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Frank Goldammer, Roter Rabe, dtv TB €15,90

Dresden 1951. Mit jedem Buch über den Oberkommissar Max Heller wächst einem der eigensinnige - man kann auch sagen - bisweilen sture Ermittler, ans Herz. Zugleich bekommen auch die anderen Figuren, die der Autor immer wieder auf eine bescheidene Weise in Szene setzt, mehr und mehr Kontur. Muss sich dieses Mal Hellers Kollege Oldenbusch um das Verhör sorgen, das ihn seine in den Westen abegetzte Verlobte eingebrockt hat, so kämpft Heller mit dem Misstrauen auf den Unterkommissar Salbach, der so hoch motiviert erscheint, über dessen Absichten er sich seit Oldenbuschs Andeutungen nicht mehr im Klaren ist.
Und genauso misstraut Heller der jungen Verwandten seiner mittlerweile leicht dementen Vermieterin Frau Marquardt, die plötzlich aufgetaucht ist und sich bei ihnen eingenistet hat. Ausgerechnet jetzt ist seine Frau Karin unterwegs zu ihrem Sohn Erwin in den Westen, nachdem sie so lange auf eine Reisegenehmigung gewartet hat. Und auch darum hadert Heller mit sich, denn er sehnt sich nach Nachrichten, nach ihrem Rat, nach den tröstenden Worten für das Pflegekind Anni. Die Stimmung in Dreden wird schwieriger, niemand weiß, wem er trauen kann. Menschen setzen sich unverhofft in den Westen Deutschands ab. Andere denunzieren die Nachbarn. Gleich mehere Leichen pflastern den Weg des Kommissars, doch ihm wird von zwei Seiten eingeflüstert, er möge keine konkreten Ergebnisse erzielen. Das Leben in Dreden geht weiter, doch auch der Leser merkt, mit wie vielseitigen Problemen die Menschen im Osten zu käpfen haben. Ein historischer Krimi, der seinesgleichen sucht. Spannend in den Entwicklungen, bescheiden im Erzählon, aber doch prall voll mit einem Stück deutscher Geschichte.
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