Das pure Leben

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Callan Wink: Big Sky Country, Suhrkamp Verlag 2021 €23,00

Wer gerne Romane liest, die in der Weite der USA spielen, der darf mit "Big Sky Country" von Callan Wink in die Weiten Montanas abtauchen. August wächst auf der Farm seiner Eltern auf und muss nach deren Trennung als Jugendlicher  mit der Mutter nach Montana ziehen, wo diese sich ein neues Leben aufbauen möchte. August versucht, sich von den Erwartungen der Eltern an seine Berufswahl oder was es im Leben zu erreichen gilt, zu lösen. Die Natur und Freiheit, die er findet, erfüllen und formen ihn. Ob bei der Arbeit auf dem Feld oder auf einer Farm, auf der er mithilft - die Zufriedenheit, die diese Tätigkeit bei ihm auslöst, wird beeindruckend beschrieben. Mit klarer Sprache lässt uns der Autor am stillen Glück seiner Hauptfigur teilhaben. Die ursprüngliche Sprachlosigkeit zwischen Vater und Sohn weicht langsam einem gegenseitigen Verständnis. Seine Versuche, neue Freundschaften zu schließen und erste Erfahrungen mit der Liebe zu erleben, verfolgt man mit Spannung. Wie es gelingen kann, den eigenen Weg zu finden und dabei seine Wurzeln zu behalten, liest sich fesselnd. Ein ruhiger Roman, dem man anmerkt, dass der Autor selbst ein naturverbundener Einzelgänger ist. Dennoch packend bis zur letzten Seite. Annette Goossens

Ein Buch zum Verlieben

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Anne de Walmont: Und an den Rändern nagt das meer. Sieben Monate auf der Vogelinsel Trischen, Knesebeck Verlag 2021 € 20,00

Gerade für diejenigen, welche sich bisher weder für das Wattenmeer noch für Vögel erwärmen konnten, wird dieses Buch mehr als ein unerwartet guter Urlaub werden, aus dem sie glücklich, erfüllt und erholt wieder zurückkommen werden. Anne de Walmont, Musikwissenschaftlerin, Damenschneiderin und Ornithologin nimmt ihre Leser*innen mit an einen Sehnsuchtsort, an dem uns sofort die Kraft und Schönheit der Natur umfängt: Der Vogelschutzinsel Trischen.

Quer durch Amerika

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Hernan Diaz: In der Ferne, Hanser Berlin 2021, € 24,00

Hakan ist ein Kind, als er mit seinem älteren Bruder Linus von Schweden nach New York aufbricht. In der Hektik des englischen Hafens von Portmouth verlieren sich die beiden. Der englischen Sprache nicht mächtig gerät Hakan auf ein Schiff nach San Francisco. Sein einziges Ziel ist es nach Osten, nach New York zu kommen und dort den Bruder zu finden. Er durchquert weite Strecken des Landes, teils in Begleitung, oft allein. Er lebt mit einem Goldgräber und dessen Familie in freier Natur, gerät in Gefangenschaft, lernt von einem Forscher viel über den menschlichen und tierischen Körper. Er gerät in lebensbedrohliche Situationen verschiedenster Art und wird, groß gewachsen  und umhüllt von einen selbst genähten Mantel aus Fellen aller erdenklichen Tiere zu einer Legende im Kalifornien des Goldrausches werden. Während seine Geschichte in aller Munde ist lebt Hakan in innerer und größtenteils auch äußerlicher Einsamkeit in diesem ihm fremden Land mit fremder Sprache, unendlicher Weite und klimatischen Extremen fernab der Zivilisation. Ein eindrucksvolles Portrait Amerikas, eine ungewöhnliche Lebensgeschichte, die in ihren Extremen fasziniert.

Wenn die Natur lockt

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Raynor Winn: Wilde Stille, DuMont Verlag 2021 €16,95

Das neue Buch der Nature-Writing Autorin Rynor Winn konnte mich auf seine ganz eigene Weise wieder begeistern. Erneut schenkt uns die Autorin einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben und knüpft dabei unmittelbar an das erste Buch  "Der Salzpfad" an, da die Leser unter anderem erfahren, wie dieses Buch geschrieben wurde. Sprich die Leser sind hautnah am Befüllen der Seiten dabei. An den Beweggründen der Autorin, die inzwischen mt ihrem Mann Moth das Leben einer Sesshaften in einem kleinen Dorf lebt, das Buch zu beginnen. Am intensiven Verabschieden ihrer Mutter. An ihren Ängsten um die sichtbaren Folgen der Krankheit bei ihrem Mann. Und letztlich auch an der Sehnsucht nach dem South West Coast Path, dem Einssein mit der Natur, dem Laufen, dem Unterwegs sein. All das zusammen genommen bringt Rynor und Moth dazu, wieder ein neues Wagnis einzugehen. Mit der Pacht einer Farm. Und mit einem neuen Trail, dem Laugavegur Trail in Island. Endlich, im letzten Drittel des Buches, sind die Leser wieder unterwegs, ihre Herzen klopfen, die Augen sehen und die Lippen schmecken ... ein Buch, das sich am Schönsten im Freien liest.

Weltmüdigkeit und Lebenslust

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Ivica Prtenjaca: Der Berg, Folio Verlag 2021, € 22,00

"Ich" ist ein Mann unbestimmten Alters, der seines Arbeitslebens in der Kunstszene Zagrebs überdrüssig geworden ist und eine tiefe Weltmüdigkeit empfindet. Das veranlasst ihn, für drei Monate als Brandwächter auf einer kleinen Adriainsel anzuheuern. Er stellt sich seinen Ängsten und Fragen an das Leben. Einzig begleitet von einem altersschwachen Esel und einem zugelaufenen Hund haust er in der hochgelegenen Bergwarte. Auf seinen Rundgängen spürt er sich selbst, bemerkt eine zunehmende Stärke und neue Wachsamkeit all seiner Sinne. Die Touristen, denen er hin und wieder begegnet erstaunen ihn in ihren Eigenarten; näher fühlt er sich den Inselbewohnern, denen das Kriegserleben noch in den Knochen steckt. In einer teils genau beschreibenden, teils poetischen Sprache erzählt der kroatische Autor Ivica Prtenjaca von dem Wandel dieses Mannes, der in der Wildnis Mut für ein Leben unter Menschen findet.  Ein sehr besonderes Buch!

Bäume – Die letzten ihrer Art

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Michael Christie: Das Flüstern der Bäume, Penguin Verlag 2020 €22,00

Der Titel des kanadischen Autors Micheal Christie, der anlässlich des Schwerpunktthemas Kanada auf der Buchmesse sicher einen großen Auftritt bekommen hätte, nimmt den Leser tief in die Wälder Kanadas mit. Das Buch, das den Jahresringen eines Baumstammes  folgt, mit den Zeiten spielt und der Geschichte einer  der Natur verbundenen Familie über vier Generationen nachspürt, bringt Bäume zum Rauschen, lässt sie zur Weiterverarbeitung umstürzen, und im großen Format sterben.. Eine groß angelegte Familiensaga, die bis ins Jahr 2038 reicht, und unter anderem so gewichtige Themen wie das Baumsterben und den Klimawandel thematisiert.

Von Vergangenem und Zukünftigem

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Charlotte McConaghy, Zugvögel, S. Fischer Verlag 2020 € 22,00

Das Debüt von Charlotte McConaghy überrascht mit einer aufwühlenden Geschichte zu möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf das Artensterben. Die Autorin nimmt den Leser auf eine Reise über die Meere mit, eine mögliche letzte Reise der Küstenseeschwalben in die Antarktis. Getrieben von der Hoffnung, den Flug der tapferen Vögel zu begleiten, heuert Franny, eine junge Australierin mit irischen Wurzeln und einer obzessiven Leidenschaft für Vögel, auf einem Fischkutter an. Franny wird in einem Team von Fischern ihren Platz finden müssen, die Naturgewalt des Meeres aushalten lernen, und dabei die eigene traumabehaftete Lebensgeschichte aufarbeiten.  Worte, so poetisch wie der Flug der Zugvögel, Kapitel, so gewaltig wie das Aufbäumen von sturmgepeitschten Wellen, Passagen voller Zärtlichkeit und Liebe für die letzte überlebende Vogelart - wer sich auf dieses Buch einlässt, wird sich dem Sog der Geschichte nur schwer entziehen können. Am Ende schenkt die Autorin dem Leser ein Stück Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist.

Island pur

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Joachim B. Schmidt: Kalmann, Diogenes, Verlag 2020 € 22,00

Es ist kein Zufall, dass Joachim B.Schmidt für seinen Roman den Schauplatz Island wählt: der gebürtige Graubündner wanderte dorthin aus, lebt seit 13 Jahren mit seiner Familie in Reykjavik und führt Touristen durch das Land. Den Leser lässt er das leben in dem kleinen Fischerort Ranfarhöfn erleben, über das Meer geschaut lässt sich der Nordpol erahnen. Der Schnee und das Meer sind allgegenwärtig. Erzähler und zentrale Figur ist Kalmann, männlich, Anfang 30, Haifischjäger. Er hat eine geistige Behinderung, jeder im Ort kennt ihn und er hat seinen festen Platz in der Dorfgemeinschaft. Sein Großvater erklärte ihm das Leben und liess ihn zu der Selbstständigkeit finden, die ihm das Zurechtfinden im Großvaterhäuschen ermöglicht, nun, wo dieser im Altersheim ist. Kalmann berichtet in einer schlichten Sprache und liefert in seiner kindlichen Naivität überzeugende Einsichten. Ein  Dorfbewohners ist verschwunden, die Polizei steht vor einem unlösbaren Rätsel. Schön ist es, zu beobachten, wie Kalmann in all seiner Begrenztheit seinem Leben eine Wendung gibt. Ein Muss für jeden Island - Interessierten!

Eigener Lebensweg – ein Wohlfühlroman

myers

Benjamin Myers: Offene See, Dumont Verlag 2020 € 20,00

Preis der unabhängigen Buchhandlungen 2020
Mit dem Roman "Offene See" von Benjamin Myers haben wir ein wohltuendes Stück Literatur in der Hand. Das Durchstreifen der Natur Nordenglands des 16jährigen Protagonisten Robert in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg mit seinen Beobachtungen der Pflanzen und Tiere macht Lust auf eigenes Erleben. Die Begegnung zwischen ihm und der wesentlich älteren, lebenserfahrenen, unkonventionellen Dulchie erzählt von der Bereicherung des Miteinanders, wenn es gelingt, ohne Vorurteile aufeinander zuzugehen. Die Verwandlung, die diese Begegnung und das Entdecken von Literatur bei dem jungen Mann bewirken, gibt Hoffnung, dass es möglich ist, seinen eigenen Lebensweg allen vorgezeichneten Wegen zu Trotz zu finden. Es macht Freude, sich mit Robert auf den Weg zu machen, auf der Suche nach Freiheit und sich selbst!

Unangepasst

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Ewald Arenz: Alte Sorten, Dumont Verlag 2019 € 20,00

Liss lebt und wirtschaftet allein auf dem großen Hof als Sally, ein junges Mädchen, zu ihr stößt. Die beiden verstehen einander zunächst fast ohne Worte, die sie dann doch nach und nach finden. Sparsam. mal vorsichtig, mal impulsiv, mit Angst, verletzt zu werden und doch auch selbst verletzend. Es spinnen sich zarte Fäden zwischen zwei Menschen, die das Gefühl miteinander teilen, in einer Familie und einem Umfeld leben zu sollen, das nicht zu ihnen passt. Sie stehen altersentsprechend an verschiedenen Positionen ihres Lebensweges, der Entscheidungen fordert. Mit gutem Gespür für seine Protagonisten und bereicherndem Blick in das Leben auf dem Land erzählt Ewald Arenz seine packende Geschichte, nach der der Leser Birnen mit neuer Aufmerksamkeit genießen wird.

In Nord-Norwegen

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Erik Fosnes Hansen: Ein Hummerleben, Kiepenheuer & Witsch, € 24,00

In einem großen traditionsreichen Hotel in den nordnorwegischen Bergen lebt der Jugendliche Sedd. Seine Großeltern sind an die Stelle der verschollenen Eltern getreten über die der Junge nur bruchstückhaft etwas in Erfahrung bringt. Der Großvater, immer vorbildlicher Hoteldirektor, bereitet Sedd darauf vor, das Hotel einmal zu übernehmen. Seine Großmutter, mit ihrem weichen, der Wiener Herkunft geschuldeten Tonfall, ist liebevoll aber kann auch kraztbürstig werden. Sehr wichtig ist Jim, Herrscher in der großen Küche seit Sedd denken kann und eine feste und verlässliche Größe in seinem Leben. Sie alle arbeiten viel und vielseitig, obwohl die Anzahl der Gäste sukzessive abnimmt. Ist es nur eine kurze Flaute oder der Anfang einer unaufhaltbaren Entwicklung? Der Roman ist aus der Sicht des amüsant neunmalklugen Jungen geschrieben, der viel beobachtet, mit Gehörtem und Gelesenem verknüpft und seine ganz eigenen Überzeugungen entwickelt. So romantisch abgeschieden das Hotel auch liegen mag: vor der Realität kann man nur kurz die Augen verschliessen und Dramen sind allgegenwärtig!

Im Marschland

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Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse, Verlag hanserblau € 22,00

Kya wird das Mädchen genannt, das fast ganz auf sich gestellt in dem Marschland North Carolinas aufwächst. Sie ist zunächst noch ein Kind, das sich selbst beibringen muss, Mahlzeiten zu bereiten, das sich in der Natur mehr zuhause fühlt als in der Hütte, die mal eine große Familie beherbergte. Sie wird einige wenige Menschen finden, die ihr zugewandt sind während sie den Bewohnern des nahegelegenen Küstenstädtchens fremd und sogar gefährlich erscheint. Als junges Mädchen wird sie die Nähe eines jungen Mannes lieben lernen, doch auch hier lauert die Gefahr des Verlustes. DIe Schilderung ihres Lebens und ihrer Entwicklung ist verknüpft mit literarisch beglückenden Naturbeobachtungen von Flora und Fauna. Zunehmend an Spannung gewinnend zieht ein Todesfall mit Mordverdacht den Leser in Bann. Ein besonders geglücktes Debüt, das in all seinen Facetten absolut überzeugt und begeistert!

Schmuggel im Bienenstock

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Norbert Scheuer: WInterbienen, Beck Verlag 2019 € 22,00

Ein auf wahren Aufzeichnungen beruhender Roman über das letzte Jahr des 2.Weltkrieges in der EIfel. Egidius Arimond ist Bienenzüchter in langer Familientradition und hat mit den Bienenstöcken ein Vehikel zum Schmuggel jüdischer Menschen zur belgischen Grenze gefunden. Schwierig ist es für ihn, Medikamente gegen seine epileptischen Anfälle zu bekommen. Und die Sorge, entdeckt zu werden wächst täglich. Das Buch ist eine wahre Fundgrube an Wissen über Bienen, verknüpft mit einem interessanten persönlichen Schicksal in der viele betreffenden Endphase des 2. Weltkrieges.

Rückblick und Entscheidung

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Jostein Gaarder: Genau richtig. Die kurze Geschichte einer langen Nacht, Hanser Verlag 2019 € 16,00

Albert hat das Glück, auf fast 40, weitgehend harmonische Ehejahre zurückzublicken. Er denkt gerne an seinen Sohn mit Frau und Enkelin, die ihm sehr verbunden sind. Und dann gibt es auch einen geradezu magischen Ort: eine kleine Hütte an einem Waldsee, die für die ganze Familie ein Ruhepol ist und Ausgangspunkt für Gedankenspiele und Erspüren der Natur. Hier befindet sich Albert, zum 1.Mal allein, mit einer verstörenden, erschütternden Nachricht, der er sich stellt. Er leidet an einer Krankheit, die ihn in zunehmende Abhängigkeiten bringen wird bis zum absehbaren Lebensende. Das schmale Buch von Jostein Gaarder sind Alberts niedergeschriebenen Gadanken über sein Leben, die Frage nach dem Leben überhaupt auf dieser unserer Welt und der nach dem Lebensende. Berührend, begeisternd, erschütternd - dieses Buch ist eine intensive Begegnung und Bereicherung!

21 Kinder

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Jocelyne Saucier: Niemals ohne sie, Insel Verlag 2019 € 20,00

Jocelyne Saucier hat ein weiteres Mal einen beeindruckenden Roman geschrieben, der mich immer mehr in den Bann gezogen hat und bei dessen letzten Kapitel ich nur noch dachte: grandios! Grandios die unaufgeregte und ausdrucksstarke Sprache, der Aufbau, der aus verschiedenen Blickwinkeln Innerem und Äußerem nachspürt, das Einfühlungsvermögen. Jocelyne Saucier erzählt die Geschichte einer kanadischen Familie mit 21 Kindern, die sehr wild und frei aufwachsen. Der Vater ist Erzsucher, der in der Welt seiner Gesteinsanalysen versinkt, die Mutter ist tags nur in der Küche zu finden und hat doch einen Blick tief in die Seelen ihrer Kinder. Ein tragisches Ereignis bringt Schweigen zwischen die Familienmitglieder und die Frage nach dem wahren Hintergrund und ob sie sich der Wahrheit jemals werden stellen können steht zwischen ihnen.

Märchenhaft

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Jürgen-Thomas Ernst: Vor hundert Jahren und einem Sommer, Braumüller Verlag € 23,90

Wie in einem Märchen haben die Protagonisten dieser Geschichte Lebensaufgaben zu bewältigen - vom kleinen Kind bis zum alten Menschen. Und wie bei einem Märchen hofft der Leser, dass am Ende die Menschen zusammenkommen mögen, die zusammen gehören. Es geht um existenzielle Erfahrungen wie Armut, Krieg, Überlebenswillen, Hunger, Geburt und Tod, Tatkraft und Selbsthilfe. Der Autor findet sehr schöne vielfältige und ungewöhnliche Beschreibungen der Natur, immer wieder neu und anders. Das Besondere an diesem Buch ist für mich die Melodie des Textes, die Schönes, Trauriges und Grausames erzählt, die den Leser trägt und geradezu süchtig macht.

Das Harmonium auf dem Dachboden

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Francesco Vidotto: Der Klang eines geanzen Lebens, Lübbe Verlag 2018 € 16,00

Das einfache, arme, dörfliche Leben vor, während und nach dem 2. Weltkrieg in den Dolomiten; kindliche Freundschaft, die zu Liebe wrid; Verlust geliebter Menschen; Musik, die von den Bergen und den Sternen erzählt; tragische Unfälle und das Leben danach, lang erprobte und unerwartete Freundschaft; Füreinanderdasein. Ein schönes, kraftvolles, trauriges, berührendes Buch!

Zwei Paare: im 18. Jahrhundert und jetzt

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Alex Capus: Königskinder, Hanser Verlag 2018, € 21,00

In seinem Roman "Königskinder" erzählt Alex Capus zwei Geschichten: die eine von Max und Tina, die auf dem Jaunapass mit ihrem Auto im Schnee stecken bleiben und eine Nacht im Auto verbringen ist gespickt mit amüsanten Dialogen, wie wir es von Alex Capus kennen. Um das Warten zu erleichtern erzählt Max die zweite Geschichte, die sich in dieser Gegend und in Frankreich im 18. Jahrhundert zutrug: von dem armen Viehhüter Jakob und Marie, der reichen Bauerstochter, die sich verlieben und nicht zusammensein sollten. Sie sind es dennoch, kurz zumindest, und sie bleiben beide über viele Jahre der Trennung ihrer Liebe treu und werden über verschlungene Wege wieder zueinanderfinden. Auch ohne im Auto eingeschneit zu sein mag man das Buch nicht zur Seite legen und die Geschichte von Jakob und Marie, Max und Tina miterleben!

Zwei eigenwillige Frauen

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Beate Teresa Hanika: Vom Ende eines langen Sommers, Btb € 20,00

Die 40-jährige Bildhauerin Marielle hat nie die ersehnte Nähe zu ihrer Mutter, beziehungsweise  Adoptivmutter, erleben dürfen. Nachdem diese verstorben ist, gelangen Tagebücher ihrer Mutter zu ihr, in denen diese von ihren Erlebnissen 1944 in der Toskana erzählt. Auf dem Landgut in den Hügeln nahe Lucca, in dem Marielle seit Kleinkindzeiten ihre Sommer verbringen wird, erleben beide Frauen ganz Entscheidendes und Lebensbestimmendes. Ein auch zeitgeschichtlich interessanter Roman über zwei eigenwillige Frauen!

Ein Dorf im Apennin

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Maria Rosaria Valentini: Magnifica, Dumont Verlag € 22,00

Das Leben in einem kleinen abgelegenen Ort im Apennin - es sind zunächst die Jahre nach dem 2. Weltkrieg, der Roman erzählt über vier Generationen. Die landwirtschaftlichen und kirchlichen Regeln bestimmen die Tage der ganz einfachen und doch so unterschiedlichen Menschen mit ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, ihren Ängsten und deren Bewältigung, den sich entfremdenden Beziehungen und den wachsenden Freundschaften. Zentrale Figur ist Ada Maria, die ihre Mutter früh verliert, ihren Bruder großzieht und sich als junge Frau Schritt für Schritt dem deutschen ehemaligen Soldaten Benedikt nähert, der seit Endes des Krieges in einer Berghöhle lebt. Was es mit dem Namen Magnifica auf sich hat, welche Höhen und Tiefen Ada Maria und die Menschen um sie herum erleben, wird in diesem Roman überzeugend und einfühlsam erzählt.

 

Audrucksvolles Käse Arrangement

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Dirian Sukegawa: Die Insel der Freundschaft, DuMont Verlag,  € 20,00

Sinnsuche in Japan

Die japanische Insel Aburi im Pazifischen Ozean ist ein aus der Zeit gefallenes Fleckchen Erde. Drei junge Menschen, auf der Suche nach innerem Frieden und äußerem Lebensinhalt und -ziel finden den Weg hierhin. Aus einer Zufallsbekanntschaft wird Freundschaft. Sie erleben die Schwierigkeit, von einer eingeschworenen Inselgemeinschaft akzeptiert zu werden und die Forderung nach EInhalten alter Traditionen. Die Inselwelt birgt Archaisches und ungezähmte Natur. Durian Sukegawa schreibt in dieser typisch japanischen interessanten Kombination von Distanz und Förmlichkeit mit Feinfühligkeit und emotionaler Intensität. Warum dieses Buch nicht nur für Freunde philosophischen und psychologischen Nachsinnens, sondern auch für Käseliebhaber die ideale Lektüre ist, wird hier nicht verraten!