Traumhaftes Piraterieabenteur

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Dieter Wiesmüller: Komm mit, Moritz, Atlantis 2020 € 15,00

Das Piratenschiff fliegt durch die Wolken und ankert am Schornstein. Die magisch nächtliche Welt zwischen Licht und Schatten umfängt nicht nur Moritz, der sein Piratenbuch nicht finden kann. Er geht an Bord und das Abenteuer beginnt. Mit Lissy, der Kapitänin, einer Ratte und dem Papagei geht es auf Schatzsuche durch die Nacht. Entlang von Hochhaussilouetten und Fabrikschloten. Ein Absturz ins dunkle Unterholz des Waldes kann Lizzy nicht verhindern. Doch bald ist das Schiff wieder frei und es gleitet über das offene Land Richtung Meer. Im Leuchtturm herrschen die wirklichen Piraten. Bald wird Moritz merken, dass ihm das Piratenhandwerk nicht wirklich liegt. Nur der Schatz muss mit. Es sind zwei Bücher. Wiesmüller zeichnet eine traumhafte Hymne ans Lesen und die Fantasie. Moritz sitzt im Schein des Vollmondes und liest. Diese Geschichte ist wohl seinem Piratenbuch entsprungen.

Eine Hexe mit dem Mut für drei

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Mechthild Gläser: Die Worte des Windes, Loewe Verlag 2020 €14,95

Die Fantasy-Autorin Gläser bietet in ihren Geschichten stets eine besondere Fantasywelt innerhalb ihrer fantastischen Geschichten.  In "Die Worte des Windes" existiert eine Unterwasserwelt,  die von Hexen bewohnt ist. Die 16jährige Robin, eine junge Hexe und Tochter der mächtigsten Hexenkönigin, ist vor ihrer eigenen Mutter in die Menschenwelt geflohen und hat ihren Hexenkräften abgeschworen. Doch die Winde drehen. das Wetter spielt verrückt, und auf einmal taucht ein Blitzjäger bei Robin auf und bittet sie, das Atlantis der Hexen vor einem Krieg zwischen ihren Eltern zu bewahren. Ein abenteuerliche Reise in die Unterwasserwelt beginnt, die so schillernd und fantasievoll beschrieben ist, dass man sie am liebsten selbst besuchen würde. Wäre da nicht das Problem, dass auf Robin ein Kopfgeld ausgesetzt wurde ...

Magischer Zeitsprung ins Jahr 1859

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Benjamin Read/Laura Trinder: Die Mitternachtsstunde 2 - Emily und der löchrige Zeitzauber, Carlsen Verlag 2020 €15,00

Emily ist mutig, tapfer und trägt jede Menge Magie in sich. Was sie allerdings erst seit ihrem ersten Abenteuer in der Mitternachtsstunde weiß. Damals, als ihre Eltern spurlos verschwunden waren, gelang Emily der Zeitsprung ins London von 1859. In dem Jahr zur Mitternachtsstunde  ist die Welt eingefroren und fernab von Emilys Welt von allerlei magischen Wesen bewohnt. Großes Pech für Emily, denn sie hat von ihren Eltern Abenteuerverbot bekommen. Nur unter strenger Aufsicht darf sie mit ihrem Vater wieder in die Mitternachtsstunde. Doch kaum ist sie dort angkommen, purzelt unsere energische Heldin ins nächste Abenteuer. Mysteriöse Zeitrisse müssen gefunden weerden, damit die magische Welt vor den Augen der Menschen verborgen bleibt. Mit einer großen Prise Witz, Emilys immerwährendem Optimismus und einem guten Freund an der Seite kann das vielleicht gelingen. Dem jugen Leser wird es dennoch so manches Mal die Haare sträuben, er wird sich wünschen, mit Emily und Tarkus den Nachtmarkt besuchen zu können, und genausoviel Mut wie Emily zu besitzen.

Saurier-Handicap

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Veronika Frolova: Bleib wie du bist, T-Rex, Mixtvision 2021 € 15,00

Mit subtilem Humor und nicht nur für Kinder erzählt Frolova vom König der Dinosaurier, dem es sein prähistorisches Outfit in der heutigen Welt nicht leicht macht. Seine Arme sind einfach viel zu kurz geraten: fürs Schuhe binden, Hintern abputzen und Mücken verscheuchen. Die ständige Reduktion auf sein Äußeres, sein dicker Schwanz und mächtiger Kopf, läßt sein Gefühl der Größte zu sein, schwinden. Umsomehr freut er sich über die Entdeckung des Selfiesticks. Gerade das Künstlerische gerät ihm unter besonderen Voraussetzungen besonders. Einzigartig und unverwechselbar. Hier findet er zu sich selbst und fühlt sich, als wäre er der Allergrößte, selbst wenn sich am Ende, neben Bronto-und Stegosaurus die Frage stellt, was eigentlich groß ist? Die ungelenke Deplazierung des mächtigen T-Rex in viel zu kleinen Räumen der heutigen Zeit macht der Illustratorin sichtlich Freude und steckt Leser wie Betrachter an. Im Farbspiel mit Licht und Schattenwurf kämpfend, bekommt man fast Mitleid mit  der stattlichen Kreatur. Auch die stille Erkenntnis, dass niemand König für immer bleibt und trotzdem glücklich sein kann, macht zufrieden.

Das begehren, was andere haben

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Emma AdBage: Die rote Burg, Kunstmann Verlag 2021 € 15,00

Auch in ihrem zweiten Bilderbuch verpackt Emma AdBage in wenigen Strichen viel Emotion. Mama und ihre Tochter sind zu einem Kindergeburtstag eingeladen. Das Geschenk für Finn durfte das Kind aussuchen. Eine rote Spielzeugburg. Jetzt, wo sie es verpacken, möchte das Mädchen nichts lieber, als Finns rote Burg mit ihrer grünen tauschen. Natürlich geht das nicht und eine Reihe von Gefühlen breiten sich in dem Mädchen aus. Ärger oder Wut, Frustration, Neid, Machtlosigkeit. Missmutig kaut sie den Geburtstagskuchen und verschüttet ihren Saft. Als Finn das begehrte Geschenk auspackt, beachtet er weder die schöne, selbstgebastelte Karte, das Papier oder die Verpackung. Wütend schaut er auf die rote Burg. Er wollte eine grüne Burg und schon ist das nächste Geschenk an der Reihe. Derweil steigen in der Schenkerin kleine Glücksgefühle auf, denn plötzlich besitzt sie etwas, das sich ein anderer wünscht. In diesem Bilderbuch ist viel Komplexität geboten, die man bereden könnte: Mein und Dein, anders und gleich oder das ewige Zuviel in unserer Konsumgesellschaft und nicht zu vergessen die vielen Gefühle, die all diese Geschenke und kleinen Besitztümer mit sich bringen. All das arrangiert AdBage geschickt im Hintergrund ihrer kleinen einfachen Geschichte. Die am Ende doch glückliche Erzählerin wird bald vier. Ein perfektes Alter für einen Start Gefühle aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Hinter den Kulissen des Internets

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Dirk Reinhardt: Perfect Storm, Gerstenberg Verlag 2021 € 18,00

Perfect Storm ist in Form eines Geheimdienstprotokolls geschrieben und eine rasante Fahrt zu Überwachungs- und Vertuschungspraktiken in unseren heutigen realen und virtuellen Welten. Sechs junge, weltweit verortete Hacker*innen lernen sich über ein Fantasyspiel kennen, in dem sie als gemeinsame Gilde sehr erfolgreich sind. In einem versteckten Chatroom tauschen sie sich auch über die Machenschaften großer Konzerne, Waffen- und Rohstofflieferanten, aus. Schnell reift der Plan, diesen menschenverachtenden und kriegstreibenden Konzernen ihr Handwerk zu legen und ein Zeichen zu setzen.

Weg zur eigenen Stimme

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Lea-Lina Oppermann: Fürchtet uns, wir sind die Zukunft, Beltz & Gelberg 2021 € 14,95

Theo, der Flügel und drumherum das Universum. Theo kann sein Glück nicht fassen, an der Musikhochschule angenommen worden zu sein. Nun gilt es noch härter zu lernen und zu üben. Doch an der Universität eröffnet sich für den verschlossenen, zielstrebigen Jungen eine fremde Welt mit legalen und illegalen Partys, einer rebellierenden Jugend und einer großen verführerischen Liebe. Oppermann schreibt knapp und prägnant, gut recheriert, mitreißend und einfühlsam. Ihre Worte formen die Musik, sie machen Theos Gefühle, seinen Weg bis an den Rand des Abgrundes und wieder zurück, so allgegenwärtig, egal ob er ein einfaches Kinderlied, ein Solokonzert oder eine eigene Komposition zum Besten gibt. Dabei erweisen sich nicht die krassen Aktionen und seine Hingabe an das geheimnisumwobene Mädchen Aida als zukunftsweisend sondern vielmehr die Suche nach dem eigenen Weg zu seiner eigenen Stimme.

Regenbogenhochzeit: Ausgelassenheit, Selbstbewusstsein und Glück

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Jessica Love: Julian feiert die Liebe, Knesebeck Verlag 2021 € 13,00

Es wird Hochzeit gefeiert. Bald entschlüpfen Julian und Marisol von der Festtafel und finden in einer großen Weide den perfekten Ort feierlich zu spielen. Julian probiert Marisols Blumenkranz und schmückt sich mit den Weidenzweigen, als wäre sie eine Stola. Marsisol tollt mit dem Hund durchs Gras. Danach ist ihr Kleid nicht mehr zu gebrauchen. Doch Julian weiß Rat. Er gibt ihr sein weißes Hemd und beide spielen Elfen. So nehmen sie die beiden Bräute, die vielleicht auch die Mütter der Kinder sein können, wieder in Empfang. Das Bilderbuch lässt alle Rollen offen, die der Kinder, der Bräute als Mütter und der stattlichen, hübschen  ältern Frauen, die die Großmütter sein könnten. Doch eins ist gewiss. Die Feier versprüht Ausgelassenheit und das Glück  selbstbewusster Menschen, die es lieben das Miteinander zu leben, wie es ist.

Auf der Suche nach dem Selbst

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Meredith Russo: Birthday. Eine Liebesgeschichte, Loewe Verlag 2021 € 16,95

Eric und Morgan kennen sich seit ihrer Geburt, da diese ihre Eltern am gleichen Tag in das gleiche Krankenhaus führte. Seitdem feiern die Familien diesen Tag gemeinsam. Mittlerweile zum 13. Mal. Morgan hat sich fest vorgenommen etwas zu sagen, dass ihm schon lange auf der Seele brennt und ungeheuerlich scheint: Er ist sich sicher ein Mädchen zu sein, obwohl sein Geschlecht männlich ist. Er schafft es nicht. Fünf weitere Geburtstage wird er mit sich ringen, auf der Suche nach sich selbst und seiner geschlechtlichen Rolle im Leben. Er wird sich Schminksachen kaufen und diese mit pubertierender Leidenschaft probieren. Ein Mädchen küssen und einen Jungen, allem weiblichen abschwören und die harte männliche Tour eines Footballspielers leben. All das und die Angst verstoßen zu werden, bringt ihn an den Rande des Abgrundes. Erst eine Therapie wird ihm seinen Weg eröffnen. Dafür muss er sich "nur" endlich seinem Vater offenbaren. Am Ende eines besonderen und langen Weges wird er die wichtigesten Personen in seinem Leben auf seiner Seite wissen. Eine Liebesgeschichte auf mehreren Ebenen, die Russo mit Bedacht, ausgewogen und fein austariert erzählt.

Wer Zeit misst, stirbt

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Martin Gries: Das Konsortium oder: die ungenaue Zeit, Verlag Ueberreuter 2020 € 18,95

Charles und Marietta kennen sich nicht. Sie haben nur eine Sache gemeinsam. Sie tragen etwas bei sich, das ihren Tod bedeutet, einen Sternenmesser und eine Uhr. Diese beiden Gegenstände verstoßen gegen das 2. und 3. Gesetz des Konsortiums. Während Marieltta auf der Suche nach ihrem Vater durch das Land reist, und versucht einen nervigen Verfolger abzuschütteln, tritt Charles als Affe (so heißen die Kletterer) den Dienst auf einem Semaphor an, einem Nachrichtenübermittlungsposten, wo er die Sterne für sich entdeckt. Außerdem verliebt er sich dort in Joke. Unterdessen führt Mariettas Reise, jetzt in Begleitung von Geraldine auf eine Insel mit einem Gefängnis für Sternengucker.  Natürlich werden die vier aufeinandertreffen und bald werden sie sich dem Konsortium nicht mehr entziehen können. Das Buch veranlasst zum Nachdenken, wie viel Macht ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen besitzen darf. Matteo, 13 Jahre

Fly high! Auf dem Weg zur Profifussballerin

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Martina Wildner: Der Himmel über dem Platz, Beltz & Gelberg 2021 € 13,95

Der Kunstrasen glüht in der Sommerhitze. Die Luft ist staubig. Jo klebt das Trikot am Körper. In diesen Punkten gleichen sich die Fussballturniere der Mädchen und Jungen. In allem anderen unterscheiden sie sich für Jo gewaltig. Jo möchte Profispielerin werden. Für ein intensiveres Training wechselt sie von einer Mädchenmannschaft zu den Jungen. Hier scheinen die Anforderungen an ein Mädchen höher zu liegen, als an die Jungen. Die Jungen und ihre Väter lassen sie spüren, wie wenig willkommen sie ist und Jo befindet sich in einer verzweifelten Lage. Ein Zurück gibt es nicht und das Voran kostet Tränen über Zweifel, Demütigungen und Ungerechtigkeiten, die Jo nicht mehr aushält. Ist das der richtige Weg?

Dabeisein

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Germano Zullo: Du, was machst du gerade? Eine Geschichte von Roberto und Marie, Aladin 2021 € 17,00

Während Roberto am PC arbeitet, langweilt sich Marie. Sie interveniert unten, oben, auf seinen Knien, bis Roberto ihr endlich ihre Lieblingsgeschichte vorliest. Danach muss er wieder arbeiten und Marie muss eine eigene Geschichte erfinden. Tisch, Stuhl, PC und der Schlenkeraffe, mehr braucht das sparsame Setting nicht. Der Skizzenstrich bespielt schleppende Arbeitsmomente, fordernde Langeweile und glückliche Zweisamkeit. Klein und Groß. Alles findet seinen Platz. Zullo spricht damit im Moment vielen aus dem Herzen.

Pflanzenglück

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Antje Damm: Die Wette, Moritz Verlag 2021 € 12,95

Lilos großes Pflanzenglück inzeniert Damm auf der für sie typischen Papiertheaterbühne in Perfektion. Unglaublich, was man aus Wellpappe alles basteln kann: fluffiges Bettzeug, die Rippenheizung, ein Puppenhaus und die einladende, quietschrote Bank. In Heins Gärtnerei, die Lilo so gerne besucht, stehen viele junge Pflänzchen in ihren Töpfen. Sie brachen Licht, Sonne und Wasser meint Hein. Sie brauchen Liebe, sagt Lilo. Schnell ist eine Wette beschlossen und Lilo fährt ihren kleinen Sprößling im Puppenwagen nach Haus. Sie ist mit Herz und Seele bei ihrem Pflanzenkind. Im wahrsten Sinne des Wortes lebt sie mit ihm. Das glückliche Ende kann hier schon jeder erahnen, doch es kommt noch schöner. Ein leuchtend buntes, mit ebenso warm strahlenden Gefühlen ausgestattetes Frühlingsbuch, dass zum Nachahmen anregt.

Actiongeladenes Zeitspiel lässt an die Kindheit denken

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Henning Wagenbreth: Rückwärtsland, Peter Hammer Verlag 2021 € 25,00

Wagenbreths plakatives Bilderkino zerlegt Ereignisse und Lebensalltag in mit fixen Vierzeilern kommentierte, markante Schrittfolgen. Zeitlose Episoden vom Tod zur Geburt wechseln mit durch Moderinsierung entschwundenen Momenten,  wie ein bullernder Kohleofen samt Kohlenmann mit beladener Kiepe. Kriege reparieren die Welt und tollkühne Abenteurer kehren wohlbehalten in den Heimathafen zurück. Fussballspiele enden immer 0:0.

Saloppes Plädoyer für ernsthaftes Wissen

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Birte Müller, Yannik de la Peche: Wie krank ist DAS denn?! Klett-Kinderbuch 2021 € 15,00

Der Markt boomt mit Büchern zum Modethema Krankheiten und „Mini-Mini-Mitbewohner“. Mit sprachlichem Schalk erklärt Birte Müller im Gelungensten von allen deftig heftig und nahbar 14 Krankheiten von damals und heute. Pest, Cholera, Lepra, Kinderlähmung, Grippe und Corona. Mit ihren bildstarken Berichten zu vergangenen Pandemien erzeugt sie prickelnden Grusel und Gänsehaut, bei dem wir uns gerne schaudern lassen, denn diese Krankheiten sind ja ausgerottet oder wir haben sie durch Impfung im Griff. In der aktuellen Pandemie Situation gelingt ihr ein starkes Plädoyer für Wissen und Mitverantwortung. Visuell und inhaltlichist ist das Buch ein fesselnder in Hingucker. Ein gut gemachtes Glossar beseitigt letzte Unklarheiten.

Das Meer macht alles neu, schmeckt aber wild und abscheulich

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Will Gmehling, Isabel Pin: Bahnhof am Ozean, Tulipan Verlag 2021 € 15,00

Lakonisch erzählt Gmehling von der Katze, die beschließt eine Reise zu machen. Ein wenig Reiseproviant, über die Kreuzung zum Bahnhof und mit dem Zug ans Meer. Dabei gerät sie in einen Schulausflug und lernt Ei kennen. Einen Jungen, den die Klasse nicht leiden kann, weil er nach Kuhstall stinkt. Die Katze ist eine stille Gefährtin. Manchmal jedoch, faucht sie oder schnurrt wie sieben Tiger. Auf dem Holzsteg am Strand erzählt Ei ihr von sich, während sie gemeinsam in die Brandung blicken, einem ausgefransten Farbenspiel in sandgoldgelb und grünblau. Hier wird Ei  Selbstbewusstsein tanken. Gmehling, der in seinen Kinderbüchern die Schönheit von Umgebung punktgenau einzufangen versteht, konzentriert sich in seinem Bilderbuchtext auf das innere Gespräch und überlässt Isabel Pin den äußeren Raum. In ihren Aquarellzeichnungen ist das Wasser allgegenwärtig. Es lässt Farben unscharf fließen wie es auch Gefühle zu tun pflegen. Es bilden sich geheimnisvolle Flächen und magische Flecken, in denen auch das Glutrot zur Sprache kommt. Überall spiegelt sich, ganz ohne Worte das Leben. Das Spannungsfeld dieses Bilderbuches ist die zarte Umsetzung einer rauhen Geschichte, die in den Worten aufblitzt. Das Quäntchen Lebensphilosophie liefert der einäugige Hinkekater, zu dem die Katze am Ende ihrer Reise wieder zurückkehrt. "Das Meer macht alles neu. Es tut immer, was getan werden muss."  Damit ist Gmehling, ohne dass er ein Wort darüber verliert, in diesem Bilderbuch auch eine Liebeserklärung an das Meer gelungen, einen Ort, der auf seine unscheinbare Art und Weise und auf leisen Sohlen den Menschen ändern kann.

Englisch oder auch Deutsch lernen

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Jim Field: Mister Oscar macht Ferien, Verlag Penguin Junior 2021 € 15,00

Oscar ist ein Bassett Hund in Schlips und Kragen. Zusammen mit seinem Goldfisch Chips, der in seinem Goldfischglas ein Buch nach dem anderen liest, geht Oskar auf Reisen zu Bergen, Seen und ans Meer. Die Aufgabe dieses Bilderbuches ist es, viele Dinge zu zeigen, die man in Worten deutsch und englisch benennen kann. Ein paar Grußfloskeln sind auch dabei. Morgens und abends, in Sonne und Schnee, überall trifft Oscar Freunde und erlebt viel. Er lernt, wie man ein Zelt (tent) aufbaut und saltoniert elegant mit dem Fahrrad (bike) über eine Sprungschanze (ski jump). Die Settings wirken wie ein Homage an Richard Scarry, der seine mehrsprachige Bilderbuchkarriere in den 70er Jahren begann und seine vermenschlichten Tiere weniger zufällig platzierte als Field. Field, der sich mit "Der Löwe in dir" einen Namen gemacht hat, liebt es schlicht und plakativ. Als Wimmelbuch zum ersten gemeinsamen Lernen von englischen und deutschen Worten, mag Oscar ein Anfang sein. So könnte man dieses Bilderbuch auch im Kindergarten gut zum Deutsch lernen nutzen.

Energiegeladene Liebestudien

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Christine Werner: Blitzeinschlag im TerriTorium, Mixtvision 2021 € 14,00

Von Mamawoche zu Papawoche markiert Terri ihren aktuellen Aufenthaltsort wie die Queen mit einer Fahne am Türrahmen. Sie hat sich gut arrangiert, in ihrem Patchworkleben. So ist sie zunächst auch ganz entspannt, als ihre beste Freundin sich zum ersten Mal verliebt. Da ihr Vater in der chemischen Forschung arbeitet, versucht auch sie diese Sache zwischen Physik (Blitzeinschlag) und Chemie (Hormone) als Beobachterin zu analysieren.

Verliebt in Mathe und noch viel mehr….

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Nikola Huppertz: Schön wie die Acht, Tulipan Verlag 2021 € 14,00

Maltes von Zahlen geordnete Welt gerät ins Wanken,  als seine ältere Halbschwester Josefine vorübergehend in seine kleine Mama-Papa-Kind Familie einzieht. Bald hallen  Streits  durchs Haus und stören Maltes mathematische Kreise, denn Maltes Vater ist auch der von Josefine. Josefine behauptet er hätte sie und ihre Mutter im Stich gelassen. Oder war es vielleicht doch ganz anders? Josefine hat eine starke eigene Meinung. Sie schreibt  Gedichte, die sie Malte zum Lesen gibt und Malte herausfordern. Wer ist Wunschkind und wer war unerwünscht. Wo wurde geschwiegen und wo liegt die Wahrheit?  Für Malte eröffnen schmerzhaften Fragen. Und wie bei seiner Lieblingszahl, der Acht, die für Malte die perfekte Zahl ist, weil  man sie an zwei Symetrieachsen spiegeln kann, spiegelt sich auch seine Geschichte auf noch eine weitere Ebene. Im Matheclub taucht ein neues Mädchen auf, in das sich Malte zum ersten Mal verliebt.  In dieser Sache hilft Josefine ihrem 13 jährigen Halbbruder, der mehr und mehr zum richtigen Bruder wird, durch diese ersten Kommunikationswirrnisse, wie ein echte große Schwester. Natürlich gibt es, auch im Matheclub, noch jemanden, der auf Josefine ein Auge geworfen hat. Er möchte von Malte Hilfestellung. Der gordischen Knoten ist von Huppertz also perfekt geknüpft und es macht beim Lesen diebische Freude, all das zu entwirren. Ein Buch mit Links- und Rechskurven, Liebe, Familie und Mathematik, der acht und der 11. "Einer stolpert hinter dem anderen her. Da bleibt der Vordere stehen, dreht sich zu dem Hinteren um und streckt ihm seine Hände entgegen. Und sie werden ein M, wie Miteinander." Besser könnte es nicht passen.

Reise zu einem weit entfernten und doch so nah gelegenen Ziel

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Judith Burger: Ringo, ich und ein komplett ahnungsloser Sommer, Gerstenberg 2021 € 14,00

Der kleine Ort Geschrey gehört für Asta zum Sommer wie die Ferien. Das Baden und Spielen mit Ringo an See und Fluss, das blaue Schlumpfeis der Eisdiele, das Waldbühnen-Theater, auf dem Astas Eltern jährlich ein Stück inszenieren. So soll es wieder sein. Doch in diesem Jahr ist das Unbeschwerte entschwunden. Astas Freund ist lang geworden, wie eine Bohnenstange und ringt mit seinen Eltern. Asta vermasselt ihren ersten Bühenauftritt und das Schlumpfeis ist aus. Ringo hingegen, entpuppt sich auf der Bühne als Naturtalent, während Asta seine kleine Schwester hüten soll. In perfekter Mischung taumelt Asta  durch diesen Sommer zwischen Freude und Traurigkeit, Freunden, Alleinsein und unerwarteten Entdeckungen. Sie ist der Fisch im Wasser. Mit Schnorchel und Taucherbrille entdeckt sie den Zauber der Unterwasserwelt und beginnt sich dafür zu interessieren. Mit dem überschaubaren Ort Geschrey hat Burger die passenden Bühne für Astas beginnenden Umbruch geschaffen. Als Besucher werden Veränderungen deutlich sichtbar. Von vielen Sommeraufenthalten vertraut aber nicht Astas Zuhause kann sie den Ort bewohnen und von ihm flüchten zugleich. Das gibt Asta großen Spielraum. Mitfühlend, fordernd und liebevoll brechen wir mit ihr zu einer Reise auf, mit noch weit entfernten Ziel, dass sie nur in sich selbst finden kann. In diesem Wandel, wenn er so gelingt, wie bei Asta, schwingt das Magische mit, wie im Glück eines Sommers.

Spielfantasien im Kinderzimmer

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Pija Lindenbaum: Wir müssen zur Arbeit, Klett KInderbuch 2021 € 15,00

Vor Micky, Elin und der Erzählerin liegt ein Spielnachmittag im Kinderzimmer. Die Arbeit ruft. Stoffschwein muss noch schnell ins Bett, der Arztkoffer steht schon auf dem Schräncken bereit. In ihrer Fantasie verlassen die Kinder das Haus, rasen im Auto durch die Stadt, zur Arbeit, wie die Großen es tun. Natürlich sind sie Ärzte. Das ist ein wichtiger Beruf. Viel Blut, viele Tränen und Verbände, schnelle Rundumgenesung. Das wars schon. Jetzt noch schnell neun Packungen Marshmallows einkaufen und mit dem Zug  in den Wald fahren, die Hexe besiegen und dann reicht es aber.

Was wir wissen sollten, wenn wir Fleisch essen

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Christoph Drösser, Nora Coenenberg: Es geht um die Wurst. Was du wissen musst, wenn du gerne Fleisch isst, Gabriel im Thienemann Verlag 2021 € 14,00

Ein  starkes Leitsystem farbiger Seiten führt wissbegierige Kinder souverän durch das von geschlossenen Textabschnitten beherrschte Sachbuch.Die Schriftgröße ist gut lesebar, der Text in kurze klare Abschnitte gegliedert. Der Text möchte loyal und souverän Informationen vermittelen. Er verteufelt den Fleischkonsum nicht, doch er fordert eine genau hinterfragende Hinwendung heraus. Drösser stellt unserem heutige  Fleischkonsum das damals gegenüber- in Deutschland wird heute weniger Fleisch gegessen als von 50 Jahren-, betrachtet ihn weltweit und spezieall in Deutschland. Wie sehen die alternativen Speisepläne der Vegetarier, Veganer, Frutarier und andere Gruppen aus? Wie eine gesunde Ernährung. Was für eine Rolle spielt Religion. Essen wir  nur Rinder, Schweine, Hühner und Schafe? Man bekommt einen Einblick, wie Schlachtiere gehalten werden, Der Autor scheut vor Erklärungen zu Antibiotika und Gesundheit von Tier und Mensch nicht zurück, beleuchtet die Fleischherstellung im Lichte von Recourcennutzung und Umweltzerstörung und fragt am Ende ob weniger Fleisch gesünder, Ersatzfleisch möglich oder Fleisch für alle denkbar wäre. Das inhaltlich überzeugende, ausgewogene Konzept gibt  grundlegenden Einblicke zum Umgang mit fleischlicher Nahrung und ist schon für Grundschulkinder verständlich. Ein Sachbuch, dass sich lohnt.

Das Kunststück, schlafen zu gehen

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Dita Zipfel, Finn-Ole Heinrich, Tine Schulz: Schlafen wie die Rüben, Huckepack im mairisch Verlag 2021 € 15,00

Die quirligen fünf Rüben dieser Bilderbuch-Familie in den Schlafmodus zu bringen, ist ein wahres Kunststück. Dafür hält das mehrfach preisgekrönte Autorenpaar Dita Zipfel und Finn-Ole Heinrich ein größeres Aufgebot bereit: Sonne, Mond, Esel, Garten und See, der letzte Schluck Tee, das Waschen und Putzen, Musik und Bücher, Kitzeln, Kissen, warme Socken, Monster raus und Träume rein.

Hochsensibler Rausch des Lebens

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Mikael Ross: Goldjunge. Beethovens Jugendjahre. avant Verlag 2020 € 25,00

Ross beginnt seine Graphic Novel im 8. Lebensjahr Beethovens und begleitet ihn bis um sein 30. Lebensjahr, bis zur  Veröffenlichung seiner ersten Kompositionen, die ihn als Klaviervirtuose in die fürstlichen Konzertsäle führte. Die kugelrunden Kinderaugen von Erkenntis oft weit aufgerissen, oder fest zusammengekniffen in Schmerz und Fieberwahn, jagt Ross einen hochsensiblen Jungen mit seinen Fantasmen durch die Pannels. Von den Kindern verspottet, vom Vater nachts aus dem Bett gezerrt und ans Klavier gesetzt, von Pocken gequält. In Beethovens Kopf herrscht ständiges Feuerwerk. Später kämpft er mit weiteren körperliche Leiden, Magenkrämpfe und Durchfall und qualvollen Geräusche in den Ohren. Die Welt um ihn herum bleibt dreckig und wenig glanzvoll. Hinzu kommt der Rausch der Musik, welcher Beethoven an den Instrumenten entströmt und zur Auflösung alles Materiellen und Widerwärtigen führt, aber auch zur restlosen  körperlichen Erschöpfung. Faszinierend und temporeich taumeln die Bilder am Rand des existentiellen Abgrundes, an dem nichts golden strahlt, nicht einmal die Liebe. Und aus dieser energetisch überbordenden Qual steigt Beethovens Musik auf. Man scheint sie mit den Augen hören zu können. Ross hat sie in seine Bilder gebannt, dass man beim Lesen nicht nur an der Dramatik des Lebens klebt sondern selbst in einen Rausch gerät, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Leuchtend schelmische Nachtgestalt

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Grégoire Solotareff: Vladimir, der kleine Vampir, Picus Verlag 2021 € 17,00

Vlad sieht wirklich schön schaurig aus: Das borstige Haar steil nach oben drappiert, von den Spitzen seiner langen Ohren umrahmt, darunter die blaue Gesichtsfarbe. Mit koboldhaftem Grinsen und immer in Bewegung hat er den bauschigen Mantel, der seiner zwergenhafte Gestalt Größe verleiht, fest im Griff. In einer Welt, die von schwarzblauen nächtlichen Schatten über das Violett und Rosa des Morgengrauens zum satten, weißgelben Glühen des ersten Sonnenstrahls changiert, wird er mit seinen Freunden das Neue erkunden, so wie es Kinder eben zu tun pflegen. Neugierig, überschwänglich, experimentell und ohne Blick auf drohende Gefahren. Alles ganz gewöhnlich also, genau wie auch sein Name, Vladimir. So heißen ja nun wirklich alle Vampire. Das Spiel in der kindlichen Parallelwelt des Vampirs entwickelt sich genau so wie in der Welt von Menschenkindern. Sie stellen Fragen, sie bekommen Antworten, sie versuchen ihren Eltern nachzueifern und am Ende haben sie ganz eigenständig etwas gelernt. Doch so geradlinig und klar, wie die Geschichte in Bild und Text erscheint, macht es Solotareff seinen Betrachtern nicht, denn schließlich kann Beißen nun wirklich kein Beruf sein und Vlad hat gute Freunde, an denen man doch nicht üben sollte. Ob Menschenkinder wirklich weniger Angst haben als Erwachsene? Und schließlich steckt in Vladimir, das sieht man doch auf jedem Bild, ein kleiner Schelm, dessen Entdeckungsreise in die Welt der Erwachsenen gerade erst begonnen hat. Was wohl wirklich aus ihm werden wird? So wie sich aus der klaren Farbwahl der einzelne Seiten im Laufe des Buches ein ganzer Regenbogen entwickelt, steckt in der kleinen, augenscheinlich gewöhnlichen Geschichte ein großer Kosmos an Fragen und Gesprächen zu leuchtenden Nachtgestalten und darüber hinaus.

Eifersüchtig

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Pija Lindenbaum: Luzie Libero, Verlag Beltz & Gelberg 2020 € 13,95

Luzie hat vier Onkel. Drei langweilige Onkel und einen, Tommy, den Luzie liebt, denn er weiß genau, was Luzie gefällt. Mal bringt er ihr eine tote Schlange im Glas mit, mal färbt er ihre Haare oder sie hüfen einfach nur zusammen in der Gegend herum. Eines Tages sitzt Günther bei Tommy und lässt sich von ihm die Haare schneiden. Luzie gefällt das gar nicht. Sie versucht, Günther zu ignorieren. Doch die Eifersucht wächst. Was Luzie auch tut, Günther bleibt. Günther stört. Günther ist langweilig, findet Luzie. Dabei kann er fantastische Saltos vom Zehnmeterbrett und lässt die Zimtschnecken im Ofen anbrennen. An diesem Tag liegt Tommy krank im Bett und Luzie, die Tommy gern Luzie Libero nennt obwohl er selbst nicht Fussball spielt,  beginnt mit Günther eine Fußballpartie. Tommy räumen sie später ins Tor, damit er nicht im Wege steht und Luzie wird Weltmeister. Das Eis ist gebrochen. Alles ganz wunderbar normal, also. Lindenbaum hat ein Händchen für eigenwillige, selbstbewusste Charaktere. Luzie, Tommy und Günther gestaltet sie lebendig in ihren Stärken und Schwächen und fern klassischer Rollenbilder. Sie hat sie in Bild und Text großartig und wie selbstverständlich in Szene gesetzt.

Teckel Tom und seine Menschen

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Bette Westera, Noelle Smit: Hallo Teckel Tom! Verlag Bohem 2020 € 15,00

Ein neues Zuhause

Als Teckel Tom von seinen Geschwistern getrennt wird, um bei Sofie und ihren Vätern Pablo und Paul  neues Zuhause zu finden, ist ihm gar nicht wohl. Der kleine aufmüpfige aber auch ängstliche Dackel vermisst den Geruch seiner Mutter. Er nicht anders als Tom gerufen werden, beißt ein wenig hier und dort um sich und weiß ansonsten selbst noch nicht genau, was er will. Sofie ist sehr froh einen Hund zu bekommen. Liebvoll lässt sie sich auf den kleinen Tom ein, sie erhorcht seinen Namen, so wie er den ihren. Als beide am Abend in ihren Betten liegen, scheint das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zu werden. Bette Westera erzählt die Geschichte abwechselnd aus Sicht des kleinen Dackels und der Menschen. So umspielt sie die vorsichtige Annäherung zwischen beiden Seiten. Mal aufmüpfig (Tom), mal zärtlich (Sofie), mal beruhigt und glücklich (beide). Ein rundum schönes Bilderbuch für alle, die von einem Haustier träumen.

Kinderleichte Mini-Experimente daheim

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Cécile Jugla, Jack Guichard: Mein kleines Labor - Experiment Zitrone, Verlag Bohem 2020 € 8,95

Das ist ja kinderleicht! Gleich auf der erste Seite findest du die Einkaufsliste für alle 10 Versuche, die du hier mit einer Zitrone anstellen kannst. Mit diesen Experimenten können Kinder vielen Fragen auf den Grund gehen. Was sind die Bestandteile einer Zitrone? Warum schwimmt sie an der Wasseroberfläche, eine Limette aber nicht? Was bewirkt Zitronensaft? Und warum? Bringe deine alten Münzen zum Glänzen und mache dir selbst Frischkäse. Wunderbar nützliche Experimente, aus dem Haushaltsalltag gezaubert, für die man fast nichts braucht, außer Neugier, Zeit und ein Säckchen Zitronen. Das übersichtliche Sachbilderbuch leitet selbst Vorschulkinder schon prima an. Grundschulkinder werden sich hier mit ganz allein beschäftigen und spielerisch Erstaunliches, Praktisches und Wisssenswertes entdecken. Rundum gelungen bis hin zum kleinen Ansporn, den Kinder auf jeder unteren rechten Buchecke finden: "Gratulation! Bravo! Sehr cool! Du Experte!" Da möchte man doch gleich mit dem nächsten Objekt, dem Ei,  aus der Buchreihe "Mein kleines Labor" weitermachen.

Was meinst du?

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Ellen Duthie, Daniela Martagón: Grausame Welt, Moritz Verlag € 17,95

Das ist ja brutal, interessant, komisch, krass, peinlich, traurig, verrückt, verstörend - sagen meine Bücherfresser zu den Bildangeboten auf den 14 Karten, die sie in wildem Diskussionswirbel mit eigenen Beispielen zum Leben erwecken. Aus 100 Fragen machen sie 1000. Grausamkeit bewegt jeden! Bild und Text ermöglichen hier viele Lesearten. Sehr großartig!

Das sticht ins Auge

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Romana Romanyschyn, Andrij Lessiw: Sehen, Gerstenberg Verlag 2021€ 20,00

Mit seinen leuchtenden Sonderfarben ist das Buch nicht zu übersehen. Das einladende Pinkrot, ein strahlendes Gelb und sattes Blau ziehen den Blick auf sich. Ein Goldocker gesellt sich hinzu. In ihrem Formenspiel und Mussterung liegen die Farben nebeneinander.  Selten mischen sie sich. Eine Seite tarnt sich olivgrün. Ist es das, was wir sehen, wenn das Licht kommt? Wie sehen wir eigentlich und sehen wir alle gleich? Farbtöne, Schattierungen, Spiegel, das Auge selbst und seine Sehhilfen. Wie orientieren sich Blinde im Straßengewirr einer großen Stadt. Romanyschyn und Lessiw arbeiten mit gestalterischer Leichtigkeit und tragen ihre Leser*innen assoziativ von Seite zu Seite durch ihre Themen. Grafisch spannend integriertes Textmaterial bietet Sachinformationen und Raum zum Weiterschauen aus anderen Blickwinkeln. Ein Augen-Spaziergang zum Sinnieren, ein leuchtender Lesegenuss.