Dreißig Jahre zusammen

krien

Daniela Krien: Der Brand, Diogenes 2021, € 22,00

Rahel und Peter sind seit 30 Jahren ein Paar: Sie ist Psychologin, er Professor für Literatur in Dresden. Die Kinder sind erwachsen, die Tochter hat inzwischen zwei Söhne, der Sohn arbeitet zielstrebig an seinem Berufsziel. Das Paar, beide Mitte fünfzig, kümmert sich kurzentschlossen drei Wochen lang um den Hof von Ruth und Viktor in der Uckermark. Ruth ist eine Freundin von Rahels Mutter seit deren Jugend und eine wichtige Konstante in Rahels Leben. Das Paar hegt die Hoffnung, einander wieder nahe zu kommen - nahe zu sein. denn es hat sich eine Distanz zwischen sie geschlichen, genährt aus Enttäuschung, Verschweigen, unerfüllter Sehnsucht. Sehr gut beobachtend und beschreibend erzählt die Autorin über das Beziehungsgeflecht von Partnerschaft, kleiner Familie und Großfamilie. Vom Denken, Fühlen und Handeln, vom Verschiedensein, Vertrautheit und Zueinandergehören. Ein Buch, das sich in einem Sog lesen lässt, das anregt,  sich selbst und eigenen Beziehungen anzuschauen und zu hinterfragen. Und ein Buch, das Hoffnung gibt, dass es sich lohnen kann, dies zu tun.

Eigenwillige Lebensläufe

stradal

J.Ryan Stradal: Die Bierkönigin von Minnesota, Diogenes 2021, € 18,00

Eine Mehrgenerationen - Familiengeschichte in den USA, in der erstaunlicher Weise gleich zwei Frauen mit Bierbrauerei zu tun haben. Helen begeistert sich schon als junges Mädchen für Bier und arbeitet zielstrebig darauf hin, sich als Frau in dieser Männerdomäne einen Platz zu schaffen. Diana, ihre Nichte, gerät eher zufällig in eine kleine Brauerei, nicht ahnend, was für eine Rolle das noch in ihrem Leben spielen wird. Aber ganz besonders ans Herz gewachsen ist mir Edith, Helens Schwester, die tatkräftig zupackend und warmherzig ihr Leben lebt. Ein schön zu lesender Roman, der vor allem den Blick auf die Frauen in ganz unterschiedlichem Lebensalter lenkt.  Die Frauen sind natürlich mit Männern verbandelt, die auch eine Rolle spielen...

Sommerhimmelblick

bontscheva

Antonia Bontscheva: Die Schönheit von Baltschik ist keine heitere, Frankfurter Verlagsanstalt 2021. € 24,00

Eine junge Frau aus Bulgarien lebt mit ihrem Mann und einer Tochter in Bremen. Sie fragt sich "Was verlässt man genau, wenn man seine Heimat verlässt?" Sie fragt sich auch, was die Liebe ausmacht, die sie gerne idealisiert, während sie versucht, mit ihrem korrekten Ehemann zurechtzukommenund.  Sie ist sehr impulsiv und der Tod ihres Vaters hat sie mitgenommen. "Eine Ablösung von der Eltern findet in diesem Land (Bulgarien) nicht statt" heißt es bezeichnend in dem Roman. Großmütter mit eingeschlossen, denn hier gibt es eine Großmutter, die mit Lebensanweisungen nicht spart, was die Icherzählerin zu Widerstand anstachelt. Sie möchte mehr über die Vergangenheit ihrer Familie erfahren und so wartet der Roman mit interessanten Episoden aus der kommunistischen Zeit Bulgariens auf. Ein Roman voller Emotionen dieser streitbaren Frauen in einer ganz besonderen lebhaft beschreibenden Sprache, die den Leser den bildreichen Kosmos einer bulgarischen Familie eröffnet. Herrlich!

Schauspieler unter sich

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Cynthia D`Aprix Sweeney: Unter Freunden, Klett-Cotta 2021, € 22,00

Mit Sweeneys Roman "Unter Freunden" taucht der Leser ein in die Szene der Schauspieler in New York und Los Angeles, auf der Bühne, im Film und als Sprecher. Er lernt zwei Freundespaare kennen, eines davon mit Tochter, die sich seit vielen Jahren einander anvertrauen und unterstützen. Ganz unerwartet entsteht ein Riß, der die Vergangenheit in Frage stellt, Unsicherheit im Miteinander auslöst und vielleicht sogar neue Lebenskonzepte fordert. Beeindruckend beobachtet!

Familienleben aus dem Takt

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Janina Hecht: In diesen Sommern, C.H.Beck Verlag 2021 €20,00

Schon auf den ersten Seiten, mit den ersten Sätzen bin ich in die Kindheit der Protagonistin Teresa eingetaucht. Janina Hecht lässt die Leser*innen an Teresas Erinnerungen teilhaben. in sparsamen Momentaufnahmen, beschwört sie die Bilder einer Familie herauf, und dennoch bleiben die Mitglieder wenig greifbar. Besonders der Vater, zu dem das Mädchen aufsieht, mit dem sie Vater-Tochter-Zeit verbringt, gegen den sie rebellieren wird, und der ihr dennoch fremd bleibt. Auch die Mutter und der jüngere Bruder werden kaum dingfest gemacht, so als hangele sich die Autorin an einer Pinnwand voller alter Fotos entlang. Es sind die kleinen und großen Momente, das Streiten oder das Schweigen der Eltern, das Bier zu viel des Vaters, der Bruder sorglos im Pool, die Teresa in Erinnerung bleiben. Und der Leser ahnt dabei, dass Teresas Welt jederzeit erschüttert werden kann. Der Debütroman von Janina Hecht besticht durch seine Schlichtheit und die minimalistisch gehaltenen Kapitel, die Autorin macht Teresas Geschichte in einer zurückhaltenden Emotionalität an zahlreichen aufeinanderfolgenden Sommern fest.

Inspirierender Briefwechsel

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Keigo Higashino: Kleine Wunder um Mitternacht, Limes Verlag 2021 €20,00

Ein Gemischtwarenladen, dessen Briefkasten zu einer Art Kummerkasten wird, da sich sein Besitzer die Fragen und Sorgen der Betreffenden sehr genau zu Herzen nimmt. Bis ins hohe Alter wird Herr Namiya die Briefe der Ratsuchenden so gut er kann beantworten. Seinem Sohn fällt es schwer zu glauben, dass noch immer Breife in dem Briefkasten landen, obgleich der Laden des Vaters längst geschlossen ist. Wie es dazu kommt, dass sogar Briefe aus der Zukunft einttreffen, oder drei Kleinkriminelle, die eigentlich nur ein Versteck für die Nacht brauchen, zu Briefeschreibern werden ... das und vieles mehr erfähren Leser und Leserinnen der wunderbar feinsinnigen Geschichten und der Schicksale, die dahinter stecken, lassen sie mitunter schmunzeln, aufhorchen und auch berührern. Mit einfachen Worten kann durchaus viel bewegt werden.

Erst der Aufbruch macht den Rückblick möglich

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Björn Stephan: Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau, Galiani Berlin 2021 € 22,00

Vom Rand unseres Sonnensystems zoomt sich Björn Stephan mit der Wahl seines Titels an das Leben heran. Im Zentrum seines Debüts steht die jugendliche Gegenwart von Juri, Sascha und Sonny im Jahr 1994. Sie wachsen in einem Schmuckstück sozialistischen Wohnungsbaus auf: einer am Reißbrett entstandenen, gleichförmigen Siedlung zwischen Stadt- und Waldrand. Die Zeit des Umbruchs gibt das eigentlich noch gar nicht ganz fertig gestaltete Gelände schon wieder dem Verfall preis. Von diesem ostdeutschen, jetzt bundesdeutschen persönlichen und gesellschaftlichen Wandel erfahren die Leser aus Saschas Augen. Sein Standpunkt liegt dabei schon zwei Jahre vom Geschehen entfernt.

Glauben Sie an das Gute!

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Dmitrij Kapitelman: Eine Formalie aus Kiew, Hanser Berlin Verlag 2021 €20,00

Kennen Sie Frau Kunze aus der Ausländerbehörde? Der Ich-Erzähler wird von ihr aufgefordert, zur Einbürgerung nach 25 Jahren in Deutschland noch eine "Apostille" in seiner Geburtsstadt Kiew in der Ukraine zu organisieren. Dies führt ihn auf die Spuren seiner Familie, lässt ihn fast vergessene Freunde wiederfinden und feststellen, dass Heimat viele Gesichter hat. Dieser Roman macht Spaß! Wenn die deutsche Bürokratie zuschlägt oder die ukrainischen "Regeln" erklärt werden, um Vorgänge zu beschleunigen und der Erzähler nicht mehr weiß, wie deutsch oder doch ukrainisch er sich gerade fühlt. Der Autor hält wunderbar die Balance und lässt die Lesenden schmunzeln und mitfühlen. So zum Beispiel, wenn er mit seiner katzenliebenden "Heute-Mutter" hadert und sich plötzlich in Kiew mit seinem Vater, dessen Gesundheit und beginnender Vergesslichkeit auseinandersetzen muss. Und ganz nebenbei findet die zerstrittene Familie auf wundersamen Wegen wieder zueinander. Wer verstehen möchte, wie es sich anfühlt, "zwischen den Stühlen zweier Länder" zu sitzen, der möge dieses Buch lesen. Annette Goossens

Das pure Leben

wink

Callan Wink: Big Sky Country, Suhrkamp Verlag 2021 €23,00

Wer gerne Romane liest, die in der Weite der USA spielen, der darf mit "Big Sky Country" von Callan Wink in die Weiten Montanas abtauchen. August wächst auf der Farm seiner Eltern auf und muss nach deren Trennung als Jugendlicher  mit der Mutter nach Montana ziehen, wo diese sich ein neues Leben aufbauen möchte. August versucht, sich von den Erwartungen der Eltern an seine Berufswahl oder was es im Leben zu erreichen gilt, zu lösen. Die Natur und Freiheit, die er findet, erfüllen und formen ihn. Ob bei der Arbeit auf dem Feld oder auf einer Farm, auf der er mithilft - die Zufriedenheit, die diese Tätigkeit bei ihm auslöst, wird beeindruckend beschrieben. Mit klarer Sprache lässt uns der Autor am stillen Glück seiner Hauptfigur teilhaben. Die ursprüngliche Sprachlosigkeit zwischen Vater und Sohn weicht langsam einem gegenseitigen Verständnis. Seine Versuche, neue Freundschaften zu schließen und erste Erfahrungen mit der Liebe zu erleben, verfolgt man mit Spannung. Wie es gelingen kann, den eigenen Weg zu finden und dabei seine Wurzeln zu behalten, liest sich fesselnd. Ein ruhiger Roman, dem man anmerkt, dass der Autor selbst ein naturverbundener Einzelgänger ist. Dennoch packend bis zur letzten Seite. Annette Goossens

Überraschungen vorprogrammiert

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Fabian Neidhardt: Immer noch wach, Haymon Verlag 2021 €22,90

Der Roman von Fabian Neidhardt klingt so unglaublich und dennoch liegt der Geschichte ein wahrer Sachverhalt zugrunde.  Der Zeitungsartikel über eine medizinische Fehldiagnose, die einen Mann ins Hospiz zum vermeintlichen Sterben brachte , um anschließend wieder ins Leben zurückzukehren, hat den Autor angeblich dazu inspiriert, die emotionale Achterbahnfahrt des 30jährigen Alex zu erzählen. Alex ist zu jung, um an Magenkrebs zu sterben, zumal sein Vater daran elendig krepierte, als er selbst ein kleiner Junge war. Darum berschließt Alex, sich keiner Therapie zu unterziehen, sondern sich für die letzten Monate in ein Hospiz  zurückzuziehen. Das alte Leben ist abgeschlossen, dann muss Alex von heute auf morgen sein Zimmer räumen. Zurück kann und will er nicht sofort,  aber wie soll er sich neu definieren? Dem Autor ist eine charmante Lösung eingefallen: Alex wird sich darum kümmern, letzte Wünsche der Menschen zu erfüllen, die er im Hospiz  kennengelernt hat. In Rückblenden spürt Alex seiner eigenen Geschichte nach, während er sich darum bemüht, im Hier und Jetzt Lindi Hopp zu lernen, ein Schachturnier zu gewinnen oder sich ein Tattoo stechen zu lassen. Es gehört schon eine Portion Humor dazu, um diese Geschichte so zu schreiben, dass man nicht aufhören kann zu lesen. Einfühlsam, mitunter daramtisch, und immer wieder lebensfroh führt Neidhardt den Leser im Hospiz herum und füllt diesen Ort mit Leben, Freundschaften und sogar manch kleiner Freude.

Ein Buch zum Verlieben

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Anne de Walmont: Und an den Rändern nagt das meer. Sieben Monate auf der Vogelinsel Trischen, Knesebeck Verlag 2021 € 20,00

Gerade für diejenigen, welche sich bisher weder für das Wattenmeer noch für Vögel erwärmen konnten, wird dieses Buch mehr als ein unerwartet guter Urlaub werden, aus dem sie glücklich, erfüllt und erholt wieder zurückkommen werden. Anne de Walmont, Musikwissenschaftlerin, Damenschneiderin und Ornithologin nimmt ihre Leser*innen mit an einen Sehnsuchtsort, an dem uns sofort die Kraft und Schönheit der Natur umfängt: Der Vogelschutzinsel Trischen.

In Amsterdam und Surinam

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Ruth Kornberger: Frau Merian und die Wunder der Welt, C. Bertelsmann 2021 € 20,00

Ein Roman über einen entscheidenden Lebensabschnitt der Maria Sibylla Merian: nach der Trennung von ihrem Ehemann 1685 lebte sie mit ihren beiden Töchtern 6 Jahre lang bei der niederländischen Sekte der Labadisten. Hier wurde ihre Kunst kaum gewürdigt und so zog sie nach Amsterdam, wo sie vielerlei Kontakte knüpfte, Unterricht gab und ihre Zeichnungen verkaufen konnte. Mühsam ersparte sie das Geld für die ersehnte Reise nach Surinam, für sich und ihre jüngere Tochter. Zwei Jahre lebten, sammelten und zeichneten sie dort Raupen, Schmetterlinge und Pflanzen. Wieder in Amsterdam hatte Maria Sibylla Merian ihre erste öffentliche Ausstellung. Der Roman erzählt lebhaft von den Lebensbedingungen um 1700 an diesen unterschiedlichen Orten, basiert  auf biografischen Daten und bindet wahre Personen und Orte ein. Umrahmt werden diese von der schön zu lesenden Fiktion einer Liebesbeziehung der Künstlerin mit einem attrktiven Mann, der auch das Abenteuer liebt und sie immer wieder zu finden weiß. Ein Buch zum Versinken in eine außergewöhnliche historische Lebensgeschichte!

Perfekte Unterwegs-Lektüre

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Luciana Rangel: (fast) alles in Ordnung - está (quase) tuto bem, Hagebutte Verlag 2021 € 15,00

„Mein Leben ist wie ein Flickenteppich aus verschiedenen Stoffresten, und ich mag es so. Der einzige Teil, der nicht zusammengeschustert sein darf, sondern aus einem Stück sein muss, ist der innere Frieden. Es muss groß genug sein, um die ganze Familie einzukleiden und aus dem Rest etwas für Freunde zu schneidern.“ Zitat: Rangel, (fast) alles in Ordnung, Hagebutte Verlag
Dicht am eigenen Herzschlag führt die in Brasilien geborene und in Deutschland lebende Journalistin Luciana Rangel ihre Leser*innen in 19 Crônicas, typisch brasilianischen Kurztexten, in ihre zwei Lebenszentren: Rio de Janeiro und Berlin. Im tropisch warmen, die familiäre Sehnsucht stillenden Rio wohnt ihre Vergangenheit, 10.000 Kilometer weiter, im frostigen, gerade das Leben erfüllende Berlin, ihre Gegenwart. Rangel jongliert mit der unterschiedlichen Lebendigkeit an diesen Orten und spürt dem Gefühl von Freiheit nach. Mehr als einmal werden Koffer gepackt und kostspieliges Übergewicht, Hab und Gut, zurück gelassen. Emotionen reisen überall hin und sie wiegen. Nach zehn Jahren Abwesenheit zurück in der neuen alten Heimatstadt Rio loten Rangels Betrachtungen ihre Vergangenheit aus, das Verhältnis zum Vater, dem sie eine bewegende Hommage schreibt.

Wendepunkte im Leben

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Birgit Müller-Wieland: Vom Lügen und vom Träumen. Roman in sechs Geschichten, Otto Müller Verlag 2021, € 22,00

Birgit Müller-Wieland, Autorin von Flugschnee, hat wieder einen unglaublich dichten und intensiven Roman geschrieben. Sie erzählt in sechs Geschichten, die untereinander fein verwoben sind, von Frauen und Männern, die Wendepunkte in ihrem Leben ereilen. Diese stellen eine große Herausforderung für sie dar. Sie durchleben Trennung nach vielen Ehejahren, unerfüllte Sehnsucht nach Vaterschaft, Alltag in der DDR und exotischer Ferne, Suche nach dem Vater, Mißbrauch, Mutterschaft ohne Partner - aber auch tiefes Vertrauen und Auffangen, Seelenverwandschaft, Mutterglück, Freundschaft und Loyalität. Birgit Müller-Wieland gelingt es, diesen tiefen Gefühlen in einer faszinierenden Sprache ausdruck zu verleihen. Das Buch hat mich sehr beeindruckt und ich hätte einige der Personen gerne noch über weitere Erlebenszeit begleitet.

München, Mitte der 60er Jahre

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Claudia Kaufmann: Das Fräulein mit dem karierten Koffer, Fischer 2021, € 11,00

Sabine ist gerade 19 und die Aufforderung, anständig zu sein, hat ihre ganze Erziehung geprägt. Das Gymnasium blieb ihr verwehrt, nun arbeitet sie als Sekretärin. Bei ihrem ersten Abend in einem Tanzlokal lernt sie Michael kennen, einen Industriellensohn. Alles scheint möglich in der Verliebtheit der beiden. Doch als Sabine schwanger wird sind weder ihr Freund noch ihre Mutter für sie da, alle Träume zerplatzen. Einzig die Mutter ihrer Freundin steht zu ihr und unterstützt sie, Sabine wird in ihrer schwierigen Situation als unverheiratete Schwangere und Mutter erstarken und für Selbstbestimmung und Unabhängigkeit kämpfen. Für den Leser wird  die Stimmung der 60er Jahre aus vielerlei Blickwinkeln sehr nachfühlbar und das emotionale Auf-und Ab der jungen Protagonistin verführt zum Immerweiterlesen und Abtauchen in diese Zeit.

Nebeneinander und Miteinander

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Astrid Rosenfeld: Die einzige Strasse, Kampa Verlag 2021, € 18,00

Sechs Bungalows in Virginia - es hätte eine Hotelanlage werden sollen, nun leben hier Menschen, denen das Leben bisher nicht gut mitgespielt hat. Ein Kriegsveteran, zwei alte Schwestern, eine Familie mit zwei Kindern, eine Mutter mit Sohn und eine alleinlebende Frau. Es ist ein Nebeneinander aber doch auch ein Miteinander, Enttäuschung und Hoffnung liegen in der Luft. Sehnsüchte verführen zu Wagemut. Es sind kleine Begebenheiten, die uns diese Menschen nahebringen und uns hoffen lassen, sie mögen gute Wege finden.

Quer durch Amerika

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Hernan Diaz: In der Ferne, Hanser Berlin 2021, € 24,00

Hakan ist ein Kind, als er mit seinem älteren Bruder Linus von Schweden nach New York aufbricht. In der Hektik des englischen Hafens von Portmouth verlieren sich die beiden. Der englischen Sprache nicht mächtig gerät Hakan auf ein Schiff nach San Francisco. Sein einziges Ziel ist es nach Osten, nach New York zu kommen und dort den Bruder zu finden. Er durchquert weite Strecken des Landes, teils in Begleitung, oft allein. Er lebt mit einem Goldgräber und dessen Familie in freier Natur, gerät in Gefangenschaft, lernt von einem Forscher viel über den menschlichen und tierischen Körper. Er gerät in lebensbedrohliche Situationen verschiedenster Art und wird, groß gewachsen  und umhüllt von einen selbst genähten Mantel aus Fellen aller erdenklichen Tiere zu einer Legende im Kalifornien des Goldrausches werden. Während seine Geschichte in aller Munde ist lebt Hakan in innerer und größtenteils auch äußerlicher Einsamkeit in diesem ihm fremden Land mit fremder Sprache, unendlicher Weite und klimatischen Extremen fernab der Zivilisation. Ein eindrucksvolles Portrait Amerikas, eine ungewöhnliche Lebensgeschichte, die in ihren Extremen fasziniert.

Feinfühlend-frech

wagner

David Wagner: Der vergessliche Riese, Rowohlt € 12,00

In dieser sehr gelungenen Autofiktion erzählt David Wagner von den Besuchen bei seinem dementen Vater. Diese entbehren nicht einer gewissen Komik, wenn immer gleiche Fragen gestellt werden, Zusammenhänge nicht mehr bewusst sind. eben Geschehenes gleich wieder vergessen ist. Der Charakter des Vaters ist erspürbar, manchmal ist interessantes Spezialwissen da, bei Vater und Sohn tauchen Erinnerungen an vergangene Zeiten auf.  Der Sohn ist geduldig, liebevoll und manchmal auch feinfühlend-frech, was der eigentlich traurigen Situation Leichtigkeit gibt. Manches Mal ist dem Vater das Vergessen bewusst, aber es scheint ihn nicht wirklich zu betrüben - das Leben ganz in der Gegenwart hat auch etwas Befreiendes. Ein Buch, das berührt aber nicht belastet, das Mut macht und Hoffnung gibt, selbst in vergleichbaren Begegnungen zu einem guten Umgang zu finden.

Sizilien pur

ranno

Tea Ranno: Agata und ihr fabelhaftes Dorf, Nagel & Kimche 2021, € 23,00

Ein kleiner Ort mit dem Bürgermeister und seinen Gefolgsleuten aus dem mafiösen Milieu und dem Tabacchere, der sich dem widersetzt und als Kommunist gilt. Zudem gehört diesem ein Haus außerhalb mit einem Stück Land, das er mit Blumen und Obstbäumen in ein wahres Paradies verwandelt hat. Dieses möchte sich der Bürgermeister unter den Nagel reißen, dort eine Mülldeponie errichten um sich zu bereichern. Als der Tabacchere plötzlich verstirbt scheint es ein Leichtes, seine Witwe zu überrumpeln. Weit gefehlt: Sie hat eine unkonventionelle und menschliche Art, sich mit anderen Dorfbewohnern zu verbinden. Sie eröffnet anderen Chancen und erfährt deren Unterstützung. Eine turbulente Dorfkomödie, bei der sich die unterschiedlichsten Emotionen Bahn brechen und ungeahnte Wege aufzeigen.

Zwei Menschen auf Kollisionskurs mit dem Leben

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Delphine de Vigan: Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin, DuMont Taschenbuch 2021 €12,00

Jedes Buch von Delphine de Vigan ist auf seine Weise besonders: Besonders menschlich, besonders ehrlich, besonders aufrüttelnd.  In dem vorliegenden Buch, das bereits 2009 im Französischen erschienen ist, rückt die Autorin zwei Menschen in den Mittelpunkt, die man durch einen Tag begleitet, der sie bis an den Rand der Erschöpfung bringt, und letztlich zu einer Beinahe-Begegnung führt. Mathilde, 40 Jahre, Witwe, 3 Kinder, erfolgreich Im Job, wurde im Lauf der vergangenen Monate von ihrem Chef auf subtilste Weise aus ihrer Position gedrängt. Thibault, 43 Jahre, Arzt, im Notdienst unterwegs, fährt quer durch Paris und leidet unter dem Mangel an allem. Beide sind sich bewusst, dass sie so nicht weiter machen können oder wollen. Beide sind auf ihre Weise Kämpfer und müssen sich an einem entscheidenden Punkt eingestehen, dass sie eben doch verwundbar sind.

Wenn die Natur lockt

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Raynor Winn: Wilde Stille, DuMont Verlag 2021 €16,95

Das neue Buch der Nature-Writing Autorin Rynor Winn konnte mich auf seine ganz eigene Weise wieder begeistern. Erneut schenkt uns die Autorin einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben und knüpft dabei unmittelbar an das erste Buch  "Der Salzpfad" an, da die Leser unter anderem erfahren, wie dieses Buch geschrieben wurde. Sprich die Leser sind hautnah am Befüllen der Seiten dabei. An den Beweggründen der Autorin, die inzwischen mt ihrem Mann Moth das Leben einer Sesshaften in einem kleinen Dorf lebt, das Buch zu beginnen. Am intensiven Verabschieden ihrer Mutter. An ihren Ängsten um die sichtbaren Folgen der Krankheit bei ihrem Mann. Und letztlich auch an der Sehnsucht nach dem South West Coast Path, dem Einssein mit der Natur, dem Laufen, dem Unterwegs sein. All das zusammen genommen bringt Rynor und Moth dazu, wieder ein neues Wagnis einzugehen. Mit der Pacht einer Farm. Und mit einem neuen Trail, dem Laugavegur Trail in Island. Endlich, im letzten Drittel des Buches, sind die Leser wieder unterwegs, ihre Herzen klopfen, die Augen sehen und die Lippen schmecken ... ein Buch, das sich am Schönsten im Freien liest.

Interkulturelles Liebeschaos

jodl

Angelika Jodl: Laudatio auf eine kaukasische Kuh, Eichborn Verlag 2021, € 18,00

Die angehende Ärztin Olga steht plötzlich zwischen zwei Männern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Dem einen gehört ihr Verstand, dem anderen ihr Herz - wogegen sie sich lange standhaft zu wehren versucht, Der Fantasiereichtum von Jakob, genannt Jack, der nichts unversucht lässt, um Olga für sich zu gewinnen, gibt der Geschichte herrliche Wendungen. Nach ersten Jahren in Georgien und weiteren in Griechenland kam Olga mit 11 Jahren mit ihrer Familie nach München. Der georgische Hintergrund und eine Reise nach Tiflis geben interessante Einblicke in Mentalität und Lebensweise. Ein Roman, der mitfühlen lässt, der Spaß macht,  Kulturen verbindet,  angenehm unterhält und unbedingt auf ein Happy End hoffen lässt.

Weltmüdigkeit und Lebenslust

berg

Ivica Prtenjaca: Der Berg, Folio Verlag 2021, € 22,00

"Ich" ist ein Mann unbestimmten Alters, der seines Arbeitslebens in der Kunstszene Zagrebs überdrüssig geworden ist und eine tiefe Weltmüdigkeit empfindet. Das veranlasst ihn, für drei Monate als Brandwächter auf einer kleinen Adriainsel anzuheuern. Er stellt sich seinen Ängsten und Fragen an das Leben. Einzig begleitet von einem altersschwachen Esel und einem zugelaufenen Hund haust er in der hochgelegenen Bergwarte. Auf seinen Rundgängen spürt er sich selbst, bemerkt eine zunehmende Stärke und neue Wachsamkeit all seiner Sinne. Die Touristen, denen er hin und wieder begegnet erstaunen ihn in ihren Eigenarten; näher fühlt er sich den Inselbewohnern, denen das Kriegserleben noch in den Knochen steckt. In einer teils genau beschreibenden, teils poetischen Sprache erzählt der kroatische Autor Ivica Prtenjaca von dem Wandel dieses Mannes, der in der Wildnis Mut für ein Leben unter Menschen findet.  Ein sehr besonderes Buch!

Viva Venezia!

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Michael Dangl: Orangen für Dostojewski, Braumüller Verlag 2021, € 24,00

Wer in Gedanken durch das Venedig von 1862 spazieren möchte, ist in diesem Buch genau richtig. Noch dazu sieht er/sie die Stadt durch die Augen eines bekannten Mannes: Dostojewski. Er, dem nach großem Erfolg in Russland zehn Jahre Publikationsverbot auferlegt worden waren, befindet sich nun am letzten und lang ersehnten Ort seiner Reise durch West-Europa. Seine Melancholie und auch eine gewisse Zwanghaftigkeit machen es ihm schwer, sich der lebhaften und lebensfrohen Mentalität der Italiener zu nähern. Erst, als er durch Zufall den wesentlich älteren, welterfahrenen, geselligen und genießenden Rossini begegnet und eine vorsichtige Freundschaft entsteht, wandelt sich auch seine Wahrnehmung. Auch, wenn  der Autor diese Begegnung zugegebener Maßen erfunden hat: Lesevergnügen ist sie allemal!

Fragen zur Weiblichkeit

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Linn Stromsborg: Nie Nie Nie, DuMont Verlag 2021, € 20,00

Die ehrliche und intensive Auseinandersetzung einer 35jährigen Frau mit der Frage, ob sie sich selbst treu bleiben kann und darf oder den gesellschaftlichen Erwartungen an sie als Frau und damit auch potentieller Mutter nachgeben soll. Schon früh hat sich für die Erzählerin herauskristallisiert, dass sie ein Leben ohne Kinder führen möchte. Damit schreckt sie so manchen Partner ab. Nur Philip bleibt. Mit ihm führt sie das Leben, dass sie sich vorgestellt hat: Spontan, lebendig, neugierig auf das Leben und mit einem bewegten Nachtleben. Rundum bekommen die Frauen Kinder, werden Freunde zu Eltern, warten Mütter auf Enkel, doch die Erzählerin will sich nicht rechtfertigen. Tut es dennoch in ihren inneren Monologen auf eine distanziert emotionslose Weise, und trifft den Leser dabei mit voller Wucht. Dann aber wird die beste Freundin schwanger und Philip hält die Gewissheit, nie eine Familie gründen zu können, nicht aus. Er hofft, hadert, geht und kommt wieder. Vieles ist in dieser Geschichte möglich oder auch nicht. In schlichter, klarer Sprache folgt der Leser der Gedanken- und Gefühlswelt der Erzählerin, bekundet mal Sympathien und mal Unverständnis, empört sich bisweilen, lässt sich aber durchaus auch beeindrucken. Über das Frau sein, die Weiblichkeit und Elternschaft.

Erinnerungsschätze

schenk

Sylvie Schenk: Roman d`amour, Hanser 2021, € 18,00

Ein Frage-Antwort-Spiel und Erinnerungsschätze: In dem Roman von Sylvie Schenk wird eine Autorin interviewt. Fragende und Antwortende sind Frauen und ihre Gedanken kreisen nicht nur um den Roman sondern auch um eigenes Erleben. Dreiecksbeziehung, heimliche Liebe, intensive Urlaubswochen miteinander, losgelöst von allen Verpflichtungen. Wann sind es wahrhafte Erinnerungen, wann ist die Geschichte erdacht? Emotional dicht in der Frage nach dem Recht auf Liebe allen Konventionen zum Trotz, in dem Bewusstsein nach dem gleichzeitigen Empfinden von Abhängigkeit und Freiheit und in dem Nachspüren der Intensität eines Liebesabenteuers. EIne interessante literarische Auseinandersetzung zum Thema Liebe.

Zwischen Familienglück und Familiendrama

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Ashley Audrain: Der Verdacht, Penguin Verlag 2021 €22,00

Das Buch hat mich eine Nacht gekostet, eine Nacht, in der ich mich wie eine Voyeurin im Leben der jungen Blythe, Ehefrau und Mutter, eingenistet und mit ihr all die Schrecken und Ängste durchlebt habe. Zurecht hat das Debüt der kanadischen Autorin bereits im Vorfeld für große Aufmerksamkeit gesorgt. Der Roman liest sich so spannend wie ein Krimi, so verstörend wie ein Psychothriller, und zwingt den Leser dazu, Partei zu ergreifen: Für oder gegen die junge Mutter, die von ihrer eigenen Familiengeschichte her traumatisiert ihre eigene neugeborene Tochetr nicht annehmen kann. Ihr Mann wünsccht sich die perfekte Familie und Blythe setzt alles daran, diesen Wunsch zu erfüllen. Doch zwischen Mutter und Tochter wird von Anfang an ein Riss entstehen, eine Kluft, die man von außen nicht sehen kann. Doch es macht etwas mit der kleinen Violet, die von dem Vater abgöttisch geliebt wird, und der Mutter misstrauisch begegnet. Das, was Blythe in ihrer Tochter glaubt zu sehen, ist zu monströs, um es in Worte zu fassen. Als ihr Sohn Sam auf die Welt kommt, erlebt sie endlich wahre Muttergefühle, und das nimmt das kleine Mädchen sehr wohl wahr. Aber sind Kinder zu Rache fähig? "Der Verdacht" ist ein schnungslos ehrliches Buch, mitreissend und zugleich schockierend. Und das bis auf die letzte Seite.

Frau und Mutter

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Judith Vanistandaele: Penelopes zwei Leben, Reprodukt 2021 € 20,00

Ohne Worte tauchen wir in das Kriegsinferno in Aleppo, in dem Penelope seit Jahren als Ärztin arbeitet und versucht, Leben zu retten. Wenige Worte reichen, um in die Seele der Frau und Mutter zu dringen, wenn sie für kurze Zeit zu ihrer Familie heimkehrt. Die Welten kommen nicht mehr zueinander. Sie wird geliebt, doch Sprachlosigkeit und  Zerrissenheit greifen Raum. Das Leben daheim hat lang schon seine eigene Dynamik entwickelt ebenso wie sich eine seelische Verwundung Penelopes manifestiert. Der starke Aquarellstrich drückt  aus, für das es keine Worte gibt. Beeindruckend berührend erzählt Vanistandaele von starken Momenten eines Frauenlebens, von Mann, Tochter, Mutter Schwester und einer Arbeit, die alles fordert.

Geliebtes, gelebtes Miteinander

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Kerstin Campbell: Ruthchen schläft, Kampa Verlag 2021 € 20,00

So wünschen es sich viele von uns: Dass sich im Alter eine Lösung findet, im vertrauten Zuhause bleiben zu können, mit Nähe zur nächsten und übernächsten Generation. In diesem Roman, der hauptsächlich von den Bewohnern eines Altbaus in Berlin erzählt, gelingt es. Was nicht ausschließt, dass auch hier nicht alles glatt läuft: Verlassensein, Verpflichtungsgefühl, Unfälle und emotionale Zerrissenheit spielen auch hier mit. Und Ruthchen, die Katze auf dem Cover, hat eine entscheidende, teilweise skurrile  Rolle. Ein unterhaltsam zu lesender Roman, der den Leser mit einem hoffnungsvollen Gefühl zurücklässt.

Die Bücherfresser im Interview mit Kirsten Boie zu Dunkelnacht

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In ihrem neuen Roman Dunkelnacht erzählt Kirsten Boie von Morden, die Menschen zwei Tage vor Kriegsende in Penzberg aneinander verübt haben, obwohl sie einander kannten und miteinander lebten. Überzeugend und Gedanken anregend, so meinen die Bücherfresser, hat Kirsten Boie diesen erschütternden Teil unserer Geschichte für Jugendliche (und Erwachsene) in Szene gesetzt. Wir wollen mit ihr über ihre Recherche und die Umsetzung dieser Ereignisse ins Jugendbuch diskutieren. Auch die Frage, was ein Jugendbuch zu einem Jugendbuch macht, möchten wir mit der Grand-Dame der Kinder- und Jugendliteratur erörtern. Interessierte Zuhörer*innen jeden Alters sind herzlich gerne dazu eingeladen. Diese Veranstaltung ist keine Lesung.

Thema: Bücherfresser mit Kirsten Boie - DUNKELNACHT
Uhrzeit: 3.Mai.2021 06:30 Einlass: 18:25 Uhr
Zoom-Meeting beitreten
https://us02web.zoom.us/j/82954068473?pwd=RklpeEMySGJwSmN1K0tHRUJxZEI0QT09

Meeting-ID: 829 5406 8473
Kenncode: 851213

Erschütternder Teil unserer Geschichte

Kirsten Boie: Dunkelnacht, Oetinger Verlag 2021 € 13,00

Penzberg, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges: Es scheint Hoffnung zu geben. Im Radio hört man von der Befreiung Münchens. Lange kann es nicht mehr dauern bis die Alliierten auch Penzberg erreichen werden. Dies veranlasst den ehemaligen Bürgermeister dazu, seinen alten Posten wieder zu übernehmen und die Bürger*innen auf die baldige Befreiung Penzbergs vorzubereiten. Zeitgleich gibt es aber noch genügend, die bis zum letzten Mann gegen das Ende des Krieges und die Befreiung der Stadt kämpfen wollen. Und es dauert nicht lange, bis die beiden Fronten aufeinanderprallen. Mitten in diesem Chaos befinden sich Marie, Schorsch und Gustl, die sich nebenbei auch noch mit ihrer Liebesgeschichte rumschlagen müssen.