kann sein Glück nicht fassen, an der Musikhochschule angenommen worden zu sein. Nun gilt es noch härter zu lernen und zu üben. Doch an der Universität eröffnet sich für den verschlossenen, zielstrebigen Jungen eine fremde Welt mit legalen und illegalen Partys, einer rebellierenden Jugend und einer großen verführerischen Liebe. Oppermann schreibt knapp und prägnant, gut recheriert, mitreißend und einfühlsam. Ihre Worte formen die Musik, sie machen Theos Gefühle, seinen Weg bis an den Rand des Abgrundes und wieder zurück, so allgegenwärtig, egal ob er ein einfaches Kinderlied, ein Solokonzert oder eine eigene Komposition zum Besten gibt. Dabei erweisen sich nicht die krassen Aktionen und seine Hingabe an das geheimnisumwobene Mädchen Aida als zukunftsweisend sondern vielmehr die Suche nach dem eigenen Weg zu seiner eigenen Stimme.

Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten, Beltz&Gelberg Tb € 7,95

Lea-Lina Oppermann, beschreibt  die Ausnahmesituation eines Amoklaufes in der hermetisch abgeriegelten Welt des Klassenzimmer auf hohem Spannungsniveau aus drei Perspektiven. Zwei Durchschnittschüler Mark, Fiona und ihr junger Lehrer Herrn Filler erzählen. Wie in Zeitlupe spiegeln sie in gekonntem rhythmischen Wechsel jede Bewegung des Eindringlings und der Gruppe und sehen dabei immer sich selbst im Zentrum der Situation.  Allen voran der Lehrer, dessen knapper Altersvorsprung und  Ausbildung ihn keineswegs erhabener oder aktiver gemacht haben. Selbst als der Täter einen Stapel Briefe mit seinen Wünschen auf den Tisch legt, Forderungen in denen jeder mal gezwungen wird, andere Bloßzustellen, kommt keinem die Frage in den Sinn, was hier überhaupt gespielt wird. Viele Möglichkeiten des Eingreifens verstreichen. Stück für Stück erkennen die Erzähler die Rolle Einzelner im Gesamtkontext der Gruppe und füllen ihre bisherige Nichtwahrnehmung mit defensiven Rechtfertigungen. Bei diesem Text handelt es sich um einen erzählerisch versierten,  düstern Zustandsbericht des Seins, der nach Diskussion und Klassenlektüre ruft.