Articles tagged with: Literatur

Lesevergnügen

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Petra Hartlieb: Wenn es Frühling wird in Wien, DuMont Verlag € 18,00

Das Titelbild macht schon gute Laune und führt in die Zeit dieses charmanten Romans: "Wenn es Frühling wird in Wien" ist allerbeste, leichte, reizende Unterhaltung, die in das Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts führt. Marie, ein Mädchen vom Land, ist das liebevolle und geliebte Kindermädchen im Hause Arthur Schnitzlers. Durch den Dichter und den jungen Buchhändler Oskar entdeckt Marie Theater und Literatur. Durch Oskar erfährt sie auch, wie es ist, jemanden sehr gern zu haben. Kleinere und große Dramen im nahen Umfeld und der fernen Welt erschüttern nicht nur Marie. Hier ist wieder einmal ein Buch, das viel zu schnell ausgelesen ist und Sehnsucht nach einer Sommergeschichte weckt!

Münchner Bohème und Baltikum

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Bohème um 1900

Klaus Modick: Keyserlings Geheimnis, Kiepenheuer & Witsch € 20,00

Es ist die Zeit von 1875 in den Beginn des 20.Jahrhunderts. Eduard von Keyserling, Sohn aus baltischem Gutsadel, studiert in Dorpat Jurisprudenz, um dann in Wien zu entdecken, dass er sich im Literaturbetrieb heimisch fühlt. Nach einigen Jahren auf dem elterlichen Gut schließt er sich den Schwabinger Künstlerkreisen an. Es wird philosophiert, geraucht, getrunken und geliebt und jeder gerät mal mehr oder weniger in die Bredouille. Für die Sommerfrische haben die Künstler den Starnberger See entdeckt und so residieren dort Max Halbe, Lovis Corinth, Frank Wedekind und Eduard von Keyserling. Der Leser taucht ein in diese Idylle zwischen See, Schreibtisch, Staffelei und Kartenspiel. Klaus Modick ist es wieder einmal aufs Beste gelungen, sich in die Stimmung und Sprache einzufühlen, in der seine Protagonisten sich bewegen.
 

Anekdoten gespickte Pastete, regionale Spezialität

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Volker Weidermann: Träumer. Als die Dichter die Macht übernahmen, Kiepenheuer& Witsch, € 22,00

Revolution in München

Mitreißend und lebendig erzählt Volker Weidermann über die Revolution 1918 in München. Der Leser ist dabei, wenn Kurt Eisner seine feurigen Reden hält, er schaut Thomas Mann über die Schulter, wenn er in sein Tagebuch schreibt und trommelt mit Oskar Maria Graf die Münchner Bürger zur großen Versammlung zusammen. Auch anderen literarischen Größen kommt der Leser ganz nah: Ernst Toller, Rainer Maria Rilke Erich Mühsam, Viktor Klemperer. Er fiebert mit ihnen und ihren Visionen, wie Kunst und Politik zusammen etwas Neues schaffen können. Das subjektive Einfühlen in historische Begebenheiten ist Volker Weidermann glänzend gelungen. und bevor die Schüsse fallen, die Kurt Eisner das Leben kosten, darf auch herzhaft gelacht werden!

1. Juli 2017, 12:00-14:00 Uhr. Literarischer Spaziergang durch Haidhausen mit Anette Spieldiener & Michael Weiser

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Von der Buchhaltestelle am Buchpalast führen Anette Spieldiener & Michael Weiser auf einen literarischen Spaziergang durch Haidhausen und präsentieren Könige, Künstler und Kauffrauen in literarischen Textcollagen.  Sie präsentieren ein bewegendes Stimmenkonzert in Raum und Zeit. Im Anschluss lädt der Buchpalast zu Gesprächsaustausch bei Getränk & Gebäck ein. Unter anderem werden an diesem Tag folgenden Ziele rund um den Buchpalast besichtigt:

Lebensklug und voller Ironie

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Alex Capus: Das Leben ist gut, Hanser Verlag 2016, € 20,00

Das Leben ist gut - das ganz normale Leben, in der schweizerischen Kleinstadt, wo der Protagonist des Buches aufgewachsen ist, die Winkel der Stadt und die Winkel in den Köpfen vieler Menschen dort kennt. Aus Sentimentalität hat er die vom Schließen bedrohte ehemalige Gastarbeiterkneipe übernommen. Und so erzählt er von den Begegnungen mit Typen verschiedenster Art, er, der den anderen nimmt, wie er ist und dafür sorgt, dass ein Gespräch nicht verletzt. Er hat Sinn für Witz und Ironie und Freude an guten Geschchten. Und seine Frau, die gerade eine Arbeit in Paris angenommen hat und zum ersten Mal in ihrer langjährigen Beziehung nicht an seiner Seite ist würde er im Bewusstsein aller ihrer auch merkwürdigen Eigenarten nie wieder hergeben - und macht ihr eine versteckte Liebeserklärung. Alex Capus hat einen sympatischen Helden des Alltags geschaffen, dem ich auch gerne beim Entsorgen des Leergutes am Altglascontainer gefolgt bin!

Historisch und literarisch sensationell

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Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten, Hanser Verlag 2016 € 22,00

1943 geschrieben und veröffentlicht, auf einem Flohmarkt in Nizza wiederentdeckt, 2015 in Frankreich neu aufgelegt und in diesem Jahr erstmals ins Deutsche übersetzt: Francoise Frenkel, eine junge polnische Jüdin, die in ihrer Begeisterung für die französische Literatur 1921 die erste französische Buchhandlung in Berlin eröffnete, erzählt von ihrem Leben. Ihrem erfolgreichen Engagement für die Literatur wird 1939 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein Ende gesetzt. Sie flieht nach Paris und von dort aus quer durch Frankreich bis nach Nizza. Hier erlebt sie sowohl die Nöte des Überlebens im besetzten Frankreich als auch die couragierte Hilfsbereitschaft in der französischen Bevölkerung. Der Leser folgt gebannt ihren Beobachtungen in Freiheit, im Versteck, auf der Flucht, im Gefängnis. Beim 3. Versuch wird ihr die illegale Überquerung der Grenze in die Schweiz gelingen, gleich danach hat Francoise Frenkel das vorliegende Buch verfasst. Ein außergewöhnliches Zeugnis, ein historisch und literarisch sensationeller Fund.

 

Literarische Paarungen

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Literarische Paarungen

Tania Schlie, Schreibende Paare, Thiele Verlag 2016 € 25,00

Wer kennt es nicht, das wohl berühmteste Literatenpaar Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir? Sie waren nie verheiratet, haben sich respektvoll gesiezt, lebten nie zusammen, waren ihre strengsten Kritiker und doch haben sie sich viele Jahre gegenseitig beflügelt. Das und vieles mehr erfährt man in Tania Schlies Buch über Sartre und Beauvoir in dem Kapitel ´Die Hälfte von... ein Leben lang`. Es ist nur ein Kapitel von sieben, in denen der Leser für einen kurzen Moment hinter die Fensterscheiben der berühmten Paare wie Martha Gellhorn und Ernest Hemingway, Ingeborg Bachmannn und Max Frisch oder Bettine und Achim von Arnim blicken darf. Dabei geht es der Autorin einzig um die Beweggründe ihres Miteinander im Bezug auf das Schreiben. Die interessante Kapitelzusammenstellung, das hervorragende Bildmaterial, die vielen kleinen Anekdoten und Hintergründe zu den großen Werke ihrer ausgewählten Paare machen dieses Buch zu einem einzigartigen Lesevergnügen. Was es für einen Schriftsteller bedeutet, nicht allein zu sein mit seinem Schaffen, welche Probleme es mit sich bringt, wie man sich reibt oder weitertreibt... darüber kann in diesem wunderbaren Buch nachgeblättert werden.