Hurrra ein paar Haustiere!

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Constanze Spengler, Katja Gehrmann: Seepferdchen sind ausverkauft, Moritz Verlag 2020 €14,00

Als Mika sich in der nahegelegenen Zoohandlung den kleinen Elefanten kauft, hat sie schon reichlich Erfahrung mit dem Kauf von Haustieren. Als beste Kundin bekommt sie sogar eine Portion Spezialfutter extra geschenkt. Vor dem Elefanten entschied sie sich für einen echten Piratenpapagei der natürlich sprechen konnte und ständig "Klappe halten, du Wattwurm!" sagte, einen Pinguin, der leider fernsehsüchtig wurde und der Wüstenspringmaus das Schwimmen beibringen sollte, eine Robbe, die sie als Aufpasserin für den Pinguin engagierte und einen Babyhund. Insgesamt bietet das Buch noch einen arbeitsvertieften Vater und jede Menge Spielspaß. Und da Mika all die Tage ihren Vater so brav arbeiten ließ ist am Ende, nach einem gehörigen Vaterschreck, der Ausflug zum See garantiert. All das hat Katja Gehrmann in ihrem wohlbekannten farbkräftigen Ölstrich schwungvoll in Szene gesetzt. Da findet jeder sein Lieblingstier. Vielleicht ist es ja der schmollende Pinguin, der nach dem Fernsehverbot mit verschränkten Flügeln in der Küchenspüle hockt und unter dem Wasserfall aus dem Hahn auf neues, verzauberndes Spielpotential hofft.

Starke Erinnerung

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Werner Holzwarth: Mein Jimmy, Tulipan Verlag 2019 € 15,00

Der kleine Madenpicker Hacki und das Nashorn Jimmy sind beste Freunde. Viel haben sie schon miteinander erlebt. Diese Geschichte, die zunächst von beide erzählt wird, handelt von ihrer Freundschaft, von ihrem Leben.  Hacki und Jimmy können sich nicht einigen, ob das Erzählte traurig, zum Lachen oder nur langweilig werden würde. Hacki, der hüpfende Aktivist ist auch Spezialist im verrückten Erzählen und Jimmy, der starke Typ, korrigiert Hackis Fantastereien geduldig. Er ist älter, ernster und ein wenig weise. Während das graue Nashorn und der blaue Vogel von gedeckter Packpapieratmosphäre und verschiedendsten Blautönen umspielt werden, die Holzwarth auf den unterschiedlichen Oberflächen eindringlich mit Schatten spielen lässt, heben sich Hackis ABenteuergeschichten mit schwarzen Figuren auf weißem Hintergrund ab. Nach ein paar letzten Witzen und einer letzten Nacht, die ihr Sternenzelt von dunklem Türkis schützend, von warmer Dunkelheit getragen und ebenso erhellend, über beide ausbreitet, wird Jimmy nicht mehr erwachen. Doch ein paar Wochen und Sonnenaufgänge später, wendet sich Hacki direkt an die Leser. Von seinem neuen Wirt, einem Zebra, erzählt er von seinem neuen Leben, in dem Jimmy, dank seiner fantastischen Erzählkunst lebendig bleibt. Ein grandios gelungenes Bilderbuch. Leichtfüßig und profund erzählt es vom Leben, von Freundschaft, vom Wandel und lässt viel Luft zum Denken und Reden.

Eine reizende, kleine Person

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Kitty Crowther: Der Besuch vom kleinen Tod, Carlsen Verlag €12,95

„Der Tod ist eine reizende kleine Person. Doch das weiß niemand.“ Kitty Crowther präsentiert ihn als behutsamen Kümmerer, doch keiner dankt ihm seine Fürsorge und niemand spricht mit ihm, bis ihm Elisewin begegnet, ein aufgeschlossenes Mädchen, welches schon auf den Tod gewartet hat. Endlich hat er eine lustige und gar nicht ängstliche Gesprächspartnerin doch leider wird sie nicht in seinem Reich bleiben. Wieder ist der Tod allein, bis Elisewin als Engel wiederkehrt. Von jetzt an werden die beiden gemeinsam an den Türen klopfen. Elisewins sanftes Gesicht macht den Menschen weniger Angst. „So ist es viel besser.“ Crowter ist eine großartige Geschichtenerzählin. Dem Tod nimmt sie den Schrecken, und eröffnet selbst ihm in ihren Geschichten hoffnungsvolle Möglichkeiten. Dabei bleiben Einsamkeit, Melancholie und Humor ihre Themen, die sie mit großem erzählerischem Können frappierend einfach in Szene zu setzen vermag.

Nackte Tatsachen

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Annika Leone, Bettina Johansson: Überall Popos, Klett-Kinderbuch 2020 € 14,00

"Mila fühlt sich mutig und verwegen", denn heute wird sie vom Beckenrand den Sprung ins Wasser wagen. Doch vorher heißt es duschen.  Mit ihren fünf Jahren ist sie gerade so groß, dass alle Pos auf ihrer Augenhöhe liegen. Was für ein spannender Anblick. All die verschiedenen nackten Körper. Dick und dünn. Mit Tattoo oder Sonnenbrand. Heller und dunkler. Dicker und dünner. Mit Haar oder rasiert. Und mit Baby im Bauch. Während Mila genussvoll ihr Kinderbäuchlein vorstreckt und die Arme hochreckt, damit Mama sie einseifen kann, schaut sie sich die Scheiden und Popos der Frauen genau an. Ihre Kommentare und Assoziationen sind herzerfrischend und ohne Berührungsängste. Nur Mama wird ein wenig rot dabei. Endlich im Schwimmbad treffen sie Papa wieder, der beim ersten Sprung vom Sprungbrett promt seine viel zu kleine Badehose verliert und nackig aus dem Becken klettern muss. Auch er wird ganz rot. Hier gibt es weit und breit keine weiteren Nackten mehr. Währnd Papa mit zusammengeklemmten Knien und Augen, die Hände vor dem Körper, hinter einen Blumenkübel flüchtet, sieht Mila die Badehose am Kopf eines anderen Badegastes schwimmen und springt beherzt vom Beckenrand ins Wasser, die Hose für Papa zu retten. So wird sie, in ihrer Spidermanhose mit Schwimmflügeln, ganz nebenei zur Superheldin. Wie selbstverständlich und unaufgeregt wird dieser Familienausflug in Schwimmbad erzählt, bei dem es viel großartiges und umwerfend gezeichnetes zu entdecken gibt: die Körper der Menschen, natürlich und nie maßgeschneidert, Milas Mut, die Scham der Erwachsenen, viel Gestik und Mimik, ermunternde Blicke und die Freude aller am Ende eines ereignisreichen Tages, an dem Mila sechs verschiedene Süßigkeiten aussuchen darf. Lange und salzige. Kleine und süße. Runde und knatschige. Und Papa strahlt über beide Ohren wie der Sonnenschein. Nochmal! Denn auch die Übersetzung der knackig, kurzen Texte ist ein Genuß. Die VorleserInnen werden auch wiederholt ihren Spaß dabei haben.

Winterwarme Tiergeschichte

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Kristina Andres: Mäusewinter Bärenschnee, Nilpferd Verlag 2019 € 14,95

Bär und Maus leben in einem Haus. Das sieht man daran, dass das Haus eine große Tür mit großem Fenster und eine winzige Tür mit winzigem Fenster nebeneinander hat. Und natürlich liegt es tief im Wald. Da der Bär regelmäßig Mittagsschlaf macht, fällt er nicht mehr in Winterschlaf. Ungeduldig warten beide auf die ersten Schneeflocken, während der Deckenbalken knarzt. Als der Winter endlich kommt, wird warme Suppe gekocht und die Tür für verschneite Gäste geöffnet: ein Hirsch und eine Kuh. Alles in diesem Buch strahlt wohlige Wärme und Gemütlichkeit aus. Der Text und das dicke Federbett, die fellgefütterten Pantoffeln, die Freunde und die Suppe. Mit diesem Bilderbuch kann man sich es im Winter getrost bequem machen.

Woche der unabhängigen Buchhandlungen: Kamishibai-Theater mit der Edition Bracklo

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Ob japanisches Kamishibai oder arabischer Wunderkasten – überall auf der Welt lieben es Kinder und Erwachsene seit jeher, wenn der Geschichtenerzähler um die Straßenecke biegt und seinen Stand aufbaut. Die Vorfreude auf die bekannten und immer wieder neuen Geschichten lockt das Publikum magisch an. Kleine Münzen in der Faust der Zuseher werden hervorgezaubert, um einen guten Platz vor der Bühne zu ergattern. So war es, wenn der japanische Kamishibai-Mann mit seinem Fahrrad erschien, auf dem die aufklappbare Bühne die altvertrauten Bildkarten in Szene setzte, und so war es beim arabischen Wunderkasten-Mann, der seine Rollbild-Bühne mit Gucklöchern ebenso herbeitrug wie das Bänkchen für die Kinder.
Mit den preisgekrönten, edel in Leinen gebundenen Bilderbüchern wie „Der Wunderkasten“ von Rafik  Schami und „Der Kamishibai-Mann“ von Allen Say stellt die Edition Bracklo zwei der wundervollsten internationalen Erzähltraditionen vor, die den universellen Wunsch aller Kinder nach Fantasie und Unbeschwertheit auf den Straßen einer komplizierten und doch oft einfachen Erwachsenenwelt dokumentieren.
Zum Start der Woche der unabhängigen Buchhandlungen, an diesem Samstagvormittag wird uns die Verlegerin Gabriela Bracklo im Buchpalast in die japanische Erzähltradition entführen, uns ihre Bücher vorstellen und zu jeder vollen Stunde eine Kostprobe des Kamishibai Theaters geben. Die Vorführungen dauern circa 30 Minuten.

Vom Regen in die Traufe

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Michael Engler, Jan Birk, Joelle Tourlonias: Regenland + Trockenland, Verlag 360 Grad 2019 € 18.-

Beide Seiten dieses Wendebuches erzählen eine ähnliche Geschichte: Im Regenland und im Trockenland brechen Kinder aus ihrer wetterbedingt nicht lebensfreundlichen Welt auf und machen sich auf die Suche nach einer bessere Zukunft. Rückschläge und Perspektivlosigkeit entmutigen diese starken, einsamen Kinder nicht. Zielstrebig und unerschrocken laufen sie der Buchmitte entgegen, wo sie sich treffen und Freundschaft schließen werden. Sollte diesem Buch ein erster Beitrag zum Verständnis für Klimaflüchtlinge im Kindergartenalter gelingen? Leider geht das Buch nicht der Frage nach, warum es in einem Land so trocken und in dem anderen so naß ist. Ebenso finden Rahmenbedingungen und Strapazen einer Flucht keine Erwähnung.  Das Buch setzt beide Lebenssituationen auf eine Stufe, obwohl die eine, die Dürre, schon heute extrem lebensbedrohlich auf der Welt ist und die andere zunächst nur schlechte Laune und andere Lebensbedingungen schafft. Die Bilder des Buches bedienen vollumfänglich alle Klischees und der Text gleicht einem Märchen. Alles ist auf Stimmung angelegt. Kennt man Jan Bircks Illustrationen zu Zarah & Zottel, Flätscher und anderen Büchern, wundert man sich wie sehr sich sein Strich an den von Joelle Tourlonias anpasst.  Warum wählte man eigentlich verschiedene Illustratoren? Ecken, Kanten und Widersprüche wirken unerwünscht. Als Lamar aus der Regenwelt mit seinem Boot plötzlich im Wüstensand strandet und ins saubere, weiße Nichts der Wüste, dem "Irgendwohin" läuft, bleibt man ratlos zurück. Läuft er hier, in diesem menschenleeren Buch, nicht vom Regen in die Traufe? Vielleicht möchte das Buch aber einfach nur von Aufbruch und Freundschaft erzählen, mit gebügeltem Strich und zarter Regenbogeninsel, die am Ende befriedigende Wohlfühlatmosphäre in einer romantischen Welt schafft. Und warum gibt es auf dieser langen Reise eigentlich nie etwas zu essen? Der Hunger der Kinder nach Wissenswertem über unsere Welt wird hier nirgends gestillt.

Aufregender Winterspaß

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Silvia Borando: Pass auf! Verlag Freies Geistesleben 2019 €14,00

Wir schauen in die Gesichter von zwei Kindern, die aus dem Fenster schauen. Rot und blau sind ihre Mützen und Jacken, gelb scheint das Licht im Hintergrund. Weiße Schneeflocken fallen vor der Fensterscheibe. Die beiden beobachten einen Vogel im Schnee. Da! Drei rosafarbene Hasen. Und Da! Eine Katze. Wird sie den Vogel fangen? Nein. Ein Bär kommt von der anderen Seite. Doch Hilfe! Was macht der Bär denn da? Die Gesichter der Kinder zeigen Erstaunen, Überraschung und Aufregung. Vollkommen gefesselt folgen sie den Ereignissen, so wie es kleine Betrachter auch tun werden. Schon stürzen sie hinaus in den Schnee zu den Tieren. Doch da sind alle weg. Überzeugend einfach und klar gestaltet Borando das einzelne Bild und die Bildfolge und doch birgt sie eine rasante Geschichte. Bilderbuchkunst für Kleine. Zum Benennen, Entdecken, Fühlen und Mitfiebern. Ein Winterbuch, das einheizt.

Zwischen Tradition und Moderne – weit weg und vertraut.

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Liu Xun: Zähnchen, Zähnchen auf das Dach! edition bracklo 2019 € 19,80

Als Niunius erster Milchzahn ausfällt rennt sie aus dem Haus auf der Suche nach ihrem Opa. Er soll ihr helfen, den Zahn auf das Dach ihres Hauses zu werfen, damit sie wächst und lange lebt. So weit die Tradition. Niunius Viertel besteht aus kleinen, alten Gassen, in denen am Morgen das Leben erwacht. Kinder drängen zum Spiel hinaus, Erwachsene machen sich an die Arbeit. Niuniu kennt sie alle: die hübsche Schneiderin, den Messerschleifer, den Friseur, den Fischhändler mit dem großen Bassin auf seinem Fahrrad und den Mann mit der kleinen Popkornmaschine. Ihren Opa findet sie beim Schachspiel. Mit seiner Hilfe landet Niunius Zahn neben den ihres Vaters und Großvaters auf Dach. Nun beherbergt ihr Haus ihre Familiengeschichte über drei Generationen. Doch ein Wandel, die Baukräne am Himmel zeichnen sich ab. Die Häuserwände der schmalen Gassen sind mit dem Zeichen für Abriss gekennzeichnet. Sie müssen modernen Hochhäusern weichen. Werden mit ihrem Abriss auch die Geschichten der Menschen, die Nähe zu ihnen, das Miteinander, die Gelassenheit verschwinden? Niuniu streift mit offenen, neugierigen Augen durch ihre Welt.
In China schreitet der Wandel zur Moderität schnell und selbstverständlich voran. Die in Nanjing beheimate Autorin und Illustratorin möchte vor allem zeigen und beschreiben, was in ihrer Stadt vor sich geht, wie Zeit verstreicht und Leben sich verändert oder vergeht. Mit ihrer Geschichte macht sie in Anbetracht dieser unaufhaltsamen Reise zur Moderne, den Moment des Innehaltens, des Schauens, Beobachtens und Wahrnehmens, wie es Kinder spielerisch tun, besonders kostbar. Ihre in Aquarell und Bleistift gezeichneten Straßenszenen sind voller Details und Lebendigkeit. Sie eröffnen uns eine ungewohnte Welt, die sich erstaunlich nah und vertraut anfühlt.

Kindergarten-Helden-Geschichte

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Ole Könnecke: Desperado. Ein Western, Hanser Verlag 2019 € 14.-

Roy liebt es, seine Tage im Kindergarten zu verbringen, denn seine Kindergärtnerin Heidi ist sehr nett. Es gibt Saft und Kekse und alles wäre in schönster Ordnung, würde nicht ein wilder Bandit Heidi zur Heirat zwingen wollen. Gut, dass Roy ein wahrer Cowboy ist und nie ohne sein Pferd in den Kindergarten kommt. Obendrein ist das Pferd genauso schlau wie Roy. Kein Wunder also, dass dieses Traumteam mit dem Bandit kurzen Prozess machen wird und Heidi wieder befreit. Ein ganz normaler Kindergartentag, oder? Die sparsamen, Ole Könnecke typischen Zeichnungen in leichtem Strich erzählen märchenhaft vom selbsternannten Retter auf seinem Pferd. Der kurze Text treibt in entwaffnender, kinderfantastischen Logik den Fortgang der Geschichte voran. Unerschrocken heldenhaft für kleine Zuhörer und augenzwinkernd witzig für Große, die das Heldendasein hier in vollen Zügen mit genießen werden.

Magischer Familienausflug durch die Nacht

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Marie Dorléans: Auf leisen Sohlen durch die Nacht, Gerstenberg Verlag 2019 € 16,00

Für einen besonderen Familienausflug verlassen die Kinder schlaftrunken ihre Betten. Es ist noch mitten in der Nacht, die Welt ist in magisches Blau getaucht. Hier wirft ein Fenster seinen Lichtschatten auf die Straße. Die Fenster des großen Hotels bilden besonders schöne Muster. Es knistert, raschelt zirpt und quakt. Auch die Gerüche sind in der Nacht viel intensiver. Welch Abenteuer! Zwischen den Baumkronen funkeln die Sterne, wie ein glitzerndes Meer. Nun noch ein Stück hinauf, im Schein des Taschenlampenkegels und am Gipfel eng aneinandergekuschelt warten, denn hier sind sie verabredet und werden zu Zuschauern eines überwältigenden Schauspiels. Grandios kunstfertig setzt Dorléans Licht und Schatten, die Nacht, die Dunkelheit in Szene. Ein großartiges Entdeckerbuch zum Nachspüren und Träumen.

Mit Sonnenschirm und Taschenlampe

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Titel

Die Geschichte ist der Klassiker: Zwei gegensätzliche Seiten, zwei unterschiedliche Wesen, die all ihren Mut zusammen nehmen, einander zu begegnen, um Freunde zu werden. Das hochaufgeschossene Struppige lebt in der dunklen Düsternis, das eiförmige Zarte im hellen Licht. Traumhaft schön inszeniert Julie Völk in spezieller Fototechnik, der Cyanotypie, zwischen Pflanzen- und Blütenstengeln mit sattem blau, gelb und Rot diese verwunschene Welt. Ein Buch voll zarter Gefühle, dass optisch magisch anzieht.

Leinenloses Leseabenteuer

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Lorenz Pauli, Kathrin Schärer: Ein Passwort für die Pippilothek, atlantis Verlag 2019 € 14,95

Seit der Fuchs lesen kann und die Bibliothek besucht, führt sein Weg am Hofhund vorbei, den er gern ärgert und jagd. So lockt er den Hund  in die Bibliothek. Doch als dieser gerade die Bücher entdeckt, wird er vom Bauer mit einer dicken Kette angeleint. Nun sitzt er mit einem Glasbrett in seiner Hütte und spielt Onlinespiele. Spielerisch entdecken Fuchs und Hund die Unterschiede zwischen digitalem Lesen und Hören und den Büchern, die einfach wunderbar riechen und dem Fuchs zurufen können: Schau mich an! Auch als Hut umschließen sie den Kopf einfach besser.  Eigene Geschichten schreiben und zeichnen sie lieber auf Papier. Wie schon im ersten Band, zelebrieren die Tiere die Bücher und das Lesen, werden schlau und schlauer, sodass sie bald den Trick herausbekommen, die Ketten zu lösen, um auch wieder "offline" gehen zu können.

Bilder können alles sagen

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John Hare: Ausflug zum Mond, Moritz Verlag 2019 € 14,00

Der kleine Trödler hält Farbstifte und Block in öder Mondlandschaft trotzig in seinen Armen. Wortlos, in Raumanzug und blickdichtem Helm, schaut man ihm dirket in die Seele. Man spürt die erste Ratlosigkeit des Vergessenwordenseins und die Konzentration des Zeichners. Man hört die ungerechtfertigte Rüge des zurückgekehrten Lehrers und schmunzelt beim Abschied des Mehrwissenden. Ein Bilderbuch zum Versinken, zum Träumen und Weiterdichten, mit erstaulicher Gefühlsdichte, die allein aus Haltungen und Gesten entstehen kann.

Papas kinderleichte Erziehung zu Spiel & Spaß dank Langeweile.

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Claude Dubois: Pff..., Moritz Verlag 2019 €10,95

"Schluß jetzt!" Papa Erpel spricht ein Machtwort und schickt seine am Handy herumklickenden Küken an die frische Luft. Nun hängen sie wie nasse Waschlappen über einem Ast und geben sich der Langeweile hin. Die folgende kleine Bildsequenz weckt bei Erwachsenen Sehnsuchtsgefühle. LANGEWEILE. Gibt es sie eigentlich noch? Bald kommt Papa mit einem Wäschekorb unter dem Arm wieder vorbeigeschlendert und wirft Optionen in die Kinderrunde. Man könnte ja Fussball  spielen, Fangen, Blinde Kuh oder gar beim Wäsche aufhängen mithelfen?  Am Ende pumpt er das Planschbecken auf. Die Kinder sind nicht überzeugt und überlassen das Wasser zunächst einem dahergelaufenen Spatz. Natürlich weiß am Ende keiner wie es kam, aber die Kinder schließen Freundschaft und spielen so toll wie lange nicht mehr. Beim Anblick der tobenden Kinder staunt die Mama nicht schlecht. Die Geschichte formt sich aus der Luft und wird von Seite zu Seite von einer Leichtigkeit getragen, die dem Nichts zu entspringen scheint. Der Langeweile eben. Schön, dass es sie noch gibt. Dubois fängt sie ein, mit den ihr typischen, prägnant knappen Strichen, die gerade im Weglassen ihre erzählerische Kraft enwickeln. Ganz nebenbei und mit großer Selbstverständlichkeit schmeißt in diesem Buch auch der Vater den Haushalt. Schön, dass die große, weite Welt so genussvoll zelebriert werden kann, Enteneltern sei Dank!

Wer abholzt muss aufforsten

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Duncan Beedie: Willbarts Wald, Magellan Verlag 2018 € 14.-

Wenn der eifrige Förster mit seiner treuen Axt in den Wald geht, ist am Abend kein Baum mehr am Leben und ein wütender Vogel beschwert sich. Der Holzfäller bietet ihm Herberge in seinem Bart. Am nächsten Tag, der Förster verbrennt Äste und Zweige, schimpft ein Stachelschwein. Als er am dritten Tag die Stämme zum Sägewerk flösst, wütet der Biber. Mit den drei Waldtieren im Bart und im Bett lässt sich nachts kein Auge mehr schließen. So rasiert der Förster kurzerhand auch seinen Bart, in dem die heimatlosen Tiere Unterschlupf gefunden haben und schappt sich seine treue Schaufel, um neue Bäume zu pflanzen.

Fantasie kennt keine Grenzen

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Anushka Ravishankar, Susanne Straßer: Ausreden, Ausreden, Peter Hammer Verlag 2019 € 16,-

Zwischen Kindern und Erwachsenen können in der Betrachtung eines Sachverhaltes Welten liegen. Auch diesem Buch kann man sich von verschiedenen Seiten nähern. Die einen verfolgen Tims Bemühen, die anderen fiebern mit seiner Fantasie.  Beim Start in die Woche nimmt Tim sich vor hilfsbereit, nützlich, brav und vernünftig allen erwachsenen Erwartungen zu entsprechen. Doch jeden Tag gerät ihm die anstehende Aufgabe irgendwie zu verrücktem Blödsinn und absurdem Quatsch.

Starke Mädchen

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Ursula Poznanski, Sabine Büchner: Die allerbeste Prinzessin, Loewe Verlag 2018 €12,95

Ein sattes, actionreiches Vorlesebilderbuch voller Kronen, Drachen und natürlich: Prinzessinnen. Die drei Schwestern treiben ihren Vater, den König, mit ihrer Wildheit und Streitleidenschaft fast in den Wahnsinn. Aber der König kommt auf eine rettende Idee. Er würde seine Prinzessinnen verheiraten, dann müsste sich einfach ein anderer mit den jungen Damen herumärgern. Auch die Prinzessinen sind hellauf begeistert und jede möchte die Hübscheste und Schönste, die Schnellste und Beste sein. Dabei überrennen sie den armen Prinzen glatt und und finden eine ganz neue Passion. Besser als hier, könnte man nicht von starken Mädchen erzählen!

Wie viele Tiere wohnen bei dir?

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Mario Ramos: Mama! Moritz Verlag 2018 € 12,95

Ein Bett, ein Bär, Bauklötze und ein Ball - es könnte so schön sein, das  Buchstabenspiel mit B, würde nicht von der Decke zum Boden ein riesiges, raumeinnehmendes Nilpferd sitzen und diese Buchstaben-Harmonie stören. Mit seinen Riesenpranken stapelt es Bauklötzchen. Sie sind numeriert. Eins, zwei, drei, vier. "Mama!" ruft der Junge an der Tür. Nein, in diesem Raum ist sie nicht zu sehen. Hier sitzt nur ein Nilpferd. Weiter also. Man folgt nun dem Jungen durch die Räume eines gut bevölkerten Hauses. Auf dem Klo sitzen zwei Löwen. Im Schlafzimmer spielen drei Giraffen, im Bad machen sich vier Krokodile frisch.  Eins, zwei, drei vier. Kannst du auch die Ziffern für diese Zahlen auf den jeweiligen Seiten finden? Wir wollen hier nicht verraten, wie das farbenintensive, tierisch lebendige Bilderbuch für die Allerkleinsten ausgeht. Das Nilpferd jedenfalls, ist vollkommen unschuldig und hat nichts zu tun, mit der ganzen Aufregung. So viel sei verraten. Und wer am Ende bis zehn zählen kann, darf noch weitermachen. Acht Schweine sitzen um den Wohnzimmertisch und versuchen sich an einem 800 Teile Puzzle. Überall fliegen die Puzzelteile herum. Herrje, was für ein Saustall! Ein wunderbar verspieltes und rundum überzeugendes Buch aus der Welt der Zahlen und Tiere, das ganz nebenbei Kinderalltag lebendig in Szene setzt.

Der Abschiedsbrief

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Dita Zipfel, Mateo Dineen: Monsta, Tulipan 2018 € 15,00

Dieses Monster schließt man sofort ins Herz: auf spillerigen Beinchen steht es da wie ein Vogel, mit fluffigem Körper wie ein Wattebausch. Der breite Mund reicht ihm von einem Ohr bis zum anderen (wenn es Ohren hätte). Auch Zähne hat es nicht grad viel. Dafür schaut es mit riesigen Glubschaugen keck in die Welt. Es scheint voller Tatendrang. "Hi" hat es ungelenk mit seinem Stift an die Wand geschrieben. Die Worte geraten ihm lautmalerisch. Monsta und Kint. Hat es gerade erst schreiben gelernt? So wie monstern? Dieses Monster, es heißt übrigens Harald, schreibt seinem Kind einen wichtigen Brief. Einen Abschiedsbrief, denn aus Monstersicht ist mit dem Kind bei dem Harald wohnt und arbeitet etwas ganz und gar nicht in Ordnung. Das Buch ist eigentlich ein Klassiker. Der große Grusel wird bei genauer Betrachtung ganz klein. Das Monster müht sich, groß und gefährlich zu werden und dabei schließen wir es ins Herz. Tausendmal gelesen und immer wieder von Neuem gruselwitzig und herzerwärmend. Vor allem die Monsterillustrationen und Gruselkabriolen sind wunderbar.

Erstes Lesen kopfüber

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Daniel Fehr, Maurizio A.C. Quarello: Wie man ein Buch liest, Jacoby & Stuart 2018 € 14.-

Kann man ein Buch richtig lesen? Oder falsch? Kinder lesen Bilder-Bücher gerne unabhängig vom Text und schwerelos kopfüber. Was aber für eine Verwirrung bei den Figuren und Dingen entsteht, wenn sie der Schwerkraft folgen würden, erzählt diese turbulente Geschichte. Die abrupte Öffnung hat Hänsel und Gretel aus dem Baum geschleudert. Nun hängen sie am Gartenzaun und turnen zum Strommasten, derweil der Leser, vermutlich, der Anweisung folgend das Buch dreht. Ein Knochen fällt Hänsel dabei aus der Hand. Erneut landen sie im Baum, auf den es nun Töpfe und Pfannen regnet. Während Hänsel und Gretel sich durch die Seiten hangeln, gesellen sich mehr und mehr bekannte Figuren hinzu: Ein Kaiser reitet nackt durchs Bild, Käpt'n Ahab versucht seinen Wal zu fangen derweil es auf der gegenüberliegenden Seite Meerwasser regnet. Nochmal gedreht und nochmal. Die Figuren geraten in einen wilden Strudel bis endlich jemand das Oben und Unten, das Links und Rechts des Buches festlegt. Welch ein Glück. Jetzt passt alles. Natürlich wissen wir schon von Anbeginn, wie man ein Buch liest, aber Hand aufs Herz: So normal ist das doch wirklich langweilig! Dies ist ein Bilderbuch zum Spaß haben, das sich mit seinen klaren Großbuchstaben auch wunderbar zum ersten Lesen eignet.

Großes Glück im Kleinen

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Michelle Cuevas, Erin E. Stead: Der Flaschenpostfinder, Fischer-Sauerländer 2018 € 16.-

Grünschimmernd liegt das Meer in der Senke. Unzählige Stufen winden sich vom Haus des Flaschenpostfinders zu ihm hinab. Die Blätter eines Baumes spielen mit den Wölkchen. Eine Kuh grast friedlich im Vordergrund. In der Ferne sieht man den Leuchtturm. Alles steht übersichtlich an seinem Platz, wenn der Flaschenpostfinder sich zur Arbeit begibt. Konzentriert geht er von seinem Boot aus auf Flaschenpostfang, um sie dann weiter zu Fuß ihren Empfängern zu überbringen. Eine Arbeit, die anderen Freude und Glück ins Haus bringt, denn diese aus der Ferne kommenden Briefe sind Schätze, die das Selbst stärken und von Freunden erzählen. So ernsthaft der Flaschenpostfinder seine Aufgabe erfüllt, ein eigener Name und Freunde sind ihm fremd. Doch als ihm ein äußerst merkwürdiger, unadressierter Brief ins Netz geht, der ihn ratlos und rastlos von Haus zu Haus laufen lässt, nimmt Unerwartetes seinen Lauf. In zarter, stiller Melancholie entwickeln sich Bilder und Text zu etwas Großem im Kleinen. Einfach und spontan, wie ein Wellenschlag, entsteht das Miteinander der Menschen.  Zwischen Tang und Seesternen, Sand und Sonnenschirmen steigt am Ende eine Party und die Menschen halten inne, feiern den Tag und sich selbst. Ruhe, Freude und Glück zieht ein und reicht von den Herzen bis zum Horizont.

Wenn die Maus auf dem Tisch tanzt – Märchenfantasie und Vorlesespaß

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2019, Bilderbuch

Mac Barnett, Jon Klassen: Der Wolf, die Ente & die Maus, Nord-Süd Verlag 2018 € 15.-

Im ersten Satz ist die Welt noch in Ordnung. Ohne viel Aufheben verschlingt der Wolf eine Maus. Märchenerprobte ahnen sofort, dass dieses Ende nur der Anfang einer verrückten  Geschichte sein kann. Im Magen des Wolfes ist es zappenduster und die Maus bringt eine empörte Ente um ihren Schlaf. Beim Frühstück freunden sie sich an und bald ist die Party in feinstem Gang. Sie macht dem Wolf Magengrimmen und er spuckt Ente und Maus wieder aus, was die beiden mächtig empört. Natürlich hat es ein Jäger auf den Wolf abgesehen. Unerschrocken nehmen sie den Kampf um ihr Zuhause auf und retten dem Wolf das Leben.

Fairer Streit auf Augenhöhe

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2019, Bilderbuch

Jörg Mühle: Zwei für mich, einer für dich, Moritz Verlag 2018 € 12,95

Bär und Wiesel sind nicht auf den Mund gefallen. Mit ihren dreizinkigen Forken fuchtelnd verhandeln sie, wem der dritte Pilz zusteht. Wie aus der Pistole geschossen treffen sich ihre Argumente in der Mitte auf dem karierten Tischtuch. Und wo zwei sich streiten, freut sich am Ende der Dritte. Der Klassiker aller Streits entfaltet sich am Fuße der Bäume zwischen Herbstlaub, minmalistisch und detailreich zugleich, energiegeladen und witzig. An den Baumstämmen haben sich der große Bär und das kleine Wiesel ihr Zuhause eingerichtet. Hier gibt es viel zu entdecken.

Gedanken im Fahrtwind

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Christina Laube, Mehrdad Zaeri: Marthas Reise, Knesebeck 2018 € 25.-

Opas Haus und Garten scheinen aus der Zeit gefallen. Sie bilden eine Insel des Innehaltens, beherrscht vom grün der Natur und der Freude am Lebens. Auf ihrer Bahnfahrt zu ihm gehen Martha viele wichtigen Fragen durch den Kopf: Ob sie auch schon Wurzeln hat, wie Opa und seine großen alten Obstbäume? Und ob man ihre noch in einem Topf mitnehmen könnte?  Alles fließt, ihre Gedanken trudeln im Fahrtwind des Zuges, tanzen mit dem Herbstlaub und verbinden Gehörtes mit Erlebtem und Erdachtem. Wohin wird ihre Lebensreise gehen? Ganz automatisch entstehen die ersten Bilder ihrer eigenen Reiseroute  im Kopf. Sie formen sich in ihre Gedanken, Träume und Sinneseindrücken. Der poetische Text steht  im Einklang mit feiner Bilderbuchkunst. Die scherenschnittartigen Stanzungen formen ein Gitternetz von Ein- und Durchblicken, auf manchen Seiten vibriert die Luft im Strich des Stiftes. Der großzügige Gedanken-Luftraum mancher Seiten rückt die kleine Martha gerade besonders ins Licht. Immer wieder breiten sich Szenen von großer Ruhe vor dem Auge des Betrachters aus. Ein Buch, das man gleich wieder und wieder gucken und lesen möchte.

Wie Lemminge lesen lernen

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Ame Dyckman, Zachariah Ohora: Lest das Buch, Lemminge!

Gemütlich geht es auf dem Walfangschiff zu. Seine Besatzung liest. Foxy studiert ein Buch über Lemminge, Käpt'n Bär seine Zeitung. Während drei Lemminge wie aufgeregte Hüpfebälle auf der Reling herumturnen, zitiert Foxy das Neuste aus seinem Buch. Lemminge springen nicht über Klippen, steht dort. Kaum fällt das Wort "springen" hüpfen die Drei über die Reling in die Tiefe. Nach einer ersten Rettungsaktion versucht Foxy Abhilfe zu schaffen. Die Lemminge müssen das Buch lesen. Das allerdings, ist leichter gesagt als getan und es wird noch viele Sprünge von der Reling geben, die herzhaft lachen lassen, bevor die Lemminge wirklich lesen lernen und damit natürlich auf neue Ideen kommen. Mit seinen flächigen, schwarz dominierten, sparsamen Illustration, in denen die Lemmlinge in Sprechblasen ihre Aktionen kommentieren, spielt das  etwas anderes Buch für die Schultüte mit Comicelementen und lässt die Kinder mit schwungvollem Spaß schon ihre ersten Worte lesen.

Träumerische Zirkuswelt

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Mattias de Leeuw: Zirkusnacht, Gerstenberg Verlag 2018 € 13,95

Über den Baum durch das Fenster steigt der kleine, schwarze Hund elegant ins Kinderzimmer des Mädchens. Sie lockt ihn mit einer Schüssel. Der Hund ist verspielt. Ein richtiger Zirkushund, scheint es. Zwei Stunden später schläft das Mädchen ein und träumt.....Ein Zirkus ist in der Stadt. Der Clown vom Plakat über dem Bett trägt das Mädchen behutsam hinüber. Sein Hut wird ihr Kleid. Auch der Hund ist wieder da. Und dann geht es so richtig los. Kleinformatige Einzelszenen wechseln mit großen Inszenierungen auf Doppelseiten. Kaum merkt der Betrachter, dass es in diesem Buch keinen Text gibt, so dicht und intensiv weben die Bilder die Geschichte. Nummer folgt auf Nummer. Es wird eine lange, aufregende Nacht. Ein wunderbares, aufregendes Buch zum gemeinsamen Schauen und Erzählen. Ein Buch,dem der Zauber des Zirkus innewohnt.

Abschied nehmen

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Saskia Hula, Eva Muszynski: Bikos letzter Tag, Klett-Kinderbuch 2017 € 14.-

Lange war Biko für alle da. Er ist der Familienhund. Er passt auf alle auf. Doch nun ist er alt und müde. Ein gutmütiger Kerl. Mit Falten und Runzeln, hängenden Ohren und Lefzen und trockener Nase. Zeit Abschied zu nehmen. Dem Hund fällt das leicht. Ein wenig sehnt er sich nach dem Ende. Er fühlt sich geborgen. Vater, Mutter und die beiden Kinder sind da. Selbst die eigenwillige Katze. Die Menschen sind traurig. Das ist normal. Man sieht und fühlt es in den Bildern, in Haltung und Ausdruck der Figuren. Ihre lichten Farbtöne aus  zartem Gelb, Ocker und hellem Grün sprechen aber auch vom Leben, das weitergehen wird. Die Worte erzählen sachlich. In ihnen schwingt auch das Glück. Das Buch lässt viel Raum und Zeit, bereitet den Abschied vor, den Wechsel, die Veränderung, der uns den Schmerz bereitet. Ein gelungenes, sanftes und stilles Buch, in dem der Tod wichtig, traurig und schön zugleich sein darf.

 

Der Garten im Haus – von Fläche, Form & Farbe

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Samantha Friedman, Christina Amodeo: Matisse und sein Garten, Diogenes Verlag/ Museum of Modern Art € 20.-

Ganz schlicht im Text erzählt dieses rundum gelungene, in farb- und formbetonender Collagetechnik illustrierte Bilderbuch, wie der Künstler Matisse den Ausdruck der Formen entdeckte. Man nehme Papier und Schere, schneide eine Form und klebe sie an die Wand. Etwas später kommt ein Hintergrund dazu. Und Form mit Gegenform. Kinderleicht wirkt das Spiel. Ein ganzer Garten im Zimmer entsteht. Dieser unmittelbarer Einstieg in die Kunst fesselt den Betrachter und fordert ihn geradezu auf, die Schere gleich selbst in die Hand zu nehmen. Eingebettet in die kleine Geschichte finden sich sieben Original-Scherenschnitte von Matisse, die zum Teil auf prächtigen, aufklappbaren Doppelseiten präsentiert werden. Auf dem mattierten, für ein Bilderbuch ungewohnt starken Kunstdruck- Papierseiten strahlen sie dem Betrachter in besonderer Intensität entgegen. Ein Buch zum Verweilen und Träumen. Ein Buch, dass die eigene Kreativität anregt.