Articles tagged with: Migration

Einstieg zum Handeln

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Sonja Eismann, Nina Lorkowski: Fair für alle! Warum Nachhaltigkeit mehr ist als nur "bio", Beltz&Gelberg 2016 € 16,95

Ein kleines kompaktes Buch, welches in seiner knappen Form doch eindringlich und nachhaltig über die Problemzonen auf unserer Erde und unsere Möglichkeiten, ihnen entgegen zu wirken, informiert. Im Fokus steht dem Menschen Unentbehrliches, wie Greifbares: Energie, Müll, Nahrung, Kleidung, Mobilität, Wohnen, Migration. Historisch eingebettet, aktuell erzählt, mit Fakten und Zahlen verfeinert und mal einem Interview begleitet bieten die Texte ein rundes Bild des aktuellen Standes und klare Anweisungen zum Handeln. Das beruhigt ein wenig. Ein solider Einstieg für alle Zukunftsaktivisten.

Zum Lachen, Mitfühlen, Träumen und Hoffen

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Christian Duda: Gar nichts von allem, Beltz & Gelberg 2017 € 12,95

Revolution ist machbar, Herr Nachbar.“ Diese Parole der 68er verirrt sich vorerst nur des schönen Reimes halber in Magdis Heft. Kein Tagebuch, nein, 35 brillante Berichte zum Lachen, Mitfühlen, Träumen und Hoffen fügt Christian Duda, alias Achmed Gad Elkarim in Magdis Namen hier zusammen. Autobiografische Anteile sind unverkennbar, Fettflecke, Saftglasränder, Gedankenkritzelein, und die Fingerabdrücke unzähliger Leser sind, Julia Friese sei Dank, ebenso unübersehbar. In einer Reihe von Mankos fühlt sich Magdi ohnmächtig gefangen. Im Jahr 1975 fehlt es noch beim Kreativspielzeughersteller Lego an flachen Bausteinen. Magdis bemühte Flugzeugkonstruktion zerfällt in den Händen des Bruders. Und hätte er doch nur wie dieser, die blonden Locken der Mutter geerbt. Dann sähe Magdi nicht so fremdländisch aus. Das Land, in dem sein Vater geboren wurde, kennt er nicht. Er vermutet Moslem zu sein, obwohl er zu wenige Moslems kennt, um dies mit Sicherheit sagen zu können. Christ jedenfalls ist er nicht, mangels Wahlmöglichkeit besucht er den üblichen Religionsunterricht. Dummerweise lässt sich sein Name auch nicht zu einem coolen Cowboynamen abkürzen, wie bei seinen Brüdern Joe und Sam. Seine Schwester kann als Mädchen den Schlägen des Vaters entkommen, die er nicht abzuwenden vermag. Magdi ist ein typisches Sandwichkind und stolzer Gymnasiast. Er geht gern zur Schule. Sie ist sein Auge zur Welt und sein Rettungsanker. Auf engstem Raum öffnet Christian Duda literarisch gekonnt die Fenster zu einer erstaunlich großen Palette von Themen. Hinzu kommen die beginnende Pubertät in schönster emotionaler Achterbahnfahrt, Freundschaft und der Halt, den Idole bieten. Nebenbei macht sich Magdi, selbsternannter Chronist aus Langeweile, Gedanken über den Gebrauch von Wörtern und den Sinn und Unsinn, der sich im Schreibprozess entwickeln kann. Hier entfaltet sich seine Sehnsucht nach Anarchie und seine Leidenschaft, auf dem Papier alles festzuhalten, nein „niederzuschreiben“, genau so, wie es passiert ist. An dieser Aufgabe wächst er über sich hinaus. Kindheiten der 60er & 70er Jahre drängen in diesem Frühjahr verstärkt auf den Markt. Solche Texte verlangen heutzutage meist ein Glossar, denn wer kennt noch Dick und Doof, Mohamed Ali, Bonanza oder die Fussballweltmeister von '74? Die Helden allen kindlichen Seins jener Zeit sind auch bei Magdi der Stoff, aus dem die Träume sind. Dudas origineller Anhang mit persönlicher Note ist so überzeugend, dass er glatt als Intro zu empfehlen wäre. Gar nichts von allem ist nach Elke in loser Folge ein beachtenswerter, weiterer Teil einer Trilogie berührender Kindheitsgeschichten. Auf den dritten Teil darf man sich schon jetzt von ganzem Herzen freuen.

Ich weiß, ich habe eine Zukunft hier

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Julya Rabinowich: Dazwischen: Ich, Hanser Verlag 2016 € 15,-

Handlung: Die 15-jährige Madina wohnt zusammen mit ihrem Vater, ihrer Mutter, ihrer Tante Amina und ihrem kleinen Bruder Rami in einem Flüchtlingsheim. Sie geht zur Schule, strengt sich an Deutsch zu lernen, hat schon eine beste Freundin und tut alles um sich in das neue Land einzuleben und die Schrecken der Vergangenheit zu vergessen. Seit mehr als einem Jahr warten sie schon auf die Erlaubnis hierzubleiben, anzukommen und eine neue Heimat zu finden…
Meinung: Madina ist das älteste Kind ihrer Familie. Zusammen leben sie in dem engen Zimmer im Flüchtlingsheim, wo noch andere Familien wohnen, die das Gleiche erlebt haben wie sie: den Krieg. Madinas Vater bestimmt alles in der Familie, er ist streng und verbietet seiner Tochter fiel. Madina will Freiheit, Selbstbestimmung und doch nur die gleichen Dinge dürfen, wie alle anderen Kinder in der Schule. Aber sie sind nicht wie die anderen. Ihre Eltern haben Angst, noch immer. Aber Madina ist angekommen, sie will leben, hier und jetzt. Julya Rabinowich erzählt von Charakteren, die zuviel ertragen mussten. Mit der einen Hälfte ist Madina hier, in dem Land, welches ihr Sicherheit gewährt, mit der anderen Hälfte ist sie noch in ihrer Heimat, wo die Angst und der Tod zum Alltag gehören.
"Ich werde nie sein wie die. Selbst wenn ich die tollste Ausrüstung hätte und ein schönes eigenes Zimmer und täglich zum Friseur liefe. Meine Angst wäre noch da." aus Rabinowich, Dazwischen: Ich
In der Schule ist Madina eine Außenseiterin, aber sie hat ja noch Laura, ihre beste Freundin. Mit Laura vergeht die Zeit viel schneller – und viel glücklicher. Bei Laura gibt es kein endloses Warten auf den Bescheid, keine abwesende Tante, keine Angst, keine Sorgen. Rabinowich schreibt aus Madinas Sicht, leicht und einfühlsam. Es ist kein spannendes Buch, und das soll es auch nicht sein. Es erzählt und es bringt Verständnis. Rabinowich findet genau die richtigen Worte für die Gefühle von Madina.
Fazit: Ein schönes Buch, indem man noch einiges über die Gefühle von Menschen lernen kann, die das erlebt haben, was Madina und ihre Familie durchmachen musste. Leider plätschert es etwas vor sich hin und kann einen trotz schönem Schreibstil nicht fesseln. Moana, 15 Jahre