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Philip Kerr: Friedrich der Große Detektiv, Rowohlt Verlag 2017 € 14,99

Berlin 1933: Friedrichs Nachbar Erich Kästner hat dem 12-jährigen ein signiertes Exemplar von Emil und die Detektive geschenkt. Nun brennt er mit kindlicher Leidenschaft für die Detektivarbeit und hat das Buch schon viele Male gelesen.  Gerecht sollte es auf der Welt zugehen. Aufmerksam beobachtet er die Menschen um sich herum. Die neuen Hilfspolizisten der NSDAP erobern einschüchternd und gewaltbereit die Gehsteige. Viele Bürger, auch sein Bruder Rolf, rufen begeistert "Sieg Heil" auf den pomösen Siegesmärschen der Nationalsozialisten mit Fakeln und Millitärmusik. Welcher Sieg, fragt sich Friedrich im Stillen. Er nimmt wahr, wie sein Freund Leo Hertz in der Schule von Lehrern drangsaliert wird, bis er mit seiner Familie das Land verlässt. Immer mehr Menschen verlassen Deutschland. Die Erwachsenen werden schweigsamer.  So oft er kann, sucht er bei seinem Freund Kästner Rat. Auch bei Gesprächen mit Erwachsenen ist neuerdings Detektivarbeit gefragt. Kerr arbeitet behutsam und routiniert. Entlang realer Figuren,  Schauplätzen und Ereignissen entwickelet er spielerisch eine spannenden Geschichte, die in vielen kleinen Details, auch für völlig unbedarfte, junge Leser, von der Machtübernahme 1933, dem Umbau des Landes zur Diktaur, der Ausbreitung von Terror und Gewalt und der Stimmung der Menschen in Deutschland erzählt. Ein guter Grund, sich den kindlichen Blick zu bewahren, doch Friedrich wird in dieser, politsch aufgeladenen Zeit, viel zu schnell erwachsen. Aber er bleibt unbeirrt: ein freier, unabhängiger Denker. Solche Detektive braucht das Land!