Osterspecial: In die Seele geschaut -signierte Biografien von Alois Prinz

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Alois Prinz: Dietrich Bonhoeffer. Sei frei und handele! Insel TB 2020, € 10,00

Signierte Exemplare sind nur telefonisch oder über eine Mail an den Buchpalast erhältlich!
Die Erkenntnis, so meinte Bonhoeffer, wird in der Existenz begründet. Im Angesicht nationalsozialistischer Verrohung und Unmenschlichkeit sah er sich gezwungen, sein christliches Denken mit politischem Handeln abzuwägen. Die Freiheit, die Bonhoeffer zu suchen begann, musste eine personelle sein. Begierig folgen wir der Suche nach dieser Freiheit Bonhoeffers Lebensweg, den Prinz aus einer Vielzahl von Schriften, unzähligen Briefen und Gedichten lebendig werden lässt, hin zu Bonhoeffers zentraler Frage: „Wer hält stand? Und warum?“ Eine Frage, die an Aktualität nichts eingebüßt hat. Bonhoeffers große denkerische Eloquenz und seine konsequente Verschriftung dieser Gedanken, nicht zuletzt seine Liebesbriefe aus der Gefangenschaft, geben dem Biografen kostbares Material an die Hand, aus dem er sorgsam auszuwählen und zu fokussieren versteht. Diese Biografie wird schnell zu des Lesers Sache, ganz egal wie nah oder fern er dem christlichen Glauben steht. Ein Hochgenuss! Ausgezeichnet mit unserer Palastschatzkrone. Mehr.... Katrin Rüger

Von lauten und leisen Tönen einer Freundschaft

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Tessa Hadley: Zwei und zwei, Kampa Verlag 2020, € 22,00

Zwei Freundinnen, die durch dick und dünn gehen und nicht unterschiedlicher sein könnten. Als sie im Studium den Literaturprofessor Alex begegnen, versteift sich Lydia darauf, ohne ihn nicht leben zu können. Obwohl Alex verheiratet ist, drängt sie sich in dessen Leben. Christine unterstützt die Freundin trotz gewisser Vorbehalte. Sie, die Stillere und Nachdenkliche, wird von Lydia kurzerhand mit Alex Freund Zachary verkuppelt, damit die Welt wieder in Ordnung ist. Zwei und Zwei ... und doch beginnt das Buch mit dem Tod von Zachary und der Frage, was es mit den anderen Dreien macht. Als Leser hält man nicht mit seiner Empörung zurück: Wie kann Lydia nur die Ehe von Alex auseinander bringen, um dann Zachary zu heiraten! Aber auch hier fügt sich alles wieder, denn Christine wird Alex heiraten. Zwei und zwei, beide Paare haben eine inzwischen erwachsene Töchter, als Zachary stirbt. Während der Verlust von den Zurückgebliebenen verarbeitet wird - und das auf ganz unterscheidliche Weise - rücken Lydia und Alex zusammen, während Christine am Ende allein zurück bleibt. Zwei und eins, das kann nicht gut gehen, wer hätte das geahnt.  Eine moderne, vielschichtige Ehe- und Freundschaftsgeschichte, deren Faszination darin liegt, dass man immer wieder auf das stößt, was hätte sein können und nie laut ausgesprochen wurde. Zwei und zwei hat sich beim Lesen darum oft ganz anders angefühlt.

Stimmiger literarischer Spot auf die Gegenwart

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Leif Randt: Allegro Pastell, Kiepenheuer & Witsch, 2020 € 22.-

Sie passen perfekt zusammen die 26-jährige Berlinerin Tanja Arnheim, die mit ihrem Roman "Panoptikum-Neu", der Shootingstar in der jüngeren Literaturszene ist und der 33-jährige Jerome Daimler, der im Speckgürtel Frankfurts im Bungalow seiner Eltern wohnt. Als erfolgreicher Webdesigner hat er ausgesorgt. Gutaussehend und erfolgreich jetten sie zwischen den angesagten Szenen Frankfurts und Berlins hin und her und sind in ihrem virtuellen Dasein zuhause. Alle Erlebnisse und Begegnungen werden reflektiert und genauestens kommentiert, denn das Leben will gut überlegt sein. Wohldosierte Alkohol- und Drogenerlebnisse, wichtige Freundschaften, Sex, hippe Sportschuhe und Fake-Markenprodukte werden clever social media tauglich inszeniert, nur kein Anecken, alles in Pastell und Allegro bitte!

Heimat im eigenen Körper finden

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Sophie Reyer: Zwei Königskinder, Czernin Verlag 2020 € 20.-

Heimat in eigenem Körper finden: Als die Augen der 13- jährigen Käthe, ihre scheuen Sehnsüchte und Wünsche, immer enger um Johanna zu kreisen beginnen, bleibt sie auf sich selbst gestellt. Reyer inszeniert Käthes Höllen- und Höhlenfahrt mit voller Wucht, seelisch schmerzvoll und verzaubernd zart. Die alte Frage, worum es im Leben geht, scheint in diesem sprachlich brillierenden Text wie neu.

Aus dem echten Leben

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Anna Hope: Was wir sind, Hanser Verlag 2020 € 22.-

Was sind wir? Und was ist aus dem Menschen geworden, der wir sein wollten? Die Freundinnen Hannah, Cate und Lissa sind Mitte dreißig. Einst bewohnten Sie ein altes Haus mitten in London und erlebten ihre aufregende Collegezeit zusammen. Mittlerweile wohnt nur noch die schöne Lissa dort. Sie, der alles in den Schoß zu fallen schien, hadert nicht nur mit ihrer schleppenden Schauspielkarriere. Ganz anders als die erfolgreiche Hannah, die mit ihrer großen Liebe verheiratet ist, ein Bilderbuchleben zu führen scheint, jedoch nicht schwanger wird. Und Cate, die dritte im Bunde, findet sich mit chronischem Schlafmangel, Mann, Kleinkind und einer Schwiegermutter in einer Kleinstadt wieder und weiß nicht mehr, was sie selbst ausmacht. Ihre Lebenswege haben sie voneinander entfernt und nicht nur in ihrer Freundschaft stellt sich die Frage: Was wollen wir, was können wir sein? Anna Hope gelingt es mit ihrer lakonischen Sprache ganz beiläufig mit Empathie und Humor die Hoffnungen, Stärken und Schwächen jeder Einzelnen und die Widrigkeiten der Lebenswege scharfsinnig zu beobachten. „Was wir sind" ist Unterhaltungs - Literatur im allerbesten Sinne des Wortes, mitreißend, mitfühlend und mit geschärften Blick fürs Leben! Mehr kann man sich nicht wünschen! Anne Brieger

Ein berührendes Abschiednehmen

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Friederike Wagner mit Alfred Komarek im Bücherbus am Wiener Platz. Foto © Viktoria Schindler

Delphine de Vigan, Dankbarkeiten, Dumont 2020 €20,00

So schmerzlich der Prozess des Alterns und Vergessens ist, so großartig hat die Autorin dies in ihrem neuen Buch vertextet. Michka, einst Lektorin eines großen Verlages und versiert im Umgang mit der Sprache, spürt, wie ihr zunehmend die Wörter in ihrem Denken  entgleiten. Wortverdreher, scheinbare Versprecher, quälende Suche nach den richtigen Worten gehören zum Alltag der alten Frau. Zwei junge Menschen werden sie während dieses Prozesses begleiten. Mit Marie verbindet sie eine gemeinsame Vergangenheit, denn Michka hat Marie als kleines Kind in schweren Zeiten ein Heim und Nähe angeboten. Jérome hingegen ist Michkas Logopäde, der unermüdlich mit ihr im Altersheim, in das sie notgedrungen umziehen musste, übt, den Prozess des Vergessens zu verlangsamen. Doch auch Jérome weiß, dass er den Kampf dagegen schon bald verlieren wird. Die Dankbarkeiten ziehen sich wie ein roter Faden und auf unterschiedlichen Ebenen durch das schmale Buch: Im Zurückgeben von Nähe und Zeit, im Aufarbeiten einer alten Schuld, im Erkennen der Geduld des gegenüber. Der Leser erfährt zärtliche wie traurige Momente, aufrichtige Sorge genauso wie Hilflosigkeit, und zuletzt auch ein menschlich zu bewältigendes Ende eines ganzen Lebens. Für mich ist dieser Roman von Delphine de Vigan wie jedes ihrer Bücher im wahrsten Sinne ein Geschenk, für das ich als Leserin dankbar bin. Marion Hübinger

Unter Engländern – ein Gesellschaftsroman

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Jonathan Coe: Middle England, Folio Verlagsgesellschaft 2020 € 25,00

Wer sich in das Lebensgefühl der 2010 - 2018er Jahre in England einfühlen möchte, sollte den neuen Roman von Jonathan Coe lesen. Dieser zeigt über seine Protagonisten die verschiedenen Sichten auf die Veränderungen in der Gesellschaft und die Reaktionen darauf. Wo dem einen die alte Tradition, wie zum Beispiel die nun verbotene Fuchsjagd fehlt, ist dem anderen die Rechtmäßigkeit der Ehe unter Homosexuellen noch lange nicht fortschrittlich genug. Die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 weckt ungeahnten Nationalstolz, 2018 erschrecken Angriffe auf Ausländer, die sich vorher gut integriert und akzeptiert fühlten. Das Referendum entscheidet für den Brexit und eigentlich heimatliebende Briten verlassen ihr Land. Dies sind nur einige Aspekte des vielfältigen Gesellschaftsporträts, das in diesem Roman gezeichnet wird. Es wird geliebt, getrennt, gearbeitet und geschrieben in der Middle Class in Middle England und Jonathan Coe verknüpft eine Vielzahl von Lebenswegen zu einem unterhaltsamen und eindrucksvollen Werk.

Der kleine Mensch im großen Staat

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Sasha Filipenko: Rote Kreuze, Diogenes Verlag 2020 € 22,00

Ein junger Mann und eine alte Dame werden neue Nachbarn in Minsk. Stück für Stück erzählen sie sich von den Dramen in ihren Leben. Auf der einen Seite Krankheit, schmerzlicher Verlust eines geliebten Menschen und Neuanfang, auf der anderen die Auswirkungen des russischen Systems unter Stalin und danach: Trennung, Gefangenschaft, Schuldgefühl, Ungewißheit und bittere Erkenntnis. Neben den persönlichen Lebensgeschichten erzählt der Roman über die Ignoranz der russischen Regierung gegenüber ihren gefangenen Soldaten im 2.Weltkrieg, Originalschriftstücke fließen in die Romanhandlung ein. Eine erschütternde historische Geschichte, die das fühlende Individuum dem kalten Staatsapparat gegenüberstellt, während gleichzeitig das heutzeitige, generationsübergreifende Verständnis Hoffnung weckt.

Doch noch entdeckt!

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Georg M. Oswald: Vorleben, Piper Verlag 2020 € 22,00

Die Journalistin Sophia kommt von Berlin nach München, um das Programmheft des staatlichen Symphonieorchesters zu konzipieren. Gleich nach der ersten Begegnung beginnen Sophia und der ältere Cellist Daniel eine leidenschaftliche Beziehung. Wenn er bei ihr ist, fühlt Sophia sich in seiner Wohnung zuhause, ist er fort, tauchen Fragen und Zweifel auf. Was weiß sie eigentlich über sein Vorleben? Warum spürt sie eine unsichtbare Grenze auf der Schwelle zu seinem Arbeitszimmer? Die Journalistin in ihr kann nicht anders, als einem kleinen Hinweis nachzugehen und dieser führt sie zu einer Geschichte, die sie atemlos weiterforschen lässt. Wenn man diesen Roman liest, meint man, es sei eine wahre Geschichte, die sich da im Münchner Glockenbachviertel zugetragen hat!

Sprache finden

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Helene Adler: Die Infantin trägt den Scheitel links, JungundJung Verlag 2020 € 20.-

Die Infantin ist ein Bauernkind. Adlers Ich-Erzählerin, die im Laufe des Romans zur jungen Frau heranwachsen und selbst zur Mutter werden wird, hat es faustdick hinter den Ohren. Sie ist aufgeschlossen, hemmungslos, freiheitsliebend und rachewütig. Aber auch zart, anhänglich, liebesuchend und schuldempfänglich. Schauplatz ist das urgroßväterliche Anwesen, ein alter Bauernhof oberhalb des Dorfes, am Berg gelegen.

Berührende Kindheit im Werdenfelser Land

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Michael Frank: Schmalensee, Picus Verlag 2020 € 22.-

Die Holzbaracken von Schmalensee lagen verstreut am Fuße des Karwendels, im Voralpenland um Mittenwald. Sie waren die ehemaligen Unterkünfte des Reichsarbeitsdienstes. Als Jüngster und achtes Kind wurde Michael Frank dort in eine Großfamilie hineingeboren. Ein Nachkriegskind. Die Lebensverhältnisse seiner Familie waren sehr bescheiden, streng katholisch und von wilder Natur umgeben. Der Vater, ein angesehener Instrumentenbauer, die Mutter, eine von der Arbeit für die Familie vollkommen besetzte, zurückhaltende Frau.

Auf der Suche nach Leben

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Felicitas Korn: Drei Leben lang, Kampa Verlag 2020 € 22.-

Ersehnt, gelebt, verlebt: Drei Lebenssituationen an einem Scheitelpunkt: das Ältere von zwei Geschwistern nach dem Unfalltod der Eltern, ein Drogendealer in der Blüte seiner Gier, und ein Alki kurz vor seinem selbstherbeigetrunkenen Ende. Kann es von hier aus noch weitergehen? Und wenn ja wie und zu welchem Preis? Die drei Geschichten spielen sich auf engem Raum ab, rund um Frankfurt und im Taunus.  Michi und Xandra kämpfen mit den Tränen und einem Trauma. Den Verlust will Michi nicht an sich heranlassen.  Das soziale Netz, in das die Kinder fallen wird mechanisch abgearbeitet. Für echte Zuwendung, Verständnis und Wärme  findet sich niemand. So entwickelt der 14-jährige Junge eigene Strategien zur Selbsthilfe. Und diese sind nicht immer gesetzeskonform.

Berührende Frauenschicksale

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Laetitia Colombani, Das Haus der Frauen, Fischer Verlag 2020 € 20,00

Zwei Geschichten, zwei Schicksale, die unähnlicher nicht sein könnten. Dennoch verbindet beide ein Haus in Paris, genannt der "Palast der Frauen". Entgegen aller Widrigkeiten kämpft Blanche Peyron, führende Kommissärin der französischen Heilsarmee, in den Zwanziger Jahren gegen die Armut auf der Straße. Ihrem Engagement ist es letztlich zu verdanken, dass der "Palais de la Femme" - ein Haus für Frauen, die einen geschützten Raum im Leben brauchen, - mithilfe von Spendengeldern und politicher Unterstützung realisiert werden kann. In genau diesem Palais wird die engagierte Anwältin Solene nach einerm traumabehafteten Burn Out wieder ihre ersten Gehversuche machen: sie arbeitet ehrenamtlich für einen Verein als Schreiberin. Jeden Donnerstag besucht Solene die Frauen im Palast, und mit ihr wird der Leser eine Geschichte der Bewohnerinnen nach der anderen erfahren. Kein Schicksal der Frauen verschiedener Herkunft und Nationalität ist leicht zu verdauen, doch am Ende weiß Solene genau wie ihre Mitstreiterin fast 100 Jahre zuvor, wofür es sich wirklich zu kämpfen lohnt. Ein zutiefst berührender Roman, dessen Intensität nach dem erfolgreichen Debüt der Autorin mit  "Der Zopf" laut danach schreit, dass der Leser seine Augen für andere Lebensentwürfe öffnet.

Auf den Hund gekommen

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Sigrid Nunez: Der Freund, Aufbau Verlag 2020 € 20,00

Der Roman ist an den verstorbenen Freund adressiert, so als ob er nur kurz verschwunden wäre. Die Ich-Erzählerin, die (wie die Autorin) in N.Y. Creative Writing lehrt, kann den überraschenden Selbstmord des älteren Freundes und Mentors zunächst nicht akzeptieren. Als seine letzte Ehefrau sie bittet sich um seinen Hund zu kümmern, willigt sie nach einigem Zögern ein und „Apollo“, eine in die Jahre gekommene riesige Dogge, zieht in ihr kleines Apartment ein. Entgegen jeglicher Vorsätze nimmt er sofort ihr Bett in Beschlag. Doch in ihrer Trauer nähern sich Hund und Frau langsam an, während die Ich-Erzählerin unprätentiös und zuweilen sehr witzig von ihrem Alltag erzählt. Immer wieder reflektiert sie über Themen wie Freundschaft, Treue, Tod und Trauer und greift dabei auf einen fulminanten Fundus literarischer Kenntnisse zurück. Sie zitiert u.a. Virginia Woolf, W.G. Sebald, Rilke, G. Simenon in ihren Überlegungen zur Funktion der Literatur und des Schreibens und verpasst gelegentlich dem Literaturbetrieb einen Seitenhieb. Aber auch die Beziehung von Hund und Mensch wird immer wieder erörtert. Sigrid Nunez hat in einer unvergleichlichen Mischung aus Roman, Tagebuch und Essay ein Buch über die Zeit nach dem Tod eines geliebten Menschen geschaffen. 2018 bekam sie dafür den National Book Award. Anne Brieger

Die Kunst des Verschwindens

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Alix Ohlin: Robin und Lark, Beck Verlag 2020 € 23,00

„Ich übte mich in der Kunst des Verschwindens.“ So beschreibt Lark, die Ich- Erzählerin in dem neuen Roman von Alex Ohlin ihre Kindheit. Lark ist eine schüchterne und gute Schülerin, im Gegensatz zu ihrer jüngeren, eigenwilligen und extrovertierten Schwester Robin. Gemeinsam bestreiten sie ihren Alltag und sind füreinander da, denn ihre Mutter führt ein unstetes Leben mit wechselnden Männern und Berufen. Einfühlsam wird die Loslösung Larks von der Familie, ihr erstes Date und das langsame Erwachsenwerden beschrieben. In New York verbringen die Schwestern noch eine gemeinsame intensive Zeit, bevor Robin nach ihrem Studium an der Julliard Shool eine Musikerkarriere beginnt. Bald jedoch verschwindet sie spurlos.  Jahre später besucht Lark ihre schwangere Schwester, die ganz zurückgezogen zusammen mit Wölfen in einer gottverlassenen Gegend lebt. Alex Ohlin schildert die Entwicklung der beiden Schwestern sensibel und eindrucksvoll auf der Suche nach ihren Fähigkeiten und dem Wunsch einen Platz im Leben zu finden - auch als Schwester und als Mutter. Anne Brieger

Viva Italia! Deutsch-italienscher Abend mit Massimo Marano

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An diesem Abend konnten sich Zuhörer auf unterhaltsame Weise an der italienischen Sprache probieren. Der gebürtige Römer Massimo Marano lebt in München und tischte mit italienischer Leidenschaft auf. Er schreibt für die zweisprachige Reihe bei dtv kurze Geschichten mit italienischem Kontext. Für Sprachanfänger und Fortgeschrittene präsentierte er Persönlichkeiten, Kulinaria und Krimis. Feurig, locker, verlockend und mit italienischem Esprit. Im Wechsel mit Annette Goosens, die für die deutschen Passagen sorgte, konnte das Publikum zwischen den Sprachen hin und her wandern.

Autobiografische Geschichten aus Sozialismus, Suff und Familienleben

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Jaromir Konecny: Du wächst für den Galgen. Ein Roman in Geschichten, edition Lichtung 2019 €13,90

Kindheitsgeschichten mit Galgenhumor
Mit einer guten Portion Galgenhumor erzählt Jaromir Konecny in kurzen, schwungvollen Episoden  von seiner Kindheit in der sozialistischen Tschecheslowakai. Während der proletarisch wie kommunistische Vater das Leben männlich mit Alkohol und Prügelstrafe am Laufen zu halten versucht, setzt  die Mutter, die aus bürgerlichem Elternhaus stammt, auf Kriminalgeschichten, Kontakte, unvergessliche Sprüche und harte Arbeit. Die Kinder dazwischen entdecken die Mysterien der Welt in kleinen und großen Abenteuern. Niemand macht sich die Mühe, ihnen dabei viel zu erklären. Eine schnelle Ohrfeige ist Erklärung und Lehre genug. Wann immer die Mutter kann, versucht sie die Kinder zu schützen. Auch die Romakinder im Städtchen bedenkt sie mit Zuwendung. Mit entwaffnender Logik deckt der Autor im Laufe der Geschichten auf, wie sich sein kindlicher Berufswunsch von "Rentner sein" zu "Schriftsteller werden" wandelt. Natürlich ist auch dabei die Mutter nicht ganz unschuldig.

Ein Leben in Italien

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Andrea Camilleri: Brief an Matilda, Kindler Verlag € 20,00

Dieses Buch ist der lange Brief des damals 92jährigen Andrea Camilleri an seine Urenkelin, als sie 4 Jahre alt war, damit sie später, als junge Erwachsene, etwas von ihm und seiner Zeit verstehen möge. Er erzählt von seiner Kindheit und Jugend zur Zeit des Faschismus in Sizilien, von seiner Rebellion gegen Erwartungen und der wachsenden Sehnsucht nach Freiheit. Sein Lebensweg als Lernender und Arbeitender war selten gradlinig und geprägt von dem Bedürfnis, seinen Ansichten treu zu sein, Kontra zu geben und sich auch politisch einzumischen. Er erzählt seiner Urenkelin von herausragenden Momenten der Weltgeschichte und erklärt ihr Entwicklungen und Veränderungen, die für die zukünftige erwachsenen Matilda ferne Vergangenheit sein werden. Er glaubt an die Kraft der heutigen jungen Menschen, Dinge zum Guten zu wenden. Das anregende Vermächtnis eines offenen, ehrlichen und beeindruckenden Menschen!

In die Vergangenheit gespült

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Ulrich Tukur: Der Ursprung der Welt, Verlag S. Fischer € 22,00

Die goldene Schrift und der dunkelrote grprägte Schutzumschlag, der eine runde Öffnung für eine Photographie freilässt, machen neugierig und versprechen nicht zuviel: Ulrich Tukurs Sprache ist schön und klar, beinhaltet manche heutzutage selten genutzte Wörter und zieht den Leser durch den Gebrauch des Präteritums in den Bann vergangener Zeiten. So erstaunt es zu erfahren, dass der Roman in der nahen Zukunt der 2030er Jahre angelegt ist, in der die digitale Überwachung das Leben der Menschen überschattet. Paul Goullet befindet sich in Paris und entdeckt dort ein altes Photoalbum, das Bilder eines Mannes von vor 100 Jahren zeigt, der ihm aufs Haar gleicht. Paul reist den Spuren nach und fühlt sich immer wieder hineinkatapultiert in die Zeit der 1930er Jahre während der deutschen Besatzung und der Resistance in Südfrankreich. Er hat verwirrende und klärende Begegnungen, er wird Dinge erfahren, von denen auch der Leser wünschte, sie wären nur der Phantasie entsprungen. Das Nachwort lässt uns wissen, dass gerade hier wahre Begebenheiten zugrunde liegen. Und während Paul Goullet seiner eigenen Geschichte folgt und Klarheit findet, lesen wir einen fesselnden Roman zwischen gestern und heute.

Die Welt in mir

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Doris Dörrie: Leben, Schreiben, Atmen. Eine Einladung zum Schreiben, Diogenes Verlag € 18,00

Ein Stift, ein Blatt Papier, 10 Minuten und die "Zauberformel": Ich erinnere mich an...Schreiben ohne Ehrgeiz, ohne Ziel, um sich an sich selbst zu erinnern. In seiner eigenen Vergangenheit spazieren zu gehen, sich erinnern an Spiele, Gerüche, Verlorenes, Dunkelheit, Freunde, Kleidung, Schokolade, Alleinsein - oder durch die jetzige Wohnung/Stadt flanieren, schauen, wahrnehmen, mit den Augen an Dingen hängen bleiben, hinsetzen, schreiben, sich in der Welt zu Hause fühlen. Eigentlich lädt jeder Gegenstand dazu ein, über ihn und damit verbundene Gefühle zu schreiben. Doris Dörrie macht Lust und Mut, es einfach zu tun und gibt vielerlei Anregungen aus ihrem eigenen Leben. "Erinnerungen aufschreiben ist wie Perlen auf eine Kette aufziehen, eine Kette von Momenten."

Am Rande des Abgrunds

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Raynor Winn, Der Salzpfad, DuMont Verlag 2019 €14,99

Wenn man alles, auf das die eigene Existenz aufgebaut worden ist, nach über 20 Jahren verliert, dann kann man schon zu einer Kurzschlusshandlung hingerissen werden. Oder wer geht bitte mit 50 Jahren mit dem Rucksack los, um für ein Jahr auf dem South West Coast Path zu laufen? Die Autorin erzählt ihre eigene Geschichte. Die ihrer Ehe, dem Leben auf einer walisischen Farm, und dem Verlust, der sie und ihren Mann dazu gebracht hat, loszulassen und sich auf ein aufregendes Abenteuer einzulassen. Emotional, informativ, bisweilen in einem zynischen Ton über all die Widrigkeiten, die sich dem Ehepaar in den Weg stellen, ist der Leser Tag für Tag mit unterwegs. Er schmeck die salzige Luft, riecht den Wald, hört die Seevögel und begrüßt jeden Morgen den neuen Tag.

Kartographie der Reifung

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Charlotte Roth: Die ganze Welt ist eine große Geschichte und wir spielen darin mit, Eisele Verlag 2019 € 24.-

Die Fotos im Vorsatzpapier sind Vertaute aus Kindertagen: Versonnen hält Michael Ende mit seiner Nase auf den Schildkrötenrücken zu, sanft streichelt er seine Kassiopeia, die so quälend langsam Momo den Weg zeigen wird, derweil man beim Lesen mit vor Aufregung klopfendem Herzen die Zeilen überfliegen muss. Die grauen Herren hängen Momo so dicht an den Fersen. Das Bild zeigt den Autor in sich versunken, ganz die Ruhe selbst. Kaum zu glauben, dass Michael Ende, welchem Charlotte Roth mit großer Sorgfalt auf zahlreichen Schauplätzen nachspürt, zunächst fast am Leben verglüht. Die surrealen Traumwelten der Bilder seines Vaters Edgar Ende entführen den Jungen schon früh zu geheimnisvollen Innenwelten. Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegswirren konfrontieren den ihn mit Trennung, Armut, Gewalt und Tod. Er hält entgegen und reißt das Leben an sich, wird Schürzenjäger, Nichtsnutz und Schauspieler der Schwabinger Bohème. Langsam und über Umwege, von einer ewig sorgenden Mutter behütet und einem über Kunst beständig diskutierenden Vater gefordert, eröffnet sich ihm sein eigener Weg zur Literatur. Roth hält respektvoll, fast ehrfürchtig Distanz zu ihren Figuren, die sie für sich sprechen lässt. Sie schafft Raum, die Zeit zu spüren, die für den Schaffensprozess in der Kunst vergehen muss und nie nutzlos ist. Michael Endes Kinderbücher brauchen Jahre der Reifung. Dies ist neben vielen Details über Menschen und ihr Leben in Garmisch, München und Italien wohl das Faszinierenste an diesem Buch. Roth zeigt, wie das Credo des wohl wichtigsten deutschen Kinderbuchautors der Nachkriegszeit, dessen Bücher dem unerschöpflichen Reichtum fantastischen Kinderdenkens eine Sprache, Klang und Ton geben, aus dem Leben erwächst und fest mit ihm verankert ist.

Der Roman im Roman

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Christoph Poschenrieder: Der unsichtbare Roman, Diogenes Verlag 2019 € 24,00

Christoph Poschenrieder schreibt einen Roman über einen Roman, der offenbar nicht geschrieben werden will, denn er stürzt seinen Urheber in eine große Schaffenskrise. Es ist das Jahr 1918, als Gustav Meyrink in seiner Villa am Starnberger See vom Auswärtigen Amt in Berlin den Antrag bekommt, einen Roman zu schreiben, der die Freimaurer für den 1. Weltkrieg verantwortlich macht. Gustav Meyrink ist absolut unpolitsch und die Auftragsarbeit widerstrebt ihm, dem Dichter, der seiner Phantasie gern freien Lauf lässt. Aber das Geld braucht er und so sagt er zu. Er holt sich Anregungen in den Münchner Schriftstellerkreisen, vor allem bei Erich Mühsam, der die Revolution kommen sieht und unterstützt. Weiterhin erhofft Meyrink sich Inspiration beim Rudern auf dem Starnberger See und beim Yoga, das ihm schon manches Mal geholfen hat - aber die Ideen, Bilder, Wörter wollen nicht kommen. Eines Nachts aber beginnt die Schreibmaschine zu klappern...Christoph Poschenrieder spielt galant mit Wahrheit und Fiktion und manchmal vermischen sie sich auf wundersame Weise, so wie sich die persönliche Geschichte Meyrinks mit der Münchens im Revolutionsjahr 1918 verbinden.

Sehnsucht nach Selbstbestimmung

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Sanne Jellings: Ein dänischer Winter, Kindler Verlag 2019 € 18,00

Ein hübsches schmales Buch, ein unterhaltsamer, emotional berührender, zarter Roman auf dem Hintergrund wahrer Geschichte. Es ist das Jahr 1929 und Karen Blixen ist von ihrer Farm in Kenia ins elterliche Haus nahen Kopenhagen gekommen, um ihre Mutter zu besuchen und die Weihnachtstage in der Großfamilie zu verbringen. Dort begegnet sie Minna, die aus einer Arbeiterfamilie kommend, nach Verlust ihrer Anstellung in Kopenhagen, als Hausmädchen einspringt. Karen Blixen spürt bei dem Mädchen den Wunsch nach Weiterbildung und einem eigenständigen freieren Leben, den sie unterstützen möchte. Ihre Ideen kosten Minna einige schlaflose Nächte, gibt es da doch noch einen jungen Mann, der ihr wichtig ist.

Seelische Gratwanderung

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Gianrico Carofiglio: Drei Uhr morgens, Folio Verlag 2019 € 20,00

Der 18-jährige Antonio ist zu einer neurologischen Konsultation mit seinem Vater in Marseille und soll sich spontan einem Provakationstest unterziehen: 2 Tage und 2 Nächte ohne Schlaf, um die Reaktion des Körpers auf diesem Stress auszuloten. Der Vater verließ Antonio und seine Mutter, als der Junge 9 Jahre alt war und seitdem haben Vater und Sohn ein eher distanziertes Verhältnis zueinander. Die ungeplante, ungewöhnliche Situation des gemeinsamen 48stündigen Wachseins in einer fremden Umgebung lässt die beiden sich neu wahrnehmen und erlaubt bisher nie gestellte Fragen und Antworten. SIe befinden sich auf einem Scheitelpunkt zwischen gestern und morgen. Antonio und sein Vater erleben etwas, das im Buch von einer weiteren Person so umschrieben wird: "unverhofft in eine neue Situation springen, den Blickwinkel ändern, die Dinge, die wir zu kennen glauben in einem anderen Licht sehen" - und das Buch macht Mut und Lust, dies im eigenen Miteinander umzusetzten, nicht nur zwischen Vater und Sohn.

In der Stadt der Lichter

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Whitney Scharer: Die Zeit des Lichts, Klett-Cotta 2019 € 22,00

Ein mitreissender Künstler- und Liebesroman im Paris der 1930er Jahre. Die schillernden zentralen Figuren sind Lee Miller und Man Ray: Ihr langsames Annähern über die Kunst der Fotografie zu einer leidenschaftlichen obsessiven Beziehung. Sie sind umgeben von der Größen der Pariser Bohème aus Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Film, Ballett. Die Euphorie und Verzweiflung im Künstlerdasein werden in all ihren Höhen und Tiefen ausgelotet, allem voran die Sehnsucht der außergewöhnlichen Lee Miller nach Anerkennung ihrer Kunst.  Wir Leser fühlen uns wunderbar hineinversetzt in diese Zeit, sitzen mit den Künstlern im Deux Magots, trinken Gin Fizz auf Partys und genießen beim Lesen den Strudel aus Bildern und Emotionen in der Stadt der Lichter.

Ein Sommer voller Schmerz und Liebe

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Nikola Scott, Das Leuchten jenes Sommers, Wunderlich 2019 €20,00

Zwei Frauen. Zwei Geschichten. Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und dennoch verbindet die junge Fotografin Chloe und die alternde Madelaine mehr, als sie beide ahnen. Die Zeit zwischen den Jahren 1939 und 2009 auf dem Anwesen Summerhill in Cornwall scheint stehen geblieben zu sein. Als ob das Gebäude nur darauf gewartet hat, die Geschichte jenes verhängisvollen Sommers noch einmal zu erzählen. Ein Sommer, an dem der Krieg bereits vor der Tür steht und die jungen Leute auf dem Anwesen nur noch einmal feiern  wollen...  doch das Wochenende hat eine hohen Preis. Genauso wie die Entscheidung Chloes, sich über den Wunsch ihres Mannes hinweg zu setzen und nach Summerhill zu fahren. Den Geschichten beider Frauen haftet etwas Trauriges an, doch lange bleibt offen, was wirklich der Grund dafür ist.

Poetische Verfassung

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Martina Bergmann: Mein Leben mit Martha, Eisele Verlag 2019 € 18,00

Martha ist in "poetischer Verfassung" - was für ein schöner Begriff für eine demenzerkrankte alte Dame! Und wie bereichernd und berührend liest sich der Roman mit ihr als Hauptfigur, geschrieben von Martina Bergmann, die aus Sympathie für diese Dame und ihren Weggefährten ihr Leben mit den beiden alten Menschen teilt. Nicht nur im Roman, auch in der Realität, von der sie humorvoll erzählt, alle Widrigkeiten umschiffend, die engstirnige Nachbarschaften und Bürokratie zu bieten haben. Ein mutmachendes Plädoyer für Toleranz, Menschlichkeit, Lebensfreude und generationsübergreifendes Miteinander!

Wie war das in der DDR?

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Kathrin Aehnlich: Wie Frau Krause die DDR erfand, Kunstmann 2019 € 18,00

Kathrin Aehnlich hat einen ganz eigenen literarischen Stil, der etwas Leichtes, Amüsantes und Liebevolles in sich trägt. Sie lässt ihre Protagonistin Isabella Krause an die Orte ihrer Kindheit in DDRzeiten zurückkehren und intensive frohe Erinnerungen in ihr aufleben. Isabella Krause sucht und findet für eine Fernsehproduktion Zeitzeugen, die von ihrem Leben in der DDR erzählen, das leider nicht dem Bild des westdeutschen Regisseurs entspricht. Wie lässt sich dieses Dilemma nur lösen? Ob der Leser es kennt oder nicht: es macht Spaß, von Schrankwand Kompliment, der Erfindung der Milchtüte, Stammbuchbildern und Hasenhausen zu lesen. Gleichzeitig macht es nachdenklich, von Teerseen, Abkühlungsgruben ohne Geländer und dem rötlichen Staub des Wälzlagerwerks zu erfahren. Und so wie den Protagonisten wird den Lesern die unsichtbare aber spürbare Mauer zwischen Ost und West bewusst.