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Clare Furniss: Morgen ist heute schon vorbei, Rowohlt Rotfuchs 2019 € 14,99

Sicherheitshalber macht Hattie drei Schwangerschaftstest. Das Ergebnis aus der Hingabe einer Nacht ist eindeutig, der Vater dieses zukünftigen Kindes weit weg, die Selbstverständlichkeit das Kind abzutreiben steht fest in ihrem Kopf. Ihr Mut, zur Tat zu schreiten, ist noch nicht gefasst. Er wird verdrängt, von einer vergessenen Verwandten, einer Schwester iher Großmutter. Keiner der beiden giert nach Kontakt und doch hofft Hattie von dieser alten Frau etwas über ihren eigenen Vater in Erfahrung bringen zu können. Wenn dann jetzt, denn Gloria wird dement und beginnt zu vergessen. Gloria erzählt Hattie Unerwartetes. Die beiden verbindet die ungewollte Schwangerschaft.  Unverheiratet schwanger war damals vollkommen undenkbar, noch dazu, wenn das Kind eine andere Hautfarbe haben sollte. Stück für Stück eröffnet Gloria eine Geschichte, die Dramatik gewinnt und mehr und mehr den Atem nimmt. Erst gegen Ende entdeckt man die Liebe, das Leid und die Erstarrung in Sprachlosigkeit,  den Mut, der Entscheidungen stützt und  sich an ganz unerwarteten Stellen auftun wird. Funiss komponiert ein Frauenschicksal aus den 50ern und eins in heutigen Zeiten zu einem packenden, vielschichtigen Roman. Viel hat sich seit dem geändert und einiges gar nicht, denn die Entscheidung einer jungen Frau, ihr Kind zu behalten hat mehr mit dem Herzen zu tun, als mit dem Verstand. Wie weitreichend diese Entscheidung ist und über Generationen hinweg Wege eröffnet, können LeserInnen hier gewahr werden. Beeindruckend!