Articles tagged with: Wien

Irrungen und Wirrungen

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Ulrike und Manfred Jacobs: Sisis Vermächtnis, Picus Verlag 2017 € 16,00

Das Umschlagbild bringt den Leser schon in die richtige Stimmung: luftig, leicht, mit Wellengang kommt dieser Roman daher, der von köstlichen Verwirrungen und Verirrungen zwischen Wien und der Normandie erzählt. Spannung und Liebe kommen dabei nicht zu kurz! EIn Wiener Jurist solpert über merkwürdige Zahlungen an ein normannisches Dorf, die auf ein Vermächtnis Sisis zurückgehen und bringt damit den östereichischen Kulturhaushalt ganz schön durscheinander. In Beauport in der Normandie bleibt auch kaum ein Stein auf dem anderen...Beste Unterhaltung! Eigentlich will man das Buch gar nicht aus der Hand legen, bis sich alles erklärt hat!

Für gemütliche Winterabende

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Peter Hartlieb: Ein Winter in Wien, Kindler 2016 € 16,95

1910 in Wien: Marie ist das neue Kindermädchen im Hause Arthur Schnitzlers. Der "Winter in Wien" erzählt eine vergnüglich zu lesende Geschichte, die sich an den Tagen vor Weihnachten ereignet. Der Leser wird sowohl in das Wien der damaligen Zeit hineinversetzt als auch in das Leben in einem großbürgerlichen Haushalt aus der Sicht der jungen Angestellten. Diese erzählt auch erinnernd ihre Herkunftsgeschichte in einfachen ländlichen Verhältnissen. Dass die Liebe Marie zum ersten Mal erwischt und sie Lustiges und geradezu dramatisch Spannendes mit den ihr anvertrauten Kindern erlebt, macht das Buch zu bester locker, leichter Unterhaltung.

Unbändige Sehnsucht nach Leben

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Alois Prinz: Ein lebendiges Feuer. Die Lebensgeschichte der Milena Jesenká, Beltz & Gelberg 2016 € 17,95

Ihre kurze Beziehung zu Kafka, die berühmten "Briefe an Milena" waren nur eine kleine, wenn auch wegweisende Station in Milena Jenenská Leben. Als Professorentochter 1896 in Prag geboren, genoß sie eine gute Schulbildung und entwickelte sich, meinungsstark und widerständig, dem antisemitschen, antikommunistischen und gutbürgerlichen Denken ihres Vaters und seiner Zeit zum Trotz, zur femme fatale. Später, in Wien, war sie in den Kaffeehäusern der Schriftsteller zu Hause, suchte unermüdlich nach Unabhängigkeit und sozialer Gerechtigkeit und nahm dafür eigene Armut in Kauf. Sie wurde zu einer anerkannten Journalistin und leidenschaftlichen Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime. "Entsetzlich klug", urteilte Kafka über sie. Mutig, standfest, leidenschaftlich und von verschwenderischer Hilfsbereitschaft schilderten Weggefährten ihr Wesen, das "Prinzip Milena", welches Prinz Kafkas Welt souverän gegenüber stellt. Das scheinbar unscheinbare Leben packt seine Leser mit voller Wucht. Alois Prinz lässt uns immer wieder von Neuem über das Wesen von Menschen staunen, denken und weinen. Milena Jensenká ist eine wunderbare Entdeckung.

 

 

 

Kunstbereichernde Beziehung

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Margret Greiner, Auf Freiheit zugeschnitten: Emilie Flöge, btb Tb 2016 € 10,99

Sie war einfach nur da“, sagt die Autorin in Gedanken über Emilie Flöge. Margret Greiner entwirft das Bild einer stolzen, disziplinierten Frau, die keinesfalls als Muse Gustav Klimts in die Geschichte eingehen wollte. Vielmehr wäre er ihre Muse gewesen, behauptet Flöge selbstbewusst, aber für die männliche Variante gibt es bis heute noch kein Wort. Greiners Ton ist keineswegs feministisch. Warum reichte Emilie Flöge eine platonische Partnerschaft zu ihrem Lebensmenschen Gustav Klimt? Und wie konnte sie es überhaupt neben diesem Weiberheld aushalten? Biographen möchten sich in der Regel einer Seele nähern, Unverständliches verständlich machen oder ihre Figur dem Image, welches sich die Gesellschaft von ihr gemacht hat, entreißen. Im Wien des fin de siècle war die Welt in Bewegung und die aufmerksame, kunstaffine, kreative Emilie nutzte zielstrebig die Möglichkeiten, die ihr das Umfeld bot zur Selbstverwirklichung, wobei sie den „kleinen“ Rollenunterschied, welcher zwischen Männern und Frauen in allen Lebensbereichen existierte, durch ihr Schaffen aufhob. Sie war eine zurückhaltende Akteurin, deren Leben von der Vernetzung mit den Wiener Werkstätten geprägt wurde. In Greiners Buch nehmen Klimt und Flöge fast gleichermaßen Raum ein. Eine Tatsache, die Emilie Flöge vermutlich nicht gestört hätte, denn der Focus liegt auf Ebenbürtigkeit. Über die Interna dieser Beziehung darf sich der Leser selbst sein Bild formen. Nur eins scheint unmissverständlich gewiss: Emilie schaffte es, sich ihr Leben lang treu zu bleiben, und lebte damit insgeheim eine Freiheit, die weit über ihre experimentellen Kreationen bequemer Frauenmode hinaus noch heute fasziniert.