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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2013

Susan Kreller: Elefanten sieht man nicht, Carlsen Tb 2015 € 6,99

Mascha lebt im Haus ihrer Großeltern in einer beschaulichen, fein biederen Wohnsiedlung. Auf dem Spielplatz merkt sie sofort, dass etwas mit Julia und Max nicht stimmen kann. Die großen blauen Flecken an unmöglichsten Stellen und ihr merkwürdiges Verhalten wecken Maschas Forschergeist. Sie schaut genauer. Sie fragt Nachbarn. Sie denkt. Sie lässt sich so leicht nicht abspeisen. Als sie durch ein Fenster zufällig einen der gewalttätigen Ausbrüche des Vaters miterlebt werden ihre Versuche, Erwachsene dafür zu gewinnen hinzuschauen oder gar diesem Treiben Einhalt zu gebieten noch vehementer. Doch die Erwachsenen scheinen sich einig. Sie halten die Sache vage, verharmlosen, schauen weg und halten untereinander zusammen wie Pech und Schwefel. Was also tun, wenn man dreizehn ist und sich alle gegen die Sache verschwören? Wie helfen wo Hilfe doch dringend gebraucht wird?
Die Autorin vermag es in einer kunstvoll knappen Sprache das Selbstbewusstsein Maschas, ihre Vehemenz, ihr unmittelbares Denken und Handeln, ihre Fassungslosigkeit und ihre sich steigernde Wut hinein in ihre Verzweiflung, das kindlich Fordernde, packend, ja atemlos in Szene zu setzen. Ganz ist man gefangen in dem Wunsch diese vertrackt eingefrorene Szenerie mit aufzutauen und hin und her gerissen zwischen „ja los doch, tu was“ und „nein, überlege erst die Folgen“ eine Lösung zu finden. Halb durch Zufall und ohne jegliches Konzept sperrt Mascha die Kinder gegen ihren Willen in einem Schuppen ein. Einfach nur weg von diesem nicht zu bremsenden Mann. Nach wenigen Tagen bei brütender Hitze ohne fließend Wasser und Toilette in einem verrückten Mix aus von geklautem Geld zusammen gekauften Klamotten, Spielzeug und Essen bietet der Schuppen den Anblick einer stinkenden Müllhalde. Der sich aufbäumenden Verzweiflung der Kinder, ihrer sich Bahn brechenden Angst und ihren Heulattacken steht Mascha, die versprochen hat ein Geheimnis zu hüten, hilflos gegenüber. Die Suche der Polizei nach den Kindern ist in vollem Gange und für Mascha gibt es keine Chance. Die Tragweite des Unrechts, welches sie für den Schutz der Kinder begeht, wird für sie erst am Ende ersichtlich. Hier bietet das Buch für seine Leser sicherlich Diskussionspotential. Auch wenn die Szenerie von häuslicher Gewalt, das Wegschauen anderer Erwachsener und der kindliche Versuch gegen dieses Unrecht einzuschreiten ein bekanntes Bild bieten wird man in diesem Buch von der Kraft, der Selbstverständlichkeit im logischen und anpackenden Handeln des Mädchens stark berührt. Die Protagonistin sprüht in schönstem kindlichen Sein vor Lebensenergie, von der sich mancher Erwachsene, nicht zu letzt die im Buch dargestellten, wohl etwas abschneiden könnten.