Articles tagged with: Krimi

Historischer Mordprozess

Burnet, Projekt

Graeme Macrae Burnet, Sein blutiges Projekt, Europa Verlag 2017 €17,90

Ein Siebzehnjähriger, der vor Gericht steht, angeklagt des dreifachen Mordes, und bereits gestanden. Wir sind mitten in Schottland im Jahr 1869. Nach einer wahren Begebenheit lässt der Autor diverse Menschen aus dem Umfeld des Mörders zu Wort kommen, sein Lehrer, der Dorfpfarrer, die Nachbarn, allesamt zeugen in dem Prozess, in dem es darum gehen wird, ob Roderick Macrae Herr seiner Sinne war oder womöglich geistergestört. Faszinierend an dem Krimi sind die unterschiedlichsten Betrachtungsweisen, denn jeder, der zu Wort kommt, zeichnet ein anderes Bild von dem jungen Roddy. Doch auch er selbst kommt zu Wort. Auf Anraten seines Strafverteidigers schreibt er einen Bericht, wie es sich wirklich zugetragen hat. Die Monate zuvor, die Qualen, das regelrechte Mobbing an der armen Bauersfamilie... lesen Sie selbst und machen Sie sich ein Bild davon, ob Roderick Macrae den Tod am Galgen verdient hat...  Ein historischer Krimi, der seinesgleichen sucht und zu Recht auf der Shortlist des Man Booker Prize 2016 stand.

Düstere Faszination

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C.R. Neilson, Das Walmesser, Heyne 2017 €14,99

John Callum will seiner Vergangenheit entfliehen, einen neuen Anfang machen, irgendwo, wo ihn niemand kennt Darum sucht er sich eine Faröerinsel aus, landet in der Hauptstadt Torshaven, findet Arbeit beim Fischfang und eine Unterkunft, aber ansonsten bleibt er für sich. Das macht ihn als den Fremden erst recht verdächtig, zumindest für die Leute dort. Wer kommt schon freiwillig auf eine Insel, auf der es dreihundert Tage im Jahr regnet und nie etwas Spektakuläres passiert. Aber dann gibt es einen Mord, und John Callum kann sich an nichts erinnern. Ist es nur das letzte Glied einer Reihe von Drohungen, die ihn von der Insel vertreiben sollen? Obder kennt jemand seine Vergangenheit? Eine interessante Stimme in der Krimilandschaft, und eine Geschichte, die ihre ganz eigene Faszination besitzt.

Die Angst geht um

frank goldammer der angstmann

Frank Goldammer, Der Angstmann, dtv Verlag 2016 € 15,90

Max Heller ist ein grundsolider Kriminalinspektor, der nur seine Arbeit machen will. Und das mitten in Dresden, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, während die Russen bereits im Vormarsch sind und die Menschen kurz vor dem Verzeifeln, sich gegenseitig Denunzieren und Resignieren sind. Ein psychopathischer Sereinmörder, der Frauen bei lebendigem Leib die Haut abzieht, lässt Max Heller nicht kalt. Er bemüht sich, seine Arbeit trotz der widrigen Umstände, trotz eines überzeugten SS-Anhängers als Chef, der seine Aufklärungen sabotiert, und trotz Hunger und Ängsten so gut wie möglich zu machen. Als er und seine Frau Karin mitten in der großen Bombadierungsnacht, in der Dresden dem Erdboden gleichgemacht wird, mit dem Leben gerade so davon kommt, verliert er zwar seinen Job, den Mörder aber nicht aus den Augen, denn er treibt weiter sein Unwesen... Ich finde die Atmosphäre bedrückend gut in dem Buch, die Kriegsszenerien gehen unter die Haut, die Schicksale der Menschen werden von allen Seiten beleuchtet, von denen, die einfach nur Opfer waren, den Agitatoren, und solchen, die die Augen verschlossen hatten. Ein gelungener historisch in den Jahren 1944/45 angesiedelter Krimi.

Münchner Ermittlungen mit Witz

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Jaromir Konecny: Tote Tulpen, dtv 2015 € 9,95

Leon wurde vor kurzem aus der Jugendstrafanstalt wegen eines Tresorraubes entlassen. Da er keine Eltern mehr hat, kommt er auf Bewährung in die Familie Samper, die einen Blumenladen besitzt. Nur dumm, dass gerade an dem Tag, wo er das erste mal in den Laden kommt, die Leiche einer schönen Frau mit einer schwarzen Tulpe und einem unheimlichen Gedicht auf der Brust auf der Theke liegt! Er und die gleichaltrige, SEHR schöne Tochter der Sampers versuchen den Mörder von Friederike Schnippköter zu finden und es ist klar, das das nicht leicht wird!  Eins der besten Dinge an dem Buch ist die Art wie es geschrieben ist! Es ist einfach wunderbar die lockere und witzige Art von Jaromir Konecny zu lesen! Gleichzeitig ist das Buch natürlich so spannend geschrieben, dass man immer weiterlesen muss! Ich kann das Buch vorallem für 11-12-jährige empfehlen, denn es ist schon ein bisschen schaurig. Aber grundsätzlich ein total tolles Buch das jeder einmal gelesen haben sollte!

Krimi einmal anders

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T.R. Richmond: Wer war Alice, Goldmann TB 2016 €14,99Titel

Dieser Roman liest sich anders als ein gängiger Krimi. Schon von Alice Tod erfährt man in einem Brief eines Professors an seinen Freund. Durch Blogeinträge, ausgetauschte E-Mails und Briefe nähert sich der Autor der Frage, wer Alice war und warum sie gestorben ist. Jeder hat etwas zu sagen, Freunde, Familie, der ehemalige Professor, nur eine Person hat etwas zu verbergen: die Mörderin. Auf faszinierende Art fühlt sich der Leser wie ein Voyeur, der an Alice Leben rückblickend teilhaben darf. Die Spannung hält bis zuletzt und überrascht mit einem Plot, der nicht vorhersehbar war.

Packendes Debüt

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Angela Marsons: Silent Scream, Piper TB 2016 €14,99

Ein Krimi, der es als E-Book in die britischen Krimicharts gebracht hat, und das meiner Meinung nach zurecht. In dem Debüt der Autorin trifft man auf eine junge Ermittlerin, die eine harte Vergangenheit hinter sich hat. Detective Kim Stone ist nicht gerade für ihr Taktgefühl bekannt, setzt sich über Anweisungen gern hinweg und hetzt ihr Team ständig herum. Doch sie ist brillant und ihre Ermittlungserfolge sprechen für sich. Eine solche Figur macht für mich einen guten Krimi aus. Wenn dazu noch die Story passt, dann hat man ein Buch in der Hand, das man nicht mehr weglegen möchte. 

Pfiffiger als die Stasi

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Ute Krause: Im Labyrinth der Lügen, cbj 2016 € 14,99

In der schön erzählten Geschichte geht es um Paul, dessen Eltern in den Westen freigekauft wurden. Nun lebt er bei seiner Oma und seinem Onkel. Doch als er einer mysteriösen Sache auf die Spur kommt, stellt er fest, dass nicht nur er herumspioniert. Ich fand das Buch gut, da es eine wichtige Geschichte ist. Nicolas, 11 Jahre
Ostberlin, wenig Jahre vor Mauerfall: Paul lebt bei seiner Oma. Von ihr erfährt er, dass man seine Eltern, die nach einem Fluchtversuch im Gefängnis saßen, nach Westberlin ausgetauscht hat. In diesem Moment erlischt seine Vorstellung, jemals wieder mit ihnen zusammen kommen zu können. Wenn er sein Ohr an eine zugemauerte Stelle im U-Bahn Tunnel der Friedrichstraße legt, kann er Westberlin hören, doch für DDR-Bürger wie Paul bleibt es unerreichbar. Eines Abends, als er seinen Onkel, der als Nachtwächter im Pergamon Museum auf das berühmte Ischtator aufpasst, besucht, ereignen sich in der Dunkelheit merkwürdige Dinge. Hat Onkel Henry ein Geheimnis? Pauls kriminologischer Geist ist geweckt. Zusammen mit Millie beginnt er zu beobachten und zu kombinieren. Doch je mehr die beiden Kinder ermitteln, desto verwirrender wird alles. Bald bekommt die kleine Familiengemeinschaft es täglich mit den Herren der Firma "Horch & Guck" zu tun, der gefürchteten Staatssicherheit.
Präzise hat Ute Krause den ostberliner Raum in seiner Zeit inszeniert. Das allseitige Lügengespinst, durch welches vermutlich auch Erwachsene nicht mehr durchblickten, bleibt verwirrend.  Doch am Ende zählt das Ergebnis. Oma und Onkel Henry haben das Unmögliche geschafft. Auch Paul darf nach Westberlin zu seinen Eltern ausreisen. Zurück bleibt die kindliche Ahnung an ein "anderes" Deutschland, in dem ein Leben bescheiden und mitunter nicht ganz einfach war. Diese Geschichte beruht auf einer wahren Geschichte.

Afrikakrimi für Kinder

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Wir treffen Kirsten Boie auf dem Kinder-Krimi-Festival und nutzen die Gelegenheit, ihr gleich ein paar Fragen zu stellen.

Bücherfresser: Ihr neues Buch "Thabo" spielt in Swasiland, Afrika. Haben Sie schon mal ein Nashorn gesehen? Kirsten Boie: Ja, in einem Safari-Park. Ich bin regelmäßig in Swasiland, weil ich dort mit einer Stiftung Waisenkinder unterstütze.
BF: Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Buch? KB: Diese Idee bekam ich auf einen meiner Besuche. Momentan werden in Afrika viele Nashörner tötet, um ihr Horn als Medizin zu verkaufen. Man zahlt für das Nashornpulver fast so viel wie für Gold.
BF: Sind die ganzen afrikanischen Wörter echt, oder haben Sie sich die Wörter ausgedacht? KB: Die sind echt. Ich hatte in Sansibar eine Frau, die ich nach der Übersetzung von Wörtern fragen konnte. Sie wollte allerdings immer, dass ich keine schlimmen Wörter schreibe
BF: Wie alt ist Thabo eigentlich? KB: Ich habe es im Buch nicht ausgesprochen, aber beim Schreiben habe ich ihn mir als 12-jährigen vorgestelllt.
BF: Kennen Sie ein Kind, dass Thabo heißt? KB: Nicht direkt. Aber Thabo ist kein ungewöhnlicher Name.
BF: Gibt es schon einen zweiten Band? KB: Noch nicht. Ich schreibe daran. Voraussichtlich wird er im September erscheinen.

Mit eindringlichem Blick auf die Welt

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Kim Slater: Smart oder die Welt mit anderen Augen, dtv 2016 € 14,95

"Der Anfang war, als ich Colins Leiche im Fluss fand. Die Mitte war, als Tony seine Arbeit verlor und das mit den Besuchern angfing. Und der Schluss...." Zitat aus Slater, Smart
Kiran ist ein langsamer Denker und ein genauer Beoboachter. Eigentlich schon fast sechszehn, betrachtet er die Welt aus den Augen eines Kindes, will sich in ihr zurechtfinden und sucht seinen Platz. Seine Mutter ordnet sich demütig einem gewalttätigen Stiefvater unter. Kieran, das Anhängsel verbringt viel Zeit mit sich allein. Als er einen Penner tot am Fluss findet und die Polizei nichts tut, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln. Fasziniert folgt man Kirans Gedanken zu Menschen und dem Leben an sich. Immer um Menschen besorgt, manchmal beeindruckend bestimmt und mutig, bewegt sich der Junge in seiner Welt, die ihn nicht gerade auf die Sonnenseite des Lebens gestellt hat. Sein behäbiges Denken bläht sich als Schutz wie ein Segel im Wind, mit dem Zeichenstift hält er genau fest, was er sieht. Sofort fällt der Leser in diese Geschichte, sieht, hört und spürt mit allen Sinnen. Nicht zuletzt voller Sprachegenuss und guter Rhytmik. Ein leicht kriminalistischer, sehr smarter Lesegenuss.

Eiskalte Machenschaften

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Lenz Koppelstätter, Der Tote am Gletscher, KiWi Tb € 9,99

Der Krimi von Lenz Koppelstätter lebt für mich von dem Charme der beiden Ermittler: der Sizilianer Ispertore Saltapepe, den es frisch ins Schnalstal verschleppt hat und der ständig von seinen Mafiafällen träumt; er findet einfach alles in den kleinen Bergdörfern provinziell, angefangen von den Ermittlungsmethoden bis hin dazu, dass man zum Ort des Verbrechens tatsächlich nur auf Skiern gelangt. Ihm an der Seite arbeitet der ortsansässige gemütliche Commissario Grauner, der viel an Essen denkt, die Machenschaften der Leute kennt und seine ganz eigene Art des Ermittelns hat. Man wartet vergeblich auf rasante Action, dafür aber wird man mit den Bergdörfern des Schnaltals und seinen Bewohnern bestens vertraut gemacht. Wäre da nur nicht die Leiche am Gletscher, ermordet mit dem Originalpfeil aus dem Ötzimuseum ...