Nachhaltigkeit gelassen selbst erprobt

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Didier Lévy, Katrin Stangl: Als die wilden Tiere bei uns einzogen, Peter Hammer Verlag 2020 € 15,00

"Bei Max zu Hause gab es tonnenweise Sachen, die meine Eltern niemals kaufen würden." Der kleiner Erzähler ist erstaunt und begeistert. Max und er sind die besten Freunde der Welt, ganz egal, wie unterschiedlich ihre Eltern das Lebensumfeld ihrer Kinder durch ihre Konsumgewohnheiten gestalten. Nun ja, ein wenig neidisch ist der Erzähler schon. Bei Max scheint das "Schlaraffenland" zu herrschen, bei ihm ist immer alles "bio". Doch dann passierte etwas. Aus Angst vor den Jägern suchen die wilden Tiere Schutz auf dem Grundstück des Erzählers. Und seine Mutter läd auch noch die Jäger zu selbstgemachter Limonade und Kuchen ein. Die gelebte Nachhaltigkeit bringt Menschen und Tiere zusammen. Das macht den Erzähler richtig stolz. Das achtsame Leben entwickelt einen magischen Sog, der selbst Max' Familie bald ein wenig durchdringen wird, obwohl es bei ihm nach wie vor "Schlaraffenlandsachen" gibt. Selten erzählt ein Bilderbuch mit so großer Offenheit, ehrlich und gelassen von den verschiedenen Lebensentwürfen.  So finden kleine Leser hier kostbaren Raum für gedankliche Selbsterprobung. Mit einfachen Sätzen beschreibt  der Text die Situation. Er hält die uns überall hin mit begleitende Begeisterung, die Träume und die Stärken des Erzählers in der verdeckten Hinterhand und macht sie dadurch umso spürbarer. Die Bilder sind von kunstfertiger Dynamik und aufredendem Spiel  mit Licht und Schatten gestaltet. Sie bieten Ecken, Kanten und starke Fluchten, aber auch schwungvolle Rundungen, zum Beispiel in jenem Moment, wo Max seinen Vater, den Jäger, zum Kaffetisch führt und der Bär ihm von hinten die Tatze auf die Schulter legt. Immer wieder schicken sie den Betrachter auf die Suche nach komischen Momenten. Schon auf der Titelinnenseite sieht man hinter einem Busch den Wolf wie ein Hund auf dem Rücken liegen und genüßlich an einem Lolli schlecken. Alles an diesem ganz starken Buch ist einfach magisch, zutiefst realistisch und ein großes, spannendes Abenteuer. Hier können nach Herzenslust Gespräche angeknüpft werden, vom Vorschulalter bis weit ins Grundschulalter hinein.

Magischer Familienausflug durch die Nacht

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Marie Dorléans: Auf leisen Sohlen durch die Nacht, Gerstenberg Verlag 2019 € 16,00

Für einen besonderen Familienausflug verlassen die Kinder schlaftrunken ihre Betten. Es ist noch mitten in der Nacht, die Welt ist in magisches Blau getaucht. Hier wirft ein Fenster seinen Lichtschatten auf die Straße. Die Fenster des großen Hotels bilden besonders schöne Muster. Es knistert, raschelt zirpt und quakt. Auch die Gerüche sind in der Nacht viel intensiver. Welch Abenteuer! Zwischen den Baumkronen funkeln die Sterne, wie ein glitzerndes Meer. Nun noch ein Stück hinauf, im Schein des Taschenlampenkegels und am Gipfel eng aneinandergekuschelt warten, denn hier sind sie verabredet und werden zu Zuschauern eines überwältigenden Schauspiels. Grandios kunstfertig setzt Dorléans Licht und Schatten, die Nacht, die Dunkelheit in Szene. Ein großartiges Entdeckerbuch zum Nachspüren und Träumen.

Papas kinderleichte Erziehung zu Spiel & Spaß dank Langeweile.

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Claude Dubois: Pff..., Moritz Verlag 2019 €10,95

"Schluß jetzt!" Papa Erpel spricht ein Machtwort und schickt seine am Handy herumklickenden Küken an die frische Luft. Nun hängen sie wie nasse Waschlappen über einem Ast und geben sich der Langeweile hin. Die folgende kleine Bildsequenz weckt bei Erwachsenen Sehnsuchtsgefühle. LANGEWEILE. Gibt es sie eigentlich noch? Bald kommt Papa mit einem Wäschekorb unter dem Arm wieder vorbeigeschlendert und wirft Optionen in die Kinderrunde. Man könnte ja Fussball  spielen, Fangen, Blinde Kuh oder gar beim Wäsche aufhängen mithelfen?  Am Ende pumpt er das Planschbecken auf. Die Kinder sind nicht überzeugt und überlassen das Wasser zunächst einem dahergelaufenen Spatz. Natürlich weiß am Ende keiner wie es kam, aber die Kinder schließen Freundschaft und spielen so toll wie lange nicht mehr. Beim Anblick der tobenden Kinder staunt die Mama nicht schlecht. Die Geschichte formt sich aus der Luft und wird von Seite zu Seite von einer Leichtigkeit getragen, die dem Nichts zu entspringen scheint. Der Langeweile eben. Schön, dass es sie noch gibt. Dubois fängt sie ein, mit den ihr typischen, prägnant knappen Strichen, die gerade im Weglassen ihre erzählerische Kraft enwickeln. Ganz nebenbei und mit großer Selbstverständlichkeit schmeißt in diesem Buch auch der Vater den Haushalt. Schön, dass die große, weite Welt so genussvoll zelebriert werden kann, Enteneltern sei Dank!

Wenn Väter aufs Ganze gehen

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Henning Callsen, Sabine Wilharm: Kein Problem, sagt Papa Eisbär, Hanser Verlag 2017 € 13.-

Das karierte Tirolerhütchen, um Nummern zu klein, hält nicht auf Papa Eisbärs Kopf. Wenn es mal aufliegt, dann "krausen" sich seine Gedanken darunter. Sie bringen seinen Eifer und seine Leidenschaft, für seine Familie sein Bestes zu geben, zum Glühen. Dieses Vorlesebuch ist ein Glücksgriff! Nicht Pelle, Papa Eisbärs Sohn, steht im Zentrum dieser ersten Geschichte von „Pelle und Pinguine“, sondern der Vater selbst.

Ernst genommen werden

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Maria Jönsson: Schnulleralarm, Hanser Verlag 2017 € 12.-

Ein wunderbares Plädoyer für die Selbstbestimmung - und ist man noch so klein. Valdemar ist schon groß, aber auch noch klein. Papa findet, der Schnuller kann nun weg und greift zu rigerosen Methoden der Schnullervernichtung. Valdemar findet immer wieder einen Ersatz. Er liebt seine Schnuller. Als seine kleine Schwester ihren Schnuller verlegt wächst Valdemar über sich hinaus und wird ein hilfsbereiter, schnullerteilender, großer Bruder. Ein schönes Ende aus Erwachsenensicht. Aber weit gefehlt. Das Miteinander gestaltet sich schwieriger, denn Miteinander bedeutet, dass beide Seiten bestimmen dürfen. Valdemars erste  Nacht ohne Schnuller ist schrecklich. So schnell geht das Abgewöhnen nicht. Am Ende entscheidet Valdemar selbst, wann es ohne Schnuller geht, und wann er ihn noch braucht. Diese Tatsache, dass "groß werden" nicht nur altersgerechte Mitbestimmung sondern auch Ernst genommen zu werden bedeutet und diese Selbstbestimmung schon sehr früh beginnen kann, ist sicher der schwierigere, aber richtige Weg zu einem guten, verständigen Dialog mit dem Kind.

Jemand Neues kommt dazu

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Lauren Child: Bleibt der jetzt für immer? Hanser Verlag 2016 € 14.-

Nicht neu aber immer wieder betrachtenswert, wie sich der Neid auf das neue Geschwister in das verwandelt, was man um nichts in der Welt mehr tauschen möchte. Aus dem "Jemand", dem "kleinen Wesen", dem "Kleinkind", welches Elmore mehr als nur einmal dorthin zurückwünscht, wo es herkam, wird Albert, sein kleiner Bruder, der den Großen trösten kann, Dinge nicht nur nimmt sondern gibt und mit dem man vor allem lachen kann. "Irgendwie ist es lustiger, wenn ZWEI Leute lachten, also nur EINER" findet Elmore am Schluss und öffnet freiwillig sein großes Jelly-Bean-Glas für Albert. Lauren Childs bekanntes Spiel mit Milimeterpapier, dem Schriftsatz, der Hautfarbe, Größenverhältnissen und Perspektiven macht das Buch zu etwas Besonderem und zu einem rundum gelungenen Bilderbuchgenuss.

Apfelparty! Premierenlesung mit Silke Schlichtmann

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Vom sauren Leben mit falschen Apfelmördern, einem Regenwurm-Rettungsplan, einem Fast-Umzug wegen der Sache mit dem Harz, einer verwegenen Familienmission, ein paar unverhoffter Geburten und  perfekter Beerdigungen und allem, was das Leben einer sechsköpfigen Familie rundheraus knackig, rotbackig und saftig macht.

Ruth Feile: Bilder mit Nadel und Faden

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Die Bilder ihrer Bilderbücher sind aus Stoff. Bis zum 12.2.2016 kann man die Originale im Buchpalast bestaunen und befühlen! Als Ruth Feile bei uns zu Gast war, flogen die Stofffetzen, denn jedes Kind durfte sich mit aufbügelbaren Stoffmotiven rund um Rosi und Butz eine eigene Tasche gestalten. Dank des fleißigen Einsatzes einiger Bücherfresser wurden an den Bügelstationen keine Finger mit angebügelt und manche Taschen bekamen noch Knöpfe und Borten. Geschichten, Bücher und Stoffe harmonierten wunderbar und am Ende ging es mit gefülltem Beutel heim. Ein herzliches Dankeschön an Ruth Feile, die für die gute Laune im Gewusel unserer kleinen Gemächer sorgte, für das üppige Bastelmaterial und die tollen Ideen, was sich alles daraus zaubern lässt.

Bunter Kinderalltag

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Tanja Székessy 3 Kinder und ein Tag, Klett-Kinderbuch 2015 € 14,95

Die Farbe in diesem Buch ist  das wildes Gekrakel auf allen Bildern, der große Schwung, das Toben und Streiten, das Lachen, Weinen und Träumen. Viele Gefühle, die Kinder schon gleich mit dem Aufstehen entwickeln. Geschwisteralltag bei dem immer alles gleichzeitig passiert und doch nie so richtig zusammen. 1 Kind tut dies, 1 Kind tut das und 3 hatten es zuerst. Nach dem Gang durchs Treppenhaus sind alle wach, der Älteste mag es den ganzen Tag am liebsten barfuss. Kindergarten, Schule, Spielplatz, Unfall, Krankhaus und endlich ist es wieder Schlafenszeit. Der ganz normale Wahnsinn, wenn man Kinder etwas Raum gibt, die Welt zu erfahren. Der Text bleibt sparsam und fordert zum Selbstentdecken auf. Vielleicht auch zum Diskutieren, ob alles, was hier passiert wirklich Spaß macht. Die Gesichter der Kinder, ihre Emotionen sind so vielschichtig, wie selten in einem Bilderbuch. Da gibt es viele Gesprächanlässe und man darf gespannt sein, wie Kinder, wenn sie von außen schauen, diese Welt empfinden.

Schwestern eben

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Rieke Patwardhan, Fräulein Schmalzbrot und Billie Ballonfahrer, Knesebeck Verlag € 12,95

Ganz schön spannend, wenn man die ganze Zeit vor dem dicken Babybauch warten musss und die Eltern die Frage "Wann kommt es endlich" nicht mehr hören können. Und wenn es da ist, wünscht man sich, dass es wieder geht, weil man die Eifersucht nicht mehr aushält. Wenn es fast mit dem Luftballon am Himmel weggeflogen wäre, ist man doch sehr glücklich, wenn man es wieder in den Arm nehmen kann. So ist das bei den Schwestern Fräulein Schmalzbrot (die Ältere) und Billie Ballonfahrer (die Jüngere). Zusammen erleben sie viele Abenteuer. Was ich unbedingt noch erzählen muss: Billie Ballonfahrer heißt so, weil ihre Mutter einen kugelrunden Bauch in der Schwangerschaft hatte und Fräulein Schmalzbrot immer sagte, das Baby wird mal Ballonfahrer. Fräulein Schmalzbrot hatte zwar noch einen anderen Namen, aber sie wurde so genannt, weil Mama in der Schwangerschaft immer nur Brote mit Schmalz aß. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es mit viel Pep geschrieben ist. Hannah, 13 Jahre und eine ältere Schwester.
Diese kurzweiligen Vorlesegeschichten erzählen von zwei Schwestern, die fünf Jahre Altersunterschied trennt. Natürlich könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Ihre besonderen Namen tragen sie seit Mamas Schwangerschaft. Fräulein Schmalzbrot ist ganz das Mädchen und Billie Ballonfahrer die Mechanikerin im Haus, sagt Mama, obwohl Fräulein Schmalzbrot denkt, dass Billie Ballonfahrer alles nur kaputt repariert. Mal hegen sie kühne Pläne, sich loszuwerden, so eifersüchtig sind sie aufeinander, mal möchte Billie genau die gleichen Kleider wie Fräulein Schmalzbrot tragen, was Fräulein Schmalzbrot zu verhindern weiß. Oft aber brauchen sie sich, denn beim Einhornherde spielen sind Eltern einfach nicht zu gebrauchen. Es wird abwechselnd aus der Perspektive der großen und der kleinen Schwester erzählt, sodass hier für jeden geschwisterlichen Zuhörer ein Part dabei ist. Obendrein wird der Familienalltag mit Pfiff und Langmut gelöst. Katrin Rüger

Männertag

Weber-Paul

Susanne Weber: Paul & Papa, Mixtvision Verlag € 11,95

Wenn Papa und Paul Männertag haben machen sie nur coole Sachen. Sie besuchen das Dino Skelett im Naturkundemuseeum, Paul darf mal in die Baggerkabine oder sie schauen aus dem Dachfenster den vorbeifahrenden Zügen zu. Manchmal erzählt Papa auch von früher und wie er mit seinen Freunden Bande gespielt hat.  Diese Kürzestgeschichten haben alle Zutaten für Jungs und ihre Väter. Wenn Mama Geburtstag hat, backen sie natürlich den tollsten Geburtstagskuchen, den die Welt je gesehen hat.