bronsky-scherbenpark

nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2009

Arlina Bronsky, Scherbenpark, Kiepenheuer & Witsch Tb € 9,99

Manchmal denke ich, ich bin die Einzige in unserem Viertel, die noch vernünftige Träume hat. Ich habe zwei, und für keinen brauche ich mich zu schämen. Ich will Vadim töten. Und ich will ein Buch über meine Mutter schreiben.“ [Zitat aus: Scherbenpark, Bronsky, Alina]

Mit diesen Worten beginnt die 17-jährige Sacha, ihre Geschichte zu erzählen. In ihrer Kindheit aus Russland nach Deutschland emigriert, lebt sie hier zusammen mit ihren zwei kleinen Geschwistern und ihrer Großtante im Solitär, einem heruntergekommenen, hauptsächlich von Russlanddeutschen besiedelten Viertel. Wo ihre Mutter ist, wird schon auf den ersten paar Seiten erläutert. Ermordet, vom eigenen Ehemann, Saschas Stiefvater Vadim. Sacha schwebt seit dem in vielfältigen Tötungsfantasien von Vadim. Die Geschichte von Sacha, die sich in der von Deutschen geprägten Schule, aber auch im hoffnungslosen, dreckigen Solitär behaupten und gleichzeitig mit den Folgen des Todes ihrer Mutter fertig werden muss, wird im Laufe der Handlung noch um eine weitere Facette erweitert: Der deutlich ältere Zeitungsredakteur Volker und dessen Sohn Felix, zu denen beiden sich Sacha sehr angezogen fühlt, was auf beide Personen ebenfalls zutrifft. Ganz schön viele Handlungsstränge...

Aber genau das macht die Handlung so lebendig. Sascha nimmt ihre Umwelt mit einer für ihr Alter sehr reifen Sicht war, kommentiert und urteilt. Und das auf eine so bissige, schonungslos ehrliche Weise, dass man sich der Energie ihrer Aussagen kaum entziehen kann. Es scheint fast so, als wäre Sascha die einzige, die keine Hintergedanken hat, und die Welt so darstellt, wie sie ist. Man muss mit diesem Ton klarkommen, der für zarte Gemüter vielleicht etwas zu aufdringlich, zu brutal und auch etwas moralisch verwerflich (Liebesbeziehung mit Vater und Sohn…Sex mit einem völlig fremden Nazi im Stadtpark, den sie anschließend ihren russischen Freunden förmlich zum Fraß vorwirft…) ist. Ich finde diese Art von Erzählung sehr erfrischend und wurde auch etwas zum Nachdenken angeregt. Nicht durch direkt in dem Buch angesprochene Themen, sondern durch Saschas Weltsicht, die doch so völlig anders als die konventionelle ist. Anne, 17 Jahre