Eigenwillige Persönlichkeiten

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Iris Wolff: Unschärfe der Welt, Klett-Cotta Verlag 2020 € 20,00

Ein außergewöhnlicher Roman! Iris Wolff hat eine sehr schön beschreibende Sprache, es entstehen vor dem inneren Auge zarte Bilder und besondere Farben. Dabei ist das Erzählen nie ausufernd, oft sind die Sätze ganz kurz. In sieben Kapiteln erfahren wir viel über vier Generationen einer Familie aus dem Banat. Es sind durchaus eigenwillige Persönlichkeiten, die besondere Wege gehen. Manche Verknüpfungen werden dem Leser erst nach und nach bewusst und so wird er im Verlauf des Buches immer mehr in die Geschichte hieingezogen. Die Familie ist ein zentrales Thema, die Beziehungen der einzelnen miteinander. Freundschaften zwischen Jungen und Älteren, Liebe, und Verlust in unterschiedlichen Zusammenhängen. Das Leben im sozialistischen System Rumäniens, Geheimdienst, Flucht, Emigration. Vielsprachigkeit und Sprachlosigkeit. Es gibt viele Gedanken und Beobachtungen in diesem Buch, die zum eigenen Sinnieren anregen. Als ich auf der letzten Seite war, hätte ich am liebsten gleich noch einmal auf der ersten Seite begonnen, um das Buch mit dem Wissen um den Inhalt nochmals auf mich wirken zu lassen. Friederike Wagner

Märchen für Erwachsene

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Thomas Hettche: Herzfaden, Kiepenheuer & Witsch 2020 € 24,00

Mir ist es beim Lesen dieses Buches so ergangen, wie die Marionettenspieler es sich von ihren erwachsenen Zuschauern wünschen. Bei den ersten Seiten überlegte ich noch, ob es nicht ein Kinderbuch sei. Doch unmerklich hatte der Text mich in den Bann gezogen und ich folgte fasziniert der Erzählung über das heranwachsende Mädchen Hatü in ihrer Heimatstadt Augsburg. Ihr Vater Walter Oehmichen, einst Oberspielleiter am Augsburger Theater, begann in den Zeiten des 2. Weltkrieges Marionetten zu schnitzen und mit seinen Töchtern zu bespielen. Hatüs Begeisterung für die beim Spiel zum Leben erweckten Figuren wird sie nie mehr verlassen. In der Nachkriegszeit gründet ihr Vater mit ihr die Augsburger Puppenkiste. Mit weiteren, ihre unterschiedlichen künstlerischen Begabungen einbringenden Menschen verschmelzen sie zu einer familienähnlichen Gemeinschaft. Neben der märchenhaften Welt des Marionettentheaters steht das reale Erleben des 2. Weltkrieges und der Nachkriegszeit, das aus Sicht des jungen Mädchens Hatü sehr anschaulich und glaubhaft beschrieben wird. Wie wir es aus der unendlichen Geschichte kennen gibt es einen im Druck farblich differierenden Erzählstrang, der ein Mädchen aus heutiger Zeit in die Welt der Marionetten eintauchen lässt, wo es, so wie wir Leser, Hatüs Geschichte erfährt. Dieser Roman ist ein Glück für alle Erwachsenen, die das Kind in sich spüren oder wieder aufwecken möchten!

Kampf gegen Hunger und Nazis

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Sharon Cameron: Das Mädchen, das ein Stück Welt rettete, Insel Verlag 2020 € 18,00

Die Autorin Sharon Cameron erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte von Stefania, die während des zweiten Weltkriegs Juden bei sich versteckt hält. Stefania, die selbst katholisch ist, aber bei einer jüdischen Familie arbeitet, ist geschockt darüber, was den Juden nach der deutschen Besetzung Polens angetan wird. Und als Max, ein Mitglied der Familie bei der Stefania gearbeitet hat, vor ihrer Tür steht und sie um Unterschlupf bittet, kann sie nicht nein sagen.

Per Anhalter durch Frankreich

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Autor: Sylvain Prudhomme, Allerorten, Unionsverlag, € 22,00

Ein zarte und feinsinniger Roman, in dem zwei Freunde in ein ganz besonderes Beziehnungsgeflecht geraten. Der 40jährige Schriftsteller Sacha trifft nach vielen Jahren seinen Freund aus Studienzeiten wieder. Damals waren die Freunde zusammen per Anhalter unterwegs. Der wiedergefundene Freund lebt inzwischen mit Frau und Sohn, verschwindet aber auch jetzt noch aus dem Alltag, um sich dem Zufall des Reisens hinzugeben. Ihn interessieren vor allem die Menschen, die ihm die Autotür öffnen und die Gespräche mit ihnen. Sacha lässt sich zu seiner eigenen Überraschnung mehr und mehr auf Menschen ein, übernimmt Verantwortung und wagt tiefe Gefühle. Die Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht, kann sehr unterschiedlich beantwortet werden. Der französische Autor Sylvain Prudhomme fängt den Augenblick ein, die Gelegenheit, die sich zum Möglichen öffnet. Dieser Roman bringt eine Fülle von Gefühlen zum Schwingen und begeistert in seiner schönen und klaren Sprache.

Bittersüßer Abschied

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Zsuzsa Bánk: Sterben im Sommer, Verlag S. Fischer 2020 € 22,00

Zsuzsa Bánks Buch "Sterben im Sommer" konnte ich nicht in einem Atemzug lesen. Immer wieder legte ich das Buch beiseite und atmete tief durch. Was die Autorin uns Lesern in ihrem Buch zu erzählen hat, ist schonungslos ehrlich und zutiefst emotional. Es geht - wie der Titel verrät - um das Sterben, das Sterben ihres Vaters. Auf der einen Seite lesen wir von schönen Erinnerungen, der gemeinsamen Zeit mit der Familie in Ungarn wie in Deutschland, und insbesondere die Zeit mit dem Vater. Auf der anderen Seite beklagt Bánk, dass sie kurz vor seinem Tod wertvolle acht Tage hat verstreichen lassen, ohne ihren Vater im Krankenhaus besucht zu haben. Auf der einen Seite füllen sich die Seiten mit Hoffnungen im Kampf gegen den Krebs, auf der anderen Seite stehen dem nüchterne Fakten, Entscheidungen, die Verzweiflung, die Frage nach dem 'warum?' und 'warum so?' im Raum. Die Autorin nimmt Abschied von ihrem Vater und lässt den Leser daran teilhaben. Jede Seite, die ich umblätterte, berührte mich aufs Neue. Ich durfte die Autorin auf ihrem schmerzvollen Weg begleiten, mit ihr leiden, von ihr lernen und hoffen. Ein Buch, das ich persönlich als ein Geschenk ansehe. "Irgendwann ist der Tod deutlicher als das Leben, das Leben weicht dem Tod", sagt Zsuzsa Bánk. So wahrhaftig wie dieser Satz ist das ganze Buch.

Kluft zwischen Magischen und Nicht-Magischen

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Selin Visne: Die Überlieferung der Welt, dtv 2020 € 10,95

Laelia, die mit kleineren Diebstählen versucht, ihre Mutter und ihren Bruder zu versorgen, gerät in große Schwierigkeiten, als Nero, der Boss der kriminellen Unterwelt, es ihr verbieten will. Aber auch ihre magischen Kräfte können nicht den Hunger ihrer Familie stillen, also sieht sie sich gezwungen weiter zu klauen. Als Nero das herausfindet, flieht sie zusammen mit Hadrian, der sich gegen seinen Boss gewandt hat. Ein geheimnisvoller Seher überzeugt die beiden, sich ihm anzuschließen. Seinen Visionen folgend suchen sie drei weitere magische Begabte, um ein geheimnisvolles Ritual durchzuführen, dass jedem von ihnen einen geliebten gestorbenen Menschen zurückbringen soll.

In der kanadischen Prärie

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Margaret Laurence: Der steinerne Engel, Verlag Julia Eisele, € 22,00

Hagar Shipley ist alt geworden. Sie beschreibt es so gut in diesem Satz: "Heute, wo die Zeit sich zusammengefaltet hat wie ein Papierfächer". In diesem Heute, in dem sie bei ihrem Sohn und dessen Frau lebt und manches durcheinander bringt, erinnert sie sich an entscheidende Momente ihrer eigenen Geschichte. Hiermit erzählt sie von einem Leben in der kanadischen Prärie: In einem Städtchen als Kaufmannstochter aufgewachsern heiratet sie einen Farmer, mit dem sie zwei sehr unterschiedliche Söhne hat, von denen sie einen verlieren wird. Sie hat einerseits immer versucht, nicht unangenehm aufzufallen aber sie hat auch immer eine eigene Meinung gehabt und diese vertreten. Ihre Lebensentscheidungen waren durchaus unüblich und oft auch unbequem. So wird sie  auch jetzt im Alter noch einmal versuchen einen unabhängigen Weg zu gehen, aber ihre körperlich Schwäche lässt sie letzlich ihr Schicksal annehmen. Ein sehr gelungenes Portrait einer eigenwilligen Frau!

Emanzipiert im 16.Jahrhundert

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Alexa Hennig Von Lange: Die Wahnsinnige, Dumont Verlag, € 20,00

Ein historischer Roman, der nichts mit den 500- Seiten- Schmökern gemein hat. In der historischen Figur schwingt die Auseinandersetzung der Autorin mit den zentralen Themen mit und so ist es in Inhalt und Sprache trotz des Schauplatzes in lang vergangener Zeit ein durchaus aktueller Roman. Er führt den Leser ins 16. Jahrhundert nach Spanien und Belgien in die Zeit der Regentschaft von Isabella der Katholischen. Zentrale Figur ist ihre Tochter Johanna, genannt die Wahnsinnige, denn sie will nicht so funktionieren, wie es von ihr erwartet wird. Um ihren Gehorsam zu erzwingen, wird sie sogar gefangengehalten und von Mann und Kindern getrennt. Johanna ist eine junge Frau, die versucht, der verlogenen Welt ihrer Eltern zu entkommen. Sie möchte kein fremdgesteuertes Leben, sich nicht den Regeln ihrer Eltern, der Gesellschaft  und der Religion unterwerfen. Sie wurde nach politischen Interessen jung verheiratet mit Philipp I., Erzherzog von Österreich und Herzog von Burgund. Dass sie Phiipp tatsächlich liebt, beglückt sie, aber bereitet ihr auch viel Kummer. Sie sehnt sich nach Verbundenheit, Vertrauen und erwiederter Liebe, gleichzeitig sucht sie in der Ehe nach Eigenständigkeit und möchte als gleichberechtigte Partnerin wahrgenommen werden. Hier ist sie ihrer Zeit weit voraus und rennt gegen vielerlei Mauern. Ein sehr lesenswerter Roman!

Erika in New York

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Heidi Rehn: Die Tochter des Zauberers, Aufbau Verlag 2020, € 12,99

In der Reihe über berühmte Frauen im Aufbau Verlag ist nun ein Roman über Erika Mann erschienen. Er beleuchtet die ersten Jahre Erikas im Exil in New York. Als Thomas Manns Tochter wird sie mit offenen Armen von der Gesellschaft der Reichen und Schönen aufgenommen. Mit ihrem Bruder Klaus bewegt sie sich gleichzeitig in den Kreisen der europäischen Exilanten. Sie engagiert sich sehr dafür, eine Zukunft für ihr in Deutschland zunächst sehr erfolgreiches, nun unter Hitler verbotenes,  Kabarett "Die Pfeffermühle" zu ermöglichen und damit auch die Mitwirkenden in Sicherheit zu bringen. Darunter befindet sich ihre Lebensgefährtin Therese Giehse. Erika erhält bei ihrem Projekt Unterstützung ganz unterschiedlicher Art von zwei Männern, die auch ihr Herz erobern wollen und zu denen sie sich auch tatsächlich hingezogen fühlt. Wie sich in diesem Gefühlsdilemma eine Lösung findet, wie die Pfeffermühle in New York zwar scheitert, aber Erika zu einer viel gehörten und gefragten Vortragenden wird, die in einer geschickten Verknüpfung persönlicher Erlebnisse und politischer Ereignisse zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufruft, lässt sich in der opulenten schmökerhaften Romanbiografie von Heidi Rehn vortrefflich nachvollziehen.

Stark machen für die Akzeptanz des Anderen

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Candice Carthy-Williams: Queenie, Verlag Blumenbar 2020 € 22.-

Queenies Name ist stark. Majestetisch sogar. Ihre Mutter gab ihn ihr im Wissen, dass sich Queenies Leben ebenso wenig einfach gestalten werden wird, wie ihr eigenes. Mit ihrer Hautfarbe ist sie dem täglichen Rassismus mit unzähligen Herabwürdigungen ausgesetzt. Obwohl Queenie seit drei Jahren als Redakteurin bei einer Tageszeitung einen soliden Job hat, läuft vieles schief in ihrem Leben. Ihr Freund hat eine Auszeit durchgesetzt und sie auf die Straße gesetzt. So trifft sie sich mit Männern von einer Datingplattform und denkt ihren Körper darbieten zum müssen, in Hoffnung auf ein wenig Anerkennung. Carthy-Williams Roman, ein klassisches Young adult, erzählt schnell, hart, direkt und unmittelbar in sich mischenden Textformen, geschlossener Prosa, Postings und Chats.

Untitled

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Schmidt: Kahlmann, Diogenes Verlag 2020 € 22,00

„Großvater hatte ich alles zu verdanken. Mein Leben. Er hatte mir alles gezeigt, mich gelehrt, was man eben braucht um zu überleben. Er hatte mich auf die Jagd und aufs Meer mitgenommen.“
Kalmann ist Anfang dreißig, nicht sehr helle und lebt in Raufarhöfn, einem kleinen Dorf an der Küste Islands. Er chattet mit seinem Internetfreund Noi, den er noch nie getroffen hat und einmal in der Woche besucht er seinen dementen Großvater im Altersheim. Als jedoch der reichste Mann von Raufarhöfn vermisst wird, der zudem die letzte Fangquote besaß, beginnt sein Leben kompliziert zu werden. Da er eine Menge weiß über Haifischfängerei und topografischen Verhältnisse, steht er der Polizei zur Seite. Doch Kalmanns Eigenwilligkeit, vor allem seine entwaffnende Naivität und Ehrlichkeit und sein Blick auf die Welt auch für absonderliche Details machen das Buch zu etwas Besonderem. Dass er dank seines Instinktes und Mutes zum Schluss ein Leben rettet und zum Held wird entspricht keinem gängigen Klischee.
Anne Brieger

Käptn Wheelchair – Straßenveranstaltung für Kinder

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Vielleicht seid ihr Käptn Wheelchair auf den Straßen in Haidhausen ja schon einmal begegnet. Sein Rollgefährt steht selten still. Doch manchmal, da geht an seinem Rollstuhl einfach was kaputt. Und das ausgerechnet heute, vor dem Buchpalast. Glücklicherweise sprudelt Serafino, sein Mechaniker und treuer Begleiter, vor guten Ideen. Er hat zu allem eine Meinung, aber wenig Ahnung von Technik. Lieber zieht er sich mit seiner Kuscheldecke zurück. So ist Käptn Wheechair ständig auf der Suche, nach Serafino und einer Lösung, die sein Rollgefährt wieder flott machen könnte. Ob sich im Buchpalast Hilfreiches finden lassen wird?

Der Autor Max Dorner und die Musikerin Nami Kamata laden Kinder mit einer kurzen Geschichte und Musik ein, Käptn Wheelchair kennen zu lernen. Wir freuen uns über neugierige Kinder zwischen 5 und 8 Jahren. Die Veranstaltung vor dem Buchpalast dauert ca eine halbe Stunde und wird zur vollen Stunde wiederholt. Damit wir den Abstand des social distancing einhalten können, danken wir für vorherige Anmeldungen.

Käptn Wheelchair und Serafino werden in diesem Sommer in Haidhausen auch noch an weiteren Kulturorten mit ihren Geschichten zu finden sein.

Dem Zufall eine Chance geben

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Fabio Geda: Ein Sonntag mit Elena, hanserblau, € 20,00

Ein neues Buch von Fabio Geda mit einem sympathischen Helden. Er heißt nur Vater und Papa, denn eine seiner Töchter, Giulia, erzählt die Geschichte. Er ist 67 Jahre alt, lebt in Turin und ist noch nicht lange Witwer, als ein Sonntag einen ungeahnten Verlauf nimmt. Da seine Enkelin sich den Arm bricht, fällt der Familienbesuch bei ihm aus. Um der Stille und Enttäuschung zu entfliehen, macht er einen Spaziergang. Dort lernt er Emilia und ihren 13jährigen Sohn kennen, die auch das Erlebnis des ungewollt Verlassenseins in sich tragen. Im Laufe des Tages werden sich noch weitere Verbindungen zwischen ihnen zeigen. Giulia erzählt nicht nur von dieser Begegnung, sie erinnert sich auch an die Kindheit und Jugend, die  Gedanken und Gefühle den Eltern gegenüber sowie der älteren Schwester und dem jüngeren Bruder. Es ist ein feinfühliger, nachdenklicher Roman über viele Facetten des Lebens, dem ich sehr gerne gefolgt bin in seinen Überlegungen, Beschreibungen, Zeitenwechseln und emotionalen Spannungsmomenten!

Ansporn zum Selberlesen, Nachsporteln und Weiterfantasieren

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Sara Ohlsson, Jutta Bauer: Fanny ist die Beste, Moritz Verlag 2020 € 10,95

Wenn Türme in den Himmel wachsen, kein Geländer zu schmal für Füße ist und die Stille endlos sein könnte, haben Fanny und Mama ihren Wettkampftag. Dann messen sie sich in den verrücktesten Disziplinen. Oma ist ihre Schiedsrichterin. Manchmal trickst Oma ein wenig, schließlich ist Fanny ihr Lieblingskind. Ein ideenreicher Tag nimmt seinen Lauf an dem alle gewinnen, denn es ist immer am schönsten, wenn man etwas gemeinsam macht. Die Geschichte verzaubert vom ersten Augenblick und lässt Staunen, wie sich durch die leichtesten Übungen, ein paar wunderbare Worte und ein wenig Fantasie, ein unbändiges Selbstvertrauen in den Herzen ausbreitet. In ebenso leicht hingeworfenem, charakterstarkem Strich sorgt Jutta Bauer für die unvergleichliche Dynamik der Wettkampfteilnehmerinnen. Dieses Buch ist mehr als nur ein kleiner Erstlesetext. Es ist ein Ansporn zum Selbstlesen oder Vorlesen, zum Nachsporteln und Weiterfantasieren. Katrin Rüger

Mit Gustav Mahler auf dem Schiff

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Robert Seethaler: Der letzte Satz, Hanser Berlin, € 19,00

Gustav Mahler auf seiner letzten Schiffsreise von New York nach Europa lässt verschiedene Szenen seines Lebens in seinen Gedanken und Gefühlen Revue passieren. Die erste Begegnung mit Alma, seine Arbeit als Operndirektor in Wien, das Komponierhäuschen auf dem Land, seine beiden kleinen Mädchen, der Empfang im Savoy Hotel in New York. Robert Seethaler versetzt sich und uns in die innere Welt des zart besaiteten und gefeierten Dirigenten und Komponisten am Ende seines Lebens.

Auf nach Venedig!

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Jana Revedin: Margherita, Aufbau, € 22,00

Margherita wächst mit ihrer Mutter und ihren Schwestern in sehr einfachen Verhältnissen auf. Sie trägt nicht nur die Zeitungen in ihrer Heimatstadt Treviso aus, sondern liest darin täglich über das Weltgeschehen und macht sich ihre Gedanken dazu, so daß sie dem Grafen Revedin eine geschätzte Gesprächspartnerin ist. Als er um ihre Hand anhält wähnt Margherita sich in einer mozartschen Oper. Doch diese ungewöhnliche Verbindung wird Wirklichkeit. Die junge Frau wird in Paris in die intelektuellen und künstlerischen Kreise eingeführt, wo sie neue Seelenverwandte und lebenslange Freunde findet, von Coco Chanel eingekleidet und lernt Sprachen. In Venedig, wo sie 1920 mit ihrem Mann den Revedinschen Palazzo am Canal Grande bezieht, widmet sie sich ihrer neuen Aufgabe: den Agrartourismus am Lido zu etablieren und ihn mit den ersten Filmfestspielen zu internationalem Ruhm zu bringen. Es wird Margherita nicht gelingen, vom venezianischen Adel anerkannt zu werden aber sie findet Freunde unter den Einheimischen als auch unter venedigvernarrten Ausländern wie Peggy Guggenheim. Ihre persönliche Befindlichkeit, kleinere und größere Dramen werden in Beschreibungen und Dialogen gut ausgelotet und als Leser verfolgt man gespannt ihren Werdegang. Venedigkenner überqueren Brücken mit ihr, bleiben vor bekannten Fassaden stehen, besuchen Harrys Bar und fahren durch die Kanäle. Da die Autorin Jana Revedin die Frau von Margheritas Enkel ist, muss es auch einen Sohn gegeben haben...Beste Unterhaltung für Venedig - und Geschichtsliebhaber!

Schülerprotokoll einer Klassenfahrt

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Tamara Bach: Sankt Irgendwas, Carlsen Verlag 2020  €

Das Buch erzählt hauptsächlich in Form eines Schülerprotokolls von einer Klassenfahrt ohne Handys und einem ungerechten Lehrer. Das Protokoll ist aber keineswegs langweilig und sachlich, sondern fasst die Gedanken und Gefühle der Schüler sehr gut zusammen. Außerdem wurde die Sprache sehr jugendlich und witzig gehalten. Kurz und knapp. Es wird sehr eindrücklich und realitätsnah von den Geschehnissen der Klassenfahrt erzählt, die mich stark an eigene, ähnliche Erfahrungen erinnerten. Das Buch ist eine Geschichte über Freundschaft, Zusammenhalt, Klassengemeinschaft und alltägliche Schulprobleme wie nervige Lehrer. Es bringt einen dazu, sich an seine eigenen Klassenfahrten zurückzusehnen.

Starke moderne Frau

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Franziska zu Reventlow: Die Kehrseite des deutschen Wunders, Volk Verlag 2020 € 16,00

1897 gebar Franziska zu Reventlow in München einen Sohn, den sie sehr modern, eigentlich antiautoritär und alleine aufzog. Bald lebten die beiden auf Mallorca, bald in Locarno im Tessin. 1914 kamen sie zurück nach München. Hier beginnt der außergewöhnliche Text von Reventlow, in dem sie ihre Eindrücke von dem nun  preußisch millitarisch geprägten Leben und Denken in der Stadt festhält. Die unpolitische Bohèmien treiben Patriotismus und Kriegsbegeisterung auf die Seite der Pazifisten. 1916 folgt ihr Sohn, jetzt 17-jährig, der Einberufung in den Krieg. Auf seinem ersten Heimaturlaub kennt die mutige und unkonventionelle Frau und Mutter nur ein Ziel: Sie will ihrem Sohn bei seiner Desertation helfen. Einer Desertation von der Junge bis zu seiner Ankunft in Konstanz freilich noch gar nichts weiß. Reventlows Text, ein Zufallsfund, beeindruckt von der ersten Zeile an. Modern und unabhängig im Denken, unkonventionell, wagemutig und immer ganz auf sich selbst focussiert gibt er doch ein lebendiges Bild vom Leben in München und darüber hinaus, in Zeiten des ersten Weltkrieges. Er macht die Beschränktheit des Reisens bewusst, wie die Bestechlichkeit von Menschen, die umso größer zu werden scheint, je restriktiver ein System ist. Eine Fotobildstrecke und ein Kommentar der Herausgeber runden Reventlows Text ab, der hier jedem zur Entedeckung ans Herz gelegt sei.

Ein Jahr Pause

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Nora Hoch: Das Salzwasserjahr, dtv 2020 13,95€

Ein Austauschjahr in Australien. Für ein Jahr weg von der Familie, weg von dem normalen Leben, weg von den Problemen. Ein Jahr Pause. Das ist Janniks Plan als er ans andere Ende der Welt reist. Irgendwie scheint das auch zu funktionieren. Jannik genießt das Meer, das er schon immer gemocht hat und triff auf eine geheimnisvolles Mädchen, die das Wasser genauso liebt wie er. Doch gleichzeitig scheint seine Gastfamilie tief gehende Probleme zu haben und sein Gastbruder ignoriert ihn fast vollständig.

Sonntag, 20. September 2020, 16:30 Uhr: Benedikt Mirow – Auf magischer Fährte. Kinderveranstaltung

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Benedict Mirow: Die Chroniken von Mistle End 01. Der Greif erwacht, Thienemann Verlag 2020 € 16,00

Als Cedrik mit seinem Vater an seinem neuen Wohnort Mistle End ankommt,  lässt ihn ein seltsames und aufregendes Gefühl nicht mehr los. Alles normal? Oder nicht? Die Kinder hier, tragen das schwere Gepäck voller Bücher ins Haus, als wäre es nichts und gleich in der ersten Nacht erscheint ihm  ein Greif, der ihm die einfache Frage stellt: Warum bin ich hier? Cederik wäre der letzte, der diese Frage beantworten könnte, doch der Greif stellt ihm ein Ultimatum. Vielleicht aber, hat er alles auch nur geträumt. Mirow entfesselt die magische Welt behutsam, zielgerichtet und in schöner, schlanker Sprache. Sein Plot fesselt vom ersten Augenblick. Der Greif erwachst ist ein überzeugender Start in eine neue Fantasyserie voll Zauberei und Magie, die Lese- und Vorlesegenuß verspricht.

Liebesgeschichte für den Sommer

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Siobhan Vivian: Stay sweet, Hanser Verlag 2020 € 15,00

In dem Buch „Stay Sweet“ geht es um Amelia, die ihren letzten Sommer bei ihrem alljährlichen Ferienjob verbringt. Dieser ist die Eisdiele von Molly, einer alten Frau, die ihr Geschäft in der Zeit des zweiten Weltkrieges eröffnet hat. Amelia freut sich schon so sehr auf ihre Stelle als Teamleiterin, doch als Molly plötzlich stirbt wird ihre Welt auf den Kopf gestellt. Eine schöne Liebesgeschichte für den Sommer.

Samstag, 19. September 2020, 16:30 Uhr: Buchpremiere – Mit Brabbelbot auf heißer Spur.

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Jaromir Konecny: @Datendetektive 1. Roboter in Gefahr

Einen Roboter einschulen? Darauf war die Schule nicht vorbereitet. Aber Lina läßt nicht locker, denn Brabbelbot ist eine künstliche Intelligenz, die unbedingt etwas lernen muss. Er erweist sich auch gleich als sehr hilfreich und rettet die Klasse vor einem gefährlichen Hund. So darf Brabbelbot in der Schule bleiben und bald eröffnet sich ein Computerproblem, ein Fall für die Datendetektive. In dieser neuen Serie verbindet Jaromir Konecny den Kinderkrimi mit viel Witz und Situationskomik, die dem eigenwilligen Lerneifer von Brabbelbot entspringt. Ganz nebenbei erklärt er was Daten sind und wie ein Künstliche Intelligenz die Welt sieht, lernt und viele weitere wissenswerte Dinge aus der Welt der Digitalisierung. Die Datendetektive werden eine Krimireihe, in der im Frühjahr 2021 die nächsten zwei Bände erscheinen werden. Die ersten beiden Bände erscheinen zur Veranstaltung

Flucht nach vorn

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Hubert Achleitner: Flüchtig, Zsolnay Verlag, 23,00 €

Der Roman erzählt von Herwig und Maria, die sich in jungen jahren verliebten. Sie lebten zunächst eine lockere Verbindung, die zu einer festen Beziehung wurde. Der Verlust ihres ungeborenen Kindes steht in den folgenden Jahren zwischen ihnen, jeder von ihnen sucht Wege, um zu verdrängen und zu vergessen.. Nach 35 Ehejahren ist Maria plötzlich verschwunden, ohne ein Wort oder einen Brief. Herwig ist fassungslos und sucht nach ihr, obwohl er schon länger eine andere Frau liebt. Marias ungeplante Flucht aus dem eigenen Leben lässt sie auf Menschen und Situationen treffen, die ihr eine völlig neue Sicht auf die Welt vermitteln. Langsam findet sie zu innerer Ruhe und Versöhnung mt der Vergangenheit. Ihr Weg führt sie von Österreich nach Griechenland und der Leser erfährt Interessantes über das Leben auf dem Heiligen Berg Athos. Hubert Achleitner, besser bekannt als Hubert von Goisern, hat seinen Roman gut aufgebaut, der Roman hat mich in seiner Komplexität überrascht und in Bann gezogen. Er beleuchtet die Geschichte von verschiedenen Seiten und lotet sehr gut psychische Tiefen aus.

Drei Frauen in Paris 1885

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Viktoria Mas: Die Tanzenden, Piper Verlag 2020 € 20,00

Ein spannend zu lesender Roman in Paris um 1885. Drei Frauen ganz unterschiedlicher Art sind die zentralen Figuren, verbunden durch einen bestimmten Ort: die Salpetrière. Ein weitläufiges Areal hinter Mauern, in dem aus der Gesellschaft verstoßene Frauen leben. Oft führen die Folgen von Gewalttätigkeit an diesen Ort. So ist es bei der jungen Louise, die nun an hysterischen Anfällen leidet und  ein interessantes Objekt für die Mediziner darstellt. Anders bei Eugénie, die aus großbürgerlichen Kreisen kommt und ungewollt Geistererscheinungen hat. Und dann ist da noch Geneviève, die seit Jahrzehnten die Aufsicht über die Frauen führt und bei der sich unerwartet ein großer Wandel vollzieht. Es fällt schwer, das Buch aus den Händen zu legen, es beschreibt Emotionen und Situationen so anschaulich, dass die Bilder im Kopf von selbst entstehen.

Samstag, 26. September 2020, 15:00 Uhr: Eine neue Welt

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Sascha Mamczak, Martina Vogl: Eine neue Welt. Die Natur, die Menschen und die Zukunft unseres Planeten. Peter Hammer Verlag 2020 € 22.-

Die Veranstaltung fällt wetterbedingt leider aus.

Von Seegurken, Mammuts, Plastik und Faustschlägen, der Macht der Geschichten und unserer Vorstellungskraft von alternativen Welten

Was ist Natur eigentlich? Und wie begreifen wir uns darin? Mamczak und Vogl nehmen unser Wesen, den Menschen, genau unter die Lupe. Wir folgen ihnen dabei, auf den Spuren unserer Menschwerdung und unserem wachsenden Selbstverständnis, uns die Erde Untertan zu machen, zu den rasanten Veränderungen, die unser Handeln in den letzten Jahrzehnten auf der Erde hinterlassen hat und weiter hinterlässt. Ohne unsere Begabung zum Geschichtenerzählen wären wir nicht das, was wir sind. Dieses Handwerk beherrschen auch Mamczak und Vogl meisterlich. Bildreich und beispielhaft machen sie Sachverhalte lebendig.

Kriegserklärung an die Trägheit

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Lukas Jüliger: Unfollow, Verlag Reprodukt 2020 € 18,00

Seine Erinnerung ist die Reinkarnation des Lebensbeginn. Seine Gedanken reichen weit zurück, in eine Zeit, da die Erde eine Transformation durch den Menschen noch nicht kannte. In Unfollow  wandelt Eathboi, der Junge der Natur, auf der heutigen Welt. Er folgt nicht mehr als seiner eigenen inneren Stimme, die er bald auf social media Kanälen öffentlich macht. Der faszinierende Bruch, ein stiller Kampf der Welten, aus der nur die Welt mit dem längeren Atem siegreich hervorgehen kann, spiegelt sich auf dem Deckblatt jeden Kapitels wieder, das ein Smartphone auf erdigem Boden zeigt. Die manipulativen Gesetze moderner Kommunikation, ebenso wie den Einklang mit der Natur, scheint Eathboi im Schlaf zu beherrschen. Traumwandlerisch benutzt er sie im richtigen Augenblick für sich und entdeckt Yu. Hat das Internet sie sich verlieben lassen?  Schwebend, spirituell und entschleunigend vollzieht sich der Wandel des Jungen, der bewegende ständige Wechsel seiner Biotope. Jüliger inszeniert die Sparsamkeit des Erzählens gegen die genussvolle Lebendigkeit seiner Bilder. Neben aller Ruhe, die seine Leser*Innen an manchen Orten verweilen lassen möchte, ist seine Geschichte vom Irrsinn unserer Zeit durchdrungen. Seine graphic Novel folgt einem grafisch klaren Konzept, bei dem er vier bis sechs Bilder auf kleinen Doppelseiten mit seperaten Texten darüber und darunter anordnet. MIt Terracotta und Türkisblau trennt er mal Zeit, mal Raum. "Eathboi war gekommen, um sich für die Natur zu wehren." Doch eine Geschichte der klaren Botschaften ist dies nicht. Vielmehr eine Kriegserklärung an die eigene Trägheit, ein Versuch das "Wir" zu finden, die Komplexität dieses Unterfangens und die Sprunghaftigkeit unseres Seins mit einkalkulierend. Licht & weit aber ebenso kompakt & fordernd, religiös wie bodenständig, Terracotta und Türkisblau, fast komplementär. Eathboi und Yu, Bild für Bild, wieder und wieder durchmessen wir Jüligers Welt, ihre Schönheit und unser Sein. Viel Raum sich zu entkoppeln, so wie es der Titel ja schon empfiehlt, nicht blind zu folgen, sondern sich über all das seine eigenen Bilder zu gestalten.

Punkszene: DDR 90er Jahre

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Johannes Herwig: Scherbenhelden, Gerstenberg Verlag 2020 € 16,00

Der Autor erzählt die in den 1990er Jahren spielende Geschichte von Nino, der ein Punk ist. Dabei plagen Nino die üblichen Probleme eines Teenagers, unter anderem Stress in der Schule und die erste große Liebe.  Doch dazu kommen auch noch Konflikte mit Neonazis, seinem Vater und die Tatsache, dass Nikos Mutter seinen Vater vor ein paar Jahren verlassen hat. Das Buch wirkt sehr realistisch, vor allem die Gespräche sind sehr authentisch und, wenn nötig, im passenden Jugendslang. Das Buch wird aus Ninos Sicht erzählt.  Man bekommt einen tiefen Einblick in das Leben der Punks, das auch von voreingenommener Verachtung ihnen gegenüber geprägt ist. Die Geschichte ist nicht vorhersehbar, hat aber keinen großen Spannungsbogen. Damit kommt das Buch jedoch noch näher an das echte Leben heran. Das Ende ist sehr gut und wirkt ebenfalls sehr realitätsnah. Insgesamt hebt sich das Buch durch seinen Schreibstil und sein besonderes Thema von vielen anderen Jugendbüchern ab.

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Leben mit dem Klimawandel

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Kayla Olson: Sandcastle Empire, dtv 2020 € 17,95

In dem Buch geht es um eine Zukunft, in der aufgrund des Klimawandels eine große Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich herrschte. Doch den sogenannten Wölfen gelang es, die Reichen weltweit zu stürzen und sie zu töten oder in Lager zu sperren, wo die ehemalige Oberschicht Zwangsarbeit verrichten muss. Eden, die ebenfalls in eines dieser Lager gesperrt wurde, plant schon lange ihre Flucht. Eines Tages gelingt ihr diese. Zusammen mit drei weiteren Mädchen sucht sie die Insel Refugium, die einen neutralen Ort ohne Krieg darstellen soll. Das Notizbuch ihres Vaters leitet sie dorthin, doch stand darin nichts von all den Gefahren, die auf der Insel auf sie lauern.

Opas wilde Abenteuer – ein Hausbuch für die ganze Familie

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Jochen Till, Wiebke Rauers: Memento Monstrum, Coppenrath Verlag 2020 € 18,00

Erscheint im September 2020
In seiner opulenten Aufmachung kommt Jochen Tills Memento Monstrum wie ein Hausbuch daher, ein Klassiker des Horrorgenres. Frohlockend schaut uns Opa Dracula aus dem Portrait ins Gesicht. Sein blutverschmierter Mund ist zu einem breiten Grinsen verzogen. Die kleinen Fledermauskrallen greifen aus dem Rahmen heraus. Opa Dracula ist 589 Jahre alt und macht den Eindruck eines unerschrockenden Vampires. Die Aussicht auf ein Wochenende allein mit seinen drei Enkelkindern bringt ihn allerdings um den Verstand, so wie die aufgehende Sonne. Bei den Vampiren hat die Emanzipation Einzug gehalten. Vlads Frau und seine Tochter wollen ein Wellnesswochende in Paris genießen und haben die drei Kinder kurzerhand bei ihm abgesetzt.

Es war einmal in der Schweiz

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Katharina Geiser: Unter offenem Himmel, Jung und Jung, € 23,00

Fünf Generationen umspannt dieser Roman mit besonderem Blick auf zwei Frauen: Elise, die in den 1880ern vom Dorf in die Stadt zog, um sich ein freieres Leben zu erschaffen und Klara, die gute 100 Jahre später in Basel heranwächst und dann dort als Buchhändlerin arbeitet. Beide sind sie auf der Suche nach Echtem und Wahrem, nicht nur in der Beziehung zu Männern. Sie lassen sich berühren von dem, was das Leben für sie bereithält und bringen sich ein mit Nachdenken und Tatkraft. Elises Geschichte erzählt von dem Leben im Dorf, der Familie mit vielen Kindern, von den Lebensumständen der Prostituierten in Zürich, vom Arbeitervietel in Bern. Klara wird als Einzelkind groß, der Vater hat eine Metzgerei und versucht, ihr die Welt in Geschichten zu erklären, während die Mutter sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Auch als Erwachsene begleiten Klara Geschichten und Zitate und sie gleicht ihr Leben damit ab. Es sind die feinen Beobachtungen, die intensiven Wahrnehmungen, die in diesem Roman verzaubern. Er strahlt viel Ruhe aus und auch die längst vergangenen Zeiten werden uns lebhaft vorstellbar.