Inseldrift

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Nick Drnaso: Sabrina, Blumenbar 2019 € 26.-

Calvin, Leutnant der Air Force, beherbergt seinen Schulkammeraden Teddy, dessen Freundin Sabrina seit Wochen vermisst wird. Drnasos Szenen kennzeichnen Sprachlosigkeit und stummen Schmerz, Hilfsbereitschaft in Hilflosigkeit. Illusionslos und unsentimental. Das Leben in gebrochener, matter Farbigkeit leerer Räume. Calvin ist Vater einer vierjährigen Tochter. Frau und Tochter haben ihn verlassenn. Noch hofft er, nach Ablauf der Vertragsfrist die Arbeitsstelle wechseln und wieder in die Nähe seiner Tochter ziehen zu können. Gleichförmig arbeitet er sich durch die Tage, nachts spielt er mit den Arbeitskollegen Egoshooter Spiele. Die gesichtslosen Welten gleiten ineinander. Der gewaltsame Tod Sabrinas kommt per Post als Video in die Redaktionen, lässt die böse Vorahnung real werden, und verbreitet sich als Livestreamact samt vieler Verschwörungstheorien unaufhaltsam im Netz. Calvins mechanische Hingabe zu Teddy, die ignorante Züge trägt, hilft ihm, Shitstorm und Morddrohungen stand zu halten. Teddy s Leere füllt ein zwielichtigem Radiosender, dessen Moderator den Untergang der Welt beschwört und sein Heil verkündet. Ist dies die schöne, neue Welt oder ihr gesellschaftlicher Zerfall, der Wirklichkeit entrückt? Drasno inszeniert Menschen in einer verstörenden Welt, lässt sie an der Oberfläche zu treiben, einem nicht fassbaren, passiven Strom ausgesetzt, auf sich selbst zurückgeworfen, umherwandlend in unterkühlter Starre. Kontaktarm und isoliert ertragen sie eine Welt voller Härte auf der verzweifelten Suche nach Leben, nach Menschlichkeit. Die kleinen Lichtblicke, die Suche Teddys nach der Hauskatze oder Calvins Wohnungsübergabe an einem Kollegen am Ende, seinen Abschied und Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt, wirken wie ganz großes Kino. Die herausragendste Graphic Novel des Jahres, die man gelesen haben muss. Sprachlose Bilder eines befremdlichen und nur allzurealen Miteinanders.

„Schönheit ist der Glanz der Wahrheit.“ Mies van der Rohe

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Augustín Ferrer Casas: MIES. Mies van der Rohe - ein visionärer Architekt, Carlsen Verlag 2019 € 20.-

Die Graphic Novel präsentiert das Leben Mies van der Rohes aus einem Gespräch heraus, welches der alte Ludwig Mies mit seinem Enkel führt. Sie befinden sich auf dem Weg von Amerika nach Berlin, zur Grundsteinlegung der Neuen Nationalgalerie. Die Schaffensgeschichte Mies van der Rohes beginnt mit seinem anstoßerregenden Deutschlandpavillon zur Weltausstellung 1929. Nur eine Statue und eine freistehende Wand aus kostbarem Marmor fängt den Blick in seinem Inneren. Schön. Weniger ist mehr. Die Nazis ließen den Pavillon, er stellte "die Macht des modernen Deutschlands dar, das mit viel Mühen die Folgen eines ruinösen Krieges überwand", abreißen, ebenso wie sein Liebknecht-Luxemburg Denkmal. Und schon gerät der Betrachter zwischen die Fronten von Kunst und Politik. Zwischen Zeppelinen und Hakenkreuzen versuchte der Architekt und Leiter des Bauhauses in Dessau seine jungen Studenten an seine moderne, transparente Bauweise heranzuführen. Die Moderinät wird weniger und weniger gewollt. Im nationalsozialistischen Deutschland bleibt kein Mittelweg. Anpassung und Hingabe, Verrat der eigenen Ideen oder Fortgang. Mies van der Rohe emigrierte. Ein ganzes Leben, viele Frauengeschichten, Privatbungalows und Designklassiker später wird die Neue Nationalgalerie in Berlin das einzige Bauwerk sein, welches der große Architekt der Moderne in Deutschland nach dem Krieg errichtet hat. Der spanische Comickünstler Casas präsentiert in seinen Bildern ein pralles, an manchen Stellen fiktionalisiertes Leben, welches durch seine Widersprüche, die es zur ästhetischen Schönheit der Kunst erzeugt, in besonderer Intensität und Lebendigkeit aufflammt.

Von kleinen und großen Abschieden

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Nina LaCour, Alles okay, Hanser Verlag 2019 € 16,00

Marins Verlust ist einer von denen, die den Leser mit in eine Tiefe ziehen, aus der er gemeinsam mit der Protagonistin im Verlauf der Geschichte nach und nach wieder auftaucht. Als Kind hat Marin ihre Mutter verloren, einen Vater gab es nie. Gerade erwachsen,verliert sie den Großvater, ihren Mittelpunkt ihres Lebens, und damit auch sich selbst.  Seither ist nichts mehr okay, Marin verkriecht sich vor der Welt und ihren Freunden. Das erste Wiedersehen der besten Freundinnen nimmt die Autorin zum Anlass, um Marin und Mabel zaghaft zurückblicken zu lassen: Auf die letzten Sommertage. Auf die Zeit des Schulabschlusses, angefüllt mit Plänen, Hoffnungen und vielen letzten Malen. Marin und Mabel ist klar, dass sich ihre Wege wegen des Studiums trennen werden. Ungeplant war jedoch, wie sich in dem ganzen Taumel ihre Herzen und Körper finden. Hatte die zarte, heimlich gelebte Liebe je eine Chance? Ein intensives und emotional starkes Jugendbuch über Liebe, Freundschaft, Verlust und den Weg aus dem Dunkeln ans Licht.

Mehr als nur ein Wort: Was bedeutet die Todesstrafe?

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Sarah Crossan: Wer ist Edward Moon? Mixtvision 2019 € 17.-

Edward Moon ist Mitte zwanzig und sitzt seit zehn Jahren in Haft, des Mordes für schuldig befunden, ausgerechnet in Texas, wo auf Mord die Todestrafe steht. Annäherung an diese schwer vorstellbare Lebenssituation bringt Eds kleiner Bruder Joe, dessen lebendige Erinnerungen an seinen großen Bruder aus einer Zeit stammen, als er grade sieben Jahre alt war. Er ist es, der in den letzten Wochen vor dem festgesetzen Termin des endgültigen Strafvollzuges den Weg zum und ins Gefängnis findet und die Gespräche mit dem  Bruder auf sich nimmt. Gekonnt springt Crossan zwischen den zwei Zeitebenen, Joes Erinnerung und seiner Sicht als heute 17jähriger. Dabei verweben sich bald Joes und die eigenen Fragen und mehren die in offenem Raum stehenden Zweifel an der Richtigkeit eines solchen Vollzuges. Kann man sich Eds Schuld überhaupt sicher sein? Gibt es noch Chancen das Urteil aufzuschieben oder gar auszusetzen? Wo bleibt das Gewissen, wenn man im Namen des Staates Todesurteile vollstreckt? Atemlos verfolgt der Leser das Setting, klammert sich an die letzten Hoffnungsschimmer inmitten aller plangenauen Vorbereitungen zum gesetzlichen Mord. Wie auch schon Anne-Laure Bondoux in Der Mörder weinte, beantwortet Sarah Crossan die Frage des Titels  mit der Suche nach dem Menschen, dem Wesen des und der Menschen. Das macht eine Antwort nicht leicht. Umso ergreifender ist es jedoch, Joe zu folgen. Was macht ein Todesurteil mit denen, die es begleiten müssen, mit der Familie, die zerbricht und zurückbleibt? Wie auch schon in ihrem für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominierten Vorgängertitel Eins öffnet Sarah Crossan in knapper, packender Sprache eine Tür hinter der ein weites Feld liegt.

Rebellion gegen die Machthungrigen

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Rebellion gegen die Machthungrigen

Giovanna & To Fletcher: Eve of Man 01, dtv 2019 €18,95

Selten hat mich das Ende eines Buches so sprachlos gemacht. Die Geschichte von Eve und Bram ist ungewöhnlich, denn die beiden Protagonisten sind sich nie wirklich begegnet und haben sich dennoch ineinander verliebt. Bram war, bevor er sich gegen seinen mächtigen Vater und das System stellt, Holly, Eves "beste Freundin" und ein Hologram. Eve, 16 Jahre, das letzte Mädchen auf der Erde und somit zur Retterin der Menschheit erklärt, eingesperrt in eine Kuppel, beschützt, benutzt, und für Fortpflanzungsversuche missbraucht, begibt sich - durch Brams Mut angestachelt -  auf ihre eigene Rebellion. Viel Stoff für eine spannende Dystopie, in der sich die beiden jungen Menschen in der Rebellion finden und am Ende hoffentlich siegen werden. Doch davon verrät der erste Band leider noch nichts.

Furioser Auftakt in eine nagelneue Fantasywelt

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Christelle Dabos: Die Spiegelreisende 01. Die Verlobten des Winters, Insel Verlag 2019 € 15,99

Die Spiegelreisende - Die Verlobten des Winters ist der erste Teil einer Reihe und spielt in einer fiktiven Welt, in der die Erde, die wir kennen, in viele Teile auseinander gefallen ist.  Seitdem leben die Menschen auf so genannten Archen, zwischen denen man nur mithilfe von Zeppelinen oder ähnlichem reisen kann. Die Verlobten des Winters ist der Debütroman der französischen Autorin Christelle Dabos. Die Welt wurde sehr gut beschrieben und ist dadurch, dass sie von der Zeit her an das 20. Jahrhundert erinnert, auch nicht die klassische mittelalterliche Fantasygeschichte.

Drachen-Über-flieger

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Christopher Paolini: Eragon, cbj € 9,99

Das Buch spielt in einer eigenen Welt namens Alagaësia. Dort gibt es Drachen, Elfen, Urgals, Zwerge und Menschen. Es dreht sich alles um einen Jungen namens Eragon, der in dem Dorf Carvahall lebt und ohne Eltern aufwächst. Deswegen verbringt er seine ersten sechszehn Jahre bei seinem Onkel, seiner Tante und seinem etwas älteren Cousin Roran. Als er eines Tages im Buckel, dem nächstgelegenen Gebirgszug, jagen geht, findet er einen blauen Stein. Zumindest glaubt Eragon, dass es ein Stein ist. Als wenig später aus dem vermeintlichen Stein ein Drache schlüpft, wird er zum Drachenreiter. Nach wenigen Tagen tauchen finstere Gestalten auf, die das Drachenei suchen. Da Eragon ihnen Saphira, wie er den Drachen genannt hat, nicht überlassen will, flieht er. Nun ist es seine Aufgabe den König Galbatorix zu stürzen, da er der letzte Drachenreiter ist.

Was sich unter der Oberfläche verbirgt

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Anna Woltz: Für immer Alaska, Carlsen Verlag 2018 € 12.-

1.  Ich heiße Parker. Ich heiße so, weil ich in einem Park geboren wurde.
2. Vor zwei Jahren haben wir die Asche meiner toten Oma im Phantasialand ausgestreut.
3. Und ich kann Jingle Bells bellen. Zitat: Woltz, Für immer Alaska
Nur zwei von diesen drei Fakten über Parker sind wahr, einer ist erfunden, und der letzte ist das nicht. Denn Parker hatte es geliebt, mit ihrem Hund Alaska zu „singen“, bevor sie Alaska weggeben musste. Parker vermisst Alaska ganz schrecklich, bis sie sie wiedertrifft, als Assistenzhund ihres Klassenkameraden Sven. Wenn der nur nicht so fies wäre… Also beschließt Parker Alaska zu entführen, doch Sven kommt ihr in die Quere. Aber ohne Parker zu erkennen, nachts, außerhalb der Schule verhält er sich wie eine ganz andere Person…
Für immer Alaska ist nicht nur die Geschichte eines Mädchens, das seinen Hund liebt und vermisst und das unter dem Mobbing in der Schule leidet, sondern auch die eines Jungen, der seine eigenen Probleme hat. Es zeigt, dass man niemanden voreilig verurteilen sollte, und das auf nicht in einer moralisierenden Art, und man oft gar nicht alles sieht, was eine Person ausmacht, weil sich vieles unter der Oberfläche verbirgt.

Ein Sommer voller Leben

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Anne Freytag: Mein bester letzter Sommer, Heyne Verlag 14,99

„Stell dir vor, stell es dir einfach mal vor: deine Schulklingel läutet, alle freuen sich, ja, endlich Sommerferien und weißt, es ist dein letzter Sommer, was du noch nicht weißt, es wird dein bester, letzter Sommer sein.“ Zitat: Freytag, Mein bester letzter Sommer
So geht es Tessa. Sie ist 17. Sie weiß, dass sie sterben wird. Viel Besonderes hat sie noch nicht erlebt. Ihre Eltern behandeln sie auf einmal als wäre sie aus Watte und sie verschanzt sich nur noch in ihrem Zimmer und wartet auf das Ende. Doch das ändert sich schlagartig, also sie Oskar trifft. Er macht, dass es ihr schönster Sommer wird. Beide fahren nach Italien und erleben viel, so viel, dass es am Ende ein bisschen einfacher ist, zu gehen. Das besondere für mich an dem Buch war, dass man sich wie ein stiller Zuschauer fühlt, der mit auf die Reise genommen wird. Am Ende fühlt man sich traurig und leer.  Was den Schmerz lindert ist, dass Tessa einen verdammt schönen letzten Sommer hatte. Auch wenn sie tot ist, irgendwo da oben wird sie an den Sommer mit Oskar denken. Im Herzen von ihm wird sie weiterleben.
Das Buch kann ich allen empfehlen, die eine Liebesgeschichte ohne Happy End suchen. So wie es halt auch manchmal im echten Leben ist.

Eine witzige Enkel-Oma-Conection

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Eine witzige Enkel-Oma.Connection

Kathrin Schrocke: Immer kommt mir das Leben dazwischen, Mixtvision 2019 €14,00

Karl ist unglücklich verliebt, in Irina, das Nachbarsmädchen. Er möchte außerdem Youtube-Star werden und sich einen Künstlernamen zulegen. Und irgendwie gelingt es ihm gemeinsam mit seinen Cousins Master und Desaster dafür zu sorgen, dass seine Oma heimlich in eine Generationen-WG umziehen kann. Doch für all das haben die Eltern des Dreizehnjärigen gerade keinen Blick, sie haben ganz andere Probleme. Der neue Chef von Karls Muter bringt die Ehe ins Wanken, der Vater zieht aus. Dass er sich ausgerechnet in Omas neuer WG einmietet und seine Mutter nichts davon erfahren darf,  lässt den Kloß in Karls Hals gehörig wachsen. Wie Karl das neue Leben von seiner Oma und deren Mitbewohner findet, wie es sich anfühlt, plötzlich einen traurigen Vater zu haben, der seltsame Dinge tut, und wie es dazu kommt, dass er am Ende doch noch Irina küssen wird, das kann der Leser nur mit einem ständigen Grinsen im Gesicht lesen, denn : Karls kommt tatsächlich das Leben immer wider dazwischen.

IT Welt superspannend, kurzweilig, witzig und visionär

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Tobias Schrödel: It's a Nerds World, Arena Verlag 2019 €13,00

Wie und durch wen formte sich IT eigentlich zu dem, was wir heute alle wie selbstverständlich benutzen: Computer, Spiele, Smartphone. Mail, Google, Facebook. Verschlüsselungen und Bitcoins. Superspannend, kurzweilig und witzig präsentiert Tobias Schrödel die Menschen, die Stück für Stück zum Wachstum digitaler Welten beitrugen. Ganz nebenbei erfahren die Leser über die Funktionsweisen digitaler Techniken, von Zufällen und Visionen der Erfinder, Gründer und Pioniere. Ein rundum gelungenes Buch zum immer Wiederlesen oder Vorlesen.

Enthemmendes Miteinander

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Horst Klein, Monika Osberghaus: Alle behindert, Klett-Kinderbuch 2019 € 14,00

Geht das wieder weg? Mutige Normalität im Besonderen: 15 dauerhafte Einschränkungen werden hier neben 10 Wesenmerkmalen präsentiert, die im Miteinander einfach hinderlich sind. Die Übergänge dabei sind fließend. Mitmachlevel und Lieblingssätze verorten Sachinformationen spielerisch wie ernsthaft. Spannend, witzig, nahbar, nachvollziehbar und einfach enthemmend!

Verschlossene Welten

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Katya Balen: Mein Bruder und ich und das ganze Universum, Carlsen Verlag 2019 € 13,00

Die Geschichte beginnt mit einem Ereignis, dem Kinder mit freudiger Erwartung entgegen sehen. Frank und sein kleiner Bruder Max bekommen neue Schuhe zum Schulanfang. Doch bei Max führt alles Ungewohnte und Neue zu irrsinnigen Wutausbrüchen, bei denen er sich selbst verletzt. Frank nennt das die Kernschmelze. Seine Familie und er versuchen das Schmelzen von Max zu verhindern, den Sechsjährigen vor sich selbst zu schützen, ihn auf Neues behutsam vorzubereiten oder die Dinge beim Alten zu belassen wo es geht. Mit Max redet man in Zeichensprache, oder mit Bildern, und Worten, die er oft nicht an sich heranlässt, denn die Welt von Max ist eine ferne, verschlossene Welt.

Erebos ist zurück

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Ursula Poznanski: Erebos 2, Loewe Verlag 2019 € 19,95

Erebos ist wieder auferwacht! Jahre nach der Vernichtung von Erebos findet Nick wieder das rote E doch nicht nur auf dem Computer sondern auch auf seinem Handy. Es kommt schlimmer als es je war. Erebos kontrolliert Nicks Leben wenn dieser nicht gehorcht zerstört die Software alles was ihm wichtig ist. So verschwinden wichtige Fotos oder seine Freundin trennt sich. Es zwingt zum spielen. Deswegen holt sich Nick bekannte Hilfe... Endlich ist die Fortsetzung von einem meiner Lieblingsbücher Erebos erschienen! Es ist wieder ein phänomenales Buch voller Spannung und Mysterium. Sobald ich erfahren habe das es erschienen ist konnte ich mich auf kein anderes Buch konzentrieren sonder musste es einfach an einem Stück durchlesen, weil es mich so gefasst hat.

24. September 2019, 18:30 Uhr: Premierenveranstaltung mit Lutz van Dijk: Bis bald, Opa.

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Lutz van Dijk: Bis bald, Opa. Peter Hammer Verlag 2019 € 14.-

Wie gewöhnlich fährt Daniel in den Winterferien zu seinem Opa Anton. Dieser lebt bei Kapstadt in Südafrika. Das war schon immer so, solange Daniel denken kann. Doch in diesem Jahr bekommt Daniels Mama kurz vor seiner Abreise einen alarmierenden Anruf. Opa Anton liegt im Krankenhaus.  So schließen sich Mamas neuer Freund und seine Tochter der Reise mit an. Kaum gelandet, umfängt die kleine Patchwork-Familie die Farbigkeit eines südafrikanischen Sommers, die Sprachenvielfalt des Landes, das pralle Leben, in deren Mitte die besondere Familiengeschichte Daniels steht. Gekonnt jongliert der Autor in seiner Geschichte mit der Vorbereitung eines Abschiedes. Eine Liebeserklärung mit dem festen Glauben an die Kraft des Miteinanders im Leben.

Packendes Romansachbuch

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Peer Martin: Hope. Es gibt kein zurück. Du kommst an. Oder du stirbst, Dressler Verlag 2019 € 20,00

Die Leser begleiten den junger kanadischer Backpacker Mathis und ein somalisches Kind auf der Fluchtroute von Johannesburg nach Quebeck. Dabei begegnet ihnen die raumgreifende Zerstörung der Welt, die Gier der Menschen, die daraus resultierende Gewalt und die damit zusammenhängenden Fakten des Klimawandels. Peer Martin lässt Mathis Geschichten sammeln und vernetzt dabei unser Wissen über Ursachen und Wirkungen, über die Zusammenhänge auf unserer Welt zu einem  starken „Romansachbuch“. Für Fridays for Future Fans und solche, die es werden wollen.

Freundschaft per Email

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Holly Goldberg Sloan, Meg Wolitzer: An Nachteule von Sternhai, Hanser Verlag 2019 € 17.-

Avery Blom ist ein ganz normales, schlaues Mädchen mit einem alleinerziehenden, schwulen Vater. Eines Tages erhält sie eine Email der ihr unbekannten Bett Devlin, die behauptet ihre beiden Väter wären ein Paar. Nun wollen die Väter ihre Mädchen zusammen in ein Feriencamp schicken, damit sie Freundinnen würden. Und das wollen Avery und Bett um alles in der Welt NICHT. Für Avery ist das zuerst ein Schock, aber vielleicht wäre es doch möglich, eine neue Freundin zu finden.
Ich finde dieses Buch fantastisch, da die beiden in ihren Persönlichkeiten so verschieden sind, sich in ihren Problemen und Hindernissen aber auch ähneln. Außerdem ist es faszinierend, wie die beiden Autorinnen es geschafft haben, zusammen eine so spannende Geschichte zu schreiben. Unbedingt lesen! (das macht auch "Nicht"-Lesern Spaß)

Ein Album verschwundener Dinge

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Till Penzek, Julia Neuhaus: Als die Großen klein waren. Ein Album verschwundener Dinge, Nilpferd Verlag 2019 € 16,95

Wisst ihr noch, liebe Eltern, wie unser erstes Spiel an einem Bildschirm aussah? Es nannte sich "Pong" und war so eine Art Tennis mit eckigem Ball, der sich von Seite zu Seite bewegte, wobei man wie gebannt auf den Fernseher starrte und versuchte den weißen Strich am Rande auf und ab zu bewegen. Das war der Tennisschläger, der den Ball zurückleitete. Es war so langweilig, dass man freiwillig nach einer gewissen Zeit lieber wieder "richtiges Fernsehen" schaute. Das Fernsehprogramm hatte schon Farbe und man konnte zwischen drei Sendern wählen. Wollte man eine Sendung schauen, musste man pünklich auf dem Sofa sitzen. Der 24 bändige Brockhaus füllte im ersten Stock des Hauses ein ganzes Regal. Er war die Quelle allen Wissens. Musik bannte man vom Radio auf Kassetten, Filme etwas später auf Videokassetten. Den Bandsalat wickelten wir mit einem Bleistift wieder hinein, in die Kassette. Bei den langen Diaabenden unserer Eltern interessierten uns weniger für die Bilder und mehr für das Knabberzeug, dass es sonst nie gab. Das Buch erzählt sparsam und  auf den Punkt gebracht, mit viel Raum für eigene Bilder, von Mediennutzung, Informationstransfer und Gesprächsaustausch. Nostalgie kommt da sicher nicht auf, doch ein gemächlichen Familienalltag, der doch noch gar nicht so lange her ist, rückt in den Fokus. "Wisst ihr noch, warum das Metall nebem dem Geldeinwurf in einer Telefonzelle immer so stark abgerieben war?" Natürlich!

Bitterer Kampf um ein Tropfen Wasser

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Neil und Jarrod Shusterman, Dry, Fischer Verlag 2019 € 15,00

Apokalyptische Settings in Amerika sind jedem bekannt. Aber dieses Buch lebt davon, dass ständig Unerwartetes passiert. Südkalifornien ist der Wasserhahn abgedreht.  Alles, was geschieht, geschieht zeitversetzt. Die Menschen reagieren. Auf Nachbarn, die das letzte Wasser wollen, das du besitzt. Auf die Flinte, mit der du bedroht wirst und besser abhaust. Auf das verloren Gehen der Eltern bei der Suche nach Wasser. Der Leser folgt vier jungen Leuten, die aus Gründen zusammen kommen, die mit dem Überleben zu tun haben. Man hetzt mit ihnen durch ein vertrocknetes Land, spürt den Durst und hofft auf eien guten Ausgang. Denn alles andere wäre eine wirkliche Katastrophe.

30 Jahre Mauerfall – Veranstaltungreihe mit Zeitzeugen

Vor 30 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Mauer, die zur Teilung Deutschland führte, Familien trennte und vielen die Freiheit nahm. Was können wir erzählen, vom Leben mit der Mauer? Wir wollen anregen, Geschichte zu teilen und wieder in Erinnerung zu bringen. Dazu präsentiert der Buchpalast von Mitte April bis Ende Mai eine Ausstellung mit Rätselralley und vier Veranstaltungen. Wir zeigen Originalillustrationen von Horst Klein aus dem Buch Hübendrüben, präsentieren Bilder, Zeugnisse und Kurioses, das wir bei unseren Familien und unseren Kunden gesammelt haben. Zum Entdecken, Anfassen, Staunen & Fragen, Bücher lesen und zur Gesprächs- und Leseanregung für Groß und Klein.

Der erste Deutsche im All: Sigmund Jähn zu Gast im Buchpalast

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Maja Nielsen: Kosmonauten. Mit 20.000 PS ins All. Gerstenberg Verlag € 12,90

Der menschliche Versuch, nach den Sternen zu greifen, wurde vom Wettlauf zweier Großmächte, dem kalten Krieg in dem sie sich befanden, angekurbelt. Und abhängig davon, ob man als Kind in West oder Ost groß wurde, heißen die Helden des Weltraums Neil Armstrong oder Jury Gagarin, Ulf Merbold oder Sigmund Jähn. Die sowjetische Raumfahrt hatte in einigen Punkten die Nase vorn. Sie schickte den ersten Menschen überhaupt in die Erdumlaufbahn und auch der erste Deutsche im All, Sigmund Jähn, war Bürger der DDR, ein Kosmonaut. Maja Nielsen spürt  in ihrem Buch  diesen ersten Weltraumabenteurern, den Kosmomauten, nach und erzählt packend für Kinder und Erwachsene über eine noch heute faszinierende, historische Zeit.

Auf den Spuren der Erinnerung

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Clare Furniss: Morgen ist heute schon vorbei, Rowohlt Rotfuchs 2019 € 14,99

Sicherheitshalber macht Hattie drei Schwangerschaftstest. Das Ergebnis aus der Hingabe einer Nacht ist eindeutig, der Vater dieses zukünftigen Kindes weit weg, die Selbstverständlichkeit das Kind abzutreiben steht fest in ihrem Kopf. Ihr Mut, zur Tat zu schreiten, ist noch nicht gefasst. Er wird verdrängt, von einer vergessenen Verwandten, einer Schwester iher Großmutter. Keiner der beiden giert nach Kontakt und doch hofft Hattie von dieser alten Frau etwas über ihren eigenen Vater in Erfahrung bringen zu können. Wenn dann jetzt, denn Gloria wird dement und beginnt zu vergessen. Gloria erzählt Hattie Unerwartetes. Die beiden verbindet die ungewollte Schwangerschaft.  Unverheiratet schwanger war damals vollkommen undenkbar, noch dazu, wenn das Kind eine andere Hautfarbe haben sollte. Stück für Stück eröffnet Gloria eine Geschichte, die Dramatik gewinnt und mehr und mehr den Atem nimmt. Erst gegen Ende entdeckt man die Liebe, das Leid und die Erstarrung in Sprachlosigkeit,  den Mut, der Entscheidungen stützt und  sich an ganz unerwarteten Stellen auftun wird. Funiss komponiert ein Frauenschicksal aus den 50ern und eins in heutigen Zeiten zu einem packenden, vielschichtigen Roman. Viel hat sich seit dem geändert und einiges gar nicht, denn die Entscheidung einer jungen Frau, ihr Kind zu behalten hat mehr mit dem Herzen zu tun, als mit dem Verstand. Wie weitreichend diese Entscheidung ist und über Generationen hinweg Wege eröffnet, können LeserInnen hier gewahr werden. Beeindruckend!

Grandios!

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Jason Lutes: Berlin. Gesamtausgabe, Carlsen 2019 € 46.-

Heute steht die Weimarer Republik im Fokus und hält für so manchen Vergleich zur heutigen Zeit her. Lutes begann dieses, zwanzig Schaffensjahre umfassende, Werk 1994. In symphonischer, atemraubender Manier hat das Leben in der Großstadt Berlin zwischen 1928-1933 auf 550 opulente Seiten gebannt. Da ist Marthe. Sie flüchtet vor einer arrangierten Heirat in ein Kunststudium nach Berlin. Im Zug lernt sie den Journalisten Kurt Severing kennen, der ihr in der fremden Stadt die ersten Schritte erleichtert. Er arbeitet für Ossietzkys Weltbühne, mit Ringelnatz als Freund an seiner Seite. Marthes Liebe zu Severing wird zum beständigen Auf und Ab und bald durch eine neue Tonart erweitert. In der Kunstschule lernt sie Anna kennen. Ein junge Frau, die sich als Mann kleidet und fühlt. Die ganze Stadt ist in Bewegung. Eine Zeit am Abgrund. Eine Zeit in der sich Hass und Gewalt formieren. Eine Zeit, die atemlos macht. Und sprachlos. Eine Zeit, in der Severking an der Macht seiner Worte zu zweifeln beginnt und doch sind es Worte, die hetzen, verbünden, trennen und aufzuwiegeln verstehen.  Weitere Geschichten kreuzen den Weg.  Da ist Sylvia. Ihre Eltern sind Arbeiter. Mit dem Arbeitsplatzverlust der Mutter trennen sie sich und teilen die Kinder auf.  Gudrun stirbt bei einer Demonstation der KPD auf der Straße. Sylvia wird sich auf der Straße durchschlagen und selbst zur Kommunistin. Eine zeitlang gewährt ihr eine jüdische Familie Unterschlupf. Ihr Vater und ihr Bruder werden Anhänger der Nationalsozialisten. Da ist Margarethe, einst Severkings Geliebte. Sie kommt aus großbürgerlicher, industrieller Welt, die sich am Ende ebenso mit Hitler verbünden wird.  Vor großartig eingefangener Stadtkulisse in scharfem schwarzweiß, zwischen gleißendem Licht und erbarmungslosen Schatten zeichnet Lutes laute und stille Lebensdramen, politische Umbrüche, Untergang und Hoffnungsschimmer und eine sich mit Angst füllende, widersprüchliche, bald berstende Welt. Diese graphic novel bietet viele Ebenen. Man kann sie wieder und wieder lesen und Neues entdecken. Die Gesamtausgabe umfasst die drei Einzelausgaben in größerem Format und wurde um Erklärungen zu Bauwerken und Plätzen der Stadt, sowie Skizzen und einem Interview mit Jason Lutes ergänzt. Sie ist ein Schmöker, ein Gedicht. Sie ist absolut lesenswert.

Von Wind und Regen, von Feuer und Macht

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Jennifer Alice Jager, Windborn - Erbin von Asche und Sturm, Arena 2019 €18,00

Eine atemlose Geschichte. Der Leser reitet mit der Wolkenstürmerin Ashara über den Sand der Wüste, bekämpft mit Wind das Feuer der Funkenmeister und tanzt mit Windwirbeln vor dem mächtigsten Feind des Landes, den Skar. Und damit befindet er sich auch gleich mitten in dem tragischen Kampf um Wasser, das zum Überleben so notwendig ist, um die Liebe, die Ashara in einem hoffnungslosen Moment unerwartet begegnet, und im Kampf gegen das Böse. Genauso funktioniert gute Fantasy. Und doch wird man von der Autorin mit neuen Bildern überrascht. Bildern voller Kargheit von Wüste und Felsdörfern, aber auch Bilder von abendländischer Exotik.

Alex Wheatle im Gespräch mit Jugendlichen über Gewalt in der Jugendliteratur

Die Jugendlichen leben zwischen Traum und Trauma, in sozialer Armut und Gewalt. Familie zerfällt. Freundschaften sind das Leben. Beziehungen sind die Welt. Wheatles erzählt in seiner Trilogie vom Spiegel ihrer Seele. Leidenschaftlich und aus eigener Erfahrung schildert er das Gangsterleben, mal aus Sicht der Jungen, mal aus der der Mädchen. Er gibt allen eine eindrucksvolle, unverwechselbare Stimme.

Mit Stefan Zweig im Gepäck

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Oliver Hintze, Susanne Krones: Tonspur. Wie ich die Welt von gestern verließ, dtv TB € 14,95

Dreistimmig lockt Olaf Hintzes Tonspur in das Reich seiner Erinnerungen. Mit seiner eigenen, im Buch in wörtlicher Rede gehaltenen Stimme, einer vorsichtig und sorgsam zu nennenden Annäherung seiner Chronistin Susanne Krones und jenen, immer wieder aufs Neue ergreifenden Zitaten aus Stefan Zweigs Welt von Gestern taucht vor unseren Augen ein Land wieder auf, dass 30 Jahre nach seiner Auflösung beginnt in Vergessenheit zu geraten. Hintze, aufgewachsen im Erfurtder 70er und 80er Jahre, entdeckte die Kraft und Sogwirkung von Büchern und Musik.

Die Herausfordung des eigenen Lebensweges

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Gabriele Clima: Der Sonne nach, Hanser Verlag 2019 € 14.-

Sozialstunden sollen den unüberlegt agierenden Dario lehren auf den richtigen Weg zu gelangen und zu tun, was man von ihm verlangt. So lernt er den vollkommen von Pflege abhängigen Andy kennen. Dieser kann sich weder bewegen noch sprechen und sitzt im Rollstuhl. Damit gehört er für Dario zur Gruppe der Behinderten.  Aber nein, er ist ein Mensch mit besonderen Fähigkeiten. Doch diese sprachliche Gleichstellung wird von seiner Betreuerin nicht gelebt. Sie behandelt Andy wie ein Baby und bemerkt dabei: er sei doch "kein normaler Mensch". Sie hält ihn für einen Idioten, das spürt Dario sofort, denn auch ihn hält man für eine Niete. Unkompliziert, dirket und immer ein wenig rebellisch, wie Dario so ist, nimmt er den Rollstuhl samt Andy unter den Arm und schiebt damit, mal wieder ohne einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden, einem Abenteuer entgegen.

Mit Witz und gutem Spürsinn

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Nancy Springer: Der Fall des verschwundenen Lords. Ein Enola Holmes Krimi. Knesebeck 2019 € 15.-

Die 14-jährige Enola Holmes, Schwester des berühmten Sherlock Holmes, ist an der Seite ihrer Mutter, einer wahren Frauenrechtlerin, auf dem Familienanwesen groß geworden und hat jede Menge Freiheiten genossen. Ihr Leben hätte ewig so weiter gehen können, wäre die Mutter nicht von einem Tag auf den anderen verschwunden und Enolas Brüder aufgetaucht. Sie sind geradezu schockiert über den Zustand des Anwesens, noch mehr über Enolas mangelnde und ihrer Stellung nicht entsprechende Erziehung und beschließen, dass sie in einem Internat bestens aufgehoben sein würde. Enola lässt sich jedoch nicht so einfach verbiegen. Heimlich macht sie sich auf den Weg nach London, um ihre Mutter zu suchen. Einige versteckte Hinweise bringen sie zu der Annahme, dass die Mutter auch nichts anderes gewollt hatte.. Während ihrer Flucht  - verkleidet als Witwe, wie es sich für eine echte Detektivin gehört - wird Enola prompt in den Fall des vermeintlich entführten jungen Lord Tewkesbury verwickelt. Sie hätte wahrlich nicht geahnt, dass sie sich so schnell ihrem ersten großen Abenteuer in London gegenüber sieht. Mit einer Portion Herzklopfen, Ideenreichtum, zudem jeder Menge Mut meistert sie die Situation, und eines ist für Enola fortan klar: sie wird eine Menschenfinderin werden und weitere Detektivfälle übernehmen. Die jungen Leser folgen Enola in das Jahr 1888, eine Zeit, in der Kindern und Frauen noch wenig Mitspracherecht, geschweige denn, die Möglichkeit der Selbstverwirklichung zugestanden wird. Genau darum ist die über sich selbst hinauswachsende Enola Holmes so liebenswert als Figur, und als Detektivin nicht weniger originell wie ihr großer Bruder Sherlock.

Auf den Spuren jüdischen Lebens

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Mirjam Pressler: Dunkles Gold, Beltz & Gelberg 2019, € 17,95

Das letzte Buch der im Januar 2019 verstorbenen Autorin Mirjam Pressler setzt sich eindringlich mit dem Umgang, den Vorbehalten, den verschiedenen Gedanken, die wir gegenüber Menschen mosaischen Glaubens hegen, auseinander und dreht dabei unverzichtbare Fragen in den Köpfen ihrer Protagonisten: Sind jüdische Menschen bessere Menschen, nur weil sie Juden sind und ihnen im Lauf der Geschichte viel Unrecht, Leid, Vertreibung und systematische Ermordung zugefügt wurde? Warum kann der Antisemitismus nicht endlich enden? Wie steht es heute mit unserer Schuld ? Pressler führt ihre Leser über den Fund eines Goldschatzes in Erfurt zwischen dem Hier und Jetzt und dem Mittelalter hin und her.

Einfach Müll?

raidt-muell

Gerda Raidt: Müll, Beltz &Gelberg 2019

Spannend, wissensprall und eine gelungene Vorleselektüre: Ehe man sich's  versieht, sind Leser, Vorleser und Zuhörer abgetaucht, in den Müllbergen unserer Zivilisation. Mal lässt uns die Autorin archäologisch gründeln, mal gegenwärtig, sortiert nach Materialien, in den Mülltonnen vor dem Haus, auf dem Wertstoffhof oder auf den Müllkippen in Indien und Südamerika. Werden und Vergehen wäre dabei der natürliche Kreislauf der Natur. Ein Weg, den auch unser Müll bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast vollständig genommen hat. Heute sieht das anders aus.  Aus entsorgtem Plastik ist im Meer ein nicht abbaubarer Teppich geworden, der unerwünscht in alle Lebenskreisläufe dringt. Wie können wir das Mikroplastik wieder aus der Welt schaffen? Und wie nachfolgende Generationen vor Atommüll warnen, der viele Menschenleben braucht, sich in unschädliche Bestandteile zu zersetzen. Müll ist nicht für jeden gleich Müll. Aus Müll kann man auch Neues schaffen, unnötige Verpackung kann man meiden. Am Ende stehen einige ratsame Tipps, die Sache mit dem Müll aktiv anzugehen. Hier können auch Grundschulkinder schon mitmachen. Ihnen  überlassen wir schon heute unseren Müll. Lasst uns also darüber reden, wie wir den nicht recyclebaren Müllberg möglichst klein halten können!