Auf nach Venedig!

revedin

Jana Revedin: Margherita, Aufbau, € 22,00

Margherita wächst mit ihrer Mutter und ihren Schwestern in sehr einfachen Verhältnissen auf. Sie trägt nicht nur die Zeitungen in ihrer Heimatstadt Treviso aus, sondern liest darin täglich über das Weltgeschehen und macht sich ihre Gedanken dazu, so daß sie dem Grafen Revedin eine geschätzte Gesprächspartnerin ist. Als er um ihre Hand anhält wähnt Margherita sich in einer mozartschen Oper. Doch diese ungewöhnliche Verbindung wird Wirklichkeit. Die junge Frau wird in Paris in die intelektuellen und künstlerischen Kreise eingeführt, wo sie neue Seelenverwandte und lebenslange Freunde findet, von Coco Chanel eingekleidet und lernt Sprachen. In Venedig, wo sie 1920 mit ihrem Mann den Revedinschen Palazzo am Canal Grande bezieht, widmet sie sich ihrer neuen Aufgabe: den Agrartourismus am Lido zu etablieren und ihn mit den ersten Filmfestspielen zu internationalem Ruhm zu bringen. Es wird Margherita nicht gelingen, vom venezianischen Adel anerkannt zu werden aber sie findet Freunde unter den Einheimischen als auch unter venedigvernarrten Ausländern wie Peggy Guggenheim. Ihre persönliche Befindlichkeit, kleinere und größere Dramen werden in Beschreibungen und Dialogen gut ausgelotet und als Leser verfolgt man gespannt ihren Werdegang. Venedigkenner überqueren Brücken mit ihr, bleiben vor bekannten Fassaden stehen, besuchen Harrys Bar und fahren durch die Kanäle. Da die Autorin Jana Revedin die Frau von Margheritas Enkel ist, muss es auch einen Sohn gegeben haben...Beste Unterhaltung für Venedig - und Geschichtsliebhaber!

Für Architekturliebhaber

schaefer

Andreas Schäfer: Das Gartenzimmer, Dumont Verlag, € 22,00

Die Hauptfigur dieses Romans ist eine Villa, erbaut 1909 für ein Professoren-Ehepaar in Berlin - Dahlem. Der Architekt ist jung und er legt sein ganzes Herzblut in dieses Projekt, die Gestaltung im großen und im Detail. Die Menschen, die dieses Haus bewohnen, sowohl Anfang des zwanzigsten als auch Anfang des 21.Jahrhunderts leben nicht nur in Beziehung zu den ihnen nahestehenden Menschen sondern auch in Beziehung zu dem Haus. Mit ihnen durchwandert der Leser die Räume und Winkel der Villa als auch die Zeitgeschichte.

Unter Künstlern in Rom

schnalke-fieber-kopie

Christian Schnalke: Römisches Fieber, Piper Verlag  € 22,00

Ein sehr schön zu lesender Roman über die deutschen Dichter und Maler in Rom im Jahre 1818. Frei erfundene Figuren bewegen sich unter historisch verbürgten aus den künstlerischen, religiösen und politischen Kreisen. Im Zentrum steht Franz Wercker, der aus ärmlichen Verhältnissen kommt, die Literatur lieben lernt und plötzlich die Gelegenheit bekommt, in die Rolle eines anderen zu schlüpfen: in die des jungen Poeten Cornelius Lohwaldt, ausgestattet mit einem Stipendium für Rom und eben auf dem Wege dorthin. In Rom angekommen, wird Franz Höhen und Tiefen erleben, Freundschaft, Egozentrik, Abhängigkeit, Erfolg und Verriss, liebevolle Zuwendung und Hinterhältigkeit. Ich habe mich hineingesetzt gefühlt in diese Monate in Rom und der grundehrliche Franz in seinem Glück und Dilemma des Versteckspiels hat eindeutig meine Sympathie gewonnen!

Am Bauhaus in Weimar

saller-martha

Tom Saller: Martha tanzt, List Verlag € 20,00

Martha sieht schon als Kind Formen, wenn sie Musik hört. Wolfgang, der wie ein väterlicher Freund in Marthas Familie lebt, versteht sie und weiß vom neu eröffneten Bauhaus in Weimar. Vielleicht findet sie dort heraus, wie sie diese Fähigkeit umsetzen kann? So folgt der Leser Martha ins Weimar der 1920er Jahre und ihrem Weg zu den großen Meistern, zu ihrer ersten Frauenfreundschaft, zum Ausdruckstanz und  beobachtet mit ihr das Erstarken der rechten Kräfte. Nach fünf Jahren kehrt Martha in ihre Heimat Pommern zurück, wo sie ihren sehr eigenen Weg geht. Wie sie die Kriegszeiten überlebt, erschließt sich aus der Rahmenhandlung in der heutigen Zeit, da ihr Tagebuch auftaucht und einen jugendlichen Leser in seinen Bann zieht.

Zwei eigenwillige Frauen

hanika-sommer

Beate Teresa Hanika: Vom Ende eines langen Sommers, Btb € 20,00

Die 40-jährige Bildhauerin Marielle hat nie die ersehnte Nähe zu ihrer Mutter, beziehungsweise  Adoptivmutter, erleben dürfen. Nachdem diese verstorben ist, gelangen Tagebücher ihrer Mutter zu ihr, in denen diese von ihren Erlebnissen 1944 in der Toskana erzählt. Auf dem Landgut in den Hügeln nahe Lucca, in dem Marielle seit Kleinkindzeiten ihre Sommer verbringen wird, erleben beide Frauen ganz Entscheidendes und Lebensbestimmendes. Ein auch zeitgeschichtlich interessanter Roman über zwei eigenwillige Frauen!