Der Springteufel aus der Mottenkiste der Geschichte

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Wolfgang Korn: Karl Marx. Ein radikaler Denker, Hanser Verlag 2018 € 19.-

Eigentlich hatte Wolfgang Korn die Marx Schriften schon lange auf dem Dachboden eingelagert, da kommen sie wie ein Springteufel aus der Mottenkiste der Geschichte wieder heraus und ist aktueller denn je. Was ist dran, an Marx? "Das Kommunistische Manifest ist nicht nur eine politische Kampfschrift, sondern auch ein geschichtsphilosophisches Dokument", sagt er, der sich in seiner knappen Marx Biografie für jungen Leser bemüht, den Menschen Marx in seine Zeit einzubetten, seine komplizierten Texte einfach zu erklären und dabei sowohl sozialen, politischen und philosophischen Spuren nachgeht. Sein Text vom Leben und Wirken wird von zusätzlichen, fett hervorgehobenen, Ausführungen und Originalzitaten unterbrochen. Er wirkt insgesamt ein wenig eckig und bietet doch einen guten, schnellen Einstieg zu den wesentlichen Fragen, die Marx bewegten. Wolfgang Korn endet nicht mit Marx Tod. Er zeigt sein Wirken bis in die heutige Zeit auf und macht Lust aufs Weiterlesen.

 

Sport auf Dächern

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Jutta Wilke: Roofer, Coppenrath Verlag 2017 € 14, 95

In dem Buch geht es um das Mädchen Alice, das über ihre Freundin eine Gruppe Jugendliche kennenlernt, die zu den sogenannten Roofern gehören. Sie klettern ohne Kletterausrüstung auf Hochhäuser, filmen sich dabei und stellen die Videos ins Internet. Alice ist fasziniert, freundet sich mit ihnen an und verliebt sich in einen der Jungs. Doch als plötzlich ein Rivalenstreit unter den Roofern ausbricht und Alice Freundin eine lebensgefährliche Mutprobe bestehen muss, gerät alles außer Kontrolle. Ich finde, dass das Buch sehr gut geschrieben ist. Man kommt schnell in die Geschichte rein und trotz einiger eintöniger Stellen ist es ist von der ersten bis zur letzen Seite spannend. Ich kann das Buch vorallem 11- 13 jährigen empfehlen.

 

16. Juli 2018, 18:30Uhr: Lea-Lina Oppermann im Gespräch mit den Bücherfressern zu ihrem Roman „Was wir dachten, was wir taten“

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Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten, Beltz&Gelberg 2017 € 12,95
Außergewöhnliche Lebenssituationen sind in der Jugendliteratur ein beliebtes Thema. Gewissen und Haltung, das Leben selbst steht plötzlich auf dem Prüfstand. Lea-Lina Oppermann hat ihr Debüt mit 16 Jahren geschrieben und und beeindruckt mit Schreibtalent und Beobachtungsgabe zu jugendlichem Denken und Handeln. Ihr Buch ist zum Lieblingsbuch der Jugendlichen und zur perfekten Schullektüre avanciert.
Nach der Lesung werden die Bücherfresser mit der Autorin ins Gespräch gehen.
Lea-Lina Oppermann, beschreibt  die Ausnahmesituation eines Amoklaufes in der hermetisch abgeriegelten Welt des Klassenzimmer auf hohem Spannungsniveau aus drei Perspektiven. Zwei Durchschnittschüler Mark, Fiona und ihr junger Lehrer Herrn Filler erzählen. Wie in Zeitlupe spiegeln sie in gekonntem rhythmischen Wechsel jede Bewegung des Eindringlings und der Gruppe und sehen dabei immer sich selbst im Zentrum der Situation.  Allen voran der Lehrer, dessen knapper Altersvorsprung und  Ausbildung ihn keineswegs erhabener oder aktiver gemacht haben. Selbst als der Täter einen Stapel Briefe mit seinen Wünschen auf den Tisch legt, Forderungen in denen jeder mal gezwungen wird, andere Bloßzustellen, kommt keinem die Frage in den Sinn, was hier überhaupt gespielt wird. Viele Möglichkeiten des Eingreifens verstreichen. Stück für Stück erkennen die Erzähler die Rolle Einzelner im Gesamtkontext der Gruppe und füllen ihre bisherige Nichtwahrnehmung mit defensiven Rechtfertigungen. Bei diesem Text handelt es sich um einen erzählerisch versierten,  düstern Zustandsbericht des Seins, der nach Diskussion und Klassenlektüre ruft.

 

Die Veranstaltung eignet sich für Jugendliche und Erwachsene. Eintritt € 5.-. Um Anmeldung wird geben.

Ein Interview mit Lena-Lia Oppermann, das wir auf der Buchmesse führten, finden Sie hier.

Feuer gegen Eis

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Feuer gegen Eis

Elly Blake, Fire & Frost - Vom Eis berührt, Ravensburger 2018l €17,00

Wenn Feuer gegen Eis kämpft, wenn die letzte Fireblood, in deren Körper die Hitze brennt, den Frostbllodkönig bekämpfen und seinen Eisthron zerstören soll, dann fragt sich der Leser wähend der gesamten Geschichte, wer von beiden am Ende siegen wird. Ein großartiges Fantasydebüt von Elly Blake, die eine gnadenlose, fast schon marzialische Welt erschaffen hat, in welcher ihre Protagonisten von vielen Geheinissen umrankt sind, und in der die unmögliche Liebe zwischen einer Fireblood und einem Frostblood möglich wird.

 

Fabelmächtig fabelhaft

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Kahtrin Lange: Die Fabelmacht-Chroniken, Arena Verlag 2017 € 18,00

Die Fabelmachtchroniken sind für mich ein Highlight bei den Herbstneuerscheinungen im fantastischen Jugendbuch. Die Geschichte hat es geschafft, mich beim Lesen immer wieder zu überraschen. Die Autorin hat Paris als Schauplatz gewählt und führt auf die Dächer der Stadt, auf Friedhöfe und in Katakomben, wobei sie der Handlung einen lebendigen und realen Rahmen gibt. In Paris leben die Fabelmächtigen, da sich nur dort die Gabe zeigt: was sie mit Stift auf Papier bringen, wird wahr. Diese Gabe kann auch gefährlich und missbraucht werden, darum haben sich viele Fabelmächtige als eine Gemeinschaft in die Tiefen der Stadt zurückgezogen und der Gabe abgeschworen. Mila weiß von all dem nichts, vor allem nicht, dass ihre Mutter eine Fabelmächtige ist und sie die Gabe auch in sich trägt.  Erst als sie aufgrund eines Streites mit ihrer Mutter ausgerechnet nach Paris zu einer Freundin abhaut, beginnt die Geschichte, eine Geschichte, die schon längt geschrieben wurde: von dem Fabelmächtigen Nicholas, einem Jungen, der ebenfalls lange nichts von seiner Gabe wusste und nun mit aller Macht versucht, dass seine geschriebene Geschichte nicht wahr wird, denn er wird in seiner Geschichte sterben. Doch die Geschichte lässt sich nicht umschreiben. Verschiedene Menschen werden Mila zur Seite stehen, werden versuchen, ihr zu helfen und sie zu beschützen. Doch selbst Mila kann ihre Gabe nicht dazu nutzen, den Tod Nicholas in einer neuen Geschichte umzuschreiben...
Eine dramatische Liebesgeschichte, eine Tragödie voller unerwarteter Wendungen, die zum Teil an sehr düsteren Orten spielt, und bis zuletzt die Spannung hochhält. 

 

Ein Sturz mit Folgen

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Nicole Boyle Rodtnes: Wie das Licht von einem erloschenen Stern, Beltz und Gelberg € 14,95

Das Buch handelt von dem Mädchen Vega. Nach einem Sturz auf einer Party leidet sie an Aphasie. Das bedeutet, dass sie weder sprechen noch lesen oder schreiben kann. Sie hat den Verdacht, dass sie von jemandem geschubst wurde. Keiner will ihr das glauben. Bei einem Workshop trifft sie auf Theo, der ebenfalls unter Aphasie leidet. Sie verlieben sich. Aber wied sie herausfinden, ob ihr Verdacht richtig ist? Und wenn ja, wer hat sie geschubst?

 

Pakt mit dem Teufel?

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Jenny-May Nuyen: Nacht ohne Namen, dtv € 16,95

Ein spannender Fantasy Roman, der mich von Anfang an gefesselt hat. Es geht um das Mädchen Nicki, deren Freund Canon eines Tages verschwindet. Auf seiner Spur macht sie Bekanntschaft mit Traumdeutern, Besessenen und Dämonen. Sie schließt ausversehen einen Pakt mit dem Inkubus Jucitell Tallis. Kann sie trotz vieler Gefahren Canon finden?

 

Amoklauf in der Schule

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Marieke Nijkamp: 54 Minuten, Fischer Verlag 2017 € 14,99

Das Buch handelt von einem Amoklauf. Nach der Rede der Direktorin wollen alle die Aula verlassen, aber die Türen sind verschlossen. Tyler, der Amokläufer, fängt an zu schießen und will alle töten, die ihm je Unrecht getan haben. Das Buch ist aus der Sicht von vier Jugendlichen erzählt. Sie heißen Claire, Autumn, Tomás und Sylv. Sie haben alle etwas mit Tyler zu tun. Das buch bleibt immer spannend, das die Sichen wechselt und nicht alle in der Aula waren, als Tyler zu schießen begann. Ich finde das Buch sehr gut. Kleiner Geheimtipp, meinerseits!

 

Ermittlungen à la Agatha Christie

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Robin Stevens: Mord ist nichts für junge Damen, Knesebeck Verlag € 15,00

In dem Buch geht es um die Mädchen Daisy und Hazel, die eine Detektei eröffnet haben. Das Buch spielt im Mädcheninternat in England der 30er Jahre. Die beiden Mädchen sind 13 Jahre alt, als Hazel die Leiche ihrer Lehrerin Miss Bell entdeckt. Als sie allerdings mit einer Aufsichtsperson zum Tatort zurückkehrt, ist die Leiche verschwunden. Keiner glaubt den beiden Mädchen, deshalb ermitteln sie auf eigene Faust. Können Sie den Mörder fassen?

Vertrackter Thriller, bei dem man nicht zu viel verraten darf

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Monika Feth: Der Erdbeerpflücker, cbt € 8,95

In diesem Buch geht es um die Hauptperson Jette. Sie ist Tochter von einer Autorin. Ihre Eltern leben getrennt. Jette hat eine Freundin namens Caro. Diese wird eines Tages ermordert. Daraufhin schwört Jette öffentlich Rache und macht den Mörder auf sich aufmerksam. Das Buch ist spannend aufgebaut. Es erzählt abwechselnd aus verschiedenen Sichten. Ich finde allerdings, dass der Klappentext zu viel verrät. Das Cover, finde ich, passt sehr gut zum Buch.

Verliebt in Geist oder Körper?

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David Levithan: Letztendlich sind wir dem Universum egal, Fischer TB € 9,99

In dem Buch „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ geht es um eine Seele, die jeden Morgen in einem anderen Körper aufwacht. Sie nennt sich „a“ und das tägliche Wechseln der Körper ist bereits so, seitdem sie denken kann. Eines Morgen erwacht die Seele im Körper von Justin, ein nicht sehr sympathischer Junge. In der Schule trifft er als Justin auf dessen Freundin Rhiannon und verliebt sich dabei in sie. Die beiden beschließen, die Schule zu schwänzen und ans Meer zu fahren. Die Seele weiß, dass Justin seine Freundin oft schlecht behandelt und vernachlässigt, doch an diesem Tag ist Justin Rhiannon gegenüber deutlich netter.
In dem Buch stellt sich die Frage: Besteht Liebe nur aus der „Seele“, also dem Charakter, oder auch zwingend aus dem Aussehen?
Fazit: Ich finde das Buch sehr faszinierend, da eine andersartige Form von Erzählung im Gegensatz zu ansonsten üblichen Geschichte gewählt wurde. Es bleibt für den Leser durch die unterschiedlichen Perspektiven der Seele abwechslungsreich und spannend. Außerdem gelingt es dem Erzähler mit dem Schluss des Buches zu überraschen.

Wenn es im Kopf leuchtet und das Herz kribbelt

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Gideon Samson: Sternschnuppensommer, Gerstenberg Verlag 2018 €12,95

Jakob ist eher der Typ unsichtbar. Nur nicht auffallen, keine Freunde, Eltern getrennt. Als die Mutter ihn in den Sommerferien zu seinem Vater auf eine griechische Insel schickt, packt er vorsorglich 30 Comichefte ein und vergräbt sich lesend auf seinem Zimmer. Doch dann lernt er Michális kennen, einen Nachbarsjungen, und findet in ihm jemand, mit dem man reden kann. Als Michális ihm von der Ankunft  seiner Ferienfreundin erzählt, einem Mädchen in das er sich letztes Jahr verliebt hat, reagiert Jakob verwirrt und besorgt, dann verwundert und neugierig. Flugs wird aus der Zweisamkeit eine Dreieinigkeit, die unzertrennlich auf Abenteuerkurs die Insel unsicher macht, bis Jakob feststellt, dass auch er sich in Puck verliebt haben muss. Eine wunderschöne erste, kindliche Liebesgeschichte, die zaghaft eine ganze Palette von Gefühlen,  Schmetterlinge, Wut und Verzweiflung und wieder zurück zu einer Freundschaft, präsentiert. Die besondere Du-Perspektive reißt den Leser aber nicht zu tief hinein, lässt ihn vielmehr Beobachtungsraum für das Selbstwerdungs-Schauspiels, an dem Jakob am Ende stark hervorgeht, Freude findet, von der Liebesgeschichte seiner Eltern erfährt und seinen Vater richtig kennenlernt.

 

Ein Auslandsjahr in Peru

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Chantal Schreiber: Plötzlich in Peru, Thienemann Verlag € 19,95

Der Roman Plötzlich in Peru von Chantal Schreiber, veröffentlicht im Jahr 2011 in der Planet-Girl-Reihe des Thienemann Verlages, handelt von der 18-jährigen Elena. Nach der Bitte einer Freundin, die wegen eines gebrochenen Fußes an ihre Reise nach Peru, die Spanisch Unterricht und ein Voluntär-Programm beinhaltet, statt ihr dorthin zu fliegen, entscheidet sie sich trotz ihres `Planungswahns’ spontan in schon sechs Tagen die Reise anzutreten. Wenn auch mehr aus ‚Rache’ an ihrem Freund, der zum Studium nach Innsbruck zieht ohne sie gefragt zu haben, ob sie mit will, als aus eigener Motivation, bereut sie ihre Entscheidung nicht. Denn das arme, jedoch auch so vielseitig schöne Land Peru berührt und verändert sie.
Chantal Schreiber malt eine gut verständliche Handlung, oft mit so guter Beschreibung der verschieden Orte in Peru, dass man sich diese bildhaft vorstellen kann. Trotz der häufigen unnatürlichen `Perfektheit´ des Hauptcharackters, würde ich dieses Buch ab einem Alter von 13 Jahren empfehlen.

 

Was wollen die denn mit meinen Daten?

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Michael Keller, Josh Neufeld: Big Data, Jacoby & Sturart 2017 € 15,-

Ist die schöne neue Welt noch aufzuhalten? Das könnte schon eine Frage von Gestern sein. Wenn wir Glück haben, ist es eine Frage von heute. Eine Frage von morgen ist es ganz sicher nicht. Der große Vorteil, denn man erhält, wenn man über Facebook oder Whatsapp kommuniziert oder sich mit Google orientiert ist unmittelbar spürbar. Dem entgegen steht ein Verlust, der nicht direkt spürbar ist und für den es keinen Maßstab gibt: Der Verlust der Privatheit. Schutzlosigkeit. Für das Sammeln, Verarbeiten und Weitergeben privater Daten gibt es in den meisten Staaten klare Gesetze und Regeln. In der digitalen Welt und freien Wirtschaft gibt es sie nicht. Man kommt gar nicht aus: Will man einen Dienst, eine App nutzen, muss man den AGBs zustimmen, die eine Datennutzung vorsehen. Big Data ist in vollem Gange. Aber was ist so schlimm daran? Ich habe doch nichts zu verbergen. Oder doch? Je mehr Menschen bei dieser "Selbstentschleierung" willfähig mitmachen, desto mehr entsteht der Verdacht des Verbergens bei denjenigen, die einfach nur nicht dabei sein wollen. Dieser Comic macht in aller Knappheit deutlich, wie schnell wir die Kontrolle über das eigene Abbild im Datenpool  verlieren und jetzt schon verloren haben und wie wir uns in der Gesellschaft verhalten werden, wenn unser Leben, unser Arbeitsplatz und unser Glück von den Bewertungen anderer abhängen wird. Wollen wir das wirklich?

Mehr als nur ein Realityspiel

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Deana Zinßmeister, Das Auge von Licentia Arena Verlag 2017 €15,00

In diesem ersten Jugendbuch von Deana Zinßmeiste, die als Autorin von historischen Büchern bekannt ist,  wird viel Stoff geboten, der den Leser von Jugendfantasy für das Buch einnehmen könnte: ein mittelalterlich anmutendes Setting, zwei Protagonisten, die aus verfeindeten Dörfern stammen und sich verlieben, die Geschichte verpackt in eine Realityshow der heutigen Zeit, verfolgt von Millionen von Zuschauern an ihren Bildschirmen u.a. Dank modernster Drohnentechnik, und gewissenlose Regisseure auf der Jagd nach möglichst vielen Likes der Fans.

Buchmagie im London des 19. Jahrhunderts

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Kai Meyer: Die Spur der Bücher, Fischer Verlag 2017 € 19,99

London im 19. Jahrhundert: Mercy Amberdale ist eine jener, die mit der Kraft der Bücher Magie wirken können, die Bibliomantik. Doch sie hat diesen Fähigkeiten nach traumatischen Ereignissen abgeschworen. Als ein Buchhändler und alter Freund ihres Vaters auf mysteriöse Art mit genau jener Kraft der Bibliomantik ermordet wird, geht Mercy dem Fall mit ihren Freunden Tempest und Philander nach. Ohne es zu wollen, wird sie immer tiefer in die Sache verstrickt und deckt dabei mehr, als nur einen Mord auf.

Reale und virtuelle Welten – wer weiß noch, wo wir uns aufhalten?

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Karl Olsberg: Boy in a White Room, Loewe Verlag 2017 € 14,95

Es geht um den Jungen Manuel, der ohne Erinnerungen in einem weißen Raum aufwacht. Er kann nichts spüren, er kann nichts riechen. Wenn er spricht, dann "kommen die Wörter heraus", die er sagen will,  jedoch mit einer "Roboter-Stimme , die ganz sicher nicht seine ist. Es gibt eine sprachgesteuerte Machine, mit deren Hilfe er versucht herrauszufinden wer er ist. Plötzlich tritt ein Mann in das Zimmer und behaupted etwas Unglaubliches. Anmerkung vom Leser: Ich habe schon viele fantastische Bücher gelesen, doch dieses ist eines der Besten (auf jeden Fall Top 10). Erst baut es Spannung auf und dann gibt es ein vollkommen überraschenedes Ende. Liam, 13 Jahre

Jung und beherzt

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Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten, Beltz&Gelberg 2017 € 12,95

Auch in der Schule, in der Klassengemeinschaft, scheint sich heutzutage die Welt nur um den Einzelnen zu drehen. Egoistisch und selbstgefällig, ohne rechten Blick auf die Anderen wurschtelt jeder sich durch. Wen wundert diese Erkenntnis im Handyzeitalter. Diese Gleichgültigkeit, gar Missachtung dem Anderen gegenüber führt ungewollt und ungeahnt zu tiefen Verletzungen. Das wiederum gipfelt im großangelegten Rachefeldzug des Einzelnen an der Gruppe. Dem Amoklauf. Manchmal würde man sich doch mehr Lebensfantasie wünschen. Wenigstens in der Literatur. Die Autorin, Lea-Lina Oppermann, 19 Jahre jung, beschreibt  diese Ausnahmesituation in der hermetisch abgeriegelten Welt des Klassenzimmer auf hohem Spannungsniveau aus drei Perspektiven. Zwei Durchschnittschüler Mark, Fiona und ihr junger Lehrer Herrn Filler erzählen. Wie in Zeitlupe spiegeln sie in gekonntem rhythmischen Wechsel jede Bewegung des Eindringlings und der Gruppe und sehen dabei immer sich selbst im Zentrum der Situation.  Allen voran der Lehrer, dessen knapper Altersvorsprung und  Ausbildung ihn keineswegs erhabener oder aktiver gemacht haben. Selbst als der Täter einen Stapel Briefe mit seinen Wünschen auf den Tisch legt, Forderungen in denen jeder mal gezwungen wird, andere Bloßzustellen, kommt keinem die Frage in den Sinn, was hier überhaupt gespielt wird. Viele Möglichkeiten des Eingreifens verstreichen. Stück für Stück erkennen die Erzähler erst jetzt, mit den gestellten Aufgaben, die Rolle Einzelner im Gesamtkontext der Gruppe und füllen ihre bisherige Nichtwahrnehmung mit defensiven Rechtfertigungen. Utopische Höhenflüge einer Jugend? Fehlanzeige. Bei diesem Text handelt es sich um einen erzählerisch versierten,  düstern Zustandsbericht des Seins, der nach Diskussion und Klassenlektüre ruft. Katrin Rüger

Es passiert auch mitten unter uns

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Robin Roe: Der Koffer, Verlag Königskinder 2017 € 19,99

Seitdem Julians Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, wohnt der 14-jährige Waise bei seinem Onkel. Julians etwas sonderbare Art erschweren es ihm, Anschluss zu Gleichaltrigen zu finden und gute schulische Leistungen zu erbringen. Deswegen wird er zu Schulpsychologin geschickt. Von Julians glücklichem und unbeschwertem Leben vor dem Unfall ist nichts übriggeblieben. Nur ein Koffer voller Erinnerungen, auf die er sich immer wieder beruft. Zufällig trifft Julian auf Adam, seinen ehemaligen Pflegebruder, der lebensfroh und beliebt ist. Er sieht in ihm einen älteren Bruder, den er in seiner jetzigen Situation dringend braucht. Doch trotz der emotionalen Bindung, die Julian nach und nach wieder zu Adam entwickelt, fällt es ihm schwer über sein schreckliches Geheimnis zu reden. Denn je näher Adam Julian kommt, desto näher kommt er der unfassbaren Wahrheit, die Julian versucht krampfhaft zu verbergen.
Ich habe es echt ewig vor mir hergeschoben, dieses Buch zu rezensieren, weil ich einfach nicht wusste, wie ich es anstellen sollte. Die Geschichte ist erschreckend doch ich konnte, obwohl ich es wollte, einfach nicht aufhören zu lesen. Letztendlich habe ich es dann doch rezensiert, weil es ein unglaublich gutes Buch ist, das meiner Meinung wichtig für uns alle ist. Die Sprache ist mit ihren kurzen Sätzen recht einfach gehalten. Die Autorin schafft es, den Leser für die Geschichte zu begeistern, ihn zu fesseln und ihn auf eine Art zu berühren, dass es einem oft den Atem raubt. Obwohl man von der Handlung entsetzt ist und sich alles in einem sträubt weiterzulesen, schafft man es nicht das Buch zur Seite zu legen. Durch die Perspektivenwechsel zwischen Julian und Adam, lernt man die sorgfältig ausgearbeiteten Charaktere besser kennen und nimmt die Unterschiede zwischen ihnen deutlicher wahr. Julian, der für sein Alter zu kindlich und außerdem extrem introvertiert ist, steht im genauen Gegenteil zu Adam, der sehr offen und durch seine positive Art sehr beliebt ist. Genau das ist einer der zahlreichen Aspekte, die das Buch so interessant machen, weil man Handlungen und Gefühle der Charaktere wahninnig gut nachempfinden kann. Alles in allem ist das Buch auf jeden Fall sehr empfehlenswert, wobei das Lesealter in diesem Fall dringend berücksichtigt werden sollte. Es geht einem teilweise wirklich unter die Haut. Meiner Meinung nach fordert das Buch die Leser dazu auf, die Augen offen zu halten und sorgsamer auf seine Mitmenschen zu achten, denn das, was Julian erleben muss ist gar nicht so weit weg wie wir glauben. Es passiert auch bei uns in München.

Wiedersehen mit Anne-Laure Bondoux

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Anne-Laure Bondoux: Bella Rossas anderes Glück, Carlsen Verlag 2016 € 17,99

Bella Rossa hat genug von ihrem eintönigen Leben in einer kleinen Siedlung mitten im Wilden Westen. Sie will fahrende Händlerin werden. Auf ihrem Weg muss sie nicht nur um Kundschaft kämpfen, sondern auch mit ihrer Liebe zu Jaroslaw und ihrem ewig meckernden, gelähmten Vater fertig werden. Ein Western zur Zeit des Goldrausches aus der Perspektive einer starken, aber auch liebevollen, jungen Frau. Er lebt, wie alle Bücher von Anne-Laure Bondoux, von seinen wundervoll vielschichtigen Charakteren. Clara, 15 Jahre
Ihr neustes Werk spielt in die Zeit des Goldrausches. Viele Familien ziehen im Planwagen nach Westen. Einem verheißungsvollen Glück entgegen. Das Mädchen Bella Rossa wird nach dem Selbstverständnis des damaligen weiblichen Rollenbildes gezwungen, auf diese Reise zu gehen und für ihren Vater zu sorgen, der nach einem Unfall gelähmt im Planwagen sitzt. Eine undankbare Aufgabe, über die sie in all ihrer Stärke fast märchenhaft weit hinauswächst. Diese quirlige, starke Hauptfigur setzt Maßstäbe und zeigt, dass Handeln gefragt ist, wenn man etwas ändern will. Katrin Rüger
PS: Auch ich stimme mit Claras Meinung überein, das Der Mörder weinte ein weitaus faszinierender Titel von Anne-Laure Bondoux ist, ebenso wie Die Zeit der Wunder. Fünf Jahre nach dem ersten Interview  treffen wir die vielseitige Autoren nun in Frankfurt wieder.