Articles tagged with: Verlust

Der erlesene Star, well-done mit Wohlfühlaroma

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Jürgen-Thomas Ernst: Schweben, Braumüller Verlag 2017 € 20,00

Leben - Schweben

Dieses Buch hat mich tief berührt: es erzählt von Josefs Leben, in dem ihn Rosa ein gutes Stück begleitet. Sie sind ganz einfache Menschen, die ohne Aufhebens ihr Leben in die Hand nehmen. Sie haben wenig und brauchen nicht viel, sie nehmen Glücksmomente wahr und machen sie sich selbst und einander bewusst. Sie finden und verlieren einander und der Leser begleitet sie bei verschiedenen Episoden zwischen Kindheit und Alter. Es steckt viel Lebensweisheit in diesem schmalen Buch in Gedanken und Sätzen, die den Leser auch nach der Lektüre begleiten werden. Wer das Buch "Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler und "Ein Leben mehr" von Joyceline Saucier gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch lieben!

Ist Zeit messbar?

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Christoph Ransmayr: Cox oder der Lauf der Zeit, Fischer, 22,00 €

Der Roman " Cox oder der Lauf der Zeit" von Christoph Ransmayr ist ein literarisches Meisterwerk, das den Leser in die Mitte des 18. Jahrhunderts führt. Der Londoner Uhrmacher und Automatenbauer Cox folgt mit drei seiner Gehilfen dem Ruf des chinesischen Kaisers Quiánlóng nach Beijing. Die Aufträge des Kaisers verlangen die künstlerische und mechanische Umsetzung philosophischer Gedanken: So entsteht die Winduhr, um das Zeitempfinden eines Kindes zu zeigen oder sie Glutuhr, die die endende Lebenszeit eines Menschen veranschaulicht. Der Wunsch nach einer zeitlosen Uhr, die auch das Zufällige in sich birgt und die Ewigkeit messen soll, stellt die größte Herausforderung dar. Geradezu märchenhaft entsteht ein Bild des alten Chinas, in dem Prunk und Schönheit neben Willkür und Grausamkeit zu finden sind, beherrscht von einem als allmächtig anerkannten Kaiser. Ein besonderes, reiches, bildgewaltiges und nachdenkliches Buch, dem der Fischer Verlag ein edles Äußeres gegeben hat.

Äußeres und inneres Beben

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Donata Pietrantonio: Bella mia, Kunstmann 2016 € 18,95

Durch ein Erdbeben hat Caterina, die Erzählerin in dem Roman "Bella mia", ihre Zwillingsschwester Olivia verloren. Sich an die Vergangenheit erinnernd, den Emotionen damals und jetzt nachspürend, erzählt sie von ihrem Leben in der kleinen italienischen Stadt L´Aquila. War ihr Leben früher sehr von dem "Zwillingsein" bestimmt, lebt sie nun mit der Leere neben sich. Aller Trauer und Wut zum Trotz gewinnt sie, wie auch ihre Mutter und der Sohn ihrer Schwester, wieder an innerer Stabilität. Das Buch hat mich sehr berührt und die literarische Verarbeitung des realen Geschehens in den Abruzzen am 6.4. 2009 ist sehr gut gelungen.