Articles tagged with: Kunst

Bookuck 2017: Poesie beim Einkaufsbummel

poesie-parcours-kainsbauer-kopie

Kennen Sie ein Reim aus Kindertagen? Sie dürfen das Dichten auch selber wagen.“ Die Frage nach einem Lieblingsgedicht für unseren Poesie Parcours entfachte ungeahnte Resonanz. Kaum war das Schaufenster für bookuck dekoriert staunten wir nicht schlecht. Ob Groß, ob Klein, ein jeder trug ein Gedicht im Herzen, das uns dann gleich vom Tresen weg vorgetragen wurde. Unsere Palastgemächer füllten sich mit unzähligen Reimen, poetischen Sentenzen und Sprachspielereien. Die farbigen Kartons, auf denen man sein Gedicht für diese Aktion beisteuern durfte, fanden reißenden Absatz. Manche beschrieben ihn gleich im Laden, andere steckten ihn zu ihren Einkäufen und brachten ihn als kleines Kunstwerk zurück, mit Worten in Schönschrift und Bildern verziert. Im Moment der Übergabe wurde das Werk oft mit einer Geschichte umrahmt, die uns von der Verbindung des gewählten Gedichtes zum Schreiber erzählte. Neben Klassikern wie Ringelnatz und Morgenstern, Fried, Goethe, Brecht, Benn, Domin und Kaleko, Songtexten und kleinen Zweizeilern waren auch unzählige selbst gedichtete Verse dabei. Die fiktionale "Wäscheleine" der Gedichte wuchs zum „kilometerlangen Strang“.

Kunsträuber gefunden!

khing-kunst

Thé Tjong Khing: Kunst mit Torte, Moritz Verlag 2017 € 13,95

Ein Kunsträuber und Tortendieb trieb im Buchpalast sein Unwesen! 31 Kinder versuchten ihm in einem Rätselrennen auf die Spur kommen. Die Rätselralley führte in das Buch "Kunst mit Torte" von Thé Tjong-Khing. Im Buchpalast konnte man dazu auch sein Skizzen und Ideen zu diesem Buch in einer Ausstellung bestaunen. Am 24. Juni wurden beimTortenschmaus die Sieger des Rätselrennens gekürt. Wir verlosten drei sigierte Bücher mit einer kleinen Originalzeichnung von Thé Tjong-Khing und freuten uns über alle Hobbykriminologen!

Premierenlesung: Margret Greiner stellt das Leben der Künstlerin Charlotte Salomon vor.

greienr-salomon
 "Am 17. April 2017 jährt sich ihr Geburtstag zum 100. Mal, ein Anlass für mich, diese besondere Künstlerin ins Licht zu stellen." Margret Greiner
Sie war im weitesten Sinne eine Autodidaktin. Ein Kindermädchen brachte sie zum Malen, die Kunsthochschule besuchte sie nur kurze Zeit. Als Jüdin verfolgt und ins Exil getrieben, zeichnete und schrieb sie vor ihrer Deportation über ihr Leben. Sie hinterließ einen Koffer mit 1325 Gouachen expressionistischen Stils, auf die Margret Greiner in ihrer Biografie immer wieder sehr engen Bezug nimmt und uns damit eine faszinierende Künstler-Persönlichkeit präsentiert. Katrin Rüger

Ist Zeit messbar?

ransmayr-cox

Christoph Ransmayr: Cox oder der Lauf der Zeit, Fischer, 22,00 €

Der Roman " Cox oder der Lauf der Zeit" von Christoph Ransmayr ist ein literarisches Meisterwerk, das den Leser in die Mitte des 18. Jahrhunderts führt. Der Londoner Uhrmacher und Automatenbauer Cox folgt mit drei seiner Gehilfen dem Ruf des chinesischen Kaisers Quiánlóng nach Beijing. Die Aufträge des Kaisers verlangen die künstlerische und mechanische Umsetzung philosophischer Gedanken: So entsteht die Winduhr, um das Zeitempfinden eines Kindes zu zeigen oder sie Glutuhr, die die endende Lebenszeit eines Menschen veranschaulicht. Der Wunsch nach einer zeitlosen Uhr, die auch das Zufällige in sich birgt und die Ewigkeit messen soll, stellt die größte Herausforderung dar. Geradezu märchenhaft entsteht ein Bild des alten Chinas, in dem Prunk und Schönheit neben Willkür und Grausamkeit zu finden sind, beherrscht von einem als allmächtig anerkannten Kaiser. Ein besonderes, reiches, bildgewaltiges und nachdenkliches Buch, dem der Fischer Verlag ein edles Äußeres gegeben hat.

Wohltuende Literatur

carr-monat

J.L. Carr: Ein Monat auf dem Land, DuMont Verlag 2016 € 18,00

 

So wie der "Monat auf dem Land" in Nordengland dem jungen Erzähler wohltut, tut es das Buch dem Leser, der Leserin. In schöner und ganz natürlicher Sprache erzählt der Restaurator von seinem Auftrag, ein übertünchtes Fresko in einer Dorfkirche freizulegen. Es ist das Jahr 1920, der erste Weltkrieg hat Spuren in den Menschen hinterlassen, das ländliche, sommerliche Leben wirkt heilsam. Gesicht für Gesicht, Figur nach Figur befreit der Restaurator ein Meisterwerk des jüngsten Gerichts, erzählt von den besonderen Farben, dem Ausdruck der Figuren und seiner Faszination. Er schließt Bekanntschaften und Freundschaften in dem kleinen Ort und eine zarte heimliche Liebe wärmt ihn. Der Roman war 1980 für den Booker Preis nominiert und wurde nun endlich ins Deutsche übersetzt.

Auf kreativer Jagd nach Inspiration

niemann-sunday-sketching

Christoph Niemann: Sunday Sketching, Knesebeck 2016 € 34,95

Auf den ersten Blick ein Fotoapparat, auf den zweiten ein offenes Tintenfässchen, durch das der Betrachter die Welt sieht. Nichts könnte passender sein, für einen Band des Künstlers Christoph Niemann. Seine Striche lässt er flächig aus Pinseln oder punktgenau aus Stiften und Federn laufen, mal komponiert er Flächen dazu, einen Alltagsgegenstand.  In minmalistischer Sparsamkeit blickt Christoph Niemann mit seinen kunstfertigen Sketchen auf die Welt. Elf Jahre lebte er in New York, arbeitete für The New York Times Magazine, zeichnete dort die Kolumne abstractsunday  und gestaltete Cover für The New Yorker. Heute lebt der gebürtige Süddeutsche in Berlin. Sunday Sketching erzählt von seinem Leben, seiner Arbeit als Künstler, seinen Zweifeln, seiner Angst sich nicht immer wieder neu erfinden zu können. "Mit Kreativität kann man nicht effizient sein", sagt er. Es bedarf Raum für Fehler und gerade wenn es gut läuft, sollte man die Richtung wechseln. Und nicht zuletzt muss man immer wieder das Sehen üben und den Blick neu öffnen. Dieser Band umfasst Werke aus allen Epochen. Auf jeder Seite ein eigenständiges Kunstwerk und doch, in seiner Gesamtheit ein visuelles Seelenleben, das zu faszinieren und inspirieren vermag.

Reales und Fiktives rund um eine Palladio Villa

kucher-malcontenta

Felix Kucher: Malcontenta, Picus Verlag 2016, € 24.-

Die Villa Malcontenta am Brentakanal, nahe Venedig gelegen und von Palladio erbaut, ist der Dreh- und Angelpunkt für drei männliche Figuren in diesem Roman. Battista Franco, der um 1560 die Fresken in der Villa malt und in einem Tagebuch von seinem Leben berichtet; Bertie Landsberg, Bankierssohn, der nach einem ausschweifendem Leben um 1912 die Villa erwirbt und dort seiner Sehnsucht nach Harmonie und Schönheit nachgeht; Said, Graffitikünstler und Flüchtling aus Lybien, der 2012 bei der Villa eine Chance bekommt.
Das Buch begeistert in seiner Vielseitigkeit durch die drei so unterschiedlichen Lebensläufe und gibt gleichzeitig Einblicke in das Leben bekannter Persönlichkeiten: Tizian, Michelangelo und Georgio Vasari als auch Matisse, Strawinsky, Cole Porter und viele weitere. Beste Unterhaltung für Italien - und Kunstliebhaber! Nach der Lektüre dieses Buches möchte man am liebsten gleich die Villa Malcontenta besuchen...

Was ist denn daran Kunst?

partsch-rot-blau-gelb

Susanna Partsch: Wer hat Angst vor Rot, Gelb, Blau, C.H. Beck Verlag € 19,95

Die Erfahrung vor einem modernen „Kunstwerk“ zu stehen und sich ratlos zu fragen, was das jetzt eigentlich darstellen soll, beziehungsweise wieso dieses Werk das Prädikat Kunst verdient hat teilen sicherlich einige mit mir. 
Susanna Partsch hat es sich zur Aufgabe gemacht Kinder und Jugendlich - ja vielleicht auch dem ein oder anderen Erwachsenen - mit ihrem Buch „Wer hat Angst vor Rot, Gelb, Blau“ einige dieser Fragen zu beantworten. Dafür wählt sie 60 Kunstwerke aus anhand derer sie die Entwicklung vom gegenständlichen Malen über abstrakte Kunst bis zu Installationen aus den letzten Jahren erklärt.
Sehr deutlich treten die gegenseitigen Einflüsse der Künstler hervor und die Werke werden verständlich in ihren politischen und geistesgeschichtlichen Hintergrund eingeordnet. Obwohl ein Sachbuch, noch dazu für ein jüngeres Publikum, ist der Text durchgehend in zusammenhängenden und aufeinander aufbauenden Kapiteln gegliedert, was zu einem flüssigen Lesegenuss führt, der es einem schwer macht, ein mal zu lesen begonnen, das Buch beiseite zu legen. Partschs Herangehensweise an die Bilder und deren Deutung machen Lust selbst ein Museum aufzusuchen und ein mal auf eigene Faust nach den Botschaften der ausgestellten Kunstwerke zu forschen.
Anna, 18 Jahre

Künstlerischer Aufbruchswille

Jetzt will ich mir selbst gehören

Margret Greiner: Charlotte Berend-Corinth. Ich will mir selbst gehören. Romanbiografie, Herder Tb 2016 € 14,99

Sie war heimliche Geliebte auf einem Bett von Tannennadeln, Ehefrau und Mutter, Krankenschwester. Sie liebte die Selbstdarstellung, die Mode, die Kunst, das Theater, den Tanz, war Bauherrin und Malerin. Was kommt an erster Stelle im Leben? Die Romanbiografie von Margret Greiner erzählt von Charlotte Berend-Corinth, Künstlerin der Berliner Secession, deren Ambitionen oft hinter denen ihres berühmten Ehemanns Lovis Corinth zurücksteckten. Ohne Zweifel hat sie sich, jung und selbstbestimmt, diesen Weg an der Seite des nicht einfachen Mannes gewählt. Ihr Leben lang und über seinen Tod hinaus stand sie in faszinierend enger Verbundenheit zu ihm. Sie konnte aber auch anpacken und wie eine Löwin kämpfen. Was bedeutete ihr dieser Mann, der häufig trinkend selten lobende Worte fand? Er hätte ihr Vater sein können. Margret Greiner enthält sich aller Meinung und Wertung. Sorgsam trägt sie ein facettenreiches Leben zusammen, in dem sich neben aller Fürsorge auch immer wieder Freiheiten bieten, Raum für eigene Entfaltung. Viele Blätter ihrer Mappen, die sie Backstage am Theater anfertigte sind verschollen. Die Erhaltenen geben einen Eindruck der sinnlichen Erotik und der Frauenpower, welche Charlotte Berend-Corinth ebenso intensiv erlebte wie das Hausfrauendasein. Das assimiliert jüdische wie protestantische, finanzstarke Bürgertum, dem die Corinths angehörten, wandelte dabei moderat über die Zeit mit ihren gravierenden politischen Einschnitten hinweg, zu selbstverliebt, sich maßgeblich einzumischen. Sie begaben sich lieber auf Reisen, erkundeten und malten die Welt von Ostpreußen über Italien bis in die Türkei und Ägypten, um den herrlichsten Ort am Walchensee zu finden, an dessen Ufer Charlotte am Ende des ersten Weltkrieges mit Beharrlichkeit ein Blockhaus baute. Die Sommer in Urfeld empfand sie als ihre glücklichste Zeit, auch wenn ihr Mann ihr befahl:

Das Haus schenke ich dir. Aber den See und die umgebende Landschaft, die brauche ich für mich allein. Die kann ich nicht teilen.“ Zitat: Greiner, Charlotte Berend-Corinth, Herder Verlag

Diese und weitere Ambivalenzen lassen immer wieder stolpern und regen zum Nachdenken an.

 

Mondrian in New York

matti-apfelsinen

Truus Matti: Apfelsinen für Mr Orange, Oetinger Tb 2015 € 7,99

Das Buch Apfelsinen für Mister Orange handelt von Linus, dem zweitältesten Bruder einer großen Familie mit 6 Kindern, die in New York wohnen. Da sein großer Bruder Apke (sein eigentlicher Name ist Albert) in den Krieg gegen die Nazis nach Europa geht, übernimmt Linus teilweise die Arbeit von Apke sowie die Stiefel des älteren Bruders. Linus wird deshalb zum Obstlieferanten  und er trägt die Früchte von dem Lebensmittelladen seiner Eltern aus. Alle zwei Wochen trägt er eine Kiste Apfelsinen zu Mister Orange (Mister Orange ist ein berühmter Künstler aus Europa, der nur die Farben rot, gelb und blau für seine Werke verwendet, ich verrate aber nicht, wer es ist) , der sehr freundlich zu Linus ist und seine Fragen immer ganz ernst nimmt. Einmal fragt Linus zum Beispeil, wieso Gerüche keine Namen haben, Farben aber schon und Mister Orange gibt sich alle Mühe, diese Frage zu beantworten. Der Maler schenkt Linus auch immer eine Orange und verarztet ihn auch, als er sich einmal das Knie aufgeschlagen hat.