Schottland, Whisky und ein Entführungsfall

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Melinda Mullet: Ein Whisky auf den Tod, Aufbau Verlag 2021 €

Wer  von Mullet "Whisky mit Mord" gelesen hat, ist mittlerweile bestens über die Herstellung von Whisky in einer schottischen Destillerie informiert und kann sich getrost auf den zweiten Krimi mit der erfolgreichen Fotojournalistin Abigal Logan - seit Neuestem Inhaberin einer Destillerie - einlassen. Weiter geht es mit einem Whisky-Seminar in Edinburgh, einer verschwundenen Frau  und der eigensinnigen Abigail, die sich selbst auf die Suche der Verschwundenen begibt.  Ein unterhaltsamer Krimi aus Schottland, nicht nur für Whiskyliebhaber. sondern auch für diejenigen, die es noch werden wollen.

Grenzüberschreitende Ermittlungen

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Anna Schneider: Grenzfall - Der Tod in ihren Augen, Fischer Verlag 2021 €10,99

Schon der Einstieg in den ersten Krimi der Grenzfall-Serie macht deutlich, die junge und engagierte Alexa Jahn will in ihrem neuen Job als Kriminaloberkommissarin bei der Kripo Weilheim alles richtig machen. Durch und durch Polizistin stürzt sie sich gleich in den ersten Fall, der nichts für schwache Nerven ist. Ein zerteiltes Mordopfer, und die Spur der Leichenteile führt von Lenggries bis über die österreichische Grenze nach Tirol. So muss sich die junge Kommissarin nicht nur vor ihrem neuem Vorgesetzten beweisen, mit dem unbequemen Kollegen Huber im Team arbeiten, sondern sie muss auch ihren ersten grenzüberschreitenden Fall übernehmen. Dabei trifft sie auf den alternden Kollegen Bernhard Krammer aus Österreich, der sich an seinen eigenen Schwung aus jungen Jahren erinnert fühlt und eine ganz eigene Geschichte verbirgt. Eine Mischung aus spannender Ermittlungsarbeit, menschlicher Abgründe oder Beweggründe und der frischen Energie einer jungen Kommissarin, die ihre Arbeit als Berufung ansieht und ihren Platz im neuen Team finden muss.

1945, Münchner Leichen im Visier

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Heidi Rehn: Das doppelte Gesicht, Aufbau Taschenbuch Verlag 2020 €12,99

Heidi Rehns erster historischer Krimi um den Ermittler Emil Graf bietet in erster Linie das lebendige Bild Münchens 1945 kurz nach Ende des Krieges und weniger den kriminalistisch  spannenden Fall mit der entsprechenden Ermittlungarbeit. Zu sehr sind die einzelnen Figuren verhangen in ihren Erinnerungen, guten, weniger guten oder sogar längst verschütteten. Da ist auf der einen Seite Emil Graf, ein junger Mann, der das Glück hatte, aus der Gefangenschaft in der Normandie heraus mit seinem amerikanische Vorgesetzten zur Münchner Polizei zu geraten. Außerdem kommt die Reporterin Billa ins Spiel, Jüdin, Exilantin mit amerikanischem Pass. Ihr zufälliges Auftauchen im Haus der ersten Leiche, die der Polizeianwärter Emil zu Gesicht bekommt, bringt eine Geschichte ins Rollen, die lange stagniert in eben diesen Erinnerungen. Der Leser darf dabei allerdings den Blick über das bayerische Voralpenland schwenken lassen, über die zerbombte Innenstadt oder die scheinbare Idylle in Nymphenberg. Derweil wird es nicht bei der ersten Leiche bleiben. Für meine Vorstellung von einem Krimi kommt die wirkliche  Ermittlungsarbeit und der damit verbundene Spannungsanstieg leider etwas zu kurz, dafür ist die Geschichte wie alle Titel von Heidi Rehn historisch fundiert und durchaus unterhaltsam.