Viva Venezia!

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Michael Dangl: Orangen für Dostojewski, Braumüller Verlag 2021, € 24,00

Wer in Gedanken durch das Venedig von 1862 spazieren möchte, ist in diesem Buch genau richtig. Noch dazu sieht er/sie die Stadt durch die Augen eines bekannten Mannes: Dostojewski. Er, dem nach großem Erfolg in Russland zehn Jahre Publikationsverbot auferlegt worden waren, befindet sich nun am letzten und lang ersehnten Ort seiner Reise durch West-Europa. Seine Melancholie und auch eine gewisse Zwanghaftigkeit machen es ihm schwer, sich der lebhaften und lebensfrohen Mentalität der Italiener zu nähern. Erst, als er durch Zufall den wesentlich älteren, welterfahrenen, geselligen und genießenden Rossini begegnet und eine vorsichtige Freundschaft entsteht, wandelt sich auch seine Wahrnehmung. Auch, wenn  der Autor diese Begegnung zugegebener Maßen erfunden hat: Lesevergnügen ist sie allemal!

Münchenspaziergänge

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Hans Pleschinski: Götterbaum, Beck Verlag 2021, €

Ein Spaziergang dreier Damen durch das frühabendliche München, denen sich zwei Herren dazu gesellen - nicht zufällig, sondern verabredet. Sie alle verbindet ein Interesse an Paul Heyse, der im München des 19. und des angehenden 20. Jahrhunderts eine zentrale bekannte und gefeierte Persönlichkeit war, ausgezeichnet mit dem Literaturnobelpreis. Sie sind auf dem Weg zur ehemaligen Heyse-Villa, in der ein nach ihm benanntes Kulturzentrum entstehen könnte. Die Flaneure tauschen sich aus über den Literaten, zitieren ihn und beobachten parallel dazu die Münchner, die an diesem lauen Märzabend unterwegs sind. Kennt der Leser die Stadt, hat er viele erwähnte Orte und Details sofort vor Augen und spaziert mit den Protagonisten durch Strassen und über Plätze. Ein Münchenroman des Münchner Autors Hans Pleschinski.

Unerschrockener Lebensmut

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Felix Kucher: Sie haben mich nicht gekriegt, Picus Verlag 2021, € 26,00

Felix Kucher gelingt es in seinem neuen Roman wieder einmal,  wahre Lebensgeschichten in einen spannend zu lesenden Roman zu verwandeln. Tina Modotti, als Arbeiterkind in Italien aufgewachsen und schon als junges Mädchen in einer Weberei arbeitend wird an vielen Orten der Welt für revolutionäre Gedanken kämpfen und sich einen Namen als Fotografin machen. Unerschrockenheit, Eigensinn und Lebensmut zeichnen auch Marie Rosenberg aus, die in Fürth die Buchhandlung ihres Vaters übernimmt und als Jüdin rechtzeitig nach New York emigriert, wo sie eine weit bekannte Buchhandlung und einen Verlag gründet. Beide Frauen begegnen vielen uns heute noch bekannten Persönlichkeiten ihrer Zeit und so entsteht ein facettenreiches Bild der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sehr lesenswert!

Eine Überlebensgeschichte, die zum menschlichen Handeln motivert.

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Abba Naour, Helmut Zeller: Ich sang für die SS, H.C.Beck Verlag € 16,99

Am Anfang der Überlebensgeschichte Abba Naors steht das berührende Versprechen seines neunjährigen Urenkels, ihm einmal eine Uhr zu erfinden, die rückwärts geht, um dem Urgroßvater die Mutter und seine Brüder zurückzubringen. Denn Abba Naors Mutter Chana wurde zusammen mit dem damals sechsjährigen Berale in Auschwitz vergast, Naors älterer Bruder Chaim wurde in
Kaunas mit 15 Jahren erschossen.

In der Großfamilie

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Monika Helfer: Vati, Hanser Verlag 2021 €20,00

In ihren knappen Sätzen vermittelt Monika Helfer eine ungeheure Vielfalt an Emotionen, die an das wecheselhafte Leben ihrer Familie geknüpft sind. Im Fokus der Vater, um ihn, mit ihm Mutter, Stiefmutter, Geschwister, Tanten, Onkel und die Autorin selbst. Als Kind, Jugendliche und als Autorin. Die Lebensumstände so nachspürbar, in Haus und Natur, in Armut und Enge. Ein sehr beeindruckender Roman, der Vieles im Innern des Lesers anklingen lässt.

Hochsensibler Rausch des Lebens

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Mikael Ross: Goldjunge. Beethovens Jugendjahre. avant Verlag 2020 € 25,00

Ross beginnt seine Graphic Novel im 8. Lebensjahr Beethovens und begleitet ihn bis um sein 30. Lebensjahr, bis zur  Veröffenlichung seiner ersten Kompositionen, die ihn als Klaviervirtuose in die fürstlichen Konzertsäle führte. Die kugelrunden Kinderaugen von Erkenntis oft weit aufgerissen, oder fest zusammengekniffen in Schmerz und Fieberwahn, jagt Ross einen hochsensiblen Jungen mit seinen Fantasmen durch die Pannels. Von den Kindern verspottet, vom Vater nachts aus dem Bett gezerrt und ans Klavier gesetzt, von Pocken gequält. In Beethovens Kopf herrscht ständiges Feuerwerk. Später kämpft er mit weiteren körperliche Leiden, Magenkrämpfe und Durchfall und qualvollen Geräusche in den Ohren. Die Welt um ihn herum bleibt dreckig und wenig glanzvoll. Hinzu kommt der Rausch der Musik, welcher Beethoven an den Instrumenten entströmt und zur Auflösung alles Materiellen und Widerwärtigen führt, aber auch zur restlosen  körperlichen Erschöpfung. Faszinierend und temporeich taumeln die Bilder am Rand des existentiellen Abgrundes, an dem nichts golden strahlt, nicht einmal die Liebe. Und aus dieser energetisch überbordenden Qual steigt Beethovens Musik auf. Man scheint sie mit den Augen hören zu können. Ross hat sie in seine Bilder gebannt, dass man beim Lesen nicht nur an der Dramatik des Lebens klebt sondern selbst in einen Rausch gerät, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Durchtrieben oder wider besserer Vernunft?

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Bhavya Heubisch: Das süsse Gift des Geldes, Volk Verlag 2020 € 16,90

Als die junge Schauspielerin Adele Spitzeder mittellos in München eintrifft, leiht sie sich Geld und verspricht, es mit gutem Zins zurückzuzahlen. Vor allem die Ersparnisse der einfachen Leute fliegen ihr bald nur so zu und sie gründet eine Privatbank. Das Geld quillt aus Schränken und Schubladen, fast verbrennt es, als ein Feuer im Haus ausbricht. Dass Adele Spitzeders aus der Not geborener Plan nicht aufgehen kann und es sich bei ihren Aktivitäten keinesfalls um seriöse Bankgeschäfte handelt, ist unübersehbar. Adele lebt nun unkonventionell mit einer Frau zusammen, auf großem Fuß. Sie investiert aber auch in Armenküchen. Heubisch erzählt romanhaft und mit sanftem Lokalkolorit. Sie zieht ihre Leser*Innen gekonnt ins beengte und derbe Treiben auf Münchner Straßen und Plätze, auf der sie die Spitzeder (1832-1895) mit ihrer ambivalenten Persönlichkeit wie das Sahnehäubchen schwimmen lässt. Dabei lässt Heubisch offen, ob diese besonders durchtrieben  oder einfach nur wider besserer Vernunft agiert hat. Diese Frage bewegt, fasziniert und trägt durch dieses spannende Stück Münchner Zeitgeschichte.

Faszination Wissenschaft bringt den Traum zurück, Forscher*In zu werden….

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Herlinde Koelbl: Faszination Wissenschaft. 60 Begegnungen mit wegweisenden Forschern unserer Zeit, Knesebeck Verlag 2020 € 35,00

„Nach einem erfolgreichen Tag haben Sie vielleicht die Welt verändert.“ – David Avnir
60 Wissenschaftler*innen plaudern aus dem Nähkästchen und dem Labor. In den Fotographien porträtiert Herlinde Koelbl die Wissenschaftler*innen gemeinsam mit der Essenz ihrer Forschung, die sie auf die eigene Handfläche geschrieben haben. In den Interviews bespricht sie mit ihren Gesprächspartner*innen u.a. die Themen ihrer Forschung, ihren Berufseinstieg und den Konkurrenzkampf in der Wissenschaft. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die (noch) starke Dominanz von Männern in der Wissenschaft werden thematisiert. Doch unabhängig von Land und Fachgebiet – von theoretischer Physik und Mathematik über Chemie und Neurowissenschaften ist alles vertreten – sind sich alle einig: Wissenschaft fasziniert ein Leben lang.
Faszination Wissenschaft punktet durch sein außergewöhnliches Format sowie das Thema. Auf den Fotographien verbindet Herlinde Koelbl die Persönlichkeiten der Forscher*innen mit dem eigenen fachlichen Schwerpunkt. Dies geschieht in den Interviews gewissermaßen auch. Dabei gelingt es, dem Lesenden sowohl thematisch unterschiedlichste Forschungsgebiete näher zu bringen, als auch die Denkweise vieler Wissenschaftler*innen auf den Punkt zu bringen. Wissenschaft wird hier von einem abstrakten lebensfernen Gebilde zu etwas, das jeden betrifft und potenziell interessiert. Faszination Wissenschaft schafft das, was noch kein Buch versucht hat: Es räumt auf mit dem Gedanken, Wissenschaft wäre nur einem kleinen Teil der Gesellschaft vorenthalten, und nimmt jede*n mit auf eine spannende Reise – durch Labore, über Schreibtische, aufs Meer. Warum nur wollen so viele Kinder Forscher*in werden, und nur noch so wenig Jugendliche? Faszination Wissenschaft bringt diesen Traum zurück, ermutigt die, die noch unsicher sind, und erschafft neue Berufswünsche. Es öffnet Augen. Clara, 18 Jahre

Ein Frau am Dirigentenpult– Never!

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Maria Peters: Die Dirigentin, Atlantik Verlag 2020 €22,00

Ein Roman für alle, die Interesse an starken Frauenpersönlichkeiten haben - und ein Herz für die Musik. Antonia Brico war die erste Dirigentin, die ein Orchester in den USA dirigieren durfte. Ihr Weg dorthin war steinig, was sie nicht gehindert hat, ihr Ziel - als Dirigentin zu wirken - zu verfolgen. Sie gründet das erste Frauenorchester der USA und tourt als Dirigentin auch durch Europa – dirigiert u.A. als erste Frau die Berliner Philharmoniker. Ihre Lebensgeschichte wird von Maria Peters, der Filmregisseurin des gleichnamigen Films, in Romanform erzählt. Ich habe mit Willy (so der Name, den sie zuerst von ihren Adoptiveltern erhält), mitgefühlt und –gelitten, ihr die Daumen gedrückt und oft die sehr männlich geprägte Welt dieser Zeit verwünscht. Bereits als junge Frau im New York der 1930er Jahre geht sie unbeirrt ihren Weg, eckt an, muss sich alleine mit sehr wenig Geld durchschlagen. Sie wird wichtige Menschen mit ihrem unbedingten Willen beeindrucken und tatsächlich die Sensation schaffen – am Dirigentenpult eines Orchesters zu stehen. Wichtige Freundschaften und die (fiktive) Liebe finden auch ihren Platz in diesem Roman, fast mehr begeistert hat mich aber ihre berufliche Lebensgeschichte. Eine lebendige Biographie, kurzweilig erzählt, für alle, die Musik lieben!  Annette Goossens

Anekdotenreich

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Elke Heidenreich: Männer in Kamelhaarmänteln, Hanser 2020, € 22,00

Das perfekte Buch für den Nachttisch, oder wo sonst ein Buch mit kurzen, amüsanten, unterhaltsamen Texten seinen Platz finden mag.  Elke Heidenreich erzählt aus ihrem Erinnerungsfundus und wie von selbst tauchen eigene Erinnerungen auf, denen der Leser vielleicht folgen mag. Die Gedanken kreisen um ersehnte, geliebte, verlorene, bewunderte, verwandelte und nie getragene Kleidungsstücke und die Situationen, die mir ihnen verknüpft sind. Hier sind es ganz persönliche Anekdoten. Es ranken sich aber auch Geschichten um bekannte Persönlichkeiten wie Frida Kahlo, Coco Chanel, Maurice Ravel oder Susan Sontag - und Elke Heidenreich schreibt so, dass dem Leser ein Schmuzeln entlockt wird, weil die Situation lustig, peinlich oder unerwartet ist - und weil sie einfach gut pointiert erzählt ist.

Märchen für Erwachsene

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Thomas Hettche: Herzfaden, Kiepenheuer & Witsch 2020 € 24,00

Mir ist es beim Lesen dieses Buches so ergangen, wie die Marionettenspieler es sich von ihren erwachsenen Zuschauern wünschen. Bei den ersten Seiten überlegte ich noch, ob es nicht ein Kinderbuch sei. Doch unmerklich hatte der Text mich in den Bann gezogen und ich folgte fasziniert der Erzählung über das heranwachsende Mädchen Hatü in ihrer Heimatstadt Augsburg. Ihr Vater Walter Oehmichen, einst Oberspielleiter am Augsburger Theater, begann in den Zeiten des 2. Weltkrieges Marionetten zu schnitzen und mit seinen Töchtern zu bespielen. Hatüs Begeisterung für die beim Spiel zum Leben erweckten Figuren wird sie nie mehr verlassen. In der Nachkriegszeit gründet ihr Vater mit ihr die Augsburger Puppenkiste. Mit weiteren, ihre unterschiedlichen künstlerischen Begabungen einbringenden Menschen verschmelzen sie zu einer familienähnlichen Gemeinschaft. Neben der märchenhaften Welt des Marionettentheaters steht das reale Erleben des 2. Weltkrieges und der Nachkriegszeit, das aus Sicht des jungen Mädchens Hatü sehr anschaulich und glaubhaft beschrieben wird. Wie wir es aus der unendlichen Geschichte kennen gibt es einen im Druck farblich differierenden Erzählstrang, der ein Mädchen aus heutiger Zeit in die Welt der Marionetten eintauchen lässt, wo es, so wie wir Leser, Hatüs Geschichte erfährt. Dieser Roman ist ein Glück für alle Erwachsenen, die das Kind in sich spüren oder wieder aufwecken möchten!

Bittersüßer Abschied

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Zsuzsa Bánk: Sterben im Sommer, Verlag S. Fischer 2020 € 22,00

Zsuzsa Bánks Buch "Sterben im Sommer" konnte ich nicht in einem Atemzug lesen. Immer wieder legte ich das Buch beiseite und atmete tief durch. Was die Autorin uns Lesern in ihrem Buch zu erzählen hat, ist schonungslos ehrlich und zutiefst emotional. Es geht - wie der Titel verrät - um das Sterben, das Sterben ihres Vaters. Auf der einen Seite lesen wir von schönen Erinnerungen, der gemeinsamen Zeit mit der Familie in Ungarn wie in Deutschland, und insbesondere die Zeit mit dem Vater. Auf der anderen Seite beklagt Bánk, dass sie kurz vor seinem Tod wertvolle acht Tage hat verstreichen lassen, ohne ihren Vater im Krankenhaus besucht zu haben. Auf der einen Seite füllen sich die Seiten mit Hoffnungen im Kampf gegen den Krebs, auf der anderen Seite stehen dem nüchterne Fakten, Entscheidungen, die Verzweiflung, die Frage nach dem 'warum?' und 'warum so?' im Raum. Die Autorin nimmt Abschied von ihrem Vater und lässt den Leser daran teilhaben. Jede Seite, die ich umblätterte, berührte mich aufs Neue. Ich durfte die Autorin auf ihrem schmerzvollen Weg begleiten, mit ihr leiden, von ihr lernen und hoffen. Ein Buch, das ich persönlich als ein Geschenk ansehe. "Irgendwann ist der Tod deutlicher als das Leben, das Leben weicht dem Tod", sagt Zsuzsa Bánk. So wahrhaftig wie dieser Satz ist das ganze Buch.

Erika in New York

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Heidi Rehn: Die Tochter des Zauberers, Aufbau Verlag 2020, € 12,99

In der Reihe über berühmte Frauen im Aufbau Verlag ist nun ein Roman über Erika Mann erschienen. Er beleuchtet die ersten Jahre Erikas im Exil in New York. Als Thomas Manns Tochter wird sie mit offenen Armen von der Gesellschaft der Reichen und Schönen aufgenommen. Mit ihrem Bruder Klaus bewegt sie sich gleichzeitig in den Kreisen der europäischen Exilanten. Sie engagiert sich sehr dafür, eine Zukunft für ihr in Deutschland zunächst sehr erfolgreiches, nun unter Hitler verbotenes,  Kabarett "Die Pfeffermühle" zu ermöglichen und damit auch die Mitwirkenden in Sicherheit zu bringen. Darunter befindet sich ihre Lebensgefährtin Therese Giehse. Erika erhält bei ihrem Projekt Unterstützung ganz unterschiedlicher Art von zwei Männern, die auch ihr Herz erobern wollen und zu denen sie sich auch tatsächlich hingezogen fühlt. Wie sich in diesem Gefühlsdilemma eine Lösung findet, wie die Pfeffermühle in New York zwar scheitert, aber Erika zu einer viel gehörten und gefragten Vortragenden wird, die in einer geschickten Verknüpfung persönlicher Erlebnisse und politischer Ereignisse zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufruft, lässt sich in der opulenten schmökerhaften Romanbiografie von Heidi Rehn vortrefflich nachvollziehen.

Mit Gustav Mahler auf dem Schiff

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Robert Seethaler: Der letzte Satz, Hanser Berlin, € 19,00

Gustav Mahler auf seiner letzten Schiffsreise von New York nach Europa lässt verschiedene Szenen seines Lebens in seinen Gedanken und Gefühlen Revue passieren. Die erste Begegnung mit Alma, seine Arbeit als Operndirektor in Wien, das Komponierhäuschen auf dem Land, seine beiden kleinen Mädchen, der Empfang im Savoy Hotel in New York. Robert Seethaler versetzt sich und uns in die innere Welt des zart besaiteten und gefeierten Dirigenten und Komponisten am Ende seines Lebens.

Auf nach Venedig!

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Jana Revedin: Margherita, Aufbau, € 22,00

Margherita wächst mit ihrer Mutter und ihren Schwestern in sehr einfachen Verhältnissen auf. Sie trägt nicht nur die Zeitungen in ihrer Heimatstadt Treviso aus, sondern liest darin täglich über das Weltgeschehen und macht sich ihre Gedanken dazu, so daß sie dem Grafen Revedin eine geschätzte Gesprächspartnerin ist. Als er um ihre Hand anhält wähnt Margherita sich in einer mozartschen Oper. Doch diese ungewöhnliche Verbindung wird Wirklichkeit. Die junge Frau wird in Paris in die intelektuellen und künstlerischen Kreise eingeführt, wo sie neue Seelenverwandte und lebenslange Freunde findet, von Coco Chanel eingekleidet und lernt Sprachen. In Venedig, wo sie 1920 mit ihrem Mann den Revedinschen Palazzo am Canal Grande bezieht, widmet sie sich ihrer neuen Aufgabe: den Agrartourismus am Lido zu etablieren und ihn mit den ersten Filmfestspielen zu internationalem Ruhm zu bringen. Es wird Margherita nicht gelingen, vom venezianischen Adel anerkannt zu werden aber sie findet Freunde unter den Einheimischen als auch unter venedigvernarrten Ausländern wie Peggy Guggenheim. Ihre persönliche Befindlichkeit, kleinere und größere Dramen werden in Beschreibungen und Dialogen gut ausgelotet und als Leser verfolgt man gespannt ihren Werdegang. Venedigkenner überqueren Brücken mit ihr, bleiben vor bekannten Fassaden stehen, besuchen Harrys Bar und fahren durch die Kanäle. Da die Autorin Jana Revedin die Frau von Margheritas Enkel ist, muss es auch einen Sohn gegeben haben...Beste Unterhaltung für Venedig - und Geschichtsliebhaber!

Münchner Leben – dem Vergessen entrisssen

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Das Tagebuch der Maria Walser. München 1865-1914, Volk Verlag € 19,00

Header © Volk Verlag, Die Walsermühle am Hacklmühlbach um 1890
Mit 12 Jahren wurde Maria Walser Alleinerbin der Walsermühle im Herzen Münchens, dem Lehel. 1886 wurde hier noch eifrig gesägt, geschmiedet und natürlich auch das Korn für die Münchner gemahlen. Das weitläufiges Anwesen brachte der Familie Renomée ein, Kontakte zu allen bekannten Wirten der Stadt, zu renomierten Ärzten und Regenten. Zahlreiche Bedienstete standen bei den Walsers in Lohn und Brot. Eine Mühle, die Nutzung von Wasserkraft, war der einzige Energiebringer jener Zeit. 1897 volljährig, tritt Maria Walser ihr Erbe an. Mittlerweile hält das Elektrische Einzug in das Leben der pulsierenden Großstadt. Das Leben verändert sich rasant. Der erste Weltkrieg und die Inflation werden den Verlust des stattlichen Familienbesitzes beschleunigen. In ihrem Tagebuch legt Maria Walser direkt und unvermittelt Zeugnis vom Leben jeder Zeit. Einer glücklichen, unbeschwerten Kindheit, der des Kaisers Tod (1888) und das Hochwasser in der Stadt nichts anhaben können folgen wechselvolle Jahre und wirtschaftlicher Untergang. Viele historische Details und Fotos machen dieses Tagebuch zum einzigartigen, gut lesebaren Schatz für alle, die gerne dokumentarisch und historisch lesend in alte Zeiten eintauchen wollen. Maria Walser Tagebuch ist eine Entdeckungsreise ins Leben zwischen den bekannten Eckdaten unserer Geschichte.

Starke moderne Frau

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Franziska zu Reventlow: Die Kehrseite des deutschen Wunders, Volk Verlag 2020 € 16,00

1897 gebar Franziska zu Reventlow in München einen Sohn, den sie sehr modern, eigentlich antiautoritär und alleine aufzog. Bald lebten die beiden auf Mallorca, bald in Locarno im Tessin. 1914 kamen sie zurück nach München. Hier beginnt der außergewöhnliche Text von Reventlow, in dem sie ihre Eindrücke von dem nun  preußisch millitarisch geprägten Leben und Denken in der Stadt festhält. Die unpolitische Bohèmien treiben Patriotismus und Kriegsbegeisterung auf die Seite der Pazifisten. 1916 folgt ihr Sohn, jetzt 17-jährig, der Einberufung in den Krieg. Auf seinem ersten Heimaturlaub kennt die mutige und unkonventionelle Frau und Mutter nur ein Ziel: Sie will ihrem Sohn bei seiner Desertation helfen. Einer Desertation von der Junge bis zu seiner Ankunft in Konstanz freilich noch gar nichts weiß. Reventlows Text, ein Zufallsfund, beeindruckt von der ersten Zeile an. Modern und unabhängig im Denken, unkonventionell, wagemutig und immer ganz auf sich selbst focussiert gibt er doch ein lebendiges Bild vom Leben in München und darüber hinaus, in Zeiten des ersten Weltkrieges. Er macht die Beschränktheit des Reisens bewusst, wie die Bestechlichkeit von Menschen, die umso größer zu werden scheint, je restriktiver ein System ist. Eine Fotobildstrecke und ein Kommentar der Herausgeber runden Reventlows Text ab, der hier jedem zur Entedeckung ans Herz gelegt sei.

Literarisches Kleinod

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Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos. Verlag Matthes & Seitz 2020 € 22,00

Ein beeindruckendes, verführerisches Stück Literatur! Anne Weber findet einen ganz eigenen Erzählrhythmus in diesem Epos, das von einer unbekannt gebliebenen Kämpferin erzählt. Anne Beaumanoir, genannt Annette, findet in jungen Jahren zur Résistance im von Deutschland besetzten Frankreich. Es ist der Wunsch, die Menschen von der Fremdherrschaft zu befreien, das persönliche Schicksal ist untergeordnet, die Identität wird zur Anonymität im Getriebe des Widerstands. Nach dem Krieg wird Annette Ärztin und lebt mit Mann und Kindern in üblichen Verhältnisssen. Aber sie kann offensichtlich nicht ohne Abenteuer und dieses findet sie bei der FLN. Dieses Mal kämpft sie gegen das eigene Land, das ein anderes besetzt: Algerien. Sie wird große Opfer bringen und ungeahnte Wege gehen. Sympathisch und eigenwillig sind Anne Webers Wortwahl und Satzgefüge, sie ziehen in den Bann. Während sie von damals erzählen geben sie manchmal Gedankenverbindungen zur späteren Geschichte, die damals noch ungeschrieben war, die aber für und heute erlebte Vergangenheit ist. Ein ganz besonders reizvolles Buch, das aus den Neuerscheinungen des Frühjahrs herausragt!

Viva Italia! Deutsch-italienscher Abend mit Massimo Marano

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An diesem Abend konnten sich Zuhörer auf unterhaltsame Weise an der italienischen Sprache probieren. Der gebürtige Römer Massimo Marano lebt in München und tischte mit italienischer Leidenschaft auf. Er schreibt für die zweisprachige Reihe bei dtv kurze Geschichten mit italienischem Kontext. Für Sprachanfänger und Fortgeschrittene präsentierte er Persönlichkeiten, Kulinaria und Krimis. Feurig, locker, verlockend und mit italienischem Esprit. Im Wechsel mit Annette Goosens, die für die deutschen Passagen sorgte, konnte das Publikum zwischen den Sprachen hin und her wandern.

Ein Leben in Italien

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Andrea Camilleri: Brief an Matilda, Kindler Verlag € 20,00

Dieses Buch ist der lange Brief des damals 92jährigen Andrea Camilleri an seine Urenkelin, als sie 4 Jahre alt war, damit sie später, als junge Erwachsene, etwas von ihm und seiner Zeit verstehen möge. Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend zur Zeit des Faschismus in Sizilien, von seiner Rebellion gegen Erwartungen und der wachsenden Sehnsucht nach Freiheit. Sein Lebensweg als Lernender und Arbeitender war selten gradlinig und geprägt von dem Bedürfnis, seinen Ansichten treu zu sein, Kontra zu geben und sich auch politisch einzumischen. Er erzählt seiner Urenkelin von herausragenden Momenten der Weltgeschichte und erklärt ihr Entwicklungen und Veränderungen, die für die zukünftige erwachsenen Matilda ferne Vergangenheit sein werden. Er glaubt an die Kraft der heutigen jungen Menschen, Dinge zum Guten zu wenden. Das anregende Vermächtnis eines offenen, ehrlichen und beeindruckenden Menschen!

Die Welt in mir

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Doris Dörrie: Leben, Schreiben, Atmen. Eine Einladung zum Schreiben, Diogenes Verlag € 18,00

Ein Stift, ein Blatt Papier, 10 Minuten und die "Zauberformel": Ich erinnere mich an...Schreiben ohne Ehrgeiz, ohne Ziel, um sich an sich selbst zu erinnern. In seiner eigenen Vergangenheit spazieren zu gehen, sich erinnern an Spiele, Gerüche, Verlorenes, Dunkelheit, Freunde, Kleidung, Schokolade, Alleinsein - oder durch die jetzige Wohnung/Stadt flanieren, schauen, wahrnehmen, mit den Augen an Dingen hängen bleiben, hinsetzen, schreiben, sich in der Welt zu Hause fühlen. Eigentlich lädt jeder Gegenstand dazu ein, über ihn und damit verbundene Gefühle zu schreiben. Doris Dörrie macht Lust und Mut, es einfach zu tun und gibt vielerlei Anregungen aus ihrem eigenen Leben. "Erinnerungen aufschreiben ist wie Perlen auf eine Kette aufziehen, eine Kette von Momenten."

Der Roman im Roman

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Christoph Poschenrieder: Der unsichtbare Roman, Diogenes Verlag 2019 € 24,00

Christoph Poschenrieder schreibt einen Roman über einen Roman, der offenbar nicht geschrieben werden will, denn er stürzt seinen Urheber in eine große Schaffenskrise. Es ist das Jahr 1918, als Gustav Meyrink in seiner Villa am Starnberger See vom Auswärtigen Amt in Berlin den Antrag bekommt, einen Roman zu schreiben, der die Freimaurer für den 1. Weltkrieg verantwortlich macht. Gustav Meyrink ist absolut unpolitsch und die Auftragsarbeit widerstrebt ihm, dem Dichter, der seiner Phantasie gern freien Lauf lässt. Aber das Geld braucht er und so sagt er zu. Er holt sich Anregungen in den Münchner Schriftstellerkreisen, vor allem bei Erich Mühsam, der die Revolution kommen sieht und unterstützt. Weiterhin erhofft Meyrink sich Inspiration beim Rudern auf dem Starnberger See und beim Yoga, das ihm schon manches Mal geholfen hat - aber die Ideen, Bilder, Wörter wollen nicht kommen. Eines Nachts aber beginnt die Schreibmaschine zu klappern...Christoph Poschenrieder spielt galant mit Wahrheit und Fiktion und manchmal vermischen sie sich auf wundersame Weise, so wie sich die persönliche Geschichte Meyrinks mit der Münchens im Revolutionsjahr 1918 verbinden.

Sehnsucht nach Selbstbestimmung

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Sanne Jellings: Ein dänischer Winter, Kindler Verlag 2019 € 18,00

Ein hübsches schmales Buch, ein unterhaltsamer, emotional berührender, zarter Roman auf dem Hintergrund wahrer Geschichte. Es ist das Jahr 1929 und Karen Blixen ist von ihrer Farm in Kenia ins elterliche Haus nahen Kopenhagen gekommen, um ihre Mutter zu besuchen und die Weihnachtstage in der Großfamilie zu verbringen. Dort begegnet sie Minna, die aus einer Arbeiterfamilie kommend, nach Verlust ihrer Anstellung in Kopenhagen, als Hausmädchen einspringt. Karen Blixen spürt bei dem Mädchen den Wunsch nach Weiterbildung und einem eigenständigen freieren Leben, den sie unterstützen möchte. Ihre Ideen kosten Minna einige schlaflose Nächte, gibt es da doch noch einen jungen Mann, der ihr wichtig ist.

In der Stadt der Lichter

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Whitney Scharer: Die Zeit des Lichts, Klett-Cotta 2019 € 22,00

Ein mitreissender Künstler- und Liebesroman im Paris der 1930er Jahre. Die schillernden zentralen Figuren sind Lee Miller und Man Ray: Ihr langsames Annähern über die Kunst der Fotografie zu einer leidenschaftlichen obsessiven Beziehung. Sie sind umgeben von der Größen der Pariser Bohème aus Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Film, Ballett. Die Euphorie und Verzweiflung im Künstlerdasein werden in all ihren Höhen und Tiefen ausgelotet, allem voran die Sehnsucht der außergewöhnlichen Lee Miller nach Anerkennung ihrer Kunst.  Wir Leser fühlen uns wunderbar hineinversetzt in diese Zeit, sitzen mit den Künstlern im Deux Magots, trinken Gin Fizz auf Partys und genießen beim Lesen den Strudel aus Bildern und Emotionen in der Stadt der Lichter.

Endlich der Sommer!

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Petra Hartlieb: Sommer in Wien, Du Mont Verlag 2019 € 18,00

Nach Winter und Frühling können wir nun das sympatische junge Mädchen Marie durch den Wiener Sommer begleiten. Sie ist mir schon recht ans Herz gewachsen in ihrer natürlichen, aufgeschlossenen und einfühlsamen Art! Nach zwei Jahren als Kindermädchen im großbürgerlichen Haushalt Arthur Schnitzlers wird sie sich nun im Jahre 1913 in ein eigenes Zuhause und ein unabhängigeres Leben aufmachen. Hoffentlich wird es bald Herbst in Wien! Diese schmalen, vom Du Mont Verlag so schön gestalteten Romane von Petra Hartlieb sind eine herrliche Entspannungs- und Wohlfühllektüre für jedes Alter und wie ein Blumenstrauss zu vielen Gelegenheiten zu verschenken.

Blitzlichter in der Welt

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Florian Illies, 1913 - Was ich unbedingt noch erzählen wollte. Fischer Verlag 2018 € 20,00

Ein Kaleidoskop anekdotenhafter Momentaufnahmen im Jahr 1913 aus dem Leben bekannter Persönlichkeiten in aller Welt. Von Florian Illies aufgespürt und erzählt, mit knappen, oft amüsanten Anmerkungen sollte dieses Buch in keinem Zuhause fehlen: ob auf dem Küchentisch, der Wohnzimmerkommode, neben dem Bett oder auf der Waschmaschine; ein paar Minuten um eine Episode zu lesen, finden sich immer. Und wer das Buch wie im Rausch in einer Nacht verschlungen hat, wird es trotzdem immer wieder Aufschlagen. Denn wie war das nochmal ???

Unter Künstlern in Rom

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Christian Schnalke: Römisches Fieber, Piper Verlag  € 22,00

Ein sehr schön zu lesender Roman über die deutschen Dichter und Maler in Rom im Jahre 1818. Frei erfundene Figuren bewegen sich unter historisch verbürgten aus den künstlerischen, religiösen und politischen Kreisen. Im Zentrum steht Franz Wercker, der aus ärmlichen Verhältnissen kommt, die Literatur lieben lernt und plötzlich die Gelegenheit bekommt, in die Rolle eines anderen zu schlüpfen: in die des jungen Poeten Cornelius Lohwaldt, ausgestattet mit einem Stipendium für Rom und eben auf dem Wege dorthin. In Rom angekommen, wird Franz Höhen und Tiefen erleben, Freundschaft, Egozentrik, Abhängigkeit, Erfolg und Verriss, liebevolle Zuwendung und Hinterhältigkeit. Ich habe mich hineingesetzt gefühlt in diese Monate in Rom und der grundehrliche Franz in seinem Glück und Dilemma des Versteckspiels hat eindeutig meine Sympathie gewonnen!

Zwei Paare: im 18. Jahrhundert und jetzt

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Alex Capus: Königskinder, Hanser Verlag 2018, € 21,00

In seinem Roman "Königskinder" erzählt Alex Capus zwei Geschichten: die eine von Max und Tina, die auf dem Jaunapass mit ihrem Auto im Schnee stecken bleiben und eine Nacht im Auto verbringen ist gespickt mit amüsanten Dialogen, wie wir es von Alex Capus kennen. Um das Warten zu erleichtern erzählt Max die zweite Geschichte, die sich in dieser Gegend und in Frankreich im 18. Jahrhundert zutrug: von dem armen Viehhüter Jakob und Marie, der reichen Bauerstochter, die sich verlieben und nicht zusammensein sollten. Sie sind es dennoch, kurz zumindest, und sie bleiben beide über viele Jahre der Trennung ihrer Liebe treu und werden über verschlungene Wege wieder zueinanderfinden. Auch ohne im Auto eingeschneit zu sein mag man das Buch nicht zur Seite legen und die Geschichte von Jakob und Marie, Max und Tina miterleben!

Stille Helden

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Erich Hackl: Am Seil, Diogenes Verlag 2018 € 20,00

Zum Glück gab es sie doch auch, die stillen Helden zur Zeit der nationalsozialistischen Vorherrschaft. Einer von ihnen war Reinhold Duschka. der die freigeistige Jüdin Regina Steinig und ihre Tochter Lucia vier Jahre lang in  seiner Werkstatt in Wien versteckte. Er war ein Mensch der Taten, nicht der Worte und so erfuhr auch in der Nachkriegszeit kaum jemand von seiner Loyalität. Nun ist es an der Zeit, die Geschichte zu erzählen! Der Literat Erich Hackl nimmt sich mit Empathie ihrer an uns lässt auch Lucia zu Wort kommen.

Münchner Bohème und Baltikum um 1900

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Klaus Modick: Keyserlings Geheimnis, Kiwi 2019 € 10,00

Es ist die Zeit von 1875 in den Beginn des 20.Jahrhunderts. Eduard von Keyserling, Sohn aus baltischem Gutsadel, studiert in Dorpat Jurisprudenz, um dann in Wien zu entdecken, dass er sich im Literaturbetrieb heimisch fühlt. Nach einigen Jahren auf dem elterlichen Gut schließt er sich den Schwabinger Künstlerkreisen an. Es wird philosophiert, geraucht, getrunken und geliebt und jeder gerät mal mehr oder weniger in die Bredouille. Für die Sommerfrische haben die Künstler den Starnberger See entdeckt und so residieren dort Max Halbe, Lovis Corinth, Frank Wedekind und Eduard von Keyserling. Der Leser taucht ein in diese Idylle zwischen See, Schreibtisch, Staffelei und Kartenspiel. Klaus Modick ist es wieder einmal aufs Beste gelungen, sich in die Stimmung und Sprache einzufühlen, in der seine Protagonisten sich bewegen.