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Jan Mohnhaupt: Tiere im Nationalsozialismus, Hanser Verlag 2020 € 22.-

Der Umgang mit einem Tier ist selbstverständlich und alltäglich. Wie sich die Nationalsozialisten gerade diesem Tier-Mensch Verhältnis angenommen und ihre Ideologie damit bis in den letzten Winkel aller Haushalte positioniert haben, belegt Jan Mohnhaupt kenntnisreich in diesem Sachbuch. Schon in seinem ersten Buch Der Zoo der Anderen. Als die Stasi ihr Herz für Brillenbären entdeckte und Helmut Schmidt mit Pandas nachrüstete trug Mohnhaupt zusammen, wie mit Berliner Zoos Politik gemacht wurde. In Tiere im Nationalsozialismus geht er einen Schritt weiter und nimmt sich Tieren und Menschen im privaten Lebensbereich an, und zeigt dabei auch die Synergien zwischen nationalsozialistischer Politik, ideologischer Wissenschaft und Erziehung auf. Einer möglichen Verklärung von Tierliebhabern in der NS-Führung bietet Monhaupt keinen Raum. Immer wieder führt er ihren scheinbar tierschützenden Umgang in klarer Dramartugie zu den Verbrechen des NS-Regimes. Ein umfangreicher Anhang belegt die mehrjährige, gute Recherche und gibt die Möglichkeit tiefer einzutauchen, in ein spannendes Thema, das bisher wenig Beachtung fand. Ein rundum gelungenes und beeindruckendes Buch, in dem es Mohnhaupt gelingt, auf der Basis bekannter Fakten neue Sichtweisen zu eröffnen.

Foto: © Peter Andreas Hassipen
Jan Mohnhaupt ist als freier Journalist und Autor für verschiedene Magazine und Zeitungen wie Spiegel Online, Zeit Online und P.M. History tätig.