Erinnerungsschätze

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Sylvie Schenk: Roman d`amour, Hanser 2021, € 18,00

Ein Frage-Antwort-Spiel und Erinnerungsschätze: In dem Roman von Sylvie Schenk wird eine Autorin interviewt. Fragende und Antwortende sind Frauen und ihre Gedanken kreisen nicht nur um den Roman sondern auch um eigenes Erleben. Dreiecksbeziehung, heimliche Liebe, intensive Urlaubswochen miteinander, losgelöst von allen Verpflichtungen. Wann sind es wahrhafte Erinnerungen, wann ist die Geschichte erdacht? Emotional dicht in der Frage nach dem Recht auf Liebe allen Konventionen zum Trotz, in dem Bewusstsein nach dem gleichzeitigen Empfinden von Abhängigkeit und Freiheit und in dem Nachspüren der Intensität eines Liebesabenteuers. EIne interessante literarische Auseinandersetzung zum Thema Liebe.

Frau und Mutter

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Judith Vanistandaele: Penelopes zwei Leben, Reprodukt 2021 € 20,00

Ohne Worte tauchen wir in das Kriegsinferno in Aleppo, in dem Penelope seit Jahren als Ärztin arbeitet und versucht, Leben zu retten. Wenige Worte reichen, um in die Seele der Frau und Mutter zu dringen, wenn sie für kurze Zeit zu ihrer Familie heimkehrt. Die Welten kommen nicht mehr zueinander. Sie wird geliebt, doch Sprachlosigkeit und  Zerrissenheit greifen Raum. Das Leben daheim hat lang schon seine eigene Dynamik entwickelt ebenso wie sich eine seelische Verwundung Penelopes manifestiert. Der starke Aquarellstrich drückt  aus, für das es keine Worte gibt. Beeindruckend berührend erzählt Vanistandaele von starken Momenten eines Frauenlebens, von Mann, Tochter, Mutter Schwester und einer Arbeit, die alles fordert.

Radtour zu Menschen in der Uckermark

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Nazomi Horibe: Der Trip, Jaja Verlag 2021 € 16,00

Header: © Foto Heike Dietz, aus Nazomi Horibe, Jaja Verlag
Die japanische Comickünstlerin Nozomi Horibe beschließt, eine Auszeit zu nehmen und mit dem Fahrrad allein eine Tour in die kleinen Orte der Uckermark zu unternehmen. Dort sind ihre Begegnungen mit Menschen von persönlicher Dynamik und Neugier geprägt. Die Suche nach japanischen Spuren hilft ihr beim Einstieg in das fremde Terrain. Im Randowtal trifft sie auf Hoshimoto San, später, in einem Café, auf eine weitere Gruppe japanischer Künstlerinnen, die nur am Wochenende in der Uckermark sind.

Ein geheimnisvoller Dichter

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Ruth Saberton: Der Liebesbrief, Aufbau Taschenbuch Verlag 2021 €12,99

Die junge Künstlerin und frische Witwe Chloé mietet das alte Pfarrhaus eines kleinen Ortes an der Küste von Cornwall. Es soll ihr Rückzugsort werden, nachdem sie den Tod ihres Mannes nach über drei glücklichen Ehejahren noch nicht verwunden hat und einen Neuanfang sucht. Der ortsansässige Historiker des Ortes Matt wird ihr erster Ansprechpartner, um mehr über ein altes Herrenhaus und dessen Bewohner zu erfahren. Besonders die Geschichte des unverkannten jungen Dichter Rivers interessiert Chloé, da sie im Pfarrhaus auf Spuren aus seiner Vergangenheit gestoßen ist. Geschickt fügt die Autorin die Verlustbewältigung der Protagonistin, die geheimnisvolle Geschichte von Daisy und Rivers aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, und die zarte Annäherung von Chloé und Matt mit ihren ganz eigenen Geschichten zusammen. Dazu entführt sie den Leser an die reizvolle Küste Cornwalls, und hält so manchen Blick auf das dörfliche Ambiente, die Küste und das Meer mit den Augen einer Künstlerin fest.

Sprachgewaltig und schockierend ehrlich

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Hengameh Yaghoobifarah: Ministerium der Träume, Blumenbar Verlag 2021 € 22,00

Von der Flucht einer Mutter mit ihren kleinen Kindern 1981 aus dem Iran nach Deutschland. Erste Station Lübeck Aussiedlerheim, weiter nach Hamburg, später Berlin. Vom vergeblichen Warten auf den Vater, der nie nachkommen wird, weil er Opfer einer Hinrichtung wurde. Vom Ausgegrenztsein in der Schule, dem Zusammenhalten unter Schwestern, vom sich zurechtfinden müssen in einem ungewollten Leben. Vom Leben am Limit. Drogen, männliche Gewalt, Sexarbeit, Angst vor der rechten Szene,  Sprachlosigkeit, Kampfgeist. Sprachgewaltig, erfrischend und zugleich schockierend ehrlich führt die Autorin den Lesern vor Augen, was es bedeutet, einen Lebensentwurf zu führen, der einem zunächst die Heimat nimmt, später den Vater, dann die jüngere Schwester, auf sie man so lange aufgepasst hat, und mit einer Mutter zurechtkommen muss, die mit ihren eigenen Traumata zu kämpfen hat. Der jungen Autorin gelingt es, Bilder im Kopf zu erzeugen, die man nicht haben möchte und die einen dennoch nicht loslassen. Es war schier unmöglich, das Buch aus den Händen zu legen.

Unerschrockener Lebensmut

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Felix Kucher: Sie haben mich nicht gekriegt, Picus Verlag 2021, € 26,00

Felix Kucher gelingt es in seinem neuen Roman wieder einmal,  wahre Lebensgeschichten in einen spannend zu lesenden Roman zu verwandeln. Tina Modotti, als Arbeiterkind in Italien aufgewachsen und schon als junges Mädchen in einer Weberei arbeitend wird an vielen Orten der Welt für revolutionäre Gedanken kämpfen und sich einen Namen als Fotografin machen. Unerschrockenheit, Eigensinn und Lebensmut zeichnen auch Marie Rosenberg aus, die in Fürth die Buchhandlung ihres Vaters übernimmt und als Jüdin rechtzeitig nach New York emigriert, wo sie eine weit bekannte Buchhandlung und einen Verlag gründet. Beide Frauen begegnen vielen uns heute noch bekannten Persönlichkeiten ihrer Zeit und so entsteht ein facettenreiches Bild der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sehr lesenswert!

Ein guter Ort?

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Valeria Parrella: Versprechen kann ich nichts, Hanser Verlag 2021, € 19,00

Kann ein Jugendgefängnis ein guter Ort sein? In Nisida oberhalb von Neapel scheint das so zu sein. Wir erleben ihn durch die Augen der 50jährigen Mathematiklehrerin, die tagtäglich dorthin fährt, um zu unterrichten. Sie beobachtet genau an diesem besonderen Ort und lässt uns auch an ihren sinnsuchenden Gedankengängen teilhaben, die ihr Leben außerhalb der Gefängnisschranken betreffen. Die 16jährige Gefangene Almarina wächst der alleinlebenden Lehrerin ans Herz und es stellt sich die Frage, ob es ein Füreinanderdasein geben könnte. Um es mit Valeria Parrellas Worten auszudrücken: "Eine Ahnung von Hoffnung liegt in der Luft."

Generationengeschichte in Deutschland

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Alena Schröder: Junge Frau am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid, dtv 2021, € 22,00

Vier Frauen auf der Suche nach ihrem Weg im Leben, nach den Menschen, die ihnen gut tun, dem Ort, der zu ihnen passt. Sie sind vier Generationen einer Familie und die Mütter und Töchter haben es nicht immer leicht miteinander. Vom Berlin der 20er Jahre, dem in der Zeit des Nationalsozialismus als auch dem Berlin unserer Zeit  gibt der Roman ein vielgestaltiges Bild. Auch das Leben in den kleinen Orten rund um Rostock in der Vergangenheit wird gut vorstellbar. So liest man sich mit dieser Familiengeschichte in frühere und heutige Zeiten hinein mit ihren jeweiligen Auseinandersetzungen ujnd Emotionen, sie uns in jedem Falle mitnehmen.

Starke Frauengeschichte mit biblischem Hintergrund

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Sue Monk Kidd: Das Buch Ana, BtB Verlag 2020 €22,00

"Das Buch Ana" hat sich als eine der stärksten Frauengeschichten entpuppt, die ich seit langem gelesen habe. Ungeachtet der Tatsache, dass sie Anfang des ersten Jahrhunderts nach Christi beginnt, und Mädchen sowie Frauen in dieser Zeit nicht viel mehr zu tun hatten als zu gefallen und zu gehorchen, lernen wir die vierzehnjährige Ana als eigensinniges und von ihren Gedanken überzeugtes Mädchen kennen. Aufgewachsen in der Nähe des Palastes von Herodes Antipas, ihr Vater dessen oberster Schriftgelehrter, hat Ana schreiben und lesen lernen dürfen. Als sie auf dem Markt von Sepphoris Jesus kennenlernt, wird sie ihr Weg über viele Hürden und Bürden hinweg als dessen junge Frau an seine Seite führen. Ana ist eine von vielen Frauen, die in diesem Buch zu Wort kommen, und Ana wird all ihre Geschichten aufschreiben. Die Leidvollen, wie die Schmerzhaften. Die mit Happy End und die Tragischen. Ana wird auch ihre eigene Geschichte aufschreiben. Die einer großen Liebe zu Jesus, die sie jedoch nicht blind macht für seine Nähe zu Gott und seinen Weg, den er trotz aller Gefahren gehen wird. Ana ist eine fiktive Partnerin, die die Autorin Jesus an die Seite gestellt hat. Doch es ist trostvoll für den Leser, wenn er Jesus schweren Weg bis ans Kreuz begleitet und weiß, dass Ana ihm bis zuletzt den Rücken stärkt.

Von Müttern und ihren Träumen

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Meg Wolitzer: Die Zehnjahrespause, DuMont TB 2020 €12,00

Alles dreht sich jahrelang nur um die Kinder. Aber spätestens sobald sie 'aus dem Gröbsten raus sind', bricht für viele Frauen die Zeit an, sich über die eigene weitere berufliche Zukunft klar zu werden. In „Die Zehnjahrespause“ zeichnet Meg Wolitzer ein Porträt von vier amerikanischen Vorstadtmüttern auf der Suche nach der richtigen beruflichen Entscheidung nach 10 Jahren 'Kinderpause'. Mit Amy, Jill, Roberta und Karen erleben wir hautnah mit, wie sie abwägen, ringen, sich arrangieren – und doch ihre Träume nicht ganz aus den Augen verlieren. Ich mag den ruhigen, beobachtenden, aber immer mit Wohlwollen und Amüsement auf ihre Protagonistinnen blickenden Stil der Autorin. Sie lässt die Leserin am Dilemma moderner Frauen teilnehmen, ohne zu werten oder eine Lösung anzubieten. Und sie beschreibt sehr genau ein weibliches Generationengefühl im Spagat zwischen Muttersein und der Sehnsucht nach einem erfüllenden Beruf – und das gilt immer noch und weltweit (das amerikanische Original erschien 2008).  Annette Goossens

Durchtrieben oder wider besserer Vernunft?

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Bhavya Heubisch: Das süsse Gift des Geldes, Volk Verlag 2020 € 16,90

Als die junge Schauspielerin Adele Spitzeder mittellos in München eintrifft, leiht sie sich Geld und verspricht, es mit gutem Zins zurückzuzahlen. Vor allem die Ersparnisse der einfachen Leute fliegen ihr bald nur so zu und sie gründet eine Privatbank. Das Geld quillt aus Schränken und Schubladen, fast verbrennt es, als ein Feuer im Haus ausbricht. Dass Adele Spitzeders aus der Not geborener Plan nicht aufgehen kann und es sich bei ihren Aktivitäten keinesfalls um seriöse Bankgeschäfte handelt, ist unübersehbar. Adele lebt nun unkonventionell mit einer Frau zusammen, auf großem Fuß. Sie investiert aber auch in Armenküchen. Heubisch erzählt romanhaft und mit sanftem Lokalkolorit. Sie zieht ihre Leser*Innen gekonnt ins beengte und derbe Treiben auf Münchner Straßen und Plätze, auf der sie die Spitzeder (1832-1895) mit ihrer ambivalenten Persönlichkeit wie das Sahnehäubchen schwimmen lässt. Dabei lässt Heubisch offen, ob diese besonders durchtrieben  oder einfach nur wider besserer Vernunft agiert hat. Diese Frage bewegt, fasziniert und trägt durch dieses spannende Stück Münchner Zeitgeschichte.

Ein Frau am Dirigentenpult– Never!

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Maria Peters: Die Dirigentin, Atlantik Verlag 2020 €22,00

Ein Roman für alle, die Interesse an starken Frauenpersönlichkeiten haben - und ein Herz für die Musik. Antonia Brico war die erste Dirigentin, die ein Orchester in den USA dirigieren durfte. Ihr Weg dorthin war steinig, was sie nicht gehindert hat, ihr Ziel - als Dirigentin zu wirken - zu verfolgen. Sie gründet das erste Frauenorchester der USA und tourt als Dirigentin auch durch Europa – dirigiert u.A. als erste Frau die Berliner Philharmoniker. Ihre Lebensgeschichte wird von Maria Peters, der Filmregisseurin des gleichnamigen Films, in Romanform erzählt. Ich habe mit Willy (so der Name, den sie zuerst von ihren Adoptiveltern erhält), mitgefühlt und –gelitten, ihr die Daumen gedrückt und oft die sehr männlich geprägte Welt dieser Zeit verwünscht. Bereits als junge Frau im New York der 1930er Jahre geht sie unbeirrt ihren Weg, eckt an, muss sich alleine mit sehr wenig Geld durchschlagen. Sie wird wichtige Menschen mit ihrem unbedingten Willen beeindrucken und tatsächlich die Sensation schaffen – am Dirigentenpult eines Orchesters zu stehen. Wichtige Freundschaften und die (fiktive) Liebe finden auch ihren Platz in diesem Roman, fast mehr begeistert hat mich aber ihre berufliche Lebensgeschichte. Eine lebendige Biographie, kurzweilig erzählt, für alle, die Musik lieben!  Annette Goossens

Eintauchen in das England nach der Jahrhundertwende

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Jane Gardam: Robinsons Tochter, Hanser Berlin Verlag 2020 €24,00

Im besten englisch-traditionellen Stil begleiten wir die sechsjährige Polly durch ihr Leben. Liebe, Enttäuschung, Freundschaft und Einsamkeit – die Bücher der Hausbibliothek, allen voran „Robinson Crusoe“ werden Pollys Rettungsanker im großen gelben Haus, bei ihren zwei alten Tanten und den wenigen Hausangestellten. Charles Dickens, die Bronté-Schwestern – in diese Stimmung hat es mich schon nach den ersten Seiten versetzt. Ein Buch für gemütliche Stunden. Annette Goossens

In der kanadischen Prärie

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Margaret Laurence: Der steinerne Engel, Verlag Julia Eisele, € 22,00

Hagar Shipley ist alt geworden. Sie beschreibt es so gut in diesem Satz: "Heute, wo die Zeit sich zusammengefaltet hat wie ein Papierfächer". In diesem Heute, in dem sie bei ihrem Sohn und dessen Frau lebt und manches durcheinander bringt, erinnert sie sich an entscheidende Momente ihrer eigenen Geschichte. Hiermit erzählt sie von einem Leben in der kanadischen Prärie: In einem Städtchen als Kaufmannstochter aufgewachsern heiratet sie einen Farmer, mit dem sie zwei sehr unterschiedliche Söhne hat, von denen sie einen verlieren wird. Sie hat einerseits immer versucht, nicht unangenehm aufzufallen aber sie hat auch immer eine eigene Meinung gehabt und diese vertreten. Ihre Lebensentscheidungen waren durchaus unüblich und oft auch unbequem. So wird sie  auch jetzt im Alter noch einmal versuchen einen unabhängigen Weg zu gehen, aber ihre körperlich Schwäche lässt sie letzlich ihr Schicksal annehmen. Ein sehr gelungenes Portrait einer eigenwilligen Frau!

Emanzipiert im 16. Jahrhundert

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Alexa Hennig Von Lange: Die Wahnsinnige, Dumont Verlag, € 20,00

Ein historischer Roman, der nichts mit den 500- Seiten- Schmökern gemein hat. In der historischen Figur schwingt die Auseinandersetzung der Autorin mit den zentralen Themen mit und so ist es in Inhalt und Sprache trotz des Schauplatzes in lang vergangener Zeit ein durchaus aktueller Roman. Er führt den Leser ins 16. Jahrhundert nach Spanien und Belgien in die Zeit der Regentschaft von Isabella der Katholischen. Zentrale Figur ist ihre Tochter Johanna, genannt die Wahnsinnige, denn sie will nicht so funktionieren, wie es von ihr erwartet wird. Um ihren Gehorsam zu erzwingen, wird sie sogar gefangengehalten und von Mann und Kindern getrennt. Johanna ist eine junge Frau, die versucht, der verlogenen Welt ihrer Eltern zu entkommen. Sie möchte kein fremdgesteuertes Leben, sich nicht den Regeln ihrer Eltern, der Gesellschaft  und der Religion unterwerfen. Sie wurde nach politischen Interessen jung verheiratet mit Philipp I., Erzherzog von Österreich und Herzog von Burgund. Dass sie Phiipp tatsächlich liebt, beglückt sie, aber bereitet ihr auch viel Kummer. Sie sehnt sich nach Verbundenheit, Vertrauen und erwiederter Liebe, gleichzeitig sucht sie in der Ehe nach Eigenständigkeit und möchte als gleichberechtigte Partnerin wahrgenommen werden. Hier ist sie ihrer Zeit weit voraus und rennt gegen vielerlei Mauern. Ein sehr lesenswerter Roman!

Erika in New York

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Heidi Rehn: Die Tochter des Zauberers, Aufbau Verlag 2020, € 12,99

In der Reihe über berühmte Frauen im Aufbau Verlag ist nun ein Roman über Erika Mann erschienen. Er beleuchtet die ersten Jahre Erikas im Exil in New York. Als Thomas Manns Tochter wird sie mit offenen Armen von der Gesellschaft der Reichen und Schönen aufgenommen. Mit ihrem Bruder Klaus bewegt sie sich gleichzeitig in den Kreisen der europäischen Exilanten. Sie engagiert sich sehr dafür, eine Zukunft für ihr in Deutschland zunächst sehr erfolgreiches, nun unter Hitler verbotenes,  Kabarett "Die Pfeffermühle" zu ermöglichen und damit auch die Mitwirkenden in Sicherheit zu bringen. Darunter befindet sich ihre Lebensgefährtin Therese Giehse. Erika erhält bei ihrem Projekt Unterstützung ganz unterschiedlicher Art von zwei Männern, die auch ihr Herz erobern wollen und zu denen sie sich auch tatsächlich hingezogen fühlt. Wie sich in diesem Gefühlsdilemma eine Lösung findet, wie die Pfeffermühle in New York zwar scheitert, aber Erika zu einer viel gehörten und gefragten Vortragenden wird, die in einer geschickten Verknüpfung persönlicher Erlebnisse und politischer Ereignisse zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufruft, lässt sich in der opulenten schmökerhaften Romanbiografie von Heidi Rehn vortrefflich nachvollziehen.

Täglicher Rassismus

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Candice Carty-Williams: Queenie, Verlag Blumenbar 2020 € 22.-

Queenies Name ist stark. Majestätisch sogar. Ihre Mutter gab ihn ihr im Wissen, dass sich Queenies Leben ebenso wenig einfach gestalten werden wird, wie ihr eigenes. Mit ihrer Hautfarbe ist sie dem täglichen Rassismus mit unzähligen Herabwürdigungen ausgesetzt. Obwohl Queenie seit drei Jahren als Redakteurin bei einer Tageszeitung einen soliden Job hat, läuft vieles schief in ihrem Leben. Ihr Freund hat eine Auszeit durchgesetzt und sie auf die Straße gesetzt. So trifft sie sich mit Männern von einer Datingplattform und denkt ihren Körper darbieten zum müssen, in Hoffnung auf ein wenig Anerkennung. Carthy-Williams Roman, ein klassisches Young adult, erzählt schnell, hart, direkt und unmittelbar in sich mischenden Textformen, geschlossener Prosa, Postings und Chats.

Das Leben leben

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Roland Buti: Das Leben ist ein wilder Garten, Zsolnay, € 20,00

Ein Roman, in dessen Sprache ich mich sofort wohlgefühlt habe, der mich sehr angenehm unterhalten hat und sympatisch Zwischenmenschliches wiedergibt. Carlo hat eine Gartenbaufirma und ist der Erzähler. Es gibt drei Menschen, die ihm nahe stehen: Agon, der aus dem Kosovo in die Schweiz kam und bei ihm angestellt ist. Er ist von großer, kräftiger Statur und gleichzeitig mit großen Zartgefühl für Menschen und Pflanzen. Dann ist da Ana, seine Frau, von der er getrennt lebt, seit die gemeinsame Tochter das Haus verliess. Er liebt sie immer noch und er spürt weiterhin die Vertrautheit ihrer Gesten und Körperlichkeit, wenn sie sich begegnen. Des weiteren erzählt er von seiner alten Mutter, die heimlich aus dem Altersheim verschwindet und sich in dem Grand Hotel ihres Heimatortes einnistet. Sie hat dorthin nicht nur als Bäckerstochter die Brötchen geliefert, wie ihr Sohn es wusste, sondern er wird von einer weiteren, viel bedeutsameren Episode in der Vergangenheit seiner Mutter erfahren.

Auf nach Venedig!

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Jana Revedin: Margherita, Aufbau, € 22,00

Margherita wächst mit ihrer Mutter und ihren Schwestern in sehr einfachen Verhältnissen auf. Sie trägt nicht nur die Zeitungen in ihrer Heimatstadt Treviso aus, sondern liest darin täglich über das Weltgeschehen und macht sich ihre Gedanken dazu, so daß sie dem Grafen Revedin eine geschätzte Gesprächspartnerin ist. Als er um ihre Hand anhält wähnt Margherita sich in einer mozartschen Oper. Doch diese ungewöhnliche Verbindung wird Wirklichkeit. Die junge Frau wird in Paris in die intelektuellen und künstlerischen Kreise eingeführt, wo sie neue Seelenverwandte und lebenslange Freunde findet, von Coco Chanel eingekleidet und lernt Sprachen. In Venedig, wo sie 1920 mit ihrem Mann den Revedinschen Palazzo am Canal Grande bezieht, widmet sie sich ihrer neuen Aufgabe: den Agrartourismus am Lido zu etablieren und ihn mit den ersten Filmfestspielen zu internationalem Ruhm zu bringen. Es wird Margherita nicht gelingen, vom venezianischen Adel anerkannt zu werden aber sie findet Freunde unter den Einheimischen als auch unter venedigvernarrten Ausländern wie Peggy Guggenheim. Ihre persönliche Befindlichkeit, kleinere und größere Dramen werden in Beschreibungen und Dialogen gut ausgelotet und als Leser verfolgt man gespannt ihren Werdegang. Venedigkenner überqueren Brücken mit ihr, bleiben vor bekannten Fassaden stehen, besuchen Harrys Bar und fahren durch die Kanäle. Da die Autorin Jana Revedin die Frau von Margheritas Enkel ist, muss es auch einen Sohn gegeben haben...Beste Unterhaltung für Venedig - und Geschichtsliebhaber!

Münchner Leben – dem Vergessen entrisssen

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Das Tagebuch der Maria Walser. München 1865-1914, Volk Verlag € 19,00

Header © Volk Verlag, Die Walsermühle am Hacklmühlbach um 1890
Mit 12 Jahren wurde Maria Walser Alleinerbin der Walsermühle im Herzen Münchens, dem Lehel. 1886 wurde hier noch eifrig gesägt, geschmiedet und natürlich auch das Korn für die Münchner gemahlen. Das weitläufiges Anwesen brachte der Familie Renomée ein, Kontakte zu allen bekannten Wirten der Stadt, zu renomierten Ärzten und Regenten. Zahlreiche Bedienstete standen bei den Walsers in Lohn und Brot. Eine Mühle, die Nutzung von Wasserkraft, war der einzige Energiebringer jener Zeit. 1897 volljährig, tritt Maria Walser ihr Erbe an. Mittlerweile hält das Elektrische Einzug in das Leben der pulsierenden Großstadt. Das Leben verändert sich rasant. Der erste Weltkrieg und die Inflation werden den Verlust des stattlichen Familienbesitzes beschleunigen. In ihrem Tagebuch legt Maria Walser direkt und unvermittelt Zeugnis vom Leben jeder Zeit. Einer glücklichen, unbeschwerten Kindheit, der des Kaisers Tod (1888) und das Hochwasser in der Stadt nichts anhaben können folgen wechselvolle Jahre und wirtschaftlicher Untergang. Viele historische Details und Fotos machen dieses Tagebuch zum einzigartigen, gut lesebaren Schatz für alle, die gerne dokumentarisch und historisch lesend in alte Zeiten eintauchen wollen. Maria Walser Tagebuch ist eine Entdeckungsreise ins Leben zwischen den bekannten Eckdaten unserer Geschichte.

Starke moderne Frau

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Franziska zu Reventlow: Die Kehrseite des deutschen Wunders, Volk Verlag 2020 € 16,00

1897 gebar Franziska zu Reventlow in München einen Sohn, den sie sehr modern, eigentlich antiautoritär und alleine aufzog. Bald lebten die beiden auf Mallorca, bald in Locarno im Tessin. 1914 kamen sie zurück nach München. Hier beginnt der außergewöhnliche Text von Reventlow, in dem sie ihre Eindrücke von dem nun  preußisch millitarisch geprägten Leben und Denken in der Stadt festhält. Die unpolitische Bohèmien treiben Patriotismus und Kriegsbegeisterung auf die Seite der Pazifisten. 1916 folgt ihr Sohn, jetzt 17-jährig, der Einberufung in den Krieg. Auf seinem ersten Heimaturlaub kennt die mutige und unkonventionelle Frau und Mutter nur ein Ziel: Sie will ihrem Sohn bei seiner Desertation helfen. Einer Desertation von der Junge bis zu seiner Ankunft in Konstanz freilich noch gar nichts weiß. Reventlows Text, ein Zufallsfund, beeindruckt von der ersten Zeile an. Modern und unabhängig im Denken, unkonventionell, wagemutig und immer ganz auf sich selbst focussiert gibt er doch ein lebendiges Bild vom Leben in München und darüber hinaus, in Zeiten des ersten Weltkrieges. Er macht die Beschränktheit des Reisens bewusst, wie die Bestechlichkeit von Menschen, die umso größer zu werden scheint, je restriktiver ein System ist. Eine Fotobildstrecke und ein Kommentar der Herausgeber runden Reventlows Text ab, der hier jedem zur Entedeckung ans Herz gelegt sei.

Ein ganzes Schriftstellerleben

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Lilly King, Lovers & Writers, C.H.Beck Verlag 2020 €24,00

Die junge Casy träumt den Wunsch vieler - nach ihrem Master in Creative Writing arbeitet sie an einem Roman. 6 Jahre  lang, in denen es das Leben nicht immer gut mit ihr gemeint hat. Ihre Beziehungen enden alle ernüchternd, ider Kontakt zu ihrem Vater ist schwierig, ihre Mutter stirbt. Kurz danach steigt der Leser in das Leben von Casey ein: sie wohnt in einer winzigen Garage, kellnert wegen eines Berges Schulden zwei Schichten in einem Restaurant, und findet nicht die richtigen Worte, um ihren Roman zu beenden. Zeitgleich drängen zwei Männer- beide Schriftsteller -  in ihr Leben, die sie einerseits in ihrem kreativem Schreiben inspirieren, sie andererseits an ihre eigenen Grenzen in Sachen Beziehungen bringt. Ihre Kindheitsgeschichte bringt die Schwere in Casey Leben, der Alltag als Kellnerin dagegen viel Witz und Charme. Bis zu dem Tag, an dem ihr Roman fertig ist und sie sich zwischen den beiden Männern entscheiden muss, wird der Leser an Caseys Gedanken, ihren Hoffnungen und Ängsten teilhaben dürfen. Das Buch ist ein Geschenk für jeden, der an Schriftstellerleben teilhaben möchte. Und darüber hinaus ein Buch darüber, dass es sich lohnt, an seinen Traum festzuhalten.

Drei Frauen in Paris 1885

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Viktoria Mas: Die Tanzenden, Piper Verlag 2020 € 20,00

Ein spannend zu lesender Roman in Paris um 1885. Drei Frauen ganz unterschiedlicher Art sind die zentralen Figuren, verbunden durch einen bestimmten Ort: die Salpetrière. Ein weitläufiges Areal hinter Mauern, in dem aus der Gesellschaft verstoßene Frauen leben. Oft führen die Folgen von Gewalttätigkeit an diesen Ort. So ist es bei der jungen Louise, die nun an hysterischen Anfällen leidet und  ein interessantes Objekt für die Mediziner darstellt. Anders bei Eugénie, die aus großbürgerlichen Kreisen kommt und ungewollt Geistererscheinungen hat. Und dann ist da noch Geneviève, die seit Jahrzehnten die Aufsicht über die Frauen führt und bei der sich unerwartet ein großer Wandel vollzieht. Es fällt schwer, das Buch aus den Händen zu legen, es beschreibt Emotionen und Situationen so anschaulich, dass die Bilder im Kopf von selbst entstehen.

Es war einmal in der Schweiz

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Katharina Geiser: Unter offenem Himmel, Jung und Jung, € 23,00

Fünf Generationen umspannt dieser Roman mit besonderem Blick auf zwei Frauen: Elise, die in den 1880ern vom Dorf in die Stadt zog, um sich ein freieres Leben zu erschaffen und Klara, die gute 100 Jahre später in Basel heranwächst und dann dort als Buchhändlerin arbeitet. Beide sind sie auf der Suche nach Echtem und Wahrem, nicht nur in der Beziehung zu Männern. Sie lassen sich berühren von dem, was das Leben für sie bereithält und bringen sich ein mit Nachdenken und Tatkraft. Elises Geschichte erzählt von dem Leben im Dorf, der Familie mit vielen Kindern, von den Lebensumständen der Prostituierten in Zürich, vom Arbeitervietel in Bern. Klara wird als Einzelkind groß, der Vater hat eine Metzgerei und versucht, ihr die Welt in Geschichten zu erklären, während die Mutter sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Auch als Erwachsene begleiten Klara Geschichten und Zitate und sie gleicht ihr Leben damit ab. Es sind die feinen Beobachtungen, die intensiven Wahrnehmungen, die in diesem Roman verzaubern. Er strahlt viel Ruhe aus und auch die längst vergangenen Zeiten werden uns lebhaft vorstellbar.

Der Turm im See

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Marco Balzano: Ich bleibe hier, Diogenes Verlag € 22,00

Die Geschichte Südtirols über die Zeit vor und während des Faschismus, der Jahre, als Hitler Südtirol als "Operationszone Alpenvorland" erklärte. Die Einberufung der jungen Männer, der Wechsel der Amtssprache - über all dies erzählt Balzano in dieser Familiengeschichte aus Sicht Trinas. Sie wuchs hier auf, wurde Lehrerin, hatte Mann und zwei Kinder. Nachdem ihr Mann für die von ihm gehassten Faschisten kämpfen musste, versteckt er sich mit ihr in den Bergen, um nicht nochmals eingezogen zu werden. Wieder zurück in ihrem Dorf müssen Trina und ihr Mann zusehen, wie ein großes Staudammprojekt droht, ihr Zuhause im Wasser zu versenken. Der Kampf dagegen eint und trennt die Dorfbewohner. Balzano lässt die Leser diese die Existenz bedrohende Situation aus vielen Blickwinkeln nachempfinden und setzt damit dem versunkenen Dorf am Reschenpass ein Denkmal.

Sehnsucht nach Selbstbestimmung

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Sanne Jellings: Ein dänischer Winter, Kindler Verlag 2019 € 18,00

Ein hübsches schmales Buch, ein unterhaltsamer, emotional berührender, zarter Roman auf dem Hintergrund wahrer Geschichte. Es ist das Jahr 1929 und Karen Blixen ist von ihrer Farm in Kenia ins elterliche Haus nahen Kopenhagen gekommen, um ihre Mutter zu besuchen und die Weihnachtstage in der Großfamilie zu verbringen. Dort begegnet sie Minna, die aus einer Arbeiterfamilie kommend, nach Verlust ihrer Anstellung in Kopenhagen, als Hausmädchen einspringt. Karen Blixen spürt bei dem Mädchen den Wunsch nach Weiterbildung und einem eigenständigen freieren Leben, den sie unterstützen möchte. Ihre Ideen kosten Minna einige schlaflose Nächte, gibt es da doch noch einen jungen Mann, der ihr wichtig ist.

In der Stadt der Lichter

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Whitney Scharer: Die Zeit des Lichts, Klett-Cotta 2019 € 22,00

Ein mitreissender Künstler- und Liebesroman im Paris der 1930er Jahre. Die schillernden zentralen Figuren sind Lee Miller und Man Ray: Ihr langsames Annähern über die Kunst der Fotografie zu einer leidenschaftlichen obsessiven Beziehung. Sie sind umgeben von der Größen der Pariser Bohème aus Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Film, Ballett. Die Euphorie und Verzweiflung im Künstlerdasein werden in all ihren Höhen und Tiefen ausgelotet, allem voran die Sehnsucht der außergewöhnlichen Lee Miller nach Anerkennung ihrer Kunst.  Wir Leser fühlen uns wunderbar hineinversetzt in diese Zeit, sitzen mit den Künstlern im Deux Magots, trinken Gin Fizz auf Partys und genießen beim Lesen den Strudel aus Bildern und Emotionen in der Stadt der Lichter.

Sympatisch exzentrisch

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Sarah Ladipo Manyika: Wie ein Maultier, das der Sonne Eis bringt, Hanser Berlin, € 17,00

Morayo da Silva ist in Nigeria geboren, hat als Diplomatengattin geglänzt und sich nach der Trennung als Englischprofessorin begeistert und behauptet. Nun ist sie auf den ersten Blick nicht mehr jung, auf den zweiten Blick ist sie neugierig, kontaktfreudig, wagemutig, lebenshungrig und bunt. Das schmale Buch macht einfach Spaß, es unterhält mit Ungewöhnlichem und der Leser, egal welchen Alters, folgt dieser schillernden Dame auch dann gerne, wenn sie mit der Realität des Älterwerdens konfrontiert wird.

Im Marschland

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Delia Owens: Der Gesang der Flusskrebse, Verlag hanserblau € 22,00

Kya wird das Mädchen genannt, das fast ganz auf sich gestellt in dem Marschland North Carolinas aufwächst. Sie ist zunächst noch ein Kind, das sich selbst beibringen muss, Mahlzeiten zu bereiten, das sich in der Natur mehr zuhause fühlt als in der Hütte, die mal eine große Familie beherbergte. Sie wird einige wenige Menschen finden, die ihr zugewandt sind während sie den Bewohnern des nahegelegenen Küstenstädtchens fremd und sogar gefährlich erscheint. Als junges Mädchen wird sie die Nähe eines jungen Mannes lieben lernen, doch auch hier lauert die Gefahr des Verlustes. DIe Schilderung ihres Lebens und ihrer Entwicklung ist verknüpft mit literarisch beglückenden Naturbeobachtungen von Flora und Fauna. Zunehmend an Spannung gewinnend zieht ein Todesfall mit Mordverdacht den Leser in Bann. Ein besonders geglücktes Debüt, das in all seinen Facetten absolut überzeugt und begeistert!

Mutter und Sohn

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Nell Leyshon: Der Wald, Eisele Verlag Tb 2020 € 12,00

Die zart gezeichneten Vögel, Zweige und Früchte auf dem Buchumschlag deuten auf das sensitive Seelenleben von Zofia und Pawel hin. Mutter und Sohn sind durch die Kriegswirren des Zweiten Weltkrieges in Warschau sehr aufeinander bezogen. Zofia, eine musikalische Frau aus großbürgerlichen Verhältnissen muss lernen, in zunehmender Beschränkung zu leben, bis hin zum Leben in einem Versteck im Wald. Pawel ist ein kleiner, ängstlicher genau beobachtender Junge. Die Beiden werden die Kriegszeiten überstehen und als Sofia und Paul in England leben. Die emotionale Nähe wird auf eine große Probe gestellt als Sofia begreift, dass ihr Sohn homosexuell ist und sie ihr Bild vom Leben neu sortieren muss. Die Autorin Nell Leyshon lässt ihre Figuren in einer Weise agieren und denken, die dem Leser viele Impulse gibt. Sie schreibt in einer schönen, nachdenklichen Sprache, die den Leser gerne manche gedanklichen Umwege mitgehen lässt in einer durchaus spannenden und in vielerlei Hinsicht bereichernden Geschichte. Ein grandioser Roman!