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Henning Callsen, Sabine Wilharm: Kein Problem, sagt Papa Eisbär, Hanser Verlag 2017 € 13.-

Das karierte Tirolerhütchen, um Nummern zu klein, hält nicht auf Papa Eisbärs Kopf. Wenn es mal aufliegt, dann "krausen" sich seine Gedanken darunter. Sie bringen seinen Eifer und seine Leidenschaft, für seine Familie sein Bestes zu geben, zum Glühen. Dieses Vorlesebuch ist ein Glücksgriff! Nicht Pelle, Papa Eisbärs Sohn, steht im Zentrum dieser ersten Geschichte von „Pelle und Pinguine“, sondern der Vater selbst.

Augenzwinkernd, und ohne den Kontakt zum kindlichen Zuhörer zu verlieren, wird erzählt, wie es auch Vätern gelingt, an ihren Aufgaben zu wachsen. Das überzeichnete, märchenhafte Rollenspiel lässt dabei schmunzeln. Über alle Maßen liebenswert, doch wenig weltgewandt kommt Papa Eisbär daher. Allein sein Brüllen ist stark und unwiderstehlich. Ebenso ist es sein Mut und seine Neugier. Mama Eisbär schickt ihn auf eine Reise über die Weltmeere, einen singenden Vogel für seinen kranken Sohn zu suchen. Emsig paddelnd, von Nord nach Süd und Süd nach Nord, gerät er von Anbeginn in ein aberwitzig rasantes, komisches und durch und duch bärenstarkes Abenteuer, das für kleine Zuhörer und große Vorleser etwas zu bieten hat. Sprachlich und erzählerisch eine Genussreise, bei der man unweigerlich den Atem anhalten muss, als Papa Eisbär endlich, im dritten Versuch, mit "Pinguine" dem Pinguinmädchen und ihrem kunterbunten Sammelsurium aus dem Müllstrudel des Pazifiks im Gepäck, in die Beringstraße auf den Höhepunkt einläuft. Die Luft entweicht erst in einem Stoßseufzer wieder, als er am Ende "wie ein nasser Wischmopp“ mit letzter Kraft in Mama Eisbärs Arme fallen darf. Die Gräte auf ihrem zierlichen, roten Melonenhut biegt sich dabei sacht im Wind. Hennig Callsen gelingt es, die klassische Geschichte über das kindliche Glück von Freundschaft und Elternliebe erfrischend anders zu erzählen. Sabine Willharm versteht es, den Text mit Wärme und Witz zu pointieren und die Szenerien tierischer Charaktere und Begegnungen mit zeichnerischer Fantasie menschlich zu befeuern, wie man es sich schöner nicht wünschen könnte.
Auch diese Fortsetzung der Freundschaft zwischen Pelle und Pinguine hält, was sie verspricht. Sprachvirtuos kommt es zu verschiedenen Missverständnissen zwischen groß und klein und einigen großartigen Turbulenzen. Gut, dass am Ende alle noch einmal zur Schule gehen dürfen!

Henning Callsen, Sabine Wilharm: Pelle und Pinguine. Weihnachten in Gefahr, Hanser Verlag 2019 € 13.-

Wieder einmal reisen Papa Eisbär, Pelle und Pinguine um die Welt. Ihr Weg führt sie vom Nordpol nach Grönland und über papatypische Umwege nach Norwegen. In Pinguines Umhängetasche hüten die Drei einen wichtigen Weihnachtswunschzettel, den sie als Weihnachts-Aushilfs-Postboten dem Weihnachtsmann zustellen müssen. Papa Eisbär sieht mal wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht, Pelle wird zum Braunbär und ständig laufen ihnen diese gefährlichen Sockentrolle über den Weg. Da hilft noch nicht einmal Pelles Möwenkackabwehrschirm. Ein Glück, dass Papa Eisbär manchmal so laut brüllt, wie nur ein großer, starker Eisbär brüllen kann. Die neue, turbulente Vorlesegeschichte im verschneiten Norden, von Sabine Wilharm zeichnerisch großartig in Szene gesetzt, besticht durch Rasanz, dialogischen Witz und unverhoffte Begegnungen. Ein kurzweiliger Weihnachts-Winter-Spaß für die ganze Familie.