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Anne Voorhoeve: Nanking Road,  Ravensburger Tb 2016 € 8,99

Dieser 2. Teil ist KEINE Fortsetzung von Liverpool Street, sondern ein "was wäre wenn ?"-Buch. Familie Mangold fährt mit dem Schiff nach Shanghai, das derzeit von den Japanern besetzt ist. Auf dem Schiff lernen sie Familie Konitzer kennen, die geldlich gesehen deutlich besser dran sind. Sie sind Freunde auf dem Schiff und Bekannte in Shanghai, die es Mangolds mit vielen Spenden leichter  machen wollen.
Sehr interessant ist, dass beide Varianten Flucht ihre guten und schlechten Seiten haben.
Clara, 11 Jahre

Anne Voorhoeve erzählt die Geschichte der jüdischen Ziska, die mit ihren Eltern 1938 per Schiff aus Deutschland nach Shanghai flieht. Dabei schildert die Autorin einfühlsam die Gefühle des jungen Mädchens. In dieser Fluchtgeschichte besucht der Leser zusammen mit Ziska ein vollkommen neues Land und erforscht Schritt für Schritt ein neues Leben. Und auch Shanghai ist vom Weltkrieg nicht unberührt. Ziskas Familie muss mit Armut und Ablehnung kämpfen. Die Autorin beschreibt die fremden Eindrücke so gut, dass man die Flucht selbst miterleben kann und sich auf ein Abenteuer in das Unbekannte begibt - Angst vor dem Fremden und dem Krieg begleiten einen, aber auch Aufregung, Neugier - und Hoffnung.
Moana, 15 Jahre
Wäre Ziskas Vater 1938 nur rechtzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden, hätte die Familie Mangold sich nach Shanghai einschiffen können... Ein kleines Detail aus Liverpool Street, welches man gern in atemloser Neugier auf den Fortgang der Geschichte, überliest. An dieser Stelle setzt Voorhoeves neues Buch an. Was wäre, wenn die Familie es nach Shanghai geschafft hätte? Mit diesem zweiten Band liefert die Autorin nicht nur eine interessante Variante eine Geschichte zu erzählen, sondern liefert auch im Jugendbuch bisher selten erzählte Aspekte eines Weltkrieges, der sich ja nicht nur vor der deutschen Haustür abgespielt hat. Süffisant schildert sie die Zeit, die Stadt und ihre Menschen, gekonnt behält sie das soziale und freundschaftliche Netz der Familie im Auge und variiert Lebensläufe.
Beide Bände sind ein überaus lohnenswertes, fesselndes Lesevergnügen.
Katrin Rüger