Zwischen Gestern und Morgen

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Ulrich Tukur: Der Ursprung der Welt, Verlag S. Fischer € 22,00

Die goldene Schrift und der dunkelrote grprägte Schutzumschlag, der eine runde Öffnung für eine Photographie freilässt, machen neugierig und versprechen nicht zuviel: Ulrich Tukurs Sprache ist schön und klar, beinhaltet manche heutzutage selten genutzte Wörter und zieht den Leser durch den Gebrauch des Präteritums in den Bann vergangener Zeiten. So erstaunt es zu erfahren, dass der Roman in der nahen Zukunt der 2030er Jahre angelegt ist, in der die digitale Überwachung das Leben der Menschen überschattet. Paul Goullet befindet sich in Paris und entdeckt dort ein altes Photoalbum, das Bilder eines Mannes von vor 100 Jahren zeigt, der ihm aufs Haar gleicht. Paul reist den Spuren nach und fühlt sich immer wieder hineinkatapultiert in die Zeit der 1930er Jahre während der deutschen Besatzung in Südfrankreich und der Resistance. Er hat verwirrende und klärende Begegnungen, er wird Dinge erfahren, von denen auch der Leser wünschte, sie wären nur der Phantasie entsprungen. Das Nachwort lässt uns wissen, dass gerade hier wahre Begebenheiten zugrunde liegen. Und während Paul Goullet seiner eigenen Geschichte folgt und Klarheit findet lesen wir einen fesselnden Roman zwischen gestern und heute.

Die Welt in mir

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Doris Dörrie: Leben, Schreiben, Atmen. Eine Einladung zum Schreiben, Diogenes Verlag € 18,00

Ein Stift, ein Blatt Papier, 10 Minuten und die "Zauberformel": Ich erinnere mich an...Schreiben ohne Ehrgeiz, ohne Ziel, um sich an sich selbst zu erinnern. In seiner eigenen Vergangenheit spazieren zu gehen, sich erinnern an Spiele, Gerüche, Verlorenes, Dunkelheit, Freunde, Kleidung, Schokolade, Alleinsein - oder durch die jetztige Wohnung/Stadt flanieren, schauen, wahrnehmen, mit den Augen an Dingen hängenbleiben, hinsetzten schreiben, sich in der Welt zu Hause fühlen. Eigentlich lädt jeder Gegenstand dazu ein, über ihn und damit verbundene Gefühle zu schreiben. Doris Dörrie macht Lust und Mut, es einfach zu tun und gibt vielerlei Anregungen aus ihrem eigenen Leben. "Erinnerungen aufschreiben ist wie Perlen auf eine Kette aufziehen, eine Kette von Momenten."

Palastgeflüster und Wellenschlag

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Judith Mackrell: Der unvollendete Palazzo, Insel, € 25,00

Ein Buch, drei Biografien: Judith Mackrell verwebt die Lebensgeschichten der drei Frauen, die in der Zeit von 1912 - 1979 die Herrinnen des Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande in Venedig waren: Luisa Casati (1881-1957), Doris Castlerosse (1900-1942), Peggy Guggenheim (1998-1979). Diese drei Frauen hatten einige Gemeinsamkeiten: sie haben ihr Leben sehr bewusst gestaltet, waren sehr auf die Wirkung ihrer Erscheinung fokussiert, es war ihnen wichtig, eine Rolle in der Gesellschaft zu spielen, sie haben vielfältig geliebt und gelitten. Sie waren umgeben von Künstlern, Literaten, Politikern und Aristokraten ihrer Zeit, so dass wir Leser viele weitere biografische Details anderer Persönlichkeiten finden über Venedig hinaus in Italien, Frankreich, England und den USA. Ein Buch für Kulturinteressierte und Venedigliebhaber, das mitnimmt in eine pulsierende vergangene Zeit.

Das pralle Leben!

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Ulrike Herrmann: Deutschland, ein Wirtschaftsmärche. Westend Verlag 2019 € 24.-

Packend wie ein Krimi setzt Ulrike Herrmann, Wirtschaftskorrospondentin der taz, Wesen und Wirken des Kaptialismus im Nachkriegsdeutschland in Szene. Literarisch gekonnt und faktenreich heftet sie sich nach Der Sieg des Kapitals und Kaptialismus ist auch keine Lösung an die Fersen deutscher Wirtschafts- und Politikverantwortlicher, entzaubert Erhard, Brandt, Schmidt und Schröder sowie Entscheidungsträger von Zahlungunion und Bundesbank und wird erstaunlicherweise zum Adenauerfan. Sie schlägt Brücken nach Europa und zur ganzen Welt und verliert unsere aktuelle Situation nie aus den Augen. Für Wirtschaftsoutsider gelingt es ihr, die Dynamik des undurchdringlichen Wirtschaftsdschungels mit seinen komplexen Abhängigkeiten von Geld und Gold, Devisen und Derivaten, In- und Exporten, Zinsen, Inflation und Arbeitslosigkeit greifbar zu machen und in starke Bilder zu packen. So können wir nicht weiter wirtschaften. Wir stehen vor den Grenzen des Wachstums und leben auf Kosten unserer Zukunft. Wenn die Wirtschaft sich in den Sinkflug begibt, werden unberchenbare dynamische Prozesse einsetzen. Bevor wir uns aber Gedanken über die Zukunft machen, sollten wir unsere Vergangenheit verstehen. Trotz aller Nachteile zeigt Herrmann, wie faszinierend Kapitalismus sein kann, das einzige dynamische Sozialsystem, das die Menschheit geschaffen hat. Darüber hinaus überzeugt sie ihre Leser: Wirtschaft braucht die Politik zur gesellschaftlichen Gestaltung. Politk lohnt sich!
 

Inseldrift

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Nick Drnaso: Sabrina, Blumenbar 2019 € 26.-

Calvin, Leutnant der Air Force, beherbergt seinen Schulkammeraden Teddy, dessen Freundin Sabrina seit Wochen vermisst wird. Drnasos Szenen kennzeichnen Sprachlosigkeit und stummen Schmerz, Hilfsbereitschaft in Hilflosigkeit. Illusionslos und unsentimental. Das Leben in gebrochener, matter Farbigkeit leerer Räume. Calvin ist Vater einer vierjährigen Tochter. Frau und Tochter haben ihn verlassenn. Noch hofft er, nach Ablauf der Vertragsfrist die Arbeitsstelle wechseln und wieder in die Nähe seiner Tochter ziehen zu können. Gleichförmig arbeitet er sich durch die Tage, nachts spielt er mit den Arbeitskollegen Egoshooter Spiele. Die gesichtslosen Welten gleiten ineinander. Der gewaltsame Tod Sabrinas kommt per Post als Video in die Redaktionen, lässt die böse Vorahnung real werden, und verbreitet sich als Livestreamact samt vieler Verschwörungstheorien unaufhaltsam im Netz. Calvins mechanische Hingabe zu Teddy, die ignorante Züge trägt, hilft ihm, Shitstorm und Morddrohungen stand zu halten. Teddy s Leere füllt ein zwielichtigem Radiosender, dessen Moderator den Untergang der Welt beschwört und sein Heil verkündet. Ist dies die schöne, neue Welt oder ihr gesellschaftlicher Zerfall, der Wirklichkeit entrückt? Drasno inszeniert Menschen in einer verstörenden Welt, lässt sie an der Oberfläche zu treiben, einem nicht fassbaren, passiven Strom ausgesetzt, auf sich selbst zurückgeworfen, umherwandlend in unterkühlter Starre. Kontaktarm und isoliert ertragen sie eine Welt voller Härte auf der verzweifelten Suche nach Leben, nach Menschlichkeit. Die kleinen Lichtblicke, die Suche Teddys nach der Hauskatze oder Calvins Wohnungsübergabe an einem Kollegen am Ende, seinen Abschied und Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt, wirken wie ganz großes Kino. Die herausragendste Graphic Novel des Jahres, die man gelesen haben muss. Sprachlose Bilder eines befremdlichen und nur allzurealen Miteinanders.

Unser Sein vor der Kamera

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Bonnie McCurry: Steve McCurry. A life in Pictures, Knesebeck Verlag 2018 € 75.-

Da die Mutter, früh an MS erkrankt, nur schwer für die Kinder sorgen konnte, wuchs Steve als jüngstes der drei Kinder als kleiner Wildfang und Abenteurer auf. Schon als Zwanzigjähriger, in den 70er Jahren, begann er die Welt zu erkunden. In entlegendsten Gegenden lebte er in fremden Kulturen, die damals noch ohne westlichen Einfluss waren und fotografierte die Menschen in ihrem Leben. Seine Bilder, oft von dramatischer Schönheit und respektvoller Bewunderung, eröffnen die Zwiesprache mit ihrem Betrachter durch intensivem Augenkontakt. Zwischen Ödnis, Oase und Alltag, oder dem Wüten von Krieg und Naturgewalten, ziehen sie auf seinen Fotos eloquent wortlos in Bann. Das afghanische Flüchtlingsmädchen Sharbat Gula (S 240) ging um die Welt. 20 Jahre später suchte er nach ihr, fand sie wieder, und fotografierte sie erneut. In Portfolios komponiert seine Schwester Bonnie, die sein Leben mit persönlichem Blickwinkel berreichert, Fotos zu Mut und Schlaf, sowie bisher unveröffentlichte Aufnahmen und neuste Werke. Diese einzigartige visuelle Biografie eines Fotografen mit großem Herz nimmt uns in 350 Fotos mit, auf eine packende Reise zu Leid, Stolz, Mut, Verzweiflung und Zuversicht, zu den Grundfesten menschlichen Seins, überall auf der Welt. Katrin Rüger

„Schönheit ist der Glanz der Wahrheit.“ Mies van der Rohe

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Augustín Ferrer Casas: MIES. Mies van der Rohe - ein visionärer Architekt, Carlsen Verlag 2019 € 20.-

Die Graphic Novel präsentiert das Leben Mies van der Rohes aus einem Gespräch heraus, welches der alte Ludwig Mies mit seinem Enkel führt. Sie befinden sich auf dem Weg von Amerika nach Berlin, zur Grundsteinlegung der Neuen Nationalgalerie. Die Schaffensgeschichte Mies van der Rohes beginnt mit seinem anstoßerregenden Deutschlandpavillon zur Weltausstellung 1929. Nur eine Statue und eine freistehende Wand aus kostbarem Marmor fängt den Blick in seinem Inneren. Schön. Weniger ist mehr. Die Nazis ließen den Pavillon, er stellte "die Macht des modernen Deutschlands dar, das mit viel Mühen die Folgen eines ruinösen Krieges überwand", abreißen, ebenso wie sein Liebknecht-Luxemburg Denkmal. Und schon gerät der Betrachter zwischen die Fronten von Kunst und Politik. Zwischen Zeppelinen und Hakenkreuzen versuchte der Architekt und Leiter des Bauhauses in Dessau seine jungen Studenten an seine moderne, transparente Bauweise heranzuführen. Die Moderinät wird weniger und weniger gewollt. Im nationalsozialistischen Deutschland bleibt kein Mittelweg. Anpassung und Hingabe, Verrat der eigenen Ideen oder Fortgang. Mies van der Rohe emigrierte. Ein ganzes Leben, viele Frauengeschichten, Privatbungalows und Designklassiker später wird die Neue Nationalgalerie in Berlin das einzige Bauwerk sein, welches der große Architekt der Moderne in Deutschland nach dem Krieg errichtet hat. Der spanische Comickünstler Casas präsentiert in seinen Bildern ein pralles, an manchen Stellen fiktionalisiertes Leben, welches durch seine Widersprüche, die es zur ästhetischen Schönheit der Kunst erzeugt, in besonderer Intensität und Lebendigkeit aufflammt.

Am Rande des Abgrunds

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Raynor Winn, Der Salzpfad, DuMont Verlag 2019 €14,99

Wenn man alles, auf das die eigene Existenz aufgebaut worden ist, nach über 20 Jahren verliert, dann kann man schon zu einer Kurzschlusshandlung hin gerissen werden. Oder wer geht bitte mit 50 Jahren mit dem Rucksack los, um für ein Jahr auf dem South West Coast Path zu laufen? Die Autorin erzählt ihre eigene Geschichte. Die ihrer Ehe, dem Leben auf einer walisischen Farm, und dem Verlust, der sie und ihren Mann dazu gebracht hat, loszulassen und sich auf ein aufregendes Abenteuer einzulassen. Emotional, informativ, bisweilen in einem zynischen Ton über all die Widrigkeiten, die sich dem Ehepaar in den Weg stellen, ist der Leser Tag für Tag mit unterwegs. Er schmeck die salzige Luft, riecht den Wald, hört die Seevögel und begrüßt jeden Morgen den neuen Tag.

Inselhopping

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Kai Kupferschmidt, Blau - Wie die Schönheit in die Welt kommt, Hoffmann und Campe Vlg. 2019 €26,00

Der Leser wird in diesem Buch, das allein schon in Haptik und Aufmachung ansprechend ist, an die Hand genommen und dazu verführt, von einem Thema zum nächsten zu srpingen. Sich zu vergnügen mit der Geschichte des blauen Steins aus geologischer Sicht, in der Chemie und Biologie, bis hin zur Optik . Und immer wieder geht es um die eine Frage: Was fasziniert die Menschen seit jeher daran? Schon die Pharaonen waren der Farbe verfallen, Künstler suchen nach dem perfekten Blau und Franz Marc hat die Farbe dazu veranlasst, seine 'Blauen Pferde' zu malen. Blaues Licht ist nicht blau ... gehen Sie mit auf eine Entdeckungsreise in diesem wissenschaftlich unterhaltsamern und persönlich anregenden Buch über eine Farbe, die sogar töten kann.

Wohliger Wellengang

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Katharina Hacker: Darf ich dir das Sie anbieten? Minutenessays, Berenberg Verlag 2019 € 18.-

In weichem, wolkenblauen Leinen ruht das kleine Büchleins geschmeidig in der Hand. Schlägt man es auf, entfalten sich behutsam gewählte Worte. Sie greifen nach Freiraum, spielen mit Zeit, bewegen Gedanken, lassen Innehalten für einen Moment, und  Rückwärtsbetrachten. Sie erzählen vom Älterwerden, von Kindern und Tieren, dem mutigenden Strahlen wenn man dem Leben eine neue Richtung gibt, von Nähe und Distanz. Hackers Texte haben Gewicht. Sie schleichen sich mühelos an und funkeln wie kleine Sterne. Das  wunderschön edierte Büchlein schlüpft in jede Tasche und ist ein idealer Begleiter. Mit einem Stift in der Hand, darf man es getrost vervollkommenen, um es dann, vielleicht, als besonderes Geschenk weiterzureichen.

Kartographie der Reifung

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Charlotte Roth: Die ganze Welt ist eine große Geschichte und wir spielen darin mit, Eisele Verlag 2019 € 24.-

Die Fotos im Vorsatzpapier sind Vertaute aus Kindertagen: Versonnen hält Michael Ende mit seiner Nase auf den Schildkrötenrücken zu, sanft streichelt er seine Kassiopeia, die so quälend langsam Momo den Weg zeigen wird, derweil man beim Lesen mit vor Aufregung klopfendem Herzen die Zeilen überfliegen muss. Die grauen Herren hängen Momo so dicht an den Fersen. Das Bild zeigt den Autor in sich versunken, ganz die Ruhe selbst. Kaum zu glauben, dass Michael Ende, welchem Charlotte Roth mit großer Sorgfalt auf zahlreichen Schauplätzen nachspürt, zunächst fast am Leben verglüht. Die surrealen Traumwelten der Bilder seines Vaters Edgar Ende entführen den Jungen schon früh zu geheimnisvollen Innenwelten. Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegswirren konfrontieren den ihn mit Trennung, Armut, Gewalt und Tod. Er hält entgegen und reißt das Leben an sich, wird Schürzenjäger, Nichtsnutz und Schauspieler der Schwabinger Bohème. Langsam und über Umwege, von einer ewig sorgenden Mutter behütet und einem über Kunst beständig diskutierenden Vater gefordert, eröffnet sich ihm sein eigener Weg zur Literatur. Roth hält respektvoll, fast ehrfürchtig Distanz zu ihren Figuren, die sie für sich sprechen lässt. Sie schafft Raum, die Zeit zu spüren, die für den Schaffensprozess in der Kunst vergehen muss und nie nutzlos ist. Michael Endes Kinderbücher brauchen Jahre der Reifung. Dies ist neben vielen Details über Menschen und ihr Leben in Garmisch, München und Italien wohl das Faszinierenste an diesem Buch. Roth zeigt, wie das Credo des wohl wichtigsten deutschen Kinderbuchautors der Nachkriegszeit, dessen Bücher dem unerschöpflichen Reichtum fantastischen Kinderdenkens eine Sprache, Klang und Ton geben, aus dem Leben erwächst und fest mit ihm verankert ist.

Der Roman im Roman

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Christoph Poschenrieder: Der unsichtbare Roman, Diogenes Verlag 2019 € 24,00

Christoph Poschenrieder schreibt einen Roman über einen Roman, der offenbar nicht geschrieben werden will, denn er stürzt seinen Urheber in eine große Schaffenskrise. Es ist das Jahr 1918, als Gustav Meyrink in seiner Villa am Starnberger See vom Auswärtigen Amt in Berlin den Antrag bekommt, einen Roman zu schreiben, der die Freimaurer für den 1. Weltkrieg verantwortlich macht. Gustav Meyrink ist absolut unpolitsch und die Auftragsarbeit widerstrebt ihm, dem Dichter, der seiner Phantasie gern freien Lauf lässt. Aber das Geld braucht er und so sagt er zu. Er holt sich Anregungen in den Münchner Schriftstellerkreisen, vor allem bei Erich Mühsam, der die Revolution kommen sieht und unterstützt. Weiterhin erhofft Meyrink sich Inspiration beim Rudern auf dem Starnberger See und beim Yoga, das ihm schon manches Mal geholfen hat - aber die Ideen, Bilder, Wörter wollen nicht kommen. Eines Nachts aber beginnt die Schreibmaschine zu klappern...Christoph Poschenrieder spielt galant mit Wahrheit und Fiktion und manchmal vermischen sie sich auf wundersame Weise, so wie sich die persönliche Geschichte Meyrinks mit der Münchens im Revolutionsjahr 1918 verbinden.

Sehnsucht nach Selbstbestimmung

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Sanne Jellings: Ein dänischer Winter, Kindler Verlag 2019 € 18,00

Ein hübsches schmales Buch, ein unterhaltsamer emotional berührender zarter Roman auf dem Hintergrund wahrer Geschichte. Es ist das Jahr 1929 und Karen Blixen ist von ihrer Farm in Kenia ins elterliche Haus nahen Kopenhagen gekommen, um ihre Mutter zu besuchen und die Weihnachtstage in der Großfamilie zu verbringen. Dort begegnet sie Minna, die aus einer Arbeiterfamilie kommend, nach Verlust ihrer Anstellung in Kopenhagen als Hausmädchen einspringt. Karen Blixen spürt bei dem Mädchen den Wunsch nach Weiterbildung und einem eigenständigen freieren Leben, den sie unterstützen möchte. Ihre Ideen kosten Minna einige schlaflose Nächte, gibt es da doch noch einen jungen Mann, der ihr wichtig ist.

Seelische Gratwanderung

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Gianrico Carofiglio: Drei Uhr morgens, Folio Verlag 2019 € 20,00

Der 18-jährige Antonio ist zu einer neurologischen Konsultation mit seinem Vater in Marseille und soll sich spontan einem Provakationstest unterziehen: 2 Tage und 2 Nächte ohne Schlaf, um die Reaktion des Körpers auf diesem Stress auszuloten. Der Vater verließ Antonio und seine Mutter, als der Junge 9 Jahre alt war und seitdem haben Vater und Sohn ein eher distanziertes Verhältnis zueinander. Die ungeplante, ungewöhnliche Situation des gemeinsamen 48stündigen Wachseins in einer fremden Umgebung lässt die beiden sich neu wahrnehmen und erlaubt bisher nie gestellte Fragen und Antworten. SIe befinden sich auf einem Scheitelpunkt zwischen gestern und morgen. Antonio und sein Vater erleben etwas, das im Buch von einer weiteren Person so umschrieben wird: "unverhofft in eine neue Situation springen, den Blickwinkel ändern, die Dinge, die wir zu kennen glauben in einem anderen Licht sehen" - und das Buch macht Mut und Lust, dies im eigenen Miteinander umzusetzten, nicht nur zwischen Vater und Sohn.

In der Stadt der Lichter

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Whitney Scharer: Die Zeit des Lichts, Klett-Cotta 2019 € 22,00

Ein mitreissender Künstler- und Liebesroman im Paris der 1930er Jahre. Die schillernden zentralen Figuren sind Lee Miller und Man Ray: Ihr langsames Annähern über die Kunst der Fotografie zu einer leidenschaftlichen obsessiven Beziehung. Sie sind umgeben von der Größen der Pariser Bohème aus Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Film, Ballett. Die Euphorie und Verzweiflung im Künstlerdasein werden in all ihren Höhen und Tiefen ausgelotet, allem voran die Sehnsucht der außergewöhnlichen Lee Miller nach Anerkennung ihrer Kunst.  Wir Leser fühlen uns wunderbar hineinversetzt in diese Zeit, sitzen mit den Künstlern im Deux Magots, trinken Gin Fizz auf Partys und genießen beim Lesen den Strudel aus Bildern und Emotionen in der Stadt der Lichter.

Vom Regen in die Traufe

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Michael Engler, Jan Birk, Joelle Tourlonias: Regenland + Trockenland, Verlag 360 Grad 2019 € 18.-

Beide Seiten dieses Wendebuches erzählen eine ähnliche Geschichte: Im Regenland und im Trockenland brechen Kinder aus ihrer wetterbedingt nicht lebensfreundlichen Welt auf und machen sich auf die Suche nach einer bessere Zukunft. Rückschläge und Perspektivlosigkeit entmutigen diese starken, einsamen Kinder nicht. Zielstrebig und unerschrocken laufen sie der Buchmitte entgegen, wo sie sich treffen und Freundschaft schließen werden. Sollte diesem Buch ein erster Beitrag zum Verständnis für Klimaflüchtlinge im Kindergartenalter gelingen? Leider geht das Buch nicht der Frage nach, warum es in einem Land so trocken und in dem anderen so naß ist. Ebenso finden Rahmenbedingungen und Strapazen einer Flucht keine Erwähnung.  Das Buch setzt beide Lebenssituationen auf eine Stufe, obwohl die eine, die Dürre, schon heute extrem lebensbedrohlich auf der Welt ist und die andere zunächst nur schlechte Laune und andere Lebensbedingungen schafft. Die Bilder des Buches bedienen vollumfänglich alle Klischees und der Text gleicht einem Märchen. Alles ist auf Stimmung angelegt. Kennt man Jan Bircks Illustrationen zu Zarah & Zottel, Flätscher und anderen Büchern, wundert man sich wie sehr sich sein Strich an den von Joelle Tourlonias anpasst.  Warum wählte man eigentlich verschiedene Illustratoren? Ecken, Kanten und Widersprüche wirken unerwünscht. Als Lamar aus der Regenwelt mit seinem Boot plötzlich im Wüstensand strandet und ins saubere, weiße Nichts der Wüste, dem "Irgendwohin" läuft, bleibt man ratlos zurück. Läuft er hier, in diesem menschenleeren Buch, nicht vom Regen in die Traufe? Vielleicht möchte das Buch aber einfach nur von Aufbruch und Freundschaft erzählen, mit gebügeltem Strich und zarter Regenbogeninsel, die am Ende befriedigende Wohlfühlatmosphäre in einer romantischen Welt schafft. Und warum gibt es auf dieser langen Reise eigentlich nie etwas zu essen? Der Hunger der Kinder nach Wissenswertem über unsere Welt wird hier nirgends gestillt.

Aufregender Winterspaß

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Silvia Borando: Pass auf! Verlag Freies Geistesleben 2019 €14,00

Wir schauen in die Gesichter von zwei Kindern, die aus dem Fenster schauen. Rot und blau sind ihre Mützen und Jacken, gelb scheint das Licht im Hintergrund. Weiße Schneeflocken fallen vor der Fensterscheibe. Die beiden beobachten einen Vogel im Schnee. Da! Drei rosafarbene Hasen. Und Da! Eine Katze. Wird sie den Vogel fangen? Nein. Ein Bär kommt von der anderen Seite. Doch Hilfe! Was macht der Bär denn da? Die Gesichter der Kinder zeigen Erstaunen, Überraschung und Aufregung. Vollkommen gefesselt folgen sie den Ereignissen, so wie es kleine Betrachter auch tun werden. Schon stürzen sie hinaus in den Schnee zu den Tieren. Doch da sind alle weg. Überzeugend einfach und klar gestaltet Borando das einzelne Bild und die Bildfolge und doch birgt sie eine rasante Geschichte. Bilderbuchkunst für Kleine. Zum Benennen, Entdecken, Fühlen und Mitfiebern. Ein Winterbuch, das einheizt.

Zwischen Tradition und Moderne – weit weg und vertraut.

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Liu Xun: Zähnchen, Zähnchen auf das Dach! edition bracklo 2019 € 19,80

Als Niunius erster Milchzahn ausfällt rennt sie aus dem Haus auf der Suche nach ihrem Opa. Er soll ihr helfen, den Zahn auf das Dach ihres Hauses zu werfen, damit sie wächst und lange lebt. So weit die Tradition. Niunius Viertel besteht aus kleinen, alten Gassen, in denen am Morgen das Leben erwacht. Kinder drängen zum Spiel hinaus, Erwachsene machen sich an die Arbeit. Niuniu kennt sie alle: die hübsche Schneiderin, den Messerschleifer, den Friseur, den Fischhändler mit dem großen Bassin auf seinem Fahrrad und den Mann mit der kleinen Popkornmaschine. Ihren Opa findet sie beim Schachspiel. Mit seiner Hilfe landet Niunius Zahn neben den ihres Vaters und Großvaters auf Dach. Nun beherbergt ihr Haus ihre Familiengeschichte über drei Generationen. Doch ein Wandel, die Baukräne am Himmel zeichnen sich ab. Die Häuserwände der schmalen Gassen sind mit dem Zeichen für Abriss gekennzeichnet. Sie müssen modernen Hochhäusern weichen. Werden mit ihrem Abriss auch die Geschichten der Menschen, die Nähe zu ihnen, das Miteinander, die Gelassenheit verschwinden? Niuniu streift mit offenen, neugierigen Augen durch ihre Welt.
In China schreitet der Wandel zur Moderität schnell und selbstverständlich voran. Die in Nanjing beheimate Autorin und Illustratorin möchte vor allem zeigen und beschreiben, was in ihrer Stadt vor sich geht, wie Zeit verstreicht und Leben sich verändert oder vergeht. Mit ihrer Geschichte macht sie in Anbetracht dieser unaufhaltsamen Reise zur Moderne, den Moment des Innehaltens, des Schauens, Beobachtens und Wahrnehmens, wie es Kinder spielerisch tun, besonders kostbar. Ihre in Aquarell und Bleistift gezeichneten Straßenszenen sind voller Details und Lebendigkeit. Sie eröffnen uns eine ungewohnte Welt, die sich erstaunlich nah und vertraut anfühlt.

Poetische Verfassung

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Martina Bergmann: Mein Leben mit Martha, Eisele Verlag 2019 € 18,00

Martha ist in "poetischer Verfassung" - was für ein schöner Begriff für eine demenzerkrankte alte Dame! Und wie bereichernd und berührend liest sich der Roman mit ihr als Hauptfigur, geschrieben von Martina Bergmann, die aus Sympathie für diese Dame und ihren Weggefährten ihr Leben mit den beiden alten Menschen teilt. Nicht nur im Roman, auch in der Realität, von der sie humorvoll erzählt, alle Widrigkeiten umschiffend, die engstirnige Nachbarschaften und Bürokratie zu bieten haben. Ein mutmachendes Plädoyer für Toleranz, Menschlichkeit, Lebensfreude und generationsübergreifendes Miteinander!

Wie war das in der DDR?

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Kathrin Aehnlich: Wie Frau Krause die DDR erfand, Kunstmann 2019 € 18,00

Kathrin Aehnlich hat einen ganz eigenen literarischen Stil, der etwas Leichtes, Amüsantes und Liebevolles in sich trägt. Sie lässt ihre Protagonistin Isabella Krause an die Orte ihrer Kindheit in DDRzeiten zurückkehren und intensive frohe Erinnerungen in ihr aufleben. Isabella Krause sucht und findet für eine Fernsehproduktion Zeitzeugen, die von ihrem Leben in der DDR erzählen, das leider nicht dem Bild des westdeutschen Regisseurs entspricht. Wie lässt sich dieses Dilemma nur lösen? Ob der Leser es kennt oder nicht: es macht Spaß, von Schrankwand Kompliment, der Erfindung der Milchtüte, Stammbuchbildern und Hasenhausen zu lesen. Gleichzeitig macht es nachdenklich, von Teerseen, Abkühlungsgruben ohne Geländer und dem rötlichen Staub des Wälzlagerwerks zu erfahren. Und so wie den Protagonisten wird den Lesern die unsichtbare aber spürbare Mauer zwischen Ost und West bewusst.

Eigenwillige Menschen

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Nina Sahm: Die Tage mit Bumerang, hanserblau 2019 € 15,00

Sie sind zwei eigenwillige Menschen, Anne und Lars, die seit Grundschulzeiten miteinander befreundet sind und auch, als Lars Frau und Kind hat, behalten sie freundschaftliches Miteinander bei. Ein tragischer Unfall stürzt Anne in eine inneren Abgrund. Auch Lars ist betroffen, es tritt Stille zwischen beide, die für Anne kaum auszuhalten ist. Und doch schleicht sich eine neue Lebendigkeit in ihr Leben, in Schritten voraus und zurück und doch unaufhaltsam, sodass sich am Ende auf allen Seiten Zufriedenheit findet.

Modernes Märchen

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Mona Hovring: Weil Venus bei meiner Geburt ein Alpenveilchen streifte, Edition fünf 2019 € 19,00

Ein modernes Märchen aus Norwegen, das den inneren Weg der Befreiung aus einer allzu bindenden schwesterlichen Beziehung beschreibt. Zwei Schwestern, die sich in der Kindheit und Jugend zwillingsähnlich nah standen, befinden sich in einem abseits gelegenen Hotel in Norwegen. Sie sind nun 22 Jahre alt und es werden die Beobachtungen und inneren Vorgänge aus Sicht der Jüngeren erzählt. Sie ist die Nachgebende, die litt unter dem überraschenden Weggang der Älteren und sie versucht, die neuen Schatten zu begreifen und zu besiegen.

Mehr als nur ein Wort: Was bedeutet die Todesstrafe?

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Sarah Crossan: Wer ist Edward Moon? Mixtvision 2019 € 17.-

Edward Moon ist Mitte zwanzig und sitzt seit zehn Jahren in Haft, des Mordes für schuldig befunden, ausgerechnet in Texas, wo auf Mord die Todestrafe steht. Annäherung an diese schwer vorstellbare Lebenssituation bringt Eds kleiner Bruder Joe, dessen lebendige Erinnerungen an seinen großen Bruder aus einer Zeit stammen, als er grade sieben Jahre alt war. Er ist es, der in den letzten Wochen vor dem festgesetzen Termin des endgültigen Strafvollzuges den Weg zum und ins Gefängnis findet und die Gespräche mit dem  Bruder auf sich nimmt. Gekonnt springt Crossan zwischen den zwei Zeitebenen, Joes Erinnerung und seiner Sicht als heute 17jähriger. Dabei verweben sich bald Joes und die eigenen Fragen und mehren die in offenem Raum stehenden Zweifel an der Richtigkeit eines solchen Vollzuges. Kann man sich Eds Schuld überhaupt sicher sein? Gibt es noch Chancen das Urteil aufzuschieben oder gar auszusetzen? Wo bleibt das Gewissen, wenn man im Namen des Staates Todesurteile vollstreckt? Atemlos verfolgt der Leser das Setting, klammert sich an die letzten Hoffnungsschimmer inmitten aller plangenauen Vorbereitungen zum gesetzlichen Mord. Wie auch schon Anne-Laure Bondoux in Der Mörder weinte, beantwortet Sarah Crossan die Frage des Titels  mit der Suche nach dem Menschen, dem Wesen des und der Menschen. Das macht eine Antwort nicht leicht. Umso ergreifender ist es jedoch, Joe zu folgen. Was macht ein Todesurteil mit denen, die es begleiten müssen, mit der Familie, die zerbricht und zurückbleibt? Wie auch schon in ihrem für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierten Vorgängertitel Eins öffnet Sarah Crossan in knapper, packender Sprache eine Tür hinter der ein weites Feld liegt.

28. November 2019, 19:30 Uhr: Kreuzfahrt zu besonderen Leseinseln -neue Palastschätze vorgestellt

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An unserem vorweihnachtlichen Palastschatzabend werden wir unsere Zuhörer auf eine Kreuzfahrt zu besonderen Leseinseln mitnehmen. Die von uns vorgestellten Palastschätze und Lieblingsbücher des Jahres 2019 eignen sich natürlich zum Selberlesen und mögen Inspiration bieten, für die ein oder andere Verschenkidee. Lassen Sie sich entführen zur Insel der Augentiere und der Insel der neuen Pfade. Ankern Sie mit uns zwischen Isarstrand & Lummerland bei Wein und Spekulatius. Wir bieten überraschende Entdeckungen. Eintritt frei.

Hochspannung jenseits des Todes

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Neil Shusterman: Scythe01. Die Hüter des Todes, Fischer TB 2019 € 15,00

Rowan und Cira, die beiden Hauptfiguren in diesem Buch, leben in einer Zukunft ohne menschliches  Regierungssystem, nur von einem großen Supercomputer regiert. In dieser Welt, in der niemand mehr natürlichen Todes sterben kann, werden sie von ihrem Lehrmeister Scythe Faraday in den Bund der Scythe als Lehrlinge aufgenommen und wohnen von nun an völlig abgeschottet von ihren Familien bei ihm, um  die Kunst des Tötens zu lernen. Die Scythe sind nämlich sozusagen die "Vollstrecker" der "neuen Welt". Da niemand mehr natürlichen Todes sterben oder zumindest immer wiederbelebt werden kann, muss die Welt  vor einer Überbevölkerung geschützt werden. Deshalb ist es die Aufgabe der Scythe, Menschen mit dem strikten Verbot einer Wiederbelebung zu töten. Die Scythe selbst  können nicht sterben  und dürfen auch nicht getötet werden, was sie unantastbar und sozusagen zu Göttern macht. Nur durch Selbstmord können sie ihrem Leben ein Ende setzen, was Meister Faraday dann auch unter mysteriösen Umständen tut. Also werden Rowan und Cira unter zwei Scythe aufgeteilt,die ihren Lehrgang jeweils zu Ende bringen sollen. Mit einem erbitterten Kampf auf Leben und Tod beenden sie ihre Lehrzeit. Nur der Sieger kann ein Scythe werden... Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

Furioser Auftakt in eine nagelneue Fantasywelt

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Christelle Dabos: Die Spiegelreisende 01. Die Verlobten des Winters, Insel Verlag 2019 € 15,99

Die Spiegelreisende - Die Verlobten des Winters ist der erste Teil einer Reihe und spielt in einer fiktiven Welt, in der die Erde, die wir kennen, in viele Teile auseinander gefallen ist.  Seitdem leben die Menschen auf so genannten Archen, zwischen denen man nur mithilfe von Zeppelinen oder ähnlichem reisen kann. Die Verlobten des Winters ist der Debütroman der französischen Autorin Christelle Dabos. Die Welt wurde sehr gut beschrieben und ist dadurch, dass sie von der Zeit her an das 20. Jahrhundert erinnert, auch nicht die klassische mittelalterliche Fantasygeschichte.

Drachen-Über-flieger

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Christopher Paolini: Eragon, cbj € 9,99

Das Buch spielt in einer eigenen Welt namens Alagaësia. Dort gibt es Drachen, Elfen, Urgals, Zwerge und Menschen. Es dreht sich alles um einen Jungen namens Eragon, der in dem Dorf Carvahall lebt und ohne Eltern aufwächst. Deswegen verbringt er seine ersten sechszehn Jahre bei seinem Onkel, seiner Tante und seinem etwas älteren Cousin Roran. Als er eines Tages im Buckel, dem nächstgelegenen Gebirgszug, jagen geht, findet er einen blauen Stein. Zumindest glaubt Eragon, dass es ein Stein ist. Als wenig später aus dem vermeintlichen Stein ein Drache schlüpft, wird er zum Drachenreiter. Nach wenigen Tagen tauchen finstere Gestalten auf, die das Drachenei suchen. Da Eragon ihnen Saphira, wie er den Drachen genannt hat, nicht überlassen will, flieht er. Nun ist es seine Aufgabe den König Galbatorix zu stürzen, da er der letzte Drachenreiter ist.

Was sich unter der Oberfläche verbirgt

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Anna Woltz: Für immer Alaska, Carlsen Verlag 2018 € 12.-

1.  Ich heiße Parker. Ich heiße so, weil ich in einem Park geboren wurde.
2. Vor zwei Jahren haben wir die Asche meiner toten Oma im Phantasialand ausgestreut.
3. Und ich kann Jingle Bells bellen. Zitat: Woltz, Für immer Alaska
Nur zwei von diesen drei Fakten über Parker sind wahr, einer ist erfunden, und der letzte ist das nicht. Denn Parker hatte es geliebt, mit ihrem Hund Alaska zu „singen“, bevor sie Alaska weggeben musste. Parker vermisst Alaska ganz schrecklich, bis sie sie wiedertrifft, als Assistenzhund ihres Klassenkameraden Sven. Wenn der nur nicht so fies wäre… Also beschließt Parker Alaska zu entführen, doch Sven kommt ihr in die Quere. Aber ohne Parker zu erkennen, nachts, außerhalb der Schule verhält er sich wie eine ganz andere Person…
Für immer Alaska ist nicht nur die Geschichte eines Mädchens, das seinen Hund liebt und vermisst und das unter dem Mobbing in der Schule leidet, sondern auch die eines Jungen, der seine eigenen Probleme hat. Es zeigt, dass man niemanden voreilig verurteilen sollte, und das auf nicht in einer moralisierenden Art, und man oft gar nicht alles sieht, was eine Person ausmacht, weil sich vieles unter der Oberfläche verbirgt.

Ein Sommer voller Leben

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Anne Freytag: Mein bester letzter Sommer, Heyne Verlag 14,99

„Stell dir vor, stell es dir einfach mal vor: deine Schulklingel läutet, alle freuen sich, ja, endlich Sommerferien und weißt, es ist dein letzter Sommer, was du noch nicht weißt, es wird dein bester, letzter Sommer sein.“ Zitat: Freytag, Mein bester letzter Sommer
So geht es Tessa. Sie ist 17. Sie weiß, dass sie sterben wird. Viel Besonderes hat sie noch nicht erlebt. Ihre Eltern behandeln sie auf einmal als wäre sie aus Watte und sie verschanzt sich nur noch in ihrem Zimmer und wartet auf das Ende. Doch das ändert sich schlagartig, also sie Oskar trifft. Er macht, dass es ihr schönster Sommer wird. Beide fahren nach Italien und erleben viel, so viel, dass es am Ende ein bisschen einfacher ist, zu gehen. Das besondere für mich an dem Buch war, dass man sich wie ein stiller Zuschauer fühlt, der mit auf die Reise genommen wird. Am Ende fühlt man sich traurig und leer.  Was den Schmerz lindert ist, dass Tessa einen verdammt schönen letzten Sommer hatte. Auch wenn sie tot ist, irgendwo da oben wird sie an den Sommer mit Oskar denken. Im Herzen von ihm wird sie weiterleben.
Das Buch kann ich allen empfehlen, die eine Liebesgeschichte ohne Happy End suchen. So wie es halt auch manchmal im echten Leben ist.