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Alessandro Baricco: The Game. eine Reise durch die digitale Welt, Midas Verlag 2020 € 18,00

Spielerisch führt Baricco vom ersten Computer in die heutige "Ultra Welt". Er inszeniertdie bisherige Geschichte unserer Digitalisierung als Reise in drei Etappen, die von einer Erfindungsinsel zur nächsten führt. Als "Reiseleiter" leitet und lenkt er, setzt Gegebenes ins Bild ohne Reisezeit für Fragen zu verschwenden. Wir streifen Hardware und Software, Videospiele, das World Wide Web, das Suchen und Finden, Kaufen und Verkaufen. In der zweiten Etappe geht es über das Smartphone und das Einbringen der eigenen Identität zu Apps und Messangerdiensten.  Ein Klick und everything goes. Konsum  und Kommunitkaton total.
Baricco schildert diese Ultra Welt als eine, die viele Vorteile hat und haben kann und deren Nachteile ein wenig verbesserungswürdig wären. Dochl diese Nachteile bleiben im Zuge eines strahlenden Gewinns im Schatten, denn "tatsächlich hat uns diese Entwicklung zu Protagonisten werden lassen, freier, bewusster und vor allem sehr präsent inunserer Welt." Ist das so? Sind wir, die wir nun täglich wie Junkies am Smartphone kleben freie Protagonisten geworden?  Sind wir, die wir uns mittlerweile liebend gern aus der realen in eine virtuelle Welt stehlen präsenter in unserer Welt? Da nagt doch der Zweifel und das Unverständnis.  "Wie sieht dein nächster Spielzug aus?" Die lässige Frage am Ende lenkt ab, denn Barrico lässt seine Leser*innen, die sicher einiges erfahren haben, regel- und ratlos zurück. Wer spielt hier? Und zu welchem Preis? Einem kritischen, eigenständig denkenden Geist Futter zur Abwägung und weiterer Fragenstellung zu geben, statt ihn glückseelig auf Knöpfen herumdrücken zu lassen, hätte hier Not getan. Baricco spielt mit der Seele seiner Leser. Er hat sie gleich bei Spielantritt verkauft.
Und auch dem Illustator, der, wie er selbst sagt, nur Dank moderner Digitaltechnik zum Illustrator geworden ist, wäre als Trompter vielleicht die größer Kunst gelungen.