Articles tagged with: Gesellschaft

In der Fremde

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Theodora Bauer: Chikago, Picus Verlag, € 22,00

Es ist Anfang der 20er Jahre, als sie auswandern: Feri und Katica, ein junges Paar und Katicas Schwester Ana. Mit großen Hoffnungen auf ein glücklicheres, freieres, reicheres Leben ziehen sie aus dem östereichisch/ungarischen Grenzgebiet nach Chikago. Doch einfach ist es nicht in der Fremde, die nur der stillen Ana und ihrem Neffen Josip vorübergehend Heimat werden wird. In all ihrer Schlichthiet ist Ana ist die zentrale Figur, sie ist groß im Erspüren und Beobachten und zögert nicht, zu Handeln. Der Roman zieht den Leser immer mehr in den Bann, lässt Spannung wachsen und vermittelt eindrücklich ein Stück Gesellschafts- und Zeitgeschichte.

Brisantes Thema im Roman

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Imbolo Mbue: Das geträumte Land, Kiepenheuer&Witsch 2017 € 22.-

Der Roman von Imbolo Mbue ist sehr aktuell, behandelt er doch die Einwanderungspolitik in den USA. Die Autorin urteilt nicht, aber sie erlaubt eine fantastische Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Roman erzählt von einer kleinen Familie aus Kamerun, deren großer Traum sich erfüllt hat: sie leben in New York. Er, Jende Jonga, hat eine Arbeitserlaubnis, siene Frau Neni bereitet sich auf das langersehnte Pharmaziestudium vor. EIne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben sie noch nicht. Als Jende den Job als Chauffeur eines Bankers von Lehman Brothers bekommt und Neni einige Monate später in dessen Familie das Hausmädchen vertritt, verzahnen sich die Schicksale der beiden Familien mehr, als man sich vorstellen konnte. Ich fand es spannend zu merken, dass manche Hoffnungen und Probleme beider Familien sehr ähnlich sind, den gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz. Imbolo Mbue erzählt leicht und lebendig mit präzisen Beobachtungen und viel Empathie, gleich auf der ersten Seite ist der Leser den Protagonisten sehr nah. Und gerade die letzten Worte des Romans haben mich sehr berührt - von der ersten bis zur letzten Seite ein intensives Leseerlebnis!

Spätes Glück

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Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht, Diogenes 2017 € 20,00

Ein hoffnungsvoller, ein berührender Roman über das Glück, einen Menschen zu finden, mit dem man Zeit, Gedanken, Gefühle, Erinnerungen teilen kann. Dass das auch geschehen kann, wenn der langjährige Partner gestorben ist, dass dieses Glück manchmal greifbar nah ist und auch auf 70jährige wartet, ist in diesem Roman glaubhaft nachfühlbar. Dass die Umgebenug kritisch und argwöhnisch reagiert, ist aber auch spürbar.. Ein ruhiger, sensibler, gut unterhaltender Roman mit dem Schauplatz eines kleinen Städtchens in Colorado, das nahezu überall in der Welt angesiedelt sein könnte.

Anderes wäre möglich

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Carolin Emcke: Gegen den Hass, s. Fischer 2016 € 20.-

"Hass und Gewalt nicht allein zu verurteilen, sondern in ihrer Funktionsweise zu betrachten, heißt immer auch zu zeigen, wo etwas anderes möglich gewesen wäre..." Zitat aus: Emcke, Gegen den Hass
Mauern und Zäune, Ausgrenzung und Hass, ein "Wir, die Gleichen" getrennt vom "Anderen, dem Fremden" ist bis in die Mitte unserer Gesellschaft, wieder salonfähig geworden. Wie kommt es, dass populistische und rechtsextreme Sichtweisen erneut so Fuß fassen können? Wie schaffen es Menschen, das angsteinflößende Monströse und gleichermaßen die Unsichtbarkeit von Individuen, zwei gegenläufige Pole, die der Hass bedarf, für sich aufzubauen. Carolin Emcke, diesjährige Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, analysiert mit Präzision gesellschaftliche Zustände. Ihre journalistisch knappen Gedankengänge bieten eine Fülle von Argumenten für Pluralität und Offenheit in unserer Gesellschaft. Ein starkes Plädoyer gegen die Angst und für eine lebendig Demokratie, die nur am Leben bleiben kann, wenn wir alle mutig und unbeirrt dazu beitragen, sie zu verteidigen.

Genderspiel

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Gernot Gricksch: Nicht drücken, Oetinger Tb € 6,99

Was wäre, wenn alle Mädchen Fussball lieben und Jungs nur noch zum Klamotten shoppen zu gebrauchen wären? Ein Knopfdruck und schon ist es versehentlich passiert: die Welt von Siri, Ole und Ivana steht auf dem Kopf  und ist nicht mehr wie vorher. Gernot Gricksch vertauscht die Vorlieben der Geschlechter ebenso wie die von Hund und Katze, am Anfang ganz lustig, doch bald muss jedem Leser auffallen, dass diese andere Welt nichts anderes ist, als das Gleiche in grün. Sehr einfallsreich scheint das nicht, ein wenig lehrreich schon eher. Alle, die im Laufe der Geschichte über ihren eigenen Schatten springen, verwandeln sich wieder zurück und Entspannung breitet sich aus. Der Mensch ist doch ein Gewohnheitstier. Als am Ende die Kinder vor der Wahl stehen, durch erneutes Drücken des Buttons ein Leben in Ungewissheit und Abenteuer zu wählen, dem gegenüber die glückliche und gewöhnliche Alltäglichkeit steht, würde das  Abenteuer erst beginnen. Diese Lektüre bietet viele Anlässe über Klischees und gesellschaftliches Rollenverhalten zu diskutieren.

Ein Forschungsbericht

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Susann Opel-Götz: Außerirdisch ist woanders, Oetinger TB 2016 € 8,99

Schon die illustrative, mit ungewöhnlich viel Liebe sparsam wie kunstvoll gestaltete und mit dem Text gut verschränkte Gliederung dieses Kinderbuches lässt aufhorchen. Gleich hinter dem Buchtitel findet sich das farbige Deckblatt des Forschungsberichtes von Jona Klinger, in Folge bekommt auch jedes Kapitel großzügig eine eigene Deckseite. Die Rückseiten dieser Vorsatzblätter wurden freigelassen, wie bei großen Büchern mit beigefügten Stichen oder besonderen Illustrationen. Jona lebt wohl behütet in einer quirligen, gut situierten Durchschnittsfamilie. Neben seinem Geheim-Kino im Kopf hat der pfiffige junge Mann auch eine Kurzfass-Schwäche.