Lesen ist Begegnung

Für ein Leseprojekt der Bücherfresser mit den Auszubildenden der Stiftung ICP München haben wir die Jugendliteratur nach Büchern durchforstet, die von Beeinträchtigungen im Leben erzählen. Aber dort wo die Einen dem Besonderen nachspüren suchen die Anderen vorallem eins: Normalität. Liebes- und Freundschaftsgeschichten. Und so machten wir uns nach dem ersten Kennenlernen auf die Suche nach einem Buch, welches von vielen Facetten gesellschaftlichen Miteinanders erzählt.

Darüber hinaus sollte das Buch idealerweise in der gemeinsamen Gruppe einer großen Alterspanne genügen (11-22 Jahre) und sowohl über den Text als auch über das Bild lesbar sein.


Mitwirkende:

Anna (16), Anna (13), Benji (12), Carlos (12), Clara (16), Conny, Cosima (13), David (15), Elias (18), Elias (15), Emma (11), Felicia (13), Hannah (16), Hannah (16), Jakob (15), Jasper (14), Jonas (13), Julian (19), Katrin, Lea (11), Maja (14), Marie (22), Marius (18), Nicolas (15), Pascal (20), Paul (14), Paul (12), Theo (13), Theresa (13).


Britta Teckentrup

Die Schule

Jacoby & Stuart Verlag 2018 € 19.-


Die Besonderheit des Anderssein steckt in jedem Menschen. Mehr...
Wer durch durch das Buch „Die Schule“ von Britta Teckentrup blättert, bleibt an den ausdrucksstarken Portraits einer bunten Schulgemeinschaft hängen, welche Schüler, Lehrer und Eltern bilden. Wenn wir die Bilder zu lesen beginnen, entdecken wir Gruppen und Einzelgänger, Tonangeber und stille Figuren. Es spiegeln sich Offenheit und Stolz, Angst und Träumerei, Selbstsicherheit und Ratlosigkeit, aber auch Vertrauen, Mut und Hilfsbereitschaft in ihren Gesichtern. Wer kennt all diese typischen, schulischen Situationen nicht? Die Charaktere im Buch kommen Lesern sofort vertraut vor. Die Bilder beginnen, in unseren Köpfen ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Der Text trägt das Wechselspiel zusammen, das schwierige wie beflügelnde Miteinander, welches sich in einer Schulgemeinschaft regelmäßig ereignet. Linda singt sich in den Vordergrund. Paula und Selin halten als beste Freundinnen fest zusammen.

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Lisa hat einen unbemerkten, verständnisvollen Blick auf Max geworfen. Die Bande um Tom hat ihn mal wieder in den Schrank gesteckt. So sehr hatte sich Max Hoffnungen auf einen rettenden Neuanfang gemacht. Wo andere wegschauen, wird Timo aktiv. Mit dem Rückhalt seiner großen Schwester wird er diesem Mobbing entgegenwirken. Mit ihrem Houdie sieht Leonie auf den ersten Blick Djamila zum Verwechseln ähnlich. Es ist noch nicht so lange her, dass die wissbegierige Djamila in die Klasse gekommen ist. Wenn sie groß ist, möchte sie einmal dazu beitragen, die Welt zu verbessern. Alle finden Marlene toll, doch Tobi nähert sich vorsichtig Julia an. Konstantin spürt der Welt in mathematischen Formeln nach und Johannes hält sie in seinen Zeichnungen fest. Werden schlechte Noten in Kunst seine Leidenschaft ausbremsen?
Marie steht, umringt von ihren Klassenkameraden, vor einer großen Hürde. Wird sie es schaffen, den Ring aus dem Wasser zu tauchen? Nicht jeder kann das leisten, was die Schule fordert. Doch in jedem steckt etwas Besonderes. Ein Geheimnis. Sachlich und unaufgeregt stellt der Text existentielle Fragen und regt eigenes Denken an. Und am Ende trägt ein neuer Blick gekonnt hinaus, ins eigene Leben. Katrin Rüger

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Vom Buch angeregt findet zwischen den Bücherfressern und den Auszubildenden des Bildungswerkes der Stiftung ICP München ein Austausch über die „Lesarten“ der Figuren statt. Gemeinsam werden die Sichtweisen zu Lieblingsfiguren in eigenen Geschichten festgehalten. Die Gruppe überlegt, welche Figur sie zum Klassensprecher wählen würde. Darüber hinaus beginnen Gespräche der jungen Menschen untereinander. Wie sieht die eigene Gemeinschaft aus? Wie nimmt man sich selbst und andere wahr? Wie wünscht man sich den Umgang miteinander.

Die Ausstellung

Zunächst für die Stiftung ICP München, danach für den Buchpalast und vielleicht für weitere Schulen, entsteht mit den Drucken des Buches und den eigenen Kunstwerken eine Ausstellung. Auf einer Wandzeitung kann man die selbsterdachten Hintergrundgeschichten zu den Figuren lesen. Neben den Bildern und Texten zeigt die Ausstellung einen Film, der zu dem Projekt entstanden ist und ein Objekt „à la Beuys“, eine Minibar der Freundschaft und des Gesprächs, als Gegenentwurf zur klassischen Gerüchteküche. Und weil das gesamte Projekt ja die Lust aufs Lesen vermitteln sollte, wurden nicht nur die Klassensprecher aus den Figuren des Buches ermittelt, am Ende der Ausstellung gibt die ganze Gruppe den Figuren Buchtipps zum Weiterlesen.


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Der Film

Idee & Regie: Die Bücherfresser, Katrin Rüger, Michael Weiser

Kamera, Schnitt und Ton: Michael Weiser

Um auch den Text des Buches erfahrbar zu machen, entsteht die Idee einen Film zu drehen, in dem Lesepassagen des Buches zu Gehör kommen. Hobbyfilmer Michael Weiser beginnt, einige unserer Treffen zu begleiten. Mehr und mehr trägt das Buch ins eigene Leben hinaus und die Gruppe kommt auf Ideen weitere Szenen spielerischer umzusetzen.

Der Film zeigt, wie aus der Begegnung mit einem Buch und ihren Figuren über fast ein Jahr hinweg die Begegnung seiner Leser und ein Austausch untereinander entstanden ist. Der Film erzählt von spontanen Gesprächen, die unverhofft in der „Besenkammer“ der Buchhandlung stattfanden, von einer Party im ICP, auf der die Bücherfresser ebenso unverhofft das Rollifahren erlernten und von gemeinsamen Gedanken über die Zukunft unserer Welt.


Weitere Bücher, die uns beeindruckt haben. Und noch mehr zum Thema Beeinträchtigung in der Jugendliteratur findet ihr hier....

Horst Klein, Monika Osberghaus

Alle behindert!

Klett Kinderbuch 2019 € 14,00


 "Du MUSST das Buch weiterempfehlen, weil ich es sehr interessant finde, auch wie beschrieben wird, wie man mit den Menschen umgeht und welche Sachen man lassen soll. Es ist einem immer klar und auch gut, dass es nicht so ernst geschrieben ist." Lea, 12 Jahre  Mehr....