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William Golding: Herr der Fliegen, Fischer Tb € 7,95

In Herr der Fliegen zeigt William Golding wie schnell sich eine Gesellschaft entwickeln kann. Anfangs sind die Jungen noch organisiert und gesittet, doch dann legen sie immer mehr die gesellschaftlichen Werte ab in denen sie aufgewachsen sind. Sie lassen sich mitreißen von Lust und Freude und vergessen auch langsam ihre Menschlichkeit. Mit brutalen und wilden Mitteln herrscht bald immer mehr das Gesetz des Stärkeren. Golding bedient sich extra Kinder, da diese die Unschuld verkörpern und spiegelt sein Bild der Gesellschaft. Auch den Gruppenzwang und das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe vermittelt der Autor gut. Piggy, ein vernünftiger und kluger Junge, wird aufgrund seines Aussehens von allen gemobbt und es wird beschrieben wie gut es sich für die Jungen anfühlt gemeinsam auf den Schwächeren los zu gehen. All diese gesellschaftskritischen und brutalen Aspekte des Buches haben dafür gesorgt, dass es mir gut gefallen hat. Vor allem auch, dass der Autor sich nicht zurückhält, keine Grenze zieht und sich traut immer weiter ins Radikale zu gehen. Jedoch muss ich auch bemängeln, dass Golding oft zu stark versucht, seine Moral zu vermitteln. Zum Beispiel heißt es einmal, dass Ralph “das Ende der Unschuld und die Finsternis in des Menschen Herzen beweint”. Ich habe dadurch das Gefühl, dass Golding mich als Leser unterschätzt, wie als würde ich ohne solche Formulierungen nicht verstehen, was er mit dem Werk oder der jeweiligen Szene sagen möchte. Dann muss ich noch kurz den allgemeinen Schreibstil ansprechen, vor dem ich bei Beginn am meisten Angst hatte. Immerhin ist das Buch 60 Jahre alt und ja, man merkt das auch beim Lesen. An sich ist der Schreibstil aber okay, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Die Beschreibungen gehen eigentlich, die Dialoge sind halt veraltet, aber trotzdem ist es absolut kein Problem sie zu verstehen. Ich finde man kann das Buch ohne Schwierigkeiten lesen, aber aufgrund des Alters ist es nicht so flüssig zu lesen, eher portionsweise. Den Spannungsbogen muss ich aber noch bemängeln, das erste Kapitel ist totlangweilig. Der Anfang ist ziemlich ruhig und ich hatte nicht sooo viel Lust weiter zu lesen. Aber das letzte Drittel war wieder so verdammt spannend! Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Vor allem will man über das ganze Buch immer wissen wie es am Ende ausgeht. Mit der letzten Seite, also dem wirklichen Ende des Buches bin ich nicht ganz zufrieden. Irgendwie habe ich das anders erwartet. Fazit: Ich empfehle Herr der Fliegen trotz sprachlicher Schwächen, weil es inhaltlich unglaublich gut überzeugt. Es zeigt uns wozu der Mensch fähig ist und wie weit er geht, bis er sich schließlich verliert. Über das Buch kann man spannende Diskussionen führen – es beschäftigt einen definitiv noch lange nach dem Lesen.