green-schicksal

Deutscher Jugendliteraturpreis Jugendjury 2014

John Green, Das Schicksal ist ein mieser Verräter, dtv Tb € 9,95

Sarkastische Ehrlichkeit und verspielte Leichtigkeit, berührend und atemraubend fesselnd. Diese Buch kann man bis zur letzten Zeile nicht mehr aus der Hand legen.

Mir wurde das Buch in die Hand gedrückt mit den Worten

"Lies! Das Buch ist end gut."

Ich dachte mir: Okay, schon wieder ein Krebs-Buch. Wieder ein krebskrankes Kind, das vor seinem Tod nochmal sein Leben verändert oder so. Aber schon auf der ersten Seite merkt man, dass Hazel mit dem Krebs irgendwie anders umgeht, als das "Durchschnitts-Krebskind".

Sie bezeichnet alles - den Krebs, die Symptome, sogar das ganze Leben an sich - als Nebenwirkung des Sterbens. John Green beschreibt mit trockenem Humor, wie deprimierend die Selbsthilfegruppe der Krebskinder ist. Bis Augustus auftaucht und gegen das ganze Krebsleiden mit Ironie und Witz angeht. So krempelt er langsam aber sicher Hazels Leben um und man kann gar nicht mehr aufhören, zu lesen, was die beiden erleben. Ich habe schon lange kein Buch mehr so verschlungen. Es erzählt nicht nur eine wunderschöne Lebens-/Liebes- und Leidensgeschichte, sondern es zeigt auf eine wunderbare und traurige Weise, dass das Schicksal selten das bringt, was man von ihm erwartet. Das Schicksal ist und bleibt ein mieser Verräter... Toni, 19 Jahre

Wie lange schon warten wir auf ein Buch von John Green, welches „Eine wie Alaska“ übertrifft? Sein neustes Werk ist gleich von drei schwer krebskranken Jugendlichen bevölkert, was wohl selbst verwegene Leser auf den ersten Blick erbleichen lässt. In dieser Potenzierung seines Themas zeigt Green mit feist jungenhaftem Augenzwinkern, dass dieses Buch wohl kaum als Schicksalsgeschichte zu lesen gedacht sei. In erster Linie reißt Green die Leser in ein vielschichtiges Spiel mit literarischer Fiktion. Darin einbeschrieben schöpft er nach Antworten zu existentiellen Fragen: Wie erträgt man unerträgliche Dinge, die aber getragen werden müssen? Wie weit reicht Zukunft und wie steht es um die Bedeutung und Nachhaltigkeit der eigenen Person im Todesfall.Hazel und Gus begegnen sich in einer Selbsthilfegruppe zum ersten Mal. Als Gus Hazels Lieblingsbuch, den schwülstig pathetischen Roman „Ein herrschaftliches Leben“, liest, ist er ebenso wie sie begeistert und voller Fragen. Der Schriftsteller Peter van Houten lässt das krebskranke Mädchen Anna von ihrem Leben berichten, bis die Geschichte mit ihrem Tod mitten im Satz abbricht. Hazel und Gus finden Parallelen zu sich, aber nicht die erzählte Geschichte, sondern das abrupt offene Ende beschäftigt die beiden. Mit einem „Herzenswunsch“, der schwerkranken Kindern zusteht, reisen sie nach Europa, den Autor zu befragen. Doch dieser entpuppt sich als trinkender Zyniker, keinesfalls bereit ein Mitleidspiel zu spielen. Seine Antwort liest sich augenscheinlich wie eine Parabel auf Hazels und Gus Leben und auf ihre Zukunft.
„Der Roman ist aus ein paar Strichen auf einem Blatt Papier entstanden, liebes Kind. Die Figuren, die ihn bevölkern, haben kein Leben außerhalb dieser Striche. Was aus ihnen wird? In dem Moment, da der Roman endet, hören sie alle auf zu existieren.“Zitat: Green, Schicksal
Aber Hazel und Gus geben nicht so schnell auf und dem Spiel mit der literarischen Fiktion gezollt, kommt alles anders als man denkt. Dieser Autor, nicht das Schicksal, ist ein ganz mieser Verräter, jawoll! Diese Tripel-Krebs-Geschichte mit ihrer entwaffnend ehrlichen Direktheit, mit ihrer nüchternen Klarheit des Denkens, welche die kunstvolle Verwobenheit der Ebenen mühelos umspielt, trifft mit Schmackes und sprachlich pointiert immer mitten ins Herz. „Krebs ist eine Nebenwirkung des Sterbens“ sagt Hazel am Anfang. In diesem Buch spielt der Tod eine überaus fruchtbare, Gedanken steigernde literarische Nebenrolle und am Ende will man auf jeden Fall mehr. Katrin Rüger