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Deepa Anappara: Die Detektive vom Bhoot-Basar, Rowohlt Verlag 2020 € 24,00

Am Ende schließt der Leser die letzte Seite und weiß nicht, ob er sich beglückt fühlen darf durch diesen ehrlich erzählten  Roman oder doch weinen soll. Deepa Anapparas erster Roman führt uns mitten in das pulsierende Leben Indiens. Die Nase wird verführt von den Gerüchen nach Kardamon, frisch aufgebrühtem Tee, Müll und Schweiß, die Füße laufen quer durch den Basar eines Bastis, zwischen Müllbergen, Ware anpreisenden Händlern und Schulkindern in ihren Uniformen, die dort arbeiten oder unerlaubt herum lungern. Am Ende des Buches glaubt man sogar ein wenig an Dschinns, denn wer sonst ist Schuld daran, dass aus einem Basti Kinder unterschiedlichen Alters verschwinden. Das Bild der indischen Gesellschaft und seiner Strukturen wird mit den Augen des neunjährigen Jai lebendig, der nicht einsehen will, dass die Polizei untätig bleibt. Darum schnappt er sich seine Freundin Pari und versucht sich mit ihr in Detektivarbeit. Die Welt der Kinder ist beschränkt, die Armut überall zu spüren, und dennoch gehen Jai, Pari aber auch Faiz, der Dritte im Bunde, leichtfüßig durch die Geschichte. Die Magie Indiens begegnet Elend, Armut und Ohnmacht, am Ende haben Jai und seine Freunde viel lernen müssen und sind ein Stück reifer geworden.