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Lena Hach: Grüne Gurken, Mixtvision 2019 € 17.-

Das ganze Buch hat style. Genuss und Design steckt auf jeder Seite. Lotte, klug wie pubertär, Newcomerin in der Stadt, stolpert am Abend im Schlafanzug und ohne Haustürschlüssel in einen Späti um die Ecke. Berlin, Kreuzberg. Hier trifft sie auf den Lebenskünstler und Ladenbesitzer Yunus und die Studentin Miri. Genau wie Lotte schließt man diesen Späti sofort ins Herz. Hier spiegelt sich das pralle Leben. Hier gibt es alles. Fünf Bahnhofsuhren an der Wand zeigen über die Weltzeiten hinaus:  Berlin, Moskau, New York, Tokio, Mond. Selbstverständlich!

Die Tampons liegen beim Vollkornbrot. Warum nicht? Unverfroren und neugierig fädelt sie ihren ersten Job als Aushilfe in diesem Laden ein. Bald lernt sie Vincent von Grüne Gurken kennen. Die süßsauren Schleckergurken aus den Weingummigläsern neben der Theke, Vincent, eigentlich Luke, kauft sie jeden Montag, schlängeln sich visuell und grün über alle Kapiteln. Lotte sieht rot und schmuggelt ein Marshmallowherz in Lukes Gurkentüte. Ihr altersbedingter, emotionaler Zickzacklauf wird von glasklaren Infografiken auf den Punkt gebracht. Lottes Sprachkraft und Schlagfertigkeit bilden den Gegenpol  zur Nüchternheit der Tortendiagramme und bringen die von Anbeginn aufgekommene gute Laune weiter in Schwung. Auch wenn Lotte es selbst gar nicht recht merkt. Sie birst vor Tatendrang und hat keine Berührungsänste. Sie nimmt sich, was sie kriegen kann und fühlt sich unter den Berlinern bald pudelwohl. Schöner, knapper und zuversichtlicher kann man das typische jugendliche Lebensgefühl nicht auf den Punkt bringen. Einzig das hübsche Lesebändchen ist völlig unnötig. Man muss das Buch in einem Rutsch durchlesen. Endlich ein neuer Liebling in unserem Regal "Liebessehnsucht und andere Süchte".