Articles tagged with: Satire

Das Salz in der Suppe

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Marc-Uwe Kling: QualityLand, Ullstein Verlag 2017 € 18.-

In kurzen bühnentauglichen Episoden erzählt Kling in seiner Gesellschaftssatire QualityLand vom smarten Leben in einem zukünftigen Deutschland, das  zu 100 Prozent von Algorithmen bestimmt wird. Widerstand zwecklos. Das ist doch nicht die Zukunft, das ist fast die Gegenwart, denkt die Leserin, die ihr herzhaftes Lachen bei dieser Lektüre auch nachdenklich macht. 159x schauen wir schon heute im Durchschnitt täglich auf unser Smartphone und teilen unser Leben mit Maschinen. Peter Arbeitsloser, die Hauptfigur dieses Romans, trägt sein Smartphone als persönlichen Assistenten im Ohr: den Ohrwurm. Er diskutiert mit seinem selbstfahrenden Auto über das Wetter, Musikfragen und bezahlt die Fahrt per "Toch Kiss" auf seinem Pad. Die Welt ist an exponentiellem Wachstum erkrankt. Geradlinig, wohlstandssatt und zufrieden leben die Menschen das Mantra der 2er Potenz und stellen einen Androiden, John of Us, als Kanditaten zur kommenden Wahl auf. Dieser Wahlkampf, ein Kopf an Kopf Rennen zwischen der Fortschrittspartei und einer Rechts-Rechts Koalition, bildet die Gegenwelt zu Peter Arbeitsloser, der mit einer Warenlieferung von "The Shop" kämpft, die er weder bestellt hat noch behalten möchte. Diese klassisch duale Inszenierung garantiert schnelle Eingewöhnung, auch wenn das Werk mit Zwischeninformationen, Werbeeinblendungen und Posts gestört wird, die sich im Übrigen in der hellen (optimistischen) und dunklen (apokalyptischen) Ausgabe unterscheiden, denn Personalisierung macht auch vor der Literatur nicht halt. Maschinen wirken menschlichlicher als die Menschen. So hat Peter Arbeitsloser, von Beruf Maschinen Verschrotter, in seinem Keller eine illustre Sammlung ausgedienter Wesen angehäuft: Ein Kampfroboter mit Persönlichkeitsstörung, einen lustlosen Sexroboter, ein pinkfarbenes Pad aus dem das Känguru spricht und eine E-Poetin, Kalliope 7.3, mit Schreibblockade, der wir am Ende diesen Roman verdanken werden. Schöne neue Welt? Wenn wir nicht bald den "German Code" knacken, werden wir von Maschinen regiert. Was für ein Glück, dass das seltsam bekannt rebellische, kommunistische, pinkfarbene QualityPad schon ganz dicht dran ist....Wir wünschen ihm viele, viele Anhänger und Mitstreiter!

Kleiner Magenwärmer, pikant global gewürzt

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Antinio Manzini: Spitzentitel, Wagenbach Verlag, 15,00 €

Fusionierung und Globalisierung

Eine Satire zum Thema Fusionierung und Globalisierung im Verlagswesen: lustig, wahnwitzig, angsteinflößend - der buchgewordene Albtraum jedes Idealisten und Individualisten - ein furioses Leseerlebnis! Der bekannte und gefeierte Autor Giorgio Volpe hat soeben seinen neuen Roman beendet. Die nächsten Schritte sind ihm wohlvertraut: Telefonat mit der Lektorin Fiorella, Schicken eines PDF, ihre und des Verlegers begeisterte Rückmeldung, Mittagessen mit dem Verleger, Lektorieren mit Fiorella und 1 1/2 Monate später findet sich sein Buch in den Auslagen der Buchhandlungen. Doch alles wird anders, als gedacht: der Verlag seiner Bücher und zwei weitere große Verlage haben fusioniert, Fiorella ist plötzlich im Ruhestand, der Verleger ist verschwunden, selbst das alte Verlagsgebäude ist von einer Haube aus dunklem Kristall verschlungen...was nun?

Tod durch Wespenstich

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Am Hanser-Stand trafen wir am 17. Oktober 2015 den schweizer Kabarettisten, Satiriker und Kinderbuchautor Franz Hohler. Hohler war vor dem Interview bei uns vor allem durch seine eher brutalen Kurzgeschichten für Kinder bekannt; in „Der unternehmungslustige Prinz“ beispielsweise hackt jener Prinz zwei alten Damen an der Bushaltestelle einfach die Köpfe ab, weil sie sich über seine Kleider lustig machen.

Dementsprechend groß war unsererseits auch der Andrang, den Autor dieser liebenswürdig komischen Geschichten zu treffen. Von Friedbert Stohner, den wir zuvor ebenfalls am Hanser-Stand getroffen hatten, bekamen wir einen Insider-Tipp, und so kam es dann dass Hohler das Interview spontan mit seiner Wiedergabe des „Berndeutschen,“ einer Satire der schweizerischen Sprache basierend auf einem bestimmten Dialekt, begann. Aber natürlich waren wir ja nicht (nur) zum Geschichten hören gekommen, und so hatten wir natürlich auch einige Fragen an Franz Hohler im Gepäck.