Lesen ist Begegnung

Für ein Leseprojekt der Bücherfresser mit den Auszubildenden der Stiftung ICP München haben wir die Jugendliteratur nach Büchern durchforstet, die von Beeinträchtigungen im Leben erzählen. Aber dort wo die Einen dem Besonderen nachspüren suchen die Anderen vorallem eins: Normalität. Liebes- und Freundschaftsgeschichten. Und so machten wir uns nach dem ersten Kennenlernen auf die Suche nach einem Buch, welches von vielen Facetten gesellschaftlichen Miteinanders erzählt.


Mitwirkende:

Anna (16), Anna (13), Benji (12), Carlos (12), Clara (16), Conny, Cosima (13), David (15), Elias (18), Elias (15), Emma (11), Felicia (13), Hannah (16), Hannah (16), Jakob (15), Jasper (14), Jonas (13), Julian (19), Katrin, Lea (11), Maja (14), Marie (22), Marius (18), Nicolas (15), Pascal (20), Paul (14), Paul (12), Theo (13), Theresa (13).



Die Ausstellung ist ein Projekt des Leseclubs "Die Bücherfresser" der Buchhandlung Buchpalast in München zusammen mit den Auszubildenden des Berufsbildungswerkes ICP Stiftung München. Ein Jahr haben wir gemeinsam mit dem Buch "Die Schule" von Britta Teckentrup, Jacoby & Stuart Verlag, gearbeitet. Die Ausstellung zeigt Illustrationen des Buches und eigene Bilder und Geschichten, die aus dem gemeinsamen Leseerlebnis entstanden sind. Sie zeigen wie die Leser und Leserinnen, sie sind zwischen 11 und 22 Jahren alt, sich die Figuren beim Lesen vorgestellt haben. Eine Minibar der Freundschaft ist dabei entstanden und viele weitere Buchtipps zum Weiterlesen. Wir starteten in die Lektüre des Buches, indem wir uns die eindrucksvollen Portraits im Buch anschauten und uns fragten:

1. "Wen würden wir zum Klassensprecher wählen?"


2. "In jedem guten Buch steckt für mich eine Person, die ein Held ist."

Ganz ohne Text entfachen die Bilder lebhafte Gespräche. Wer wird welche Rolle in der Gruppe spielen? Welche Charaktereigenschaften haben die Figuren? Welche Geschichte steckt in ihnen? Wer ist in wen verliebt? Einige Figuren werden unsere Lieblingsfiguren. In unserer Fantasie erfinden wir für sie eigene Geschichten.

Keiner ist ein unbeschriebenes Blatt. Die Begegnung mit dem Buch hat begonnen.


3. "Lesen ist wie Kino im Kopf."

Mit dem Text erzählt das Buch weitere, ungeahnte Geschichten. Wir erfahren von Freundschaft, Mobbing und dem Zusammenspiel zwischen Schülern, Lehrern und Eltern. Was ist eigentlich ein erfolgreicher Mensch? Und ist der auch immer glücklich? Darf man für Sport eine 5 geben? Was ist schön?

Wie sehen wir das?

Wir gestalten eine Wandzeitung mit eigenen Geschichten zu den Figuren des Buches. Hier können Sie unsere Wandzeitung downloaden.

4. Minibar der Freundschaft

Da wir alle Mobbing ziemlich blöd finden, ersinnen wir im Gegenzug zur Gerüchteküche die Minibar der Freundschaft. Eigentlich wollten wir einen echten Kühlschrank mit lauter Post-its in die Ausstellung stellen. Als das nicht ging, haben wir eben kurzerhand einen selbst gebastelt.

5. "Nach dem Buch ist vor dem Buch."

Mit einem Buch tauchen wir in das Leben anderer ein. Die Bücherfresser haben immer ein passendes Buch parat. Die Figuren im Buch sind uns ans Herz gewachsen. Was würden sie gerne lesen? Wir haben ihnen eine Reihe von Tipps gegeben.

Lesen macht süchtig. Probiert es selbst aus!

Auf dem Sommerfest verteilen wir unsere Arbeit, die Geschichten und Buchtipps in verschlossenen Umschlägen an die Besucher der Ausstellung. Sie finden reißenden Absatz und Nachahmer. Die Wand unserer Buchtipps wird sich in den nächsten Wochen weiter füllen.

6. Hier mehr zum Buch, mit dem wir gearbeitet haben:

Britta Teckentrup

Die Schule

Jacoby & Stuart Verlag 2018 € 19.-


Die Besonderheit des Anderssein steckt in jedem Menschen. Mehr...
Wer durch durch das Buch „Die Schule“ von Britta Teckentrup blättert, bleibt an den ausdrucksstarken Portraits einer bunten Schulgemeinschaft hängen, welche Schüler, Lehrer und Eltern bilden. Wenn wir die Bilder zu lesen beginnen, entdecken wir Gruppen und Einzelgänger, Tonangeber und stille Figuren. Es spiegeln sich Offenheit und Stolz, Angst und Träumerei, Selbstsicherheit und Ratlosigkeit, aber auch Vertrauen, Mut und Hilfsbereitschaft in ihren Gesichtern. Wer kennt all diese typischen, schulischen Situationen nicht? Die Charaktere im Buch kommen Lesern sofort vertraut vor. Die Bilder beginnen, in unseren Köpfen ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Der Text trägt das Wechselspiel zusammen, das schwierige wie beflügelnde Miteinander, welches sich in einer Schulgemeinschaft regelmäßig ereignet. Linda singt sich in den Vordergrund. Paula und Selin halten als beste Freundinnen fest zusammen.

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Lisa hat einen unbemerkten, verständnisvollen Blick auf Max geworfen. Die Bande um Tom hat ihn mal wieder in den Schrank gesteckt. So sehr hatte sich Max Hoffnungen auf einen rettenden Neuanfang gemacht. Wo andere wegschauen, wird Timo aktiv. Mit dem Rückhalt seiner großen Schwester wird er diesem Mobbing entgegenwirken. Mit ihrem Houdie sieht Leonie auf den ersten Blick Djamila zum Verwechseln ähnlich. Es ist noch nicht so lange her, dass die wissbegierige Djamila in die Klasse gekommen ist. Wenn sie groß ist, möchte sie einmal dazu beitragen, die Welt zu verbessern. Alle finden Marlene toll, doch Tobi nähert sich vorsichtig Julia an. Konstantin spürt der Welt in mathematischen Formeln nach und Johannes hält sie in seinen Zeichnungen fest. Werden schlechte Noten in Kunst seine Leidenschaft ausbremsen?
Marie steht, umringt von ihren Klassenkameraden, vor einer großen Hürde. Wird sie es schaffen, den Ring aus dem Wasser zu tauchen? Nicht jeder kann das leisten, was die Schule fordert. Doch in jedem steckt etwas Besonderes. Ein Geheimnis. Sachlich und unaufgeregt stellt der Text existentielle Fragen und regt eigenes Denken an. Und am Ende trägt ein neuer Blick gekonnt hinaus, ins eigene Leben. Katrin Rüger

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Vom Buch angeregt findet zwischen den Bücherfressern und den Auszubildenden des Bildungswerkes der Stiftung ICP München ein Austausch über die „Lesarten“ der Figuren statt. Gemeinsam werden die Sichtweisen zu Lieblingsfiguren in eigenen Geschichten festgehalten. Die Gruppe überlegt, welche Figur sie zum Klassensprecher wählen würde. Darüber hinaus beginnen Gespräche der jungen Menschen untereinander. Wie sieht die eigene Gemeinschaft aus? Wie nimmt man sich selbst und andere wahr? Wie wünscht man sich den Umgang miteinander.

4. Die Ausstellung

Wir würden uns freuen, wenn unsere Arbeit und unsere Ideen Nachahmer mit anderen Gruppen in Schulen finden würde. Die Drucke von Britta Teckentrup, 6 Bilder im Format A2 und 10 Portraits im Format A3 können nach Beendigung der Ausstellung im Buchpalast als Wanderausstellung ausgeliehen werden. Wer mehr über unsere Arbeit mit dem Buch erfahren möchte, wende sich bitte an den Buchpalast und Katrin Rüger.

Weitere Buchempfehung, die sich mit Beeinträchtigung beschäftigen oder in deren Geschichten people with special needs im Fokus stehen, findet ihr hier.