Articles tagged with: Schule

Klug & besonders – die etwas andere Haustiergeschichte

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Elena K. Arnold: Keine Angst vor Stinktieren, Carlsen Verlag 2017 € 10,99

Als Bats Mama, eine Tierärztin, das gerade geborene Stinktierbaby aus der Praxis mit nach Hause bringt entflammt Bats Liebe zu diesem kleinen, hilfsbedürftigen Wesen. Mit Tieren kann er sowieso sehr gut umgehen. Mit Menschen tut er sich schwerer. Es fällt ihm nicht leicht, ihre Körpersprache zu deuten oder ihnen etwas von den Augen abzulesen. Es sind doch nur Augen, sagt er, als seine Mama ihn darauf anspricht. Wenn er etwas wissen möchte, fragt er. Die Autorin versteht es mit großer Sensibilität und ganz ohne Tam-Tam Bats leichten Autismus in Szene zu setzten. Man staunt über Bats Geschick in der Welt zurecht zu kommen. Die Klugheit, mit der er agiert, lässt ihn am Ende zu einem richtigen, verantwortlichen Tierpfleger werden und sogar, mittels Stinktier, einen ersten richtigen Freund finden. Ein stilles, feines und besonderes Buch. Mit einem Stinktierbaby zum Verlieben.

Jung und beherzt

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Lea-Lina Oppermann: Was wir dachten, was wir taten, Beltz&Gelberg 2017 € 12,95

Auch in der Schule, in der Klassengemeinschaft, scheint sich heutzutage die Welt nur um den Einzelnen zu drehen. Egoistisch und selbstgefällig, ohne rechten Blick auf die Anderen wurschtelt jeder sich durch. Wen wundert diese Erkenntnis im Handyzeitalter. Diese Gleichgültigkeit, gar Missachtung dem Anderen gegenüber führt ungewollt und ungeahnt zu tiefen Verletzungen. Das wiederum gipfelt im großangelegten Rachefeldzug des Einzelnen an der Gruppe. Dem Amoklauf. Manchmal würde man sich doch mehr Lebensfantasie wünschen. Wenigstens in der Literatur. Die Autorin, Lea-Lina Oppermann, 19 Jahre jung, beschreibt  diese Ausnahmesituation in der hermetisch abgeriegelten Welt des Klassenzimmer auf hohem Spannungsniveau aus drei Perspektiven. Zwei Durchschnittschüler Mark, Fiona und ihr junger Lehrer Herrn Filler erzählen. Wie in Zeitlupe spiegeln sie in gekonntem rhythmischen Wechsel jede Bewegung des Eindringlings und der Gruppe und sehen dabei immer sich selbst im Zentrum der Situation.  Allen voran der Lehrer, dessen knapper Altersvorsprung und  Ausbildung ihn keineswegs erhabener oder aktiver gemacht haben. Selbst als der Täter einen Stapel Briefe mit seinen Wünschen auf den Tisch legt, Forderungen in denen jeder mal gezwungen wird, andere Bloßzustellen, kommt keinem die Frage in den Sinn, was hier überhaupt gespielt wird. Viele Möglichkeiten des Eingreifens verstreichen. Stück für Stück erkennen die Erzähler erst jetzt, mit den gestellten Aufgaben, die Rolle Einzelner im Gesamtkontext der Gruppe und füllen ihre bisherige Nichtwahrnehmung mit defensiven Rechtfertigungen. Utopische Höhenflüge einer Jugend? Fehlanzeige. Bei diesem Text handelt es sich um einen erzählerisch versierten,  düstern Zustandsbericht des Seins, der nach Diskussion und Klassenlektüre ruft. Katrin Rüger

Queer

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Alex Gino: George, Fischer Verlag 2016 € 14,99

George ist zehn. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als die weibliche Hauptrolle beim Schultheater spielen zu dürfen. Doch ihre Lehrerin sagt, das geht nicht, weil sie ein Junge ist. Glücklicherweise hat George einen guten Plan und eine noch bessere Freundin. Jetzt! Nicht später, lautet ihre Devise. Schnörkellos klar wandert der Text in den Welten der Eigen- und Fremdwahrnehmung des transgender Kindes, bewegt und berührt dabei seine Leser. Dieses Buch ist Fest für die Vielfalt in der Kinderliteratur.

 

Jugendliche Authentizität

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Anna Seidl: Es wird keine Helden geben, Oetinger Tb 2016 € 8,99

Der Roman Es wird keine Helden geben handelt von einem Amoklauf an einer deutschen Schule und dessen schlimmen Folgen für alle Beteiligten. Das Leben der 15-jährigen Miriam ist perfekt. Sie ist hübsch, hat den beliebtesten Jungen der Jahrgangsstufe als Freund und ist in der angesagten Clique. Doch das alles wird an dem Tag zerstört, als sie einen Amoklauf miterlebt. Ihr Freund stirbt vor ihren Augen und ihre Clique zerbricht. Miriam ist am Boden zerstört, denn sie kannte den Amokläufer. Auch sie hatte ihn bloßgestellt und gemobbt. Nach dem Amoklauf verändert sie sich und auch alle Personen in ihrem Umfeld. Immer  öfter stellt sie sich die Frage ob sie mitschuldig für die Geschehnisse ist. Das Buch beschreibt sehr gut ihre Gefühle und Gedanken. Außerdem zeigt es dass aus kleinen Vorfällen schlimme Dinge geschehen können und wozu Menschen fähig sind. Katja, 14 Jahre

Übernachtungsparty

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Dagmar Geisler, Die Tintenkleckser - Mit Schlafsack in der Schule, dtv 2016 € 9,95

Mias Klasse ist wunderbar. Alle halten zusammen, mögen sich und Mia will mit ihrem Freund sogar zusammen Höhlenforscherin werden! Doch heute ist ein ganz besonderer Tag. Heute ist die große Lesenacht! Jeder darf seinen Schlafsack mitnehmen und die Lehrerin liest spannde Geschichten vor. Doch mitten im Unterricht weint Jana-Ina  los: " Mein weißer Tiger ist weg! Ich hab ihn grade noch auf mein Federmäppchen gelegt. Jemand hat ihn geklaut!" Mia wird aufeinmal ganz blass. Wird die Lesenacht ausfallen? Aber noch wichtiger: Wer hat den Tiger geklaut? Und was hat Mia damit zu tun? Ein turbulentes, unterhaltsammes Buch, das auch noch spannend ist und pfiffig erzählt wird. Ich empfehle es ab acht Jahren, aber man sollte es nicht unterschätzen es ist wirklich spannend! Wunderbar spannend!

Sprachjonglage

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Jaromir Konecny, Herz Slam, Ravensburger 2015, € 12,99

Die beiden Gymnasiastinnen Lea und Sophie haben die Teilnahme an einer Poetry-Slam Woche gewonnen. Doch als sie erfahren wer sonst noch alles mitmacht sind sie schockiert. Hauptschüler! Durch ihre vielen Vorurteile ist Ärger vorprogrammiert. Doch sie erkennen, dass in so manchen Proleten und Machos ein wahrer Poet steckt. Kein Wunder das die Herzen aus dem Takt geraten. Das Buch ist sehr gut geschrieben und macht richtig viel Spaß zu lesen, auch weil es viele Gedichte und andere wunderschöne literarische Texte enthält. Die ganzen Vorurteile herrschen im Moment wirklich und das Buch zeigt, dass diese ganzen Vorurteile überhaupt nicht stimmen. Anna, 13 Jahre

Bild: Jaromir Konecny beim Poetry Slam im Buchpalast, Bookuck 2015

 

Sprachspielspaß

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Pamela Butchart, Niemals wilde Katzen kitzeln, Reprodukt 2015 € 16,00

Zippeln und zappeln, trippeln und trappeln, kribbeln und krabbeln. Line kann nicht still sitzen und sitzt auf ihren Ohren derweil der kleine Zuhörer vom Sprachspielspaß die Ohren spitzt. Im Zoo belästigt sie Bären und streichelt Schlangen und macht auch vor dem Tiger nicht halt. Wieso man niemals wilde Katzen kitzeln sollte erzählt das Bilderbuch in süffisantem Dominoeffekt, sodass selbst Line am Ende zur Einsicht kommt und alles endet gut, wäre da nicht die Idee mal einen Polarbären zu piksen….
 

Mit Herzklopfen

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Rose Lagercrantz, Mein Herz hüpft und lacht, Moritz Verlag 2013 € 11,95

Schon in ihrer ersten, preisgekrönten „Dunne Episode“ zeigte die Autorin, wie viel Herz in einer kleinen Geschichte stecken kann und, dass sie die große Gabe besitzt, das pralle, kindliche Leben auf wenigen, luftig gesetzten Seiten facettenreich einzufangen. Für Sachverhalte benötigt sie kaum mehr als vier knackige Worte. „Da ist Dunne wieder! Dunne die so glücklich ist.“ Ein fünftes Wort liest sich wie das Salz in der Suppe. Der aufrichtige Ton ist ein Glücksfall für Leseanfänger.  Natürlich folgt Dunnes Glück das Unglück auf dem Fuß. Doch davon hält Dunne nichts. Sie bevorzugt es das Ende trauriger Geschichten umzuschreiben. „Unglück macht sie kaputt“. Gern dürfen Vorleser über die entwaffnenden Benennungen der Tatsachen staunen. Wenige Seiten weiter nimmt Dunnes Leben mit allen Fallstricken seinen Lauf und sie verheddert sich kolossal in ihnen. Selbst ihre Meerschweinchen können im Anblick des kleinen Dramas nur noch mit den Zähnen klappern. Das tun sie immer, wenn es aufregend wird. Die schwappende Wucht  sich bahnbrechender Gefühle aller Art sind brillant in Szene gesetzt. Sie füttern  süffisant die knappe Sprache, die deutliche Ansage mit ihren klaren Bildern und lassen das Herz klopfen.