Magischer Familienausflug durch die Nacht

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Marie Dorléans: Auf leisen Sohlen durch die Nacht, Gerstenberg Verlag 2019 € 16,00

Für einen besonderen Familienausflug verlassen die Kinder schlaftrunken ihre Betten. Es ist noch mitten in der Nacht, die Welt ist in magisches Blau getaucht. Hier wirft ein Fenster seinen Lichtschatten auf die Straße. Die Fenster des großen Hotels bilden besonders schöne Muster. Es knistert, raschelt zirpt und quakt. Auch die Gerüche sind in der Nacht viel intensiver. Welch Abenteuer! Zwischen den Baumkronen funkeln die Sterne, wie ein glitzerndes Meer. Nun noch ein Stück hinauf, im Schein des Taschenlampenkegels und am Gipfel eng aneinandergekuschelt warten, denn hier sind sie verabredet und werden zu Zuschauern eines überwältigenden Schauspiels. Grandios kunstfertig setzt Dorléans Licht und Schatten, die Nacht, die Dunkelheit in Szene. Ein großartiges Entdeckerbuch zum Nachspüren und Träumen.

IT Welt superspannend, kurzweilig, witzig und visionär

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Tobias Schrödel: It's a Nerds World, Arena Verlag 2019 €13,00

Wie und durch wen formte sich IT eigentlich zu dem, was wir heute alle wie selbstverständlich benutzen: Computer, Spiele, Smartphone. Mail, Google, Facebook. Verschlüsselungen und Bitcoins. Superspannend, kurzweilig und witzig präsentiert Tobias Schrödel die Menschen, die Stück für Stück zum Wachstum digitaler Welten beitrugen. Ganz nebenbei erfahren die Leser über die Funktionsweisen digitaler Techniken, von Zufällen und Visionen der Erfinder, Gründer und Pioniere. Ein rundum gelungenes Buch zum immer Wiederlesen oder Vorlesen.

Mit Sonnenschirm und Taschenlampe

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Titel

Die Geschichte ist der Klassiker: Zwei gegensätzliche Seiten, zwei unterschiedliche Wesen, die all ihren Mut zusammen nehmen, einander zu begegnen, um Freunde zu werden. Das hochaufgeschossene Struppige lebt in der dunklen Düsternis, das eiförmige Zarte im hellen Licht. Traumhaft schön inszeniert Julie Völk in spezieller Fototechnik, der Cyanotypie, zwischen Pflanzen- und Blütenstengeln mit sattem blau, gelb und Rot diese verwunschene Welt. Ein Buch voll zarter Gefühle, dass optisch magisch anzieht.

Enthemmendes Miteinander

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Horst Klein, Monika Osberghaus: Alle behindert, Klett-Kinderbuch 2019 € 14,00

Geht das wieder weg? Mutige Normalität im Besonderen: 15 dauerhafte Einschränkungen werden hier neben 10 Wesenmerkmalen präsentiert, die im Miteinander einfach hinderlich sind. Die Übergänge dabei sind fließend. Mitmachlevel und Lieblingssätze verorten Sachinformationen spielerisch wie ernsthaft. Spannend, witzig, nahbar, nachvollziehbar und einfach enthemmend!

Verschlossene Welten

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Katya Balen: Mein Bruder und ich und das ganze Universum, Carlsen Verlag 2019 € 13,00

Die Geschichte beginnt mit einem Ereignis, dem Kinder mit freudiger Erwartung entgegen sehen. Frank und sein kleiner Bruder Max bekommen neue Schuhe zum Schulanfang. Doch bei Max führt alles Ungewohnte und Neue zu irrsinnigen Wutausbrüchen, bei denen er sich selbst verletzt. Frank nennt das die Kernschmelze. Seine Familie und er versuchen das Schmelzen von Max zu verhindern, den Sechsjährigen vor sich selbst zu schützen, ihn auf Neues behutsam vorzubereiten oder die Dinge beim Alten zu belassen wo es geht. Mit Max redet man in Zeichensprache, oder mit Bildern, und Worten, die er oft nicht an sich heranlässt, denn die Welt von Max ist eine ferne, verschlossene Welt. Das Zusammenleben mit ihm fordert von allen Besonderes und besonders viel. Max scheint alles aufzusaugen, die Aufmerksamkeit von Frank, das Leben der Mutter, die Bereitschaft des Vaters.  Und wäre der Autismus von Max nicht schon Geschichte genug, lässt Katya Balen das Ganze ein weitere dramatische Wendung nehmen, die schwer zu ertragen und kaum zu fassen ist und die Max eine zeitlang aus dem Zentrum rückt. Das Leben von Frank beginnt einem schwarzen Loch entgegenzudriften, doch das Universum, welches sich wie ein roter Faden mit blinkenden Spiralen, leuchtenden Kreiseln und funkelnden Glitzerstäben, den Lieblingsspielzeugen von Max, durch das Buch zieht, hat unendlich viel mehr zu bieten. Frank, Max und ihr Vater werden im Chaos des Kosmos auf ihre eigene Art wieder aufeinander zu steuern. Dabei strahlen sie so stark, dass auch der Leser ihre Wärme, ihre Liebe zueinander zu spüren bekommt. Katya Balen erzählt in jeder Rolle vom Leben mit stark spürbarer Intensität. Ruhig und besonnen findet sie Worte und gelungene Bilder, ganz ohne Effekthascherei. Ihr gelingt es dem Leser geheime, wie auch tabuisierte Welten zu öffnen, die noch lange nachklingen werden.

Erebos ist zurück

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Ursula Poznanski: Erebos 2, Loewe Verlag 2019 € 19,95

Erebos ist wieder auferwacht! Jahre nach der Vernichtung von Erebos findet Nick wieder das rote E doch nicht nur auf dem Computer sondern auch auf seinem Handy. Es kommt schlimmer als es je war. Erebos kontrolliert Nicks Leben wenn dieser nicht gehorcht zerstört die Software alles was ihm wichtig ist. So verschwinden wichtige Fotos oder seine Freundin trennt sich. Es zwingt zum spielen. Deswegen holt sich Nick bekannte Hilfe... Endlich ist die Fortsetzung von einem meiner Lieblingsbücher Erebos erschienen! Es ist wieder ein phänomenales Buch voller Spannung und Mysterium. Sobald ich erfahren habe das es erschienen ist konnte ich mich auf kein anderes Buch konzentrieren sonder musste es einfach an einem Stück durchlesen, weil es mich so gefasst hat.

24. September 2019, 18:30 Uhr: Premierenveranstaltung mit Lutz van Dijk: Bis bald, Opa.

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Lutz van Dijk: Bis bald, Opa. Peter Hammer Verlag 2019 € 14.-

Wie gewöhnlich fährt Daniel in den Winterferien zu seinem Opa Anton. Dieser lebt bei Kapstadt in Südafrika. Das war schon immer so, solange Daniel denken kann. Doch in diesem Jahr bekommt Daniels Mama kurz vor seiner Abreise einen alarmierenden Anruf. Opa Anton liegt im Krankenhaus.  So schließen sich Mamas neuer Freund und seine Tochter der Reise mit an. Kaum gelandet, umfängt die kleine Patchwork-Familie die Farbigkeit eines südafrikanischen Sommers, die Sprachenvielfalt des Landes, das pralle Leben, in deren Mitte die besondere Familiengeschichte Daniels steht. Gekonnt jongliert der Autor in seiner Geschichte mit der Vorbereitung eines Abschiedes. Eine Liebeserklärung mit dem festen Glauben an die Kraft des Miteinanders im Leben.

Leinenloses Leseabenteuer

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Lorenz Pauli, Kathrin Schärer: Ein Passwort für die Pippilothek, atlantis Verlag 2019 € 14,95

Seit der Fuchs lesen kann und die Bibliothek besucht, führt sein Weg am Hofhund vorbei, den er gern ärgert und jagd. So lockt er den Hund  in die Bibliothek. Doch als dieser gerade die Bücher entdeckt, wird er vom Bauer mit einer dicken Kette angeleint. Nun sitzt er mit einem Glasbrett in seiner Hütte und spielt Onlinespiele. Spielerisch entdecken Fuchs und Hund die Unterschiede zwischen digitalem Lesen und Hören und den Büchern, die einfach wunderbar riechen und dem Fuchs zurufen können: Schau mich an! Auch als Hut umschließen sie den Kopf einfach besser.  Eigene Geschichten schreiben und zeichnen sie lieber auf Papier. Wie schon im ersten Band, zelebrieren die Tiere die Bücher und das Lesen, werden schlau und schlauer, sodass sie bald den Trick herausbekommen, die Ketten zu lösen, um auch wieder "offline" gehen zu können.

Packendes Romansachbuch

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Peer Martin: Hope. Es gibt kein zurück. Du kommst an. Oder du stirbst, Dressler Verlag 2019 € 20,00

Die Leser begleiten den junger kanadischer Backpacker Mathis und ein somalisches Kind auf der Fluchtroute von Johannesburg nach Quebeck. Dabei begegnet ihnen die raumgreifende Zerstörung der Welt, die Gier der Menschen, die daraus resultierende Gewalt und die damit zusammenhängenden Fakten des Klimawandels. Peer Martin lässt Mathis Geschichten sammeln und vernetzt dabei unser Wissen über Ursachen und Wirkungen, über die Zusammenhänge auf unserer Welt zu einem  starken „Romansachbuch“. Für Fridays for Future Fans und solche, die es werden wollen.

Bilder können alles sagen

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John Hare: Ausflug zum Mond, Moritz Verlag 2019 € 14,00

Der kleine Trödler hält Farbstifte und Block in öder Mondlandschaft trotzig in seinen Armen. Wortlos, in Raumanzug und blickdichtem Helm, schaut man ihm dirket in die Seele. Man spürt die erste Ratlosigkeit des Vergessenwordenseins und die Konzentration des Zeichners. Man hört die ungerechtfertigte Rüge des zurückgekehrten Lehrers und schmunzelt beim Abschied des Mehrwissenden. Ein Bilderbuch zum Versinken, zum Träumen und Weiterdichten, mit erstaulicher Gefühlsdichte, die allein aus Haltungen und Gesten entstehen kann.

Mops mit Superkräften

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Nicolas Gorny: Supermops und der dreiste Dackelraub, Südpol Verlag 2017 € 8,99

Helge hat Pech, das sagt wenigstens er, weil er das schrecklichste Haustier aller Zeiten hat, nämlich eine dicken, faulen Mops. Er ist genau das Gegenteil von den Tieren, die er eigentlich wollte: einem gefährlichen Krokodil oder einer Schlange. Das Leben von Mops besteht aus essen, schlafen, essen, schlafen, essen,.... doch eines Tages wird alles anders. Mops ist mal wieder auf Essenssuche und hat das große Glück, neben dem Kühlschrank ein Würstchen zu finden. Er verschlingt es und plötzlich verwandelt er sich in eine Supermops. Helge ist ganz aus dem Häuschen. Jetzt hat er ein Haustier nach seinem Wunsch. Doch lange kann er sich nicht freuen, denn die schöne Dackeldame Paula wird entführt. Supermops und der dreiste Dackelraub ist super erzählt und witzig illustriert für jünger leser.  Viel Spaß und Spannung garantiert.
Seitdem ich das Buch gelese habe, wünsche ich mir insgeheim auch, dass mein Mops ein Supermops wird.

Freundschaft per Email

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Holly Goldberg Sloan, Meg Wolitzer: An Nachteule von Sternhai, Hanser Verlag 2019 € 17.-

Avery Blom ist ein ganz normales, schlaues Mädchen mit einem alleinerziehenden, schwulen Vater. Eines Tages erhält sie eine Email der ihr unbekannten Bett Devlin, die behauptet ihre beiden Väter wären ein Paar. Nun wollen die Väter ihre Mädchen zusammen in ein Feriencamp schicken, damit sie Freundinnen würden. Und das wollen Avery und Bett um alles in der Welt NICHT. Für Avery ist das zuerst ein Schock, aber vielleicht wäre es doch möglich, eine neue Freundin zu finden.
Ich finde dieses Buch fantastisch, da die beiden in ihren Persönlichkeiten so verschieden sind, sich in ihren Problemen und Hindernissen aber auch ähneln. Außerdem ist es faszinierend, wie die beiden Autorinnen es geschafft haben, zusammen eine so spannende Geschichte zu schreiben. Unbedingt lesen! (das macht auch "Nicht"-Lesern Spaß)

Ein Album verschwundener Dinge

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Till Penzek, Julia Neuhaus: Als die Großen klein waren. Ein Album verschwundener Dinge, Nilpferd Verlag 2019 € 16,95

Wisst ihr noch, liebe Eltern, wie unser erstes Spiel an einem Bildschirm aussah? Es nannte sich "Pong" und war so eine Art Tennis mit eckigem Ball, der sich von Seite zu Seite bewegte, wobei man wie gebannt auf den Fernseher starrte und versuchte den weißen Strich am Rande auf und ab zu bewegen. Das war der Tennisschläger, der den Ball zurückleitete. Es war so langweilig, dass man freiwillig nach einer gewissen Zeit lieber wieder "richtiges Fernsehen" schaute. Das Fernsehprogramm hatte schon Farbe und man konnte zwischen drei Sendern wählen. Wollte man eine Sendung schauen, musste man pünklich auf dem Sofa sitzen. Der 24 bändige Brockhaus füllte im ersten Stock des Hauses ein ganzes Regal. Er war die Quelle allen Wissens. Musik bannte man vom Radio auf Kassetten, Filme etwas später auf Videokassetten. Den Bandsalat wickelten wir mit einem Bleistift wieder hinein, in die Kassette. Bei den langen Diaabenden unserer Eltern interessierten uns weniger für die Bilder und mehr für das Knabberzeug, dass es sonst nie gab. Das Buch erzählt sparsam und  auf den Punkt gebracht, mit viel Raum für eigene Bilder, von Mediennutzung, Informationstransfer und Gesprächsaustausch. Nostalgie kommt da sicher nicht auf, doch ein gemächlichen Familienalltag, der doch noch gar nicht so lange her ist, rückt in den Fokus. "Wisst ihr noch, warum das Metall nebem dem Geldeinwurf in einer Telefonzelle immer so stark abgerieben war?" Natürlich!

„Wir müssen Kindern erlauben, sich ihre eigene Meinung zu bilden.“

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Alan Gratz: Amy und die geheime Bibliothek, Hanser 2019 € 15.-

Als Amy ihr Lieblingsbuch in der Schulbibliothek ausleihnen möchte, ist es nicht zu finden. Nein, kein Kind hat es ausgeborgt, der Schulauschuss hat verfügt, dass dieses Buch, welches Amy schon hundert Mal gelesen hat, ihr Herzensbuch, für Kinder ungeeignet sei, pädagoisch nicht erbaulich, ja schädlich gar. Amys erster Plan ist es, ermutigt von der Bibliothekarin, vor dem Ausschuss vorzusprechen. Aber Amy ist ein schüchternes Mädchen. Im entscheidenen Moment traut sie sich nicht. Als Amys Vater ihr das Buch kauft beginnt sie mit diesem und anderen, ebenso verbannten Büchern, eine geheime Bibliothek in ihrem Schließfach zu eröffnen. Zu ersten Mal findet Amy Mitstreiter, schafft Allianzen, handelt und kämpft eine wichtige Sache: Die Meinungsfreiheit. Immer wieder staunt man über ihre Gewitzheit, ja Klugheit und wird sich vor allen Dingen bewusst: Die kindliche Freiheit, sich aussuchen zu dürfen, was man lesen möchte, gute und schlechte Bücher, kluge und witzige, welche, die mal Lachen mal Weinen machen, ist wichtig und Charakter bildend. In der Wahl der Lektüre haben höchstens die eigenen Eltern ein Vetorecht. "Wir müssen Kindern erlauben, sich ihre eigene Meinung zu bilden, auch wenn uns das mitunter Angst macht.", lässt Allan Gratz die weise Bibliothekarin Opal Jones in seinem Buch sagen. Er schreibt aus eigener Erfahrung und mit vielen ganz konkreten Beispielen alter und neuer Bücher. Eine Geschichte, die von Klein wie Groß unbedingt gelesen werden sollte. Eine Geschichte, die Mut macht und ihre Leser, neugierig geworden, zum Lesen vieler weiter, lesenswerter Bücher animiert.

Bitterer Kampf um ein Tropfen Wasser

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Neil und Jarrod Shusterman, Dry, Fischer Verlag 2019 € 15,00

Apokalyptische Settings in Amerika sind jedem bekannt. Aber dieses Buch lebt davon, dass ständig Unerwartetes passiert. Südkalifornien ist der Wasserhahn abgedreht.  Alles, was geschieht, geschieht zeitversetzt. Die Menschen reagieren. Auf Nachbarn, die das letzte Wasser wollen, das du besitzt. Auf die Flinte, mit der du bedroht wirst und besser abhaust. Auf das verloren Gehen der Eltern bei der Suche nach Wasser. Der Leser folgt vier jungen Leuten, die aus Gründen zusammen kommen, die mit dem Überleben zu tun haben. Man hetzt mit ihnen durch ein vertrocknetes Land, spürt den Durst und hofft auf eien guten Ausgang. Denn alles andere wäre eine wirkliche Katastrophe.

30 Jahre Mauerfall – Veranstaltungreihe mit Zeitzeugen

Vor 30 Jahren, am 9. November 1989, fiel die Mauer, die zur Teilung Deutschland führte, Familien trennte und vielen die Freiheit nahm. Was können wir erzählen, vom Leben mit der Mauer? Wir wollen anregen, Geschichte zu teilen und wieder in Erinnerung zu bringen. Dazu präsentiert der Buchpalast von Mitte April bis Ende Mai eine Ausstellung mit Rätselralley und vier Veranstaltungen. Wir zeigen Originalillustrationen von Horst Klein aus dem Buch Hübendrüben, präsentieren Bilder, Zeugnisse und Kurioses, das wir bei unseren Familien und unseren Kunden gesammelt haben. Zum Entdecken, Anfassen, Staunen & Fragen, Bücher lesen und zur Gesprächs- und Leseanregung für Groß und Klein.

Der erste Deutsche im All: Sigmund Jähn zu Gast im Buchpalast

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Maja Nielsen: Kosmonauten. Mit 20.000 PS ins All. Gerstenberg Verlag € 12,90

Der menschliche Versuch, nach den Sternen zu greifen, wurde vom Wettlauf zweier Großmächte, dem kalten Krieg in dem sie sich befanden, angekurbelt. Und abhängig davon, ob man als Kind in West oder Ost groß wurde, heißen die Helden des Weltraums Neil Armstrong oder Jury Gagarin, Ulf Merbold oder Sigmund Jähn. Die sowjetische Raumfahrt hatte in einigen Punkten die Nase vorn. Sie schickte den ersten Menschen überhaupt in die Erdumlaufbahn und auch der erste Deutsche im All, Sigmund Jähn, war Bürger der DDR, ein Kosmonaut. Maja Nielsen spürt  in ihrem Buch  diesen ersten Weltraumabenteurern, den Kosmomauten, nach und erzählt packend für Kinder und Erwachsene über eine noch heute faszinierende, historische Zeit.

Auf den Spuren der Erinnerung

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Clare Furniss: Morgen ist heute schon vorbei, Rowohlt Rotfuchs 2019 € 14,99

Sicherheitshalber macht Hattie drei Schwangerschaftstest. Das Ergebnis aus der Hingabe einer Nacht ist eindeutig, der Vater dieses zukünftigen Kindes weit weg, die Selbstverständlichkeit das Kind abzutreiben steht fest in ihrem Kopf. Ihr Mut, zur Tat zu schreiten, ist noch nicht gefasst. Er wird verdrängt, von einer vergessenen Verwandten, einer Schwester iher Großmutter. Keiner der beiden giert nach Kontakt und doch hofft Hattie von dieser alten Frau etwas über ihren eigenen Vater in Erfahrung bringen zu können. Wenn dann jetzt, denn Gloria wird dement und beginnt zu vergessen. Gloria erzählt Hattie Unerwartetes. Die beiden verbindet die ungewollte Schwangerschaft.  Unverheiratet schwanger war damals vollkommen undenkbar, noch dazu, wenn das Kind eine andere Hautfarbe haben sollte. Stück für Stück eröffnet Gloria eine Geschichte, die Dramatik gewinnt und mehr und mehr den Atem nimmt. Erst gegen Ende entdeckt man die Liebe, das Leid und die Erstarrung in Sprachlosigkeit,  den Mut, der Entscheidungen stützt und  sich an ganz unerwarteten Stellen auftun wird. Funiss komponiert ein Frauenschicksal aus den 50ern und eins in heutigen Zeiten zu einem packenden, vielschichtigen Roman. Viel hat sich seit dem geändert und einiges gar nicht, denn die Entscheidung einer jungen Frau, ihr Kind zu behalten hat mehr mit dem Herzen zu tun, als mit dem Verstand. Wie weitreichend diese Entscheidung ist und über Generationen hinweg Wege eröffnet, können LeserInnen hier gewahr werden. Beeindruckend!

Papas kinderleichte Erziehung zu Spiel & Spaß dank Langeweile.

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Claude Dubois: Pff..., Moritz Verlag 2019 €10,95

"Schluß jetzt!" Papa Erpel spricht ein Machtwort und schickt seine am Handy herumklickenden Küken an die frische Luft. Nun hängen sie wie nasse Waschlappen über einem Ast und geben sich der Langeweile hin. Die folgende kleine Bildsequenz weckt bei Erwachsenen Sehnsuchtsgefühle. LANGEWEILE. Gibt es sie eigentlich noch? Bald kommt Papa mit einem Wäschekorb unter dem Arm wieder vorbeigeschlendert und wirft Optionen in die Kinderrunde. Man könnte ja Fussball  spielen, Fangen, Blinde Kuh oder gar beim Wäsche aufhängen mithelfen?  Am Ende pumpt er das Planschbecken auf. Die Kinder sind nicht überzeugt und überlassen das Wasser zunächst einem dahergelaufenen Spatz. Natürlich weiß am Ende keiner wie es kam, aber die Kinder schließen Freundschaft und spielen so toll wie lange nicht mehr. Beim Anblick der tobenden Kinder staunt die Mama nicht schlecht. Die Geschichte formt sich aus der Luft und wird von Seite zu Seite von einer Leichtigkeit getragen, die dem Nichts zu entspringen scheint. Der Langeweile eben. Schön, dass es sie noch gibt. Dubois fängt sie ein, mit den ihr typischen, prägnant knappen Strichen, die gerade im Weglassen ihre erzählerische Kraft enwickeln. Ganz nebenbei und mit großer Selbstverständlichkeit schmeißt in diesem Buch auch der Vater den Haushalt. Schön, dass die große, weite Welt so genussvoll zelebriert werden kann, Enteneltern sei Dank!

Die unsichtbaren Beine der Liebe

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Linde Hagerup: Ein Bruder zu viel, Gerstenberg Verlag 2019 € 14,95

Die Welt der 9-jährigen Sara könnte schöner nicht sein, bis eine Freundin ihrer Mutter plötzlich stirbt. Alleinerziehend hinterlässt sie einen 5-jährigen Sohn. Saras Eltern beschießen, ihn in die Familie aufzunehmen. Sara konnte dem quengelingen Steinar nie etwas abgewinnen. Nun besetzt er ihr halbes Zimmer. Die Mutter. Den Vater. Von Trauer umfangen, bekommt er immer alles. Steiner lebt in einem Schonraum und in Sara nagt ein kleines, wütendes Tier. Da alle Aufmerksamkeit auf Steinar liegt verschwindet Sara mehr und mehr, bis sie auf eine Idee kommt: Sara wird zu Alfred, einem großen Bruder für Steinar, der nett zu ihm sein kann und der vieles schafft, das Sara nicht gelingen will. Doch das Doppelleben birgt andere Schwierigkeiten. Schlicht, klar und für Kinder zum Greifen nah und bildlich erzählt liegt unter dieser Geschichte große psychologische Brisanz. Alle Figuren müssen sich mit starken Gefühlen arrangieren und ihre Handlungen werden in emotionalen Notsituationen mit zweierlei Maß gemessen. Es geht nicht immer gerecht zu. Saras Flucht in eine andere Person macht sie handlungfähig, ist aber auch kein Dauerzustand. Wie wird sie den Weg wieder zu sich selbst zurück finden? Der packende Kinderroman ist eine Geschichte der kleinen Schritte, kurzen Sätze, wechselnden (Jahres)Zeiten. Dem Vergehen von Zeit überhaupt. Der Veränderung. Dem Wachsen. Und vor allem der Liebe, und einer bewundernswerten Vater-Tochter Beziehung. "Die Liebe sind ein paar Beine, die du nicht sehen kannst. Diese Beine können viel weiter laufen als deine normalen Beine. Diese Beine nämlich tragen dich durch das Leben", sagt Saras Papa in der Overtüre zu ihr. Diese vier ungewöhnlichen Beine, die sichtbaren wie unsichtbaren lassen Sara zunächst straucheln und stolpern. Sara nimmt uns mit in ihre Geschichte, die man am Ende, die Beine sehend, ins Herz schließt und keinesfalls missen möchte.

Grandios!

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Jason Lutes: Berlin. Gesamtausgabe, Carlsen 2019 € 46.-

Heute steht die Weimarer Republik im Fokus und hält für so manchen Vergleich zur heutigen Zeit her. Lutes begann dieses, zwanzig Schaffensjahre umfassende, Werk 1994. In symphonischer, atemraubender Manier hat das Leben in der Großstadt Berlin zwischen 1928-1933 auf 550 opulente Seiten gebannt. Da ist Marthe. Sie flüchtet vor einer arrangierten Heirat in ein Kunststudium nach Berlin. Im Zug lernt sie den Journalisten Kurt Severing kennen, der ihr in der fremden Stadt die ersten Schritte erleichtert. Er arbeitet für Ossietzkys Weltbühne, mit Ringelnatz als Freund an seiner Seite. Marthes Liebe zu Severing wird zum beständigen Auf und Ab und bald durch eine neue Tonart erweitert. In der Kunstschule lernt sie Anna kennen. Ein junge Frau, die sich als Mann kleidet und fühlt. Die ganze Stadt ist in Bewegung. Eine Zeit am Abgrund. Eine Zeit in der sich Hass und Gewalt formieren. Eine Zeit, die atemlos macht. Und sprachlos. Eine Zeit, in der Severking an der Macht seiner Worte zu zweifeln beginnt und doch sind es Worte, die hetzen, verbünden, trennen und aufzuwiegeln verstehen.  Weitere Geschichten kreuzen den Weg.  Da ist Sylvia. Ihre Eltern sind Arbeiter. Mit dem Arbeitsplatzverlust der Mutter trennen sie sich und teilen die Kinder auf.  Gudrun stirbt bei einer Demonstation der KPD auf der Straße. Sylvia wird sich auf der Straße durchschlagen und selbst zur Kommunistin. Eine zeitlang gewährt ihr eine jüdische Familie Unterschlupf. Ihr Vater und ihr Bruder werden Anhänger der Nationalsozialisten. Da ist Margarethe, einst Severkings Geliebte. Sie kommt aus großbürgerlicher, industrieller Welt, die sich am Ende ebenso mit Hitler verbünden wird.  Vor großartig eingefangener Stadtkulisse in scharfem schwarzweiß, zwischen gleißendem Licht und erbarmungslosen Schatten zeichnet Lutes laute und stille Lebensdramen, politische Umbrüche, Untergang und Hoffnungsschimmer und eine sich mit Angst füllende, widersprüchliche, bald berstende Welt. Diese graphic novel bietet viele Ebenen. Man kann sie wieder und wieder lesen und Neues entdecken. Die Gesamtausgabe umfasst die drei Einzelausgaben in größerem Format und wurde um Erklärungen zu Bauwerken und Plätzen der Stadt, sowie Skizzen und einem Interview mit Jason Lutes ergänzt. Sie ist ein Schmöker, ein Gedicht. Sie ist absolut lesenswert.

Von Wind und Regen, von Feuer und Macht

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Jennifer Alice Jager, Windborn - Erbin von Asche und Sturm, Arena 2019 €18,00

Eine atemlose Geschichte. Der Leser reitet mit der Wolkenstürmerin Ashara über den Sand der Wüste, bekämpft mit Wind das Feuer der Funkenmeister und tanzt mit Windwirbeln vor dem mächtigsten Feind des Landes, den Skar. Und damit befindet er sich auch gleich mitten in dem tragischen Kampf um Wasser, das zum Überleben so notwendig ist, um die Liebe, die Ashara in einem hoffnungslosen Moment unerwartet begegnet, und im Kampf gegen das Böse. Genauso funktioniert gute Fantasy. Und doch wird man von der Autorin mit neuen Bildern überrascht. Bildern voller Kargheit von Wüste und Felsdörfern, aber auch Bilder von abendländischer Exotik.

Alex Wheatle im Gespräch mit Jugendlichen über Gewalt in der Jugendliteratur

Die Jugendlichen leben zwischen Traum und Trauma, in sozialer Armut und Gewalt. Familie zerfällt. Freundschaften sind das Leben. Beziehungen sind die Welt. Wheatles erzählt in seiner Trilogie vom Spiegel ihrer Seele. Leidenschaftlich und aus eigener Erfahrung schildert er das Gangsterleben, mal aus Sicht der Jungen, mal aus der der Mädchen. Er gibt allen eine eindrucksvolle, unverwechselbare Stimme.

Mit Stefan Zweig im Gepäck

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Oliver Hintze, Susanne Krones: Tonspur. Wie ich die Welt von gestern verließ, dtv TB € 14,95

Dreistimmig lockt Olaf Hintzes Tonspur in das Reich seiner Erinnerungen. Mit seiner eigenen, im Buch in wörtlicher Rede gehaltenen Stimme, einer vorsichtig und sorgsam zu nennenden Annäherung seiner Chronistin Susanne Krones und jenen, immer wieder aufs Neue ergreifenden Zitaten aus Stefan Zweigs Welt von Gestern taucht vor unseren Augen ein Land wieder auf, dass 30 Jahre nach seiner Auflösung beginnt in Vergessenheit zu geraten. Hintze, aufgewachsen im Erfurtder 70er und 80er Jahre, entdeckte die Kraft und Sogwirkung von Büchern und Musik.

Die Herausfordung des eigenen Lebensweges

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Gabriele Clima: Der Sonne nach, Hanser Verlag 2019 € 14.-

Sozialstunden sollen den unüberlegt agierenden Dario lehren auf den richtigen Weg zu gelangen und zu tun, was man von ihm verlangt. So lernt er den vollkommen von Pflege abhängigen Andy kennen. Dieser kann sich weder bewegen noch sprechen und sitzt im Rollstuhl. Damit gehört er für Dario zur Gruppe der Behinderten.  Aber nein, er ist ein Mensch mit besonderen Fähigkeiten. Doch diese sprachliche Gleichstellung wird von seiner Betreuerin nicht gelebt. Sie behandelt Andy wie ein Baby und bemerkt dabei: er sei doch "kein normaler Mensch". Sie hält ihn für einen Idioten, das spürt Dario sofort, denn auch ihn hält man für eine Niete. Unkompliziert, dirket und immer ein wenig rebellisch, wie Dario so ist, nimmt er den Rollstuhl samt Andy unter den Arm und schiebt damit, mal wieder ohne einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden, einem Abenteuer entgegen.

Mit Witz und gutem Spürsinn

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Nancy Springer: Der Fall des verschwundenen Lords. Ein Enola Holmes Krimi. Knesebeck 2019 € 15.-

Die 14-jährige Enola Holmes, Schwester des berühmten Sherlock Holmes, ist an der Seite ihrer Mutter, einer wahren Frauenrechtlerin, auf dem Familienanwesen groß geworden und hat jede Menge Freiheiten genossen. Ihr Leben hätte ewig so weiter gehen können, wäre die Mutter nicht von einem Tag auf den anderen verschwunden und Enolas Brüder aufgetaucht. Sie sind geradezu schockiert über den Zustand des Anwesens, noch mehr über Enolas mangelnde und ihrer Stellung nicht entsprechende Erziehung und beschließen, dass sie in einem Internat bestens aufgehoben sein würde. Enola lässt sich jedoch nicht so einfach verbiegen. Heimlich macht sie sich auf den Weg nach London, um ihre Mutter zu suchen. Einige versteckte Hinweise bringen sie zu der Annahme, dass die Mutter auch nichts anderes gewollt hatte.. Während ihrer Flucht  - verkleidet als Witwe, wie es sich für eine echte Detektivin gehört - wird Enola prompt in den Fall des vermeintlich entführten jungen Lord Tewkesbury verwickelt. Sie hätte wahrlich nicht geahnt, dass sie sich so schnell ihrem ersten großen Abenteuer in London gegenüber sieht. Mit einer Portion Herzklopfen, Ideenreichtum, zudem jeder Menge Mut meistert sie die Situation, und eines ist für Enola fortan klar: sie wird eine Menschenfinderin werden und weitere Detektivfälle übernehmen. Die jungen Leser folgen Enola in das Jahr 1888, eine Zeit, in der Kindern und Frauen noch wenig Mitspracherecht, geschweige denn, die Möglichkeit der Selbstverwirklichung zugestanden wird. Genau darum ist die über sich selbst hinauswachsende Enola Holmes so liebenswert als Figur, und als Detektivin nicht weniger originell wie ihr großer Bruder Sherlock.

Auf den Spuren jüdischen Lebens

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Mirjam Pressler: Dunkles Gold, Beltz & Gelberg 2019, € 17,95

Das letzte Buch der im Januar 2019 verstorbenen Autorin Mirjam Pressler setzt sich eindringlich mit dem Umgang, den Vorbehalten, den verschiedenen Gedanken, die wir gegenüber Menschen mosaischen Glaubens hegen, auseinander und dreht dabei unverzichtbare Fragen in den Köpfen ihrer Protagonisten: Sind jüdische Menschen bessere Menschen, nur weil sie Juden sind und ihnen im Lauf der Geschichte viel Unrecht, Leid, Vertreibung und systematische Ermordung zugefügt wurde? Warum kann der Antisemitismus nicht endlich enden? Wie steht es heute mit unserer Schuld ? Pressler führt ihre Leser über den Fund eines Goldschatzes in Erfurt zwischen dem Hier und Jetzt und dem Mittelalter hin und her.

Einfach Müll?

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Gerda Raidt: Müll, Beltz &Gelberg 2019

Spannend, wissensprall und eine gelungene Vorleselektüre: Ehe man sich's  versieht, sind Leser, Vorleser und Zuhörer abgetaucht, in den Müllbergen unserer Zivilisation. Mal lässt uns die Autorin archäologisch gründeln, mal gegenwärtig, sortiert nach Materialien, in den Mülltonnen vor dem Haus, auf dem Wertstoffhof oder auf den Müllkippen in Indien und Südamerika. Werden und Vergehen wäre dabei der natürliche Kreislauf der Natur. Ein Weg, den auch unser Müll bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast vollständig genommen hat. Heute sieht das anders aus.  Aus entsorgtem Plastik ist im Meer ein nicht abbaubarer Teppich geworden, der unerwünscht in alle Lebenskreisläufe dringt. Wie können wir das Mikroplastik wieder aus der Welt schaffen? Und wie nachfolgende Generationen vor Atommüll warnen, der viele Menschenleben braucht, sich in unschädliche Bestandteile zu zersetzen. Müll ist nicht für jeden gleich Müll. Aus Müll kann man auch Neues schaffen, unnötige Verpackung kann man meiden. Am Ende stehen einige ratsame Tipps, die Sache mit dem Müll aktiv anzugehen. Hier können auch Grundschulkinder schon mitmachen. Ihnen  überlassen wir schon heute unseren Müll. Lasst uns also darüber reden, wie wir den nicht recyclebaren Müllberg möglichst klein halten können!

Im Würgegriff des Überwachungsstaates

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Grit Poppe: Schuld, Dressler Verlag € 9,99

Jana wächst in einem partei- und linientreuen Elternhaus auf. Gerade ist sie in eine schöne Villa am Stadtrand Berlins gezogen. Ihr Vater hat die Leitung eines Hotels übernommen. Neben ihr in der neuen Klasse sitzt Jakob. Seine Eltern haben einen Ausreiseantrag gestellt. Er gilt als Einzelgänger. Besser man hat keinen Kontakt zu ihm. Die beiden Außenseiter finden sich und Jana lernt die Welt Jakobs kennen, erst naiv, dann erstaunt und am Ende gefangen in vielen widerstreitenden Gedanken, in denen sie sich fast selbst verliert.

Auf der falschen Spur

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Simon Mason: Running Girl, Rowohlt Rotfuchs 2019 €14,99

Dieses Jugendbuch bedient alles, was ein guter Krimi braucht: eine Leiche, ein interessanter Kommissar - Inder, jung und noch wenig erfahren in seinem Job, aber dafür mit umso mehr Ehrgeiz - eine Stadt, in der Arbeitslosigkeit, Glücksspiel und Kriminalität kein Fremdwort sind, und viele ungelöste Fragen. Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich der 16-jährige Garvie, ein gelangweilter Schüler, der seiner Mutter trotz seines überaus hohen IQ´s den letzten Nerv raubt, und rein zufällig auch Ex-Freund des Mordopfers ist. Statt sich auf seine Abschlussprüfungen zu konzentrieren, ermittelt er auf seine eigene Weise, kombiniert Informationen, stellt die richtigen Fragen und ist dem Kommissar Singh ständig ein Dorn im Auge. Nach zwei falschen Verdächtigen, jeder Menge Ärger wegen fehlender Ermittlungserfolge und dazu die kryptischen Hinweise von Garvie, bringen den Kommissar endlich ans Ziel. Der Leser hat über lange Strecken mitgefiebert, sich an der Lässigkeit und Lebensunlust des Sechzehnjährigen aufgerieben, um dann endlich auf den letzten Metern in einem großartigen Showdown mit Singh und Garvie mitzuzittern. Ein intelligenter und zugleich jugendlicher Krimi, der bis zuletzt fesselt.