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William A. Ewing, Holly Roussell: Civilization. Wie wir heute leben. Knesebeck Verlag 2018 € 55.-

Ein Blick von oben: auf vier Quadratmetern leben vier Menschen. Kochend, lesend, lernend, schlafend. Ein Blick von unten: Bewusstlos liegt die Patientin auf dem OP Tisch. Die Verkabelungen zu Hightech Apparaturen erhalten sie am Leben. Ein Blick auf Augenhöhe: Unterhalb polizeilicher Schutzschilde stehen zwei Kinder. Weinend. Die Polizisten versuchen einen Strom von Flüchtlingen, die über eine Grenze drängen wollen, aufzuhalten. Wieder Vogelperspektive: Stille. Transportwege in der Landschaft bilden bizarre Formen des Fortschritts. Das Wort Zivilisation ist nicht leicht zu fassen.
Es entstand nach dem der Kultur, hat auch mit Denken und Handeln der Menschen zu tun, umfasst aber viel mehr als das. 140 Fotokünstler versammelt dieser prächtige Band. Sie präsentieren Zivilisation in singularer Form, als die weltumspannende Kreativität gesellschaftlichen Seins, in dem wir uns zwischen allein und gemeinsam notgedrungen oder kunstvoll, selbstbewusst und hoffnungsvoll eingerichtet haben. Die Bilder erzählen vom urbanen Hausen und vom ideenreichen Gewebe des Transportes, des Handelns, des Manipulierens unserer Spezies, welches die Grundlage unseres Lebens und Überlebens bildet. Das fotografische Auge fängt das gegenwärtig Reale ein. Die Ausschnitthaftigkeit menschengemachter Räume und ihre Ästhetik kratzt bei ihrem Anblick jedoch immer wieder an die Grenze des Virtuellen. Unterbewusst bauen die Gedanken diese Bilder ins Futuristische aus. In Themenblöcke komponiert, wird die Auseinandersetzung mit unserem zivilisatorischen Wirken soziologisch und historisch kommentiert und erläutert. Ein über alle Maßen faszinierender Bildband, an dem man sich festliest wie festsieht, der die rasende Bewegung unseres fortschrittlichen Schaffens in der Welt für einen Augenblick zum Stillstand bringt und unser Denken in Schwingung versetzt.