Ist das Leben eine Frage der Identität?

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Takis Wuerger: Stella, Hanser Verlag 2019 €22.-

Es gibt Geschichten, die immer wieder von Neuem erzählt, dem Vergessen entrissen und aus anderen Blickwinkeln erforscht werden müssen. Die Geschichte von Stella Goldschlag, einer jüdischen Gestapo Kollaborateurin, wurde 2016 für das Musical „Das blonde Gespenst vom Kurfürstendamm“ wieder entdeckt. 2017 erzählte der Kinofilm „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ vom Schicksal untergetauchter Berliner Juden und Stella Goldschlags Verrat an ihnen. Auch Takis Würger hat sich in seinem neuen Roman dieses Stoffes angenommen. Er fokussiert das für Stellas Zukunft entscheidene Jahr 1942 und stellt ihr zwei Männer an die Seite.

Gewinnbringend

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Alois Prinz: I have a dream. Die Lebensgeschichte des Martin Luther King, Gabriel 2019 € 17.-

Der Ruf ein Vorbild des gewaltlosen Widerstandes zu sein, eilt dem Nobelpreisträger voraus. Martin Luther King verschrieb sein Leben dem Kampf gegen den Rassismus und der Gleichberechtigung von schwarzen und weißen Bürgern in Amerika. Mit seinem standfesten Einsatz, seinen klugen, charismatischen Predigten und Reden, seinen deutlichen Forderungen und Zielen, seinem Gespür für Menschen, die er am besten kennenzulernen meinte, in dem er, der behütet aufgewachsene Pfarrerssohn, bewusst die Plätze Anderer einnahm, avancierte Martin Luther King schnell zum Kopf einer sich in den 60er Jahren formierenden Bewegung.

Blick von der Balustrade

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Anne Youngson: Das Versprechen, dich zu finden. Harper Collins € 18.-

Zwei Fremde geraten eher zufällig in Briefkontakt. Sie, die Bäuerin aus England, nimmt den Tod ihrer besten Freundin zum Anlass, um den Sinn ihres eigenen Lebens zu hinterfragen. Ungelebte, verstrichene Möglichkeiten oder auch fehlende Wahlmöglichkeiten, das Annehmen und Dankbarsein sind Themen, die die über Sechzigjährige umtreiben. Ihr Briefpartner, Kurator eines dänischen Museums, ein eher spröder Mann, nähert sich diesen Fragen mit Logik und Fakten. Doch auch er wird in den Sog des Hinterfragens gezogen. In jedem Brief steckt eine ganz eigene Poesie, ein Rhythmus des Zueinander Findens, wie es nur im Briefe Schreiben möglich ist. Ein Buch zum Wohlfühlen und Eintauchen.

Ein Salon voller Überraschungen

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Benedict Wells: Die Wahrheit über das Lügen, Diogenes Verlag 2018 € 22.-

Wie ein Virtuose auf der Geige lässt Benedict Wells die Töne seiner Erzählungen in ganz unterschiedlichen Farbmelodien schwingen. Geradezu meisterlich werden seine Figuren in Szene gesetzt, menschlich und vor allem authentisch: Da ist die junge Frau, die sich nach langen aufopfernden Ehejahren verwirklichen möchte, der Workaholic, der sich sinnbildlich für das Leben auf einer Wanderung verirrt oder die sich an Weihnachten streitenden Bücher  in einer Bibliothek. Spielerisch klingen die Geschichten, und spielerisch kann sich der Leser auf sie einlassen, mitfiebern, sich überraschen, manchmal sogar überrumpeln lassen.

Auf den Fluren der Welt

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Lisa Halliday: Asymmetrie, Hanser Verlag 2018 € 23.-

Ob eine Liebe mit 50 Jahren Altersunterschied gelingen kann, oder man wurzellos im amerikanischen Luftraum in einer irakischen Passagiermaschine sein Leben beginnt, Lisa Halliday beleucht die Unwucht dieser Welt, in der alles auseinander strebt und doch miteinander Verbindung sucht. Die beiden Geschichten in diesem Roman verbindet auf den ersten Blick nichts. Doch halt: Ihre Protagonisten, eine nach Leben suchende Lektorin und ein frisch promovierter Wirtschaftsökonom sind beide junge amerikanische Staatsbürger, die selbstsicher am Rande einer von der Gesellschaft als "normal" denfinierten Lebensweise wandeln und sich die Freiheit nehmen, die ihr Land verspricht. Die literarische Konstruktion überzeugt und öffnet unzählige Gedankenspiele, die Halliday durch ihre Erzählweise und Sprache weiter befördert, in der sie gern das Unterste zuoberst kehrt.

Blitzlichter in der Welt

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Florian Illies, 1913 - Was ich unbedingt noch erzählen wollte. Fischer Verlag 2018 € 20,00

Ein Kaleidoskop anekdotenhafter Momentaufnahmen im Jahr 1913 aus dem Leben bekannter Persönlichkeiten in aller Welt. Von Florian Illies aufgespürt und erzählt, mit knappen, oft amüsanten Anmerkungen sollte dieses Buch in keinem Zuhause fehlen: ob auf dem Küchentisch, der Wohnzimmerkommode, neben dem Bett oder auf der Waschmaschine; ein paar Minuten um eine Episode zu lesen, finden sich immer. Und wer das Buch wie im Rausch in einer Nacht verschlungen hat, wird es trotzdem immer wieder Aufschlagen. Denn wie war das nochmal ???

Das Harmonium auf dem Dachboden

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Francesco Vidotto: Der Klang eines geanzen Lebens, Lübbe Verlag 2018 € 16,00

Das einfache, arme, dörfliche Leben vor, während und nach dem 2. Weltkrieg in den Dolomiten; kindliche Freundschaft, die zu Liebe wrid; Verlust geliebter Menschen; Musik, die von den Bergen und den Sternen erzählt; tragische Unfälle und das Leben danach, lang erprobte und unerwartete Freundschaft; Füreinanderdasein. Ein schönes, kraftvolles, trauriges, berührendes Buch!

Hier & jetzt, da & dort

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Annette Pehnt: Café Augenblick. Geschichten über das Leben im Hier und Jetzt. Beltz Verlag 2018 € 14,95

Dieses schöne, kleine Buch - man möchte sich am liebsten gleich Hinsetzen auf die Stühle des Titelbildes - versammelt vierzig Nachdenkereien über Gefühle und Ereignisse im ganz normalen Leben. Da gibt es so schöne Titel wie "Das Glück des Reparierens", "Die Welt hat sich geschüttelt", "Die Farben der Erwartung", "Fünfzig glückliche Gäste" oder "Lernen ist wie Verliebtsein". Es findet sich auch der Titel "Geschichten wie Kuchen" - ich habe dieses Buch so genossen wie einen guten Kuchen, immer wieder ein Stück und vielleicht noch eins, das meine Gedanken anregt und bereichert.

Tiefer Blick am Ladentisch

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Minna Rytisalo: Lempi, das heißt Liebe. Hanser Verlag 2018 € 21,00

Lempi war eine junge Frau im finnischen Lappland Anfang der 1940er Jahre. Sie starb - warum? Drei Menschen, die ihr sehr nahe standen, erzählen von ihr: ihr Mann, ihre Magd, ihre Zwillingsschwester. Die Antwort findet sich fast versteckt in Nebensätzen - diese umrankend erzählt das Buch von der Geschichte Lapplands zwischen Deutschen und Russen, von einer intensiven, kurzen Liebe, dem Leben auf einem kleinen Hof, von Eifersucht, von Aufbruch und Zurückkommen und von Zwiliingsnähe. Ein schöner, intensiver, besonderer Roman!

Lieblingsbuch der unabhängigen Buchhandlungen

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Francesca Melandri: Alle, außer mir, Wagenbach Verlag 2018 € 26,00

In diesem beeindruckenden Roman verknüpft Francesca Melandri gekonnt die individuelle Geschichte einer römischen Großfamilie mit historischen Ereignissen der italienischen Vergangenheit. Verdrängt und Vergessen wurden von der Nachkriegszeit bis heute die Gräueltaten der Faschisten in  Äthiopien 1935 und in der Erinnerung gab es unter Mussolini nur Opfer und Partisanen. Dass sich bei einem jungen Flüchtling aus Äthiopien eine Verbindung zu der römischen Familie vermuten lässt, führt zu Verunsicherung und Hinterfragen. Spannend und gut recherchiert spürt Francesca Melandri der Vergangenheit nach und gibt einen Blick hinter die Kulissen der aktuellen Stimmung in Italien. So ist es nicht verwunderlich, dass dieser gut und genau beobachtende Roman von den unabhängigen Buchhändlern zum Lieblingsbuch des Jahres gewählt wurde!

Unter Künstlern in Rom

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Christian Schnalke: Römisches Fieber, Piper Verlag  € 22,00

Ein sehr schön zu lesender Roman über die deutschen Dichter und Maler in Rom im Jahre 1818. Frei erfundene Figuren bewegen sich unter historisch verbürgten aus den künstlerischen, religiösen und politischen Kreisen. Im Zentrum steht Franz Wercker, der aus ärmlichen Verhältnissen kommt, die Literatur lieben lernt und plötzlich die Gelegenheit bekommt, in die Rolle eines anderen zu schlüpfen: in die des jungen Poeten Cornelius Lohwaldt, ausgestattet mit einem Stipendium für Rom und eben auf dem Wege dorthin. In Rom angekommen, wird Franz Höhen und Tiefen erleben, Freundschaft, Egozentrik, Abhängigkeit, Erfolg und Verriss, liebevolle Zuwendung und Hinterhältigkeit. Ich habe mich hineingesetzt gefühlt in diese Monate in Rom und der grundehrliche Franz in seinem Glück und Dilemma des Versteckspiels hat eindeutig meine Sympathie gewonnen!

Lebensrettendes und lebenszerstörendes Schmuggeln

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Mechtild Borrmann: Grenzgänger, Droemer Knaur 2018 € 20,00

Kaum hat der Leser die Zusammenhänge von Henriette Schönings Kindheit und Jugend in der 50er Jahren und der 1970 erhobenen Anklage wegen doppelten Mordes verstanden, lässt ihn der Fall nicht mehr los. Die Nachkriegszeit in dem kleinen Ort in der Eifel bringt Henriette große Verluste und viel Verantwortung. Ihrem lebensvertrauendem und tatkräftigen Charakter ist es zu verdanken, dass sie und ihre drei Geschwister gut über die Runden kommen. Bis zu dem Moment, als ihre jüngere Schwester stirbt und ihr Vater folgenschwere Entscheidungen trifft, die das Leben der verbleibenden Geschwister zur Hölle werden lassen. Der Roman enthüllt erschütternde Verhältnisse in einem Kinderheim, beschreibt den Missbrauch von Autoritäten, die unverantwortliche Verbreitung von Verdächtigungen und die faszinierende Entwicklung zweier gerichtlicher Prozesse. Ein sehr gelungengenes romanhaftes Zeitzeugnis!

 

16. März 2019, 15:00 Uhr Zwischen den Zeilen: Spiegelwelten in Kehlmanns Tyll

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Daniel Kehlmann: Tyll, Rowohlt Verlag 2017 € 22,95

Zwischen den Zeilen - oder wer hält wem den Spiegel vor? Einladung zum Literatur-Gespräch

Daniel Kehlmanns TYLL lesen heißt, nicht nur in eine historische Abenteuergeschichte  einzutauchen, die uns in die Zeit des 30jährigen Krieges führt, dessen Ausbruch vor 400 Jahren 2018 besonders erinnert wird. Viele weitere Schichten lassen sich zwischen den Zeilen entdecken. Was machen traumatische Erlebnisse mit Menschen? Was und warum wird verdrängt? Was und warum wird vergessen, um scheinbar weiterleben zu können? Kann Vergessen überhaupt eine Strategie der Vergangenheitsbewältigung sein und kann man überhaupt bewusst etwas vergessen? Hat man Einfluss auf seine Erinnerungen? Wer wird eigentlich von einem charismatischen Führer oder Führerin verführt? Der oder die Einzelne? Viele Einzelne? Die Masse? Tyll stellt auch die Absurdität des Krieges aus, diskutiert das Wesen von guter und schlechter Pädagogik und liefert letztlich ein leidenschaftliches Plädoyer zur individuellen Lebensgestaltung abseits des Mainstreams.

Rendezvous am Blumenstand

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Fabio Geda: Vielleicht wird morgen alles besser, Knaus Verlag 2018 € 20,00

Fabio Geda hat eine beindruckende Fähigkeit, von den Gedanken, Fragen und Nöten Jugendlicher zu erzählen, so dass ein erwachsener Leser von der ersten bis zur letzen Seite gefesselt ist. In seinem neuen Buch "Vielleicht wird morgen alles besser" sind es der 14jährige Ercole und seine 5 Jahre ältere Schwester Asia, die sich schon sehr früh um sich selbst kümmern müssen. Ercole war 6, als die Mutter verschwand und der Vater ist mit dieser Situation absolut überfordert. In dieser labilen Normalität bedeutet ein feiner Riss oft schon einen tiefen Graben - und Ercole droht mehrfach, darin abzurutschen. Man schließt den Jungen gleich ins Herz und muss aushalten, dass er in den besten Absichten immer wieder Katastrophen auslöst. Die Hoffnung geht aber nie verloren!

Zwei Paare: im 18. Jahrhundert und jetzt

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Alex Capus: Königskinder, Hanser Verlag 2018, € 21,00

In seinem Roman "Königskinder" erzählt Alex Capus zwei Geschichten: die eine von Max und Tina, die auf dem Jaunapass mit ihrem Auto im Schnee stecken bleiben und eine Nacht im Auto verbringen ist gespickt mit amüsanten Dialogen, wie wir es von Alex Capus kennen. Um das Warten zu erleichtern erzählt Max die zweite Geschichte, die sich in dieser Gegend und in Frankreich im 18. Jahrhundert zutrug: von dem armen Viehhüter Jakob und Marie, der reichen Bauerstochter, die sich verlieben und nicht zusammensein sollten. Sie sind es dennoch, kurz zumindest, und sie bleiben beide über viele Jahre der Trennung ihrer Liebe treu und werden über verschlungene Wege wieder zueinanderfinden. Auch ohne im Auto eingeschneit zu sein mag man das Buch nicht zur Seite legen und die Geschichte von Jakob und Marie, Max und Tina miterleben!

Licht in einer dunklen Zeit

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Niccolò Ammaniti, Anna, Julia Eisele Verlag, € 20,00

Ein 13-jähriges Mädchen, in einer fast untergegangenen Welt: eine Seuche hat alle Erwachsenen dahingerafft, ein Feuer hat fast die gesamte Insel niedergebrannt. Trümmer und Leichen liegen allerorten. Doch Anna hat einen starken Überlebenswillen, sie kämpft für sich und ihren kleinen Bruder und eine Hoffnung gibt ihr Kraft: Auf dem Festland wird es anders sein. So ist Anna wie ein Licht in einer dunklen Zeit, die keiner von uns erleben möchte.

Am Familientisch

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Donatella Di Pietrantonio, Arminuta, Kunstmann, € 20,00

Die Romane von Donatella Di Pietrantonio: direkt, mit großer Ehrlichkeit und Offenheit die jeweilige Lebenssituation beleuchtend, mich als Leserin berührend. So ging es mir auch bei ihrem neuen Roman "Arminuta". Die Geschichte eines Mädchens, das plötzlich erfährt dass das Ehepaar, bei dem es als Einzelkind in der Stadt am Meer im Wohlstand aufwuchs, nicht seine leiblichen Eltern sind. Von einem Tag auf den anderen findet es sich ohne weitere Erklärung in einer Familie mit fünf Kindern in engen, ärmlichen, dörflichen Verhältnissen auf dem Land. Ratlosigkeit und Wut durchfluten es immer wieder aber es lernt auch die vorbehaltlose Rückendeckung einer pfiffigen jüngeren Schwester kennen und entdeckt erstaunt kleine Zeichen der Zuwendung an ungeahnter Stelle. Nach "Meine Mutter ist ein Fluss" und "Bella mia" hat die Autorin wieder eine Geschichte erzählt, die ich nicht missen möchte!

Stille Helden

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Erich Hackl: Am Seil, Diogenes Verlag 2018 € 20,00

Zum Glück gab es sie doch auch, die stillen Helden zur Zeit der nationalsozialistischen Vorherrschaft. Einer von ihnen war Reinhold Duschka. der die freigeistige Jüdin Regina Steinig und ihre Tochter Lucia vier Jahre lang in  seiner Werkstatt in Wien versteckte. Er war ein Mensch der Taten, nicht der Worte und so erfuhr auch in der Nachkriegszeit kaum jemand von seiner Loyalität. Nun ist es an der Zeit, die Geschichte zu erzählen! Der Literat Erich Hackl nimmt sich mit Empathie ihrer an uns lässt auch Lucia zu Wort kommen.

Fliehen, Flucht, Flüchtling

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Gerhard Jäger: Die Nacht über uns, Picus Verlag 2018 € 22,00

Ein österreichischer Soldat auf dem Wachturm an der Grenze, die vor Flüchtlingen geschützt werden soll. Er ist allein mit seinen Erinnerungen im Kopf und denen seiner Großmutter in einem Heft - sie floh Ende des 2. Weltkrieges aus Pommern. Sich selbst kann er nicht schützen vor inneren Bildern, die in ungeheurer Intensität und Emotionalität in ihm auftauchen: die glücklichen, warmen, reichen Momente und die schmerzhaften, erschütternden, verzweifelten. Die Geschichte zieht den Leser mit erstaunlicher Sprachgewalt in den Bann.

Abtauchen!

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Jennifer Egan: Manhattan Beach, Fischer Verlag 2018 € 22,00

"Manhattan Beach" erzählt eine Geschichte, die den Leser im wahrsten Sinnes des Wortes in das New York der 1930/40er Jahre abtauchen lässt. Die zentrale Figur Anna wird, allen Widerständen zum Trotz, zur Taucherin in der Marinewerft ausgebildet und wird dort arbeiten. Es fehlt aber auch nicht an faszinierenden männlichen Protagonisten, die den Leser in die Unterwelt der Nachtclubs und des organisierten Verbrechens mitnehmen. Ein sehr gut recherchierter und emotional fesselnder Roman mit eigenwilligen und raffinierten Akteuren, die man nicht so schnell vergisst!