30 Jahre Mauerfall – Gespräche im Miteinander 13. April – 7. Juni 2019

Vor 30 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Mauer, die zur Teilung Deutschland führte, Familien trennte und vielen die Freiheit nahm. Was können wir erzählen, vom Leben mit der Mauer? Wir wollen anregen, Geschichte zu teilen und wieder in Erinnerung zu bringen. Dazu präsentiert der Buchpalast von Mitte April bis Ende Mai eine Ausstellung mit Rätselralley und vier Veranstaltungen. Wir zeigen Originalillustrationen von Horst Klein aus dem Buch Hübendrüben, präsentieren Bilder, Zeugnisse und Kurioses, das wir bei unseren Familien und unseren Kunden gesammelt haben. Zum Entdecken, Anfassen, Staunen & Fragen, Bücher lesen und zur Gesprächs- und Leseanregung für Groß und Klein.

Mit Stefan Zweig im Gepäck

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Oliver Hintze, Susanne Krones: Tonspur. Wie ich die Welt von gestern verließ, dtv TB € 14,95

Dreistimmig lockt Olaf Hintzes Tonspur in das Reich seiner Erinnerungen. Mit seiner eigenen, im Buch in wörtlicher Rede gehaltenen Stimme, einer vorsichtig und sorgsam zu nennenden Annäherung seiner Chronistin Susanne Krones und jenen, immer wieder aufs Neue ergreifenden Zitaten aus Stefan Zweigs Welt von Gestern taucht vor unseren Augen ein Land wieder auf, dass 30 Jahre nach seiner Auflösung beginnt in Vergessenheit zu geraten. Hintze, aufgewachsen im Erfurtder 70er und 80er Jahre, entdeckte die Kraft und Sogwirkung von Büchern und Musik.

18. Mai 2019, 15:00 Uhr: Der erste Deutsche im All. Zu Gast Sigmund Jähn

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Maja Nielsen: Kosmonauten. Mit 20.000 PS ins All. Gerstenberg Verlag € 12,90

Der menschliche Versuch, nach den Sternen zu greifen, wurde vom Wettlauf zweier Großmächte, dem kalten Krieg in dem sie sich befanden, angekurbelt. Und abhängig davon, ob man als Kind in West oder Ost groß wurde, heißen die Helden des Weltraums Neil Armstrong oder Jury Gagarin, Ulf Merbold oder Sigmund Jähn. Die sowjetische Raumfahrt hatte in einigen Punkten die Nase vorn. Sie schickte den ersten Menschen überhaupt in die Erdumlaufbahn und auch der erste Deutsche im All, Sigmund Jähn, war Bürger der DDR, ein Kosmonaut. Maja Nielsen spürt  in ihrem Buch  diesen ersten Weltraumabenteurern, den Kosmomauten, nach und erzählt packend für Kinder und Erwachsene über eine noch heute faszinierende, historische Zeit.

Im Würgegriff des Überwachungsstaates

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Grit Poppe: Schuld, Dressler Verlag € 9,99

Jana wächst in einem partei- und linientreuen Elternhaus auf. Gerade ist sie in eine schöne Villa am Stadtrand Berlins gezogen. Ihr Vater hat die Leitung eines Hotels übernommen. Neben ihr in der neuen Klasse sitzt Jakob. Seine Eltern haben einen Ausreiseantrag gestellt. Er gilt als Einzelgänger. Besser man hat keinen Kontakt zu ihm. Die beiden Außenseiter finden sich und Jana lernt die Welt Jakobs kennen, erst naiv, dann erstaunt und am Ende gefangen in vielen widerstreitenden Gedanken, in denen sie sich fast selbst verliert.

Leben, denken, handeln. Wenn das Gewissen mit den Zähnen knirscht.

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Klaus Kordon: Krokodil im Nacken, Beltz & Gelberg TB € 9,95

Manfreds Kindheit wird vom Leben in Mutters Kneipe bestimmt. Oft stromert er durch die Straßen des östlichen Berlins und spielt in den Trümmerbergen, geht für die Mutter einkaufen am  S-Bahnhof Gesundbrunnen mit seinem westlichen Einkaufsparadies. Er verliert sich in der Welt der Bücher, entdeckt das Kino und das Theater. Die Kriegswitwe hat keine Zeit für Kindererziehung. Sie stirbt früh und Manfred wird als Spätwaise in einem sozialistischen Kinderheim erwachsen. Mitten in der Arbeit stehend holt er sein Abitur nach und macht ein Fernstudium, heiratet jung und bekommt zwei Kinder. Den geforderten Eintritt in die Partei, das politische Mitwirken am Aufbau des Arbeiter- und Bauernstaates den die DDR Diktatur erzwingt, wird von Lenz immer wieder erneut umgangen.

Für Demokratie und Menschenrechte

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Thomas Henseler, Susanne Buddenberg: Grenzfall. Ost-Berlin 1982: Ein Schüler rebelliert gegen die herrschende Politik, avant Verlag €14,95

Sie drucken ihre Zeitung, die sie Grenzfall  genannt haben, in wechselnden Verstecken. Anfangs in einer Auflage von 50 Exemplaren, später einige Hundert. Immer im Visier und auf der Flucht vor dem Überwachungsapparat der DDR, dem Ministerium für Staatssicherheit, für die sie sich mit ihrem Handeln und ihrer Meinung zu Staatsfeinden gemacht haben. Sie berichten von all dem, was in der DDR nicht laut gesagt werden darf und fordern die Menschenrechte ein: Das Recht auf freie Meinungsäußerung, Chancengleichheit in der Bildung, Versammlungs- und Reisefreiheit. Sie schreiben über die Umweltzerstörung durch den Braunkohleabbau und äußern sich gegen die Stationierung von Atomwaffen, einer Friedensinitiative, die sich in den 80er Jahren in beiden deutschen Ländern formiert.

Kinderalltag an der Mauer

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Katja Ludwig: Das Mauerschweinchen, cbj 2019 € 13.-

"Schwein gehabt", denkt Aron, als das Meerschweinchen an seinem improvisierten Gleitschirm über die Grenzanlage in den Westen Berlins segelt. Ein Meerschwein und die Berliner Mauer bilden den Mittelpunkt zweier Kindergeschichten, die vom Leben in den deutschen Ländern der 80er Jahre erzählen. Die Mauer führt quer über die Wolliner Straße und bildet die Begrenzung der kindlichen Welten. Arons Eltern wollen mit dem Westen nichts zu tun haben, aber Arons Oma besucht ihn regelmäßig. Als Rentnerin darf sie von Osten nach dem Westen reisen. Deshalb nennt Aron sie auch seine "Wandeloma". In Noras Mietshaus, auf der westlichen Seite wohnt auch eine Oma. Jeder nennt sie Oma Wirsing. Sie wandelt manchmal in umgekehrter Richtung, von West nach Ost, um sich die Haare preisgünstig in lila Locken legen zu lassen. Noras größter Weihnachtswunsch wäre ein Meerschwein gewesen, doch ihre Eltern wollen ihn ihr nicht erfüllen.

Freundschaft, stärker als die Diktatur

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Judith Burger: Gertrude Grenzenlos, Gerstenberg 2018 € 12,95

Ina lebt in der DDR. Als eine Neue in ihre Klasse kommt, merkt Ina sofort, dass sie anders ist als alle, die sie bisher kennt. Gertrude trägt Westklamotten, hat ein nettes Lächeln und schöne blaue Augen. Aber es gibt auch einen anderen Grund, weshalb sie nicht so ist wie die anderen. Ihr Vater schreibt Gedichte, die angeblich den Staat schlecht machen und deshalb verboten sind. Aus diesem Grund wird die Freundschaft von Gertrude und Ina nicht gerne gesehen. Nicht nur von den Lehrern, sondern auch von Inas Mutter, die ihr sogar verbietet, sich mit Gertrude zu treffen. Doch Ina überlegt sich einen Plan, um ihre Freundschaft zu retten.

Kindheit auf zwei Seiten der Mauer

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Franziska Gehm & Horst Klein: Hübendrüben. Als eure Eltern klein und Deutschland noch zwei waren. Klett-Kinderbuch 2018 € 14.-

Max und Maja sind Cousin und Cousine und wachsen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auf. Wie damals üblich gehen ihre Väter zur Arbeit. Ihre Mütter sind Hausfrauen. Max hat eine kleine Schwester und Maja einen kleinen kleinen Bruder. Sie gehen zur Schule, genießen die Sommerferien und sprechen die gleiche Sprache. Fast. Max will Astronaut werden und Maja Kosmonaut. Max liebt Hähnchen und Maja Broiler. Cola? "Darfst du nicht", sagen die Erwachsenen zu Max. "Knusperflocken?" "Hammer nich", sagen sie zu Maja.

Wie lebt man Demokratie?

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Herbert Günther: Der Widerspruch, Gerstenberg 2017 € 16,95

Vier Generationen, sagt man, braucht es, ein ditatorisches System aus den Köpfen der Menschen zu bekommen und ein neues, demokratisches, Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Für die Jugendlichen der ersten Generation nach dem Krieg war es nicht leicht, dem Alten zu widersprechen und das Neue zu leben. Herbert Günther entwirft und begleitet, für die Schullektüre bestens geeignet, vier jugendliche Charaktere in die Zeit der 60er Jahre der noch jungen Bundesrepublik. Reni, Jonas, Britta und Robert sind kurz nach dem Krieg geboren und gehen 1963 in die 9. Realschulklasse. Robert, der Verantwortungsbewusste, bringt sich als Chefredakteuer der Schülerzeitung und als Klassensprecher in die Gemeinschaft ein. Britta, die Außenseiterin, als Ossi aus Stralsund geflüchtet, vertritt unbeirrt offensiv  ihre demokratische Meinung.

Sammlerin von Augenblicken

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Anne Krüger: Alle der Kosmonauten, Loewe Verlag € 17,95

In Anne Krügers Debüt „Die Allee der Kosmonauten“ geht es um die junge Frau Mathilda, die in der DDR groß wurde und nach dem Fall der Mauer nicht mehr weiß, wo genau im Leben sie eigentlich steht und was sie von sich, ihren Mitmenschen und der Zukunft erwartet.
Anne Krüger hat selbst einmal in der Allee der Kosmonauten gewohnt, allerdings ist der Roman nicht autobiographisch erzählt, sondern reine Fiktion. Im Gegensatz zur ihrer Protagonistin wollte sie auch nie Kosmonautin werden, wie viele Kinder und Jugendliche, die im Ostblock groß wurden. Die Kosmonauten wurden damals als Idole verehrt, ihr Beruf war der Traum vieler Heranwachsender. Anne Krüger wollte als kleines Mädchen lieber Osterhase werden. Es stellte sich dann doch heraus, dass ein Germanistik-Studium etwas näher an der Realität liegt und da Schreiben ihr schon immer ein Bedürfnis war, verfasste sie bald Theaterstücke und Hörspiele.

Leben in der DDR

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Buchmesse: Frankfurt 2014: Unser erster Programmpunk war die Podiumsdiskussion zwischen zwei Autorinnen, die beide aus der DDR kommen und Bücher darüber geschrieben haben: Grit Poppe mit Weggesperrt, Abgehauen und aktuell Schuld, und Dorit Linke mit ihrem Debüt Jenseits der blauen Grenze. Mit beiden konnten wir ein Interview führen.

In den goldenen Westen

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Dorit Linke, Jenseits der blauen Grenze, Magellan 2015 € 16,95

Hanna und Andreas leben in der DDR. Hanna ist  eine Leistungsschwimmerin. Die beiden Freunde sind als Staatsfeinde in das Visier der Staatssicherheit geraten. Nun müssen sie über die offene Ostsee flüchten. Sie sind nur über einen 50 cm langen Nylonfaden verbunden. Ich finde dieses Buch gelungen, da es spannend aufbereitet ist und immer zwischen Rückblick und Gegenwart wechselt. Schön zu lesen. Sehr zu empfehlen. Anna, 13 Jahre

Flucht über Prag

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Grit Poppe, Abgehauen, Oetinger Tb 2015 € 6,99

Abhauen. Das ist scheinbar das einzige, was Gonzo, die offiziell Nicole heißt, tun kann, um den Jugendwerkhöfen der DDR zu entkommen. Und sie versucht es immer wieder, egal wie oft sie erwischt wird. Denn Gonzo hört nicht auf, von der Freiheit zu träumen, außerhalb der Grenzen des Drills, des Gehorsams und der Gewalt in den Jugendwerkhöfen. Doch als ihr letzter Fluchtversuch glückt und sie auf René trifft, eröffnet er ihr sogar eine neue Freiheit: Flucht in die BRD. Gemeinsam reisen sie 1989 nach Prag und schließen sich den Menschen an, die dort die Botschaft der Bundesrepublik besetzen, immer in der Hoffnung auf ihr Happy End. Dramatisch, realitätsnah und spannend vor allem für diejenigen, die Deutsche Geschichte bisher nur aus dem Schulunterricht kannten. Kathi,17 Jahre

Begegnung nach Mauerfall

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Holly-Jane Rahlens, Mauerblümchen, Rowohlt Tb € 6,99

Holly-Jane Rahlens ist eine gute Autorin, die ich gerne lese, auch weil ihre Sprache nicht zu "jugendlich" aber auch nicht zu erwachsen ist, also genau richtig. Da es nicht viele Bücher über den Mauerfall gibt, lohnt es sich schon deshalb, es zu lesen. Auch die Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen sind gut gezeichnet. Es ist sehr gut recherchiert, ich habe viele interessante Dinge entdeckt, die ich vorher noch nicht wusste. Kathi, 17 Jahre

Kindsein in der DDR

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Nadja Budde, Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln, Fischer Schatzinsel Tb 12,95

Das Buch ist eine Mischung zwischen Comic und Graphic Novel. Es wird eine Kindheit in der DDR beschrieben, auf die Nadia Budde zurückblickt. Ich fand es witzig und auch nachdenklich. Im ersten Kapitel habe ich mich an meine Großeltern erinnert, die auch auf dem Land leben. Das Buch wird ab 14 empfohlen, aber ich glaube, dass man es als Erwachsener, der auf seine Kindheit zurückschaut, noch besser versteht. Man muss auch ein bisschen über die DDR wissen, weil es viele Anspielungen darauf gibt. Meine Mutter hat das Buch gelesen, es hat ihr sehr gut gefallen und ihr sind einige Sachen aufgefallen, die ich gar nicht bemerkt hätte. Trotzdem ein sehr unterhaltsames Buch!!

drüben!

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Simon Schwartz, drüben! Avant Verlag € 14,95

Drüben ist eine Graphic Novel, die vor allem in schwarz, weiß und grau gehalten ist und so gut zu der Stimmung in der DDR passt. Der Autor erzählt die Geschichte von sich und seinen Eltern, die aus der DDR fliehen wollen. Doch deren Eltern, die überzeugte Bürger der DDR sind, fassen die Flucht nicht gegen das unterdrückende System, sondern gegen sich selbst gerichtet auf. Ich fand das Buch gut, es liest sich schnell  und ist sehr interessant, aber "Such dir was aus, aber beeil dich" zum Thema DDR ist noch origineller.