Articles tagged with: Familie

Wenn Papa Eisbär auszieht, einen Vogel zu fangen

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Henning Callsen, Sabine Wilharm: Kein Problem, sagt Papa Eisbär, Hanser Verlag 2017 € 13.-

Das karierte Tirolerhütchen, um Nummern zu klein, hält nicht auf Papa Eisbärs Kopf. Wenn es mal aufliegt, dann "krausen" sich seine Gedanken darunter. Sie bringen seinen Eifer und seine Leidenschaft, für seine Familie sein Bestes zu geben zum Glühen. Dieses Vorlesebuch ist ein Glücksgriff! Nicht Pelle, Papa Eisbärs Sohn, steht im Zentrum dieser ersten Geschichte von „Pelle und Pinguine“, sondern der Vater selbst. Augenzwinkernd, und ohne den Kontakt zum kindlichen Zuhörer zu verlieren, wird erzählt, wie es auch Vätern gelingt, an ihren Aufgaben zu wachsen. Das überzeichnete, märchenhafte Rollenspiel lässt dabei schmunzeln. Über alle Maßen liebenswert, doch wenig weltgewandt kommt Papa Eisbär daher. Allein sein Brüllen ist stark und unwiderstehlich. Ebenso ist es sein Mut und seine Neugier. Mama Eisbär schickt ihn auf eine Reise über die Weltmeere, einen singenden Vogel für seinen kranken Sohn zu suchen. Emsig paddelnd, von Nord nach Süd und Süd nach Nord, gerät er von Anbeginn in ein aberwitzig rasantes, komisches und durch und duch bärenstarkes Abenteuer, das für kleine Zuhörer und große Vorleser etwas zu bieten hat. Sprachlich und erzählerisch eine Genussreise, bei der man unweigerlich den Atem anhalten muss, als Papa Eisbär endlich, im dritten Versuch, mit "Pinguine" dem Pinguinmädchen und ihrem kunterbunten Sammelsurium aus dem Müllstrudel des Pazifiks im Gepäck, in die Beringstraße auf den Höhepunkt einläuft. Die Luft entweicht erst in einem Stoßseufzer wieder, als er am Ende "wie ein nasser Wischmopp“ mit letzter Kraft in Mama Eisbärs Arme fallen darf. Die Gräte auf ihrem zierlichen, roten Melonenhut biegt sich dabei sacht im Wind. Hennig Callsen gelingt es, die klassische Geschichte über das kindliche Glück von Freundschaft und Elternliebe erfrischend anders zu erzählen. Sabine Willharm versteht es, den Text mit Wärme und Witz zu pointieren und die Szenerien tierischer Charaktere und Begegnungen mit zeichnerischer Fantasie menschlich zu befeuern, wie man es sich schöner nicht wünschen könnte. Katrin Rüger

 

 
 

Brisantes Thema im Roman

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Imbolo Mbue: Das geträumte Land, Kiepenheuer&Witsch 2017 € 22.-

Der Roman von Imbolo Mbue ist sehr aktuell, behandelt er doch die Einwanderungspolitik in den USA. Die Autorin urteilt nicht, aber sie erlaubt eine fantastische Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Roman erzählt von einer kleinen Familie aus Kamerun, deren großer Traum sich erfüllt hat: sie leben in New York. Er, Jende Jonga, hat eine Arbeitserlaubnis, siene Frau Neni bereitet sich auf das langersehnte Pharmaziestudium vor. EIne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben sie noch nicht. Als Jende den Job als Chauffeur eines Bankers von Lehman Brothers bekommt und Neni einige Monate später in dessen Familie das Hausmädchen vertritt, verzahnen sich die Schicksale der beiden Familien mehr, als man sich vorstellen konnte. Ich fand es spannend zu merken, dass manche Hoffnungen und Probleme beider Familien sehr ähnlich sind, den gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz. Imbolo Mbue erzählt leicht und lebendig mit präzisen Beobachtungen und viel Empathie, gleich auf der ersten Seite ist der Leser den Protagonisten sehr nah. Und gerade die letzten Worte des Romans haben mich sehr berührt - von der ersten bis zur letzten Seite ein intensives Leseerlebnis!

Freundschaft über alles

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Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren, Dumont Buchverlag 2017 € 20,00

Als wir unbesiegbar waren erzählt die Geschichte von Eva, Lucien, Sylvie und Benedict, Studenten in Bristol in der 1990ern. Sie sind über Jahre unzertrennlich, halten aber manche ihrer Wünsche und Hoffnungen voreinander versteckt und werden nach dem Studium verschiedener Wege gehen. Beruf und Bezeihungen beschäaftigen sie, die Freundschaft lebt in Ab-und Zu-Kontakten weiter. Nach 20 Jahren finden sie wieder in nahen Austausch und wird ihre Freundschaft ihnen Kraft und Orientierung geben. Ein anregendes, intensives Buch, das lebhaft von Träumen, Möglichkeiten und Wirklichkeiten erzählt, nicht nur, aber auch, für junge Menschen!

Erzählerische Wundertüte

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Benjamin Tienti: Salon Salami. Einer ist immer besonders, Dressler 2017 € 12,99

Sich vorzustellen nur mit dem Papa und ohne Mama zu leben, ist für jedes Kind nicht auszudenken. In dem Buch wird dem Leser schnell klar, das Leben ist nicht immer "Friede, Freude, Eierkuchen". Das Buch ist wie eine Art Wundertüte. Man erfährt erst nach und nach, was passiert ist. Den Grund, warum die Mutter nicht da ist und wo sie ist erfährt man erst ganz am Schluss. Es ist kein schöner Grund. Und so macht sich Hanni mit der Frau vom Jugendamt, welche sie am Anfang bei einer ziemlich skurilen Aktion kennen gelernt hat, die hier nicht verraten werden soll, auf die Suche nach ihrer Mama. Mich hat das Buch so gerührt und mitgenommen, dass ich manchmal echt ein paar Tränen verzwicken musste. Ich fande es trotzdem ein total schönes Buch, weil halt nicht immer alles so ist, wie es in einer Bilderbuchfamilie sein sollte.

Zweieinigkeit

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von der Kritikerjury und der Jugendjury nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017

Sarah Crossan: Eins, Mixtvision 2016 € 16,90

Sie sind der Hingucker. Oder der verschämte Weggucker. Die 16-jährigen siamesischen Zwillinge Tippi und Grace. Grace, die zurückhaltendere von beiden erzählt ihre Geschichte. Und sie macht es kurz. Wenige Worte auf einer Zeile, oft nur ein Wort. Und noch eins:
Aber
ich will
für mich selbst
sprechen.
So einfach ist das Einfachste gar nicht, wenn man sich, wie Grace, Teile seines Körpers mit seiner Schwester teilt. Bald teilt der Leser ihre Gedanken und erkundet das anderes Leben. Nicht voyeuristisch. Nicht angeekelt. Nicht sensationshascherisch.Einfach mitfühlend. Und in vielem alltäglich. Der Besuch einer Schule bringt Tippi und Grace die ersten Freunde. Die Arbeitslosigkeit des Vaters und sein Hang zum Alkohol birgt Familienstress. Die Schwesternliebe zueinander, aber auch zur dritten im Bunde, einer leidenschaftlichen Balletttänzerin, gibt Rückhalt und Selbstbewusstsein. Das erste Verliebtsein lässt träumen. Eine wirklich ernsthafte Wendung nimmt das Leben für Grace und Tippi erst, als die Ärzte, bedingt durch die Herzschwäche von Grace, empfehlen, die Mädchen zu trennen. Eine Auseinandersetzung mit Leben und Tod beginnt. Sarah Crossan erzählt vom Menschsein im Außergewöhnlichen. Selten habe ich so etwas bemerkenswertes gelesen.

Spätes Glück

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Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht, Diogenes 2017 € 20,00

Ein hoffnungsvoller, ein berührender Roman über das Glück, einen Menschen zu finden, mit dem man Zeit, Gedanken, Gefühle, Erinnerungen teilen kann. Dass das auch geschehen kann, wenn der langjährige Partner gestorben ist, dass dieses Glück manchmal greifbar nah ist und auch auf 70jährige wartet, ist in diesem Roman glaubhaft nachfühlbar. Dass die Umgebenug kritisch und argwöhnisch reagiert, ist aber auch spürbar.. Ein ruhiger, sensibler, gut unterhaltender Roman mit dem Schauplatz eines kleinen Städtchens in Colorado, das nahezu überall in der Welt angesiedelt sein könnte.

Emotional ergreifend

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Cameron Bloom, Bradley Trevor Greive: Penguin Bloom, Knaus Verlag 2017 € 19,99

Dass Buch beschreibt, dass das Leben nicht immer ein Zuckerschlecken ist. Es ist traurig seine Füße nicht mehr durch den Sand bewegen zu können, so wie Sam nach einem Unfall. Querschnittsgelähmt zu sein ist schlimm, die Betroffene bekommt jedoch große Unterstützung und Hilfe von ihrer Familie und einem kleinen Vogel. Penguin. Er hat sich auch verletzt. Die verletzte Sam hilft ihm, sodass der kleine Vogel irgendwann wieder seine Flügel bewegen kann. Aber auch der Vogel kümmert sich um Sam, dass es ihr bald besser geht. Bei manchen Szenen sind mirschon die Tränen hochgekommen. Als Sam am Ende einen Brief schreibt, mit ihren Leiden und ihren Sorgen wollte ich Sam am liebsten in den Arm nehmen und sie trösten. Dieses sehr emotionale Buch würde ich älteren Kindern erzählen, so ab 13 Jahren.

Zum Lachen, Mitfühlen, Träumen und Hoffen

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Christian Duda: Gar nichts von allem, Beltz & Gelberg 2017 € 12,95

Revolution ist machbar, Herr Nachbar.“ Diese Parole der 68er verirrt sich vorerst nur des schönen Reimes halber in Magdis Heft. Kein Tagebuch, nein, 35 brillante Berichte zum Lachen, Mitfühlen, Träumen und Hoffen fügt Christian Duda, alias Achmed Gad Elkarim in Magdis Namen hier zusammen. Autobiografische Anteile sind unverkennbar, Fettflecke, Saftglasränder, Gedankenkritzelein, und die Fingerabdrücke unzähliger Leser sind, Julia Friese sei Dank, ebenso unübersehbar. In einer Reihe von Mankos fühlt sich Magdi ohnmächtig gefangen. Im Jahr 1975 fehlt es noch beim Kreativspielzeughersteller Lego an flachen Bausteinen. Magdis bemühte Flugzeugkonstruktion zerfällt in den Händen des Bruders. Und hätte er doch nur wie dieser, die blonden Locken der Mutter geerbt. Dann sähe Magdi nicht so fremdländisch aus. Das Land, in dem sein Vater geboren wurde, kennt er nicht. Er vermutet Moslem zu sein, obwohl er zu wenige Moslems kennt, um dies mit Sicherheit sagen zu können. Christ jedenfalls ist er nicht, mangels Wahlmöglichkeit besucht er den üblichen Religionsunterricht. Dummerweise lässt sich sein Name auch nicht zu einem coolen Cowboynamen abkürzen, wie bei seinen Brüdern Joe und Sam. Seine Schwester kann als Mädchen den Schlägen des Vaters entkommen, die er nicht abzuwenden vermag. Magdi ist ein typisches Sandwichkind und stolzer Gymnasiast. Er geht gern zur Schule. Sie ist sein Auge zur Welt und sein Rettungsanker. Auf engstem Raum öffnet Christian Duda literarisch gekonnt die Fenster zu einer erstaunlich großen Palette von Themen. Hinzu kommen die beginnende Pubertät in schönster emotionaler Achterbahnfahrt, Freundschaft und der Halt, den Idole bieten. Nebenbei macht sich Magdi, selbsternannter Chronist aus Langeweile, Gedanken über den Gebrauch von Wörtern und den Sinn und Unsinn, der sich im Schreibprozess entwickeln kann. Hier entfaltet sich seine Sehnsucht nach Anarchie und seine Leidenschaft, auf dem Papier alles festzuhalten, nein „niederzuschreiben“, genau so, wie es passiert ist. An dieser Aufgabe wächst er über sich hinaus. Kindheiten der 60er & 70er Jahre drängen in diesem Frühjahr verstärkt auf den Markt. Solche Texte verlangen heutzutage meist ein Glossar, denn wer kennt noch Dick und Doof, Mohamed Ali, Bonanza oder die Fussballweltmeister von '74? Die Helden allen kindlichen Seins jener Zeit sind auch bei Magdi der Stoff, aus dem die Träume sind. Dudas origineller Anhang mit persönlicher Note ist so überzeugend, dass er glatt als Intro zu empfehlen wäre. Gar nichts von allem ist nach Elke in loser Folge ein beachtenswerter, weiterer Teil einer Trilogie berührender Kindheitsgeschichten. Auf den dritten Teil darf man sich schon jetzt von ganzem Herzen freuen.

5 Hochzeiten und kein Todesfall

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Jea-Philippe Blondel: Die Liebeserklärung, Deuticke Verlag 2017 € 18,00

Wieder einmal hat Jean-Philippe Blondel einen wunderbar unterhaltenden Roman geschrieben. Der Autor von "6 Uhr 41" erzählt von dem jungen Corentin, der mit seinem Onkel in der französischen Provinz als Hochzeitsfotograf unterwegs ist. Es ergeben sich viele amüsante , gut beobachtete Zwischenfälle bei den Hochzeiten. Corentins Leben allerdings fehlt es ein wenig an Amüsement - er ist auf der Suche nach Vielem und wird eine sehr spezielle Art des Suchens entwickeln. Beste Unterhaltung für jedes Alter, die ein Lächeln auf den Lippen garantiert.

Lebensklug und voller Ironie

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Alex Capus: Das Leben ist gut, Hanser Verlag 2016, € 20,00

Das Leben ist gut - das ganz normale Leben, in der schweizerischen Kleinstadt, wo der Protagonist des Buches aufgewachsen ist, die Winkel der Stadt und die Winkel in den Köpfen vieler Menschen dort kennt. Aus Sentimentalität hat er die vom Schließen bedrohte ehemalige Gastarbeiterkneipe übernommen. Und so erzählt er von den Begegnungen mit Typen verschiedenster Art, er, der den anderen nimmt, wie er ist und dafür sorgt, dass ein Gespräch nicht verletzt. Er hat Sinn für Witz und Ironie und Freude an guten Geschchten. Und seine Frau, die gerade eine Arbeit in Paris angenommen hat und zum ersten Mal in ihrer langjährigen Beziehung nicht an seiner Seite ist würde er im Bewusstsein aller ihrer auch merkwürdigen Eigenarten nie wieder hergeben - und macht ihr eine versteckte Liebeserklärung. Alex Capus hat einen sympatischen Helden des Alltags geschaffen, dem ich auch gerne beim Entsorgen des Leergutes am Altglascontainer gefolgt bin!

996x Ur-Opa zurück oder wie alles begann

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Dieter Böge, Bernd Mölck-Tassel: Opa Mammut, Jacoby & Stuart 2016  € 19,95

Ein kurzer Text, ein ganzseitiges Bild. In 50 Mini-Episoden können kleine Leser hier in eine Familiengeschichte eintauchen, die mit dem 996-mal-Ur-Opa im Jahre 17960 vor Christus beginnt. Das ist eine ganze Seite Ur für sich alleine. Bei einer so langen Geschichte darf natürlich kein Wort verschwendet werden. Die Überschriften erzählen von "Bär", "Unfug", "Ruhm", "Fremde", "Müll", "Glück" und "Smart". Ganz und gar auf den Punkt bietet dieses Buch erste Einblicke in Zusammenhänge und Entwicklungen, in Highlights des sozialen Lebens und zu kulturellen Errungenschaften. Trotz einfacher Sprache und kurzen Sätzen, wie sie jedem Leseanfänger taugen sollte, vermag der Text zu fesseln, lässt Staunen, Schmunzeln und Nachdenken. Ein rundum gelungenes Werk für geschichtsinteressierte Kinder im Grundschulalter oder für Kinder, die einfach mal was anderes lesen wollen.

Familiengeschichte für Italienliebhaber

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 Margheritha Giacobino: Familienbild mit dickem Kind, Kunstmann 2016 € 22,00

Margherita Giacobino spürt ihrer Familiengeschichte nach, mit einem besonderen Augenmerk auf die Frauen. Von vier Generationen ganz einfacher Leute im Piemont erzählt sie: dem arbeits - und entbehrungsreichen Leben, von den zunächst hierarchisch geprägten, wortarmen Beziehungen. Als blätterte sie in einem Fotoalbum, lässt sie die Lebenssituationen in vielen kleinen Details vorüberziehen und fühlt sich in die Figuren ein. Diese italienische Familiengeschichte lässt den Leser eine vergangene Zeit und die Entwicklung zur Gegenwart nachvollziehen.

Mehr Gips, bitte!

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Kinderbuch

Anna Woltz: Gips oder wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte, Carlsen Verlag 2016 € 10,99

In dem mitfühlenden Teeniebuch geht es um Fitz, die eigentlich Felicia hieß, sich aber per e-mail umgetauft hat. Ihre Eltern verkünden bei einem Gespräch, dass sie erst mal getrennt leben möchten. Seitdem hat Fitz eine kleine Wunde im Herz. Als ihr Vater und ihre kleine Schwester Bente einen Fahrradunfall haben und Bente statt zehn nur noch neun Fingerkuppen hat, müssen sie ins Krankenhaus. Da entzündet sich auch die Wunde von Fitz im Herz ein bisschen mehr. Doch als dann ihre Mutter wegen der Pässe auch noch ins Krankenhaus kommt, denkt sich Fitz, dass es eigentlich keine schlechte Idee wäre, die beiden zusammen für sechs Wochen einzugipsen. Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert lange, deswegen macht sich Fitz auf den Weg, das Krankenhaus zu erkunden.  An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass Fitz aus Wut auf ihre Mutter, die sich nichts aus der Trennung macht, den schlimmsten Satz, der jeder Mutter das Herz bricht, ins Gesicht geschrieben hat. Sie trägt eine Maske, sodass es keiner sieht. So findet sie nicht nur zwei Freunde, sondern muss auch noch einen Arzt und eine Schwester zusammen bringen. Nicht zu vergessen, dass zwischen all das auch noch die eigene Verliebtheit gerät. Dieser turbulente Roman erzählt vom Herzenbrechen und wieder zusammennähen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da es nur an einem einzigen Tag spielt und von einem gebrochenen Herzen, eiem Familienchaos und der eigenen Liebe erzählt. Das Buch empfehle ich Teenies, besonders Mädchen, die gern Krankenhaus-Romane lesen, wo es ab und zu schon mal blutig zugeht. Hannah, 13 Jahre
 

Sommerferien für Dunne

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Rose Lagercrantz, Eva Eriksson: Du, mein Ein und Alles, Moritz Verlag 2016 €11,95

Dunne hat in ihrem kleinen Leben schon viele Momente großer Kindertragik erlebt, aber auch viele Momente, die ihr immer wieder gezeigt haben, wie sehr man sie liebt. Sie lebt mit ihrem Vater allein und als er im dritten Band der "Dunne Geschichten" von einem Auto angefahren wurde, wünschte sich Dunne, alles möge möglichst schnell wieder so wie immer werden. Im nun neuen, vierten Band  sind  Sommerferien und weil Dunnes Vater noch in der Reha ist, fährt sie mit ihrer allerbesten Freundin Ella Frieda zusammen auf eine Insel ans Meer. Die Sonne wärmt ihnen die Bäuche und das Leben könnte für Dunne nicht schöner sein. Als Papa sie endlich besuchen kommt, begleitet ihn Wanda, eine Krankenschwester. Dunne spürt sofort: Ihr Papa liebt Wanda viel mehr als sie. Da helfen auch Papas Worte nicht, dass Dunne sein Ein und Alles wäre. Ein großer, verzweifelter Schmerz breitet sich in Dunne aus. Wie diese Geschichte am Ende doch gut ausgeht grenzt fast an Zauberei - oder nein, sie erzählt, so einfach, dass es jedes Kind kapiert, vom Zauber des Lebens.  Wie gern möchte man mit Dunne die Glücksmomente für immer festhalten. Doch das Leben ist in beständigem Wandel. Wieder einmal lernt Dunne, die so zaghaft zu Neuanfängen steht, wie sie dabei so viel Neues gewinnen kann.

Italien – Deutschland

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Italien - Deutschland

Valeria Vairo: Il sapore della vita - Der Geschmack des Lebens, dtv 2016 € 9,90

Leichtfüßig und anekdotenhaft erzählt Valeria Vairo von einer italienischen Familie, die vom Süden Italiens in den Norden zog und Giulia, die Hauptfigur, weiter nach München. Es  geht um Fremdsein und Integration, um das Gefühl von "Zuhause". Da sich das oft mir dem Essen verknüpft, findet der Leser am Ende jeden Kapitels ein Rezept aus Apulien oder der Lombardei. Und nicht nur das: das Buch ist in der Reihe "dtv zweisprachig" erschienen und kann auf Italienisch und/oder Deutsch genossen werden. Lesevergnügen zweisprachig!

Ich, ich, ich!

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Silke Schellhammer: Bad Family Days. Mein Sommer im Chaos, bloomoon 2016 € 12,99

Penelope, 14, ist eine Einzelkämpferin. Arrogant und selbstbezogen sieht sie die Welt, dass es beim Lesen weh tut. Als ihre Eltern sie zwecks eigenem Studienaufenthalt für zwei Jahre in der Großfamilie von Tante und Onkel abstellen, ist sie restlos überfordert. Ironie und und laut polternde, schrille Sprache mögen über die gähnende Leere, welche sich in den vielen, klischeehaft gezeichneten Figuren manifestiert hinwegtäuschen. Als am Ende, natürlich, die Liebe siegt, fühlt sich die Leserin wohl noch verwunderter als die Hauptfigur. Bemerkenswert bleibt allerdings, wie sich Penelope in ihrer trägen Passivität bis zum Ende hin treu bleibt. Noch erstaunlicher, wie gern derartig oberflächlich amüsierende Storys gelesen werden. Einfach Chick-lit, wer´s mag.

Alexandra Senfft und der lange Schatten der Täter

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Seit "Der lange Schatten der Täter" an unserer Kasse steht, entlockt das Buch seinen Betrachtern persönliche Geschichten. Geschichten, die von starken Emotionen geprägt sind. Es schien uns, als riefe das Buch schon vom Cover weg: Lasst uns endlich reden! Über das Schweigen, über Scham und Schuld, und über die Verantwortung, die wir heute noch in Bezug auf unsere Geschichte tragen. Im Gespräch mit Katrin Rüger erzählte Alexandra Senfft, die den dialogischen Ansatz der Konfliktbewältigung beim israelischen Posychologen und Friedensforscher Dan Bar-On studiert hatte und seit vielen Jahren zu den transgenerationellen Folgen des Nationalsozialismus arbeitet, vom Loyalitätskonflikt, von der Angst vor Wahrheiten, und von Fragen nach einer Definition von Täterschaft. Aber nicht nur Täternachkommen, auch Opfer des Holocaust und deren Nachkommen vereint sie in ihrem neuen Buch, welches Brücken baut und Verbindungen schafft. Redet mit euren Eltern und Großeltern, mit euren Kindern und Enkelkindern lautete ihr Appell am Ende. Der von großer persönlicher Präsenz geprägte Abend wird noch Anlass für viele Gespräche geben. Ein Fest wars! Danke.

Apfelparty! Premierenlesung mit Silke Schlichtmann

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Vom sauren Leben mit falschen Apfelmördern, einem Regenwurm-Rettungsplan, einem Fast-Umzug wegen der Sache mit dem Harz, einer verwegenen Familienmission, ein paar unverhoffter Geburten und  perfekter Beerdigungen und allem, was das Leben einer sechsköpfigen Familie rundheraus knackig, rotbackig und saftig macht.

Subtile Spannung

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Peter Stamm: Weit über das Land, Fischer Verlag 2016 € 19,99

Mit subtiler Spannung erzählt Peter Stamm, wie das Leben von Thomas und Astrid einfach geschieht - so ganz anders, als gedacht. Thomas ist eines abends gegangen - weg von Frau und Kindern, Arbeit und Haus. Ohne Plan, ohne Abschied. Wie lange wird er unterwegs sein? Was treibt ihn, was erkennt er? Astrid bleibt in ihrem Alltag und obwohl Thomas fort ist, ist er doch da. Ein äußerlich ruhiges, innerlich überaus spannendes Buch bis zu letzten Seite!

Äußeres und inneres Beben

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Donata Pietrantonio: Bella mia, Kunstmann 2016 € 18,95

Durch ein Erdbeben hat Caterina, die Erzählerin in dem Roman "Bella mia", ihre Zwillingsschwester Olivia verloren. Sich an die Vergangenheit erinnernd, den Emotionen damals und jetzt nachspürend, erzählt sie von ihrem Leben in der kleinen italienischen Stadt L´Aquila. War ihr Leben früher sehr von dem "Zwillingsein" bestimmt, lebt sie nun mit der Leere neben sich. Aller Trauer und Wut zum Trotz gewinnt sie, wie auch ihre Mutter und der Sohn ihrer Schwester, wieder an innerer Stabilität. Das Buch hat mich sehr berührt und die literarische Verarbeitung des realen Geschehens in den Abruzzen am 6.4. 2009 ist sehr gut gelungen.

Eine treue Frau

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Eine treue Frau

Jane Gardam: EIne treue Frau, Hanser Berlin 2016 € 21,90

Dieses Buch ergänzt und erweitert das im Deutschen 2015 erschienene Buch "Ein untadeliger Mann" von Jane Gardam. Hat das erste Buch vor allem von Kindheit und Jugend zur Zeit des British Empire von Edward Feathers erzählt, begleitet der Leser nun seine Frau Betty vor allem ab dem Moment des Heiratsversprechens. Das Leben einer Frau in vorbildlicher Ehe, in ihrer Rolle an der Seite eines Starjuristen in jeder Hinsicht gerecht werdend. Sie schätzt seine Loyalität, sein Vertrauen in sie und auch den Wohlstand. Sie erlebt Hingabe zu einem anderen Mann und geht ihr aus dem Weg.Sie sehnt sich nach eigenen Kindern und ist mit Kinderlosigkeit konfrontiert. Die großen Themen zwischen Mann und Frau, in einer zurückliegenden Zeit und doch ganz zeitlos aktuell. Ein literarisches Glanzlicht!

Lebendig und vielschichtig

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Lebendig und vielschichtig

Catalin Dorian Florescu: Der Mann, der das Glück bringt, Beck Verlag 2016 € 19,95

In dem Roman von Catalin Dorian Florescu tauchen vergangene Welten auf: das New York des frühen 20.Jahrhunderts und die Lebenswelt des Donaudeltas in Rumänien. Hier lebten die Großeltern von Ray und Elena, die sich in der Nacht des 9.11. in New York begegnen und sich erzählend vom Grauen des gerade Erlebten in frühere Zeiten hineindenken. Während Ray kaum aufhören kann, über das Leben seines Großvaters zu erzählen, bleibt seine eigene Geschichte lange verborgen. Elena widerum fällt es schwer, von ihrer Mutter zu sprechen und sie hält lange sich am Alltäglichen ihres Lebens fest. Ich fand es faszinierend, mit den Menschen aus ganz einfachen Verhältnissen die damalige Welt lesend zu erleben. Die harte Realität und der Traum lagen oft sehr nah beieinander und die in meinem Kopf entstandenen Bilder waren sehr lebendig und vielschichtig.

Auf der Strasse

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Jim Shepard: Aron und der König der Kinder, Beck Verlag 2016 € 19,95

Aron lebt mit seiner Familie in Warschau. Das Lernen fällt ihm nicht leicht und so tut es ihm gut, in Latek einen Freund zu finden, der jede Menge Ideen hat, was man auf der Strasse anstellen kann. Mit dem Angriff der Deutschen auf Warschau, der Übernahme der Stadt und dem Errichten des Ghettos wird aus dem anfänglichen Spiel ein Überlebenskampf. Nachdem Vater und Bruder von einem Arbeitseinsatz nicht zurückkommen und die Mutter am Fleckfieber gestorben ist wird Aron von Janusz Korczak aufgelesen. Der Leser erfährt mit Aron von Korczaks Überzeugungen, seinem unbeirrbaren Einsatz, und begleitet die beiden und viele Waisenkinder zum Zug nach Treblinka. Der Roman besticht in der Schlichtheit der Sprache aus Sicht des Jungen.

 

Affenbruder

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Kenneth Oppel, Affenbruder, Beltz & Gelberg 2015 € 17,95

Das Buch zeigt, dass Schimpansen den Menschen sehr ähnlich sind, man sie aber nicht zu Menschen machen kann. Es geht um eine Familie, die ein Schimpansenbaby aufnimmt, um ihm die Gebärdensprachen beizubringen. Im Rahmen dieses wissenschaftlichen Projektes helfen der Familie Studenten. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Ben erzählt. Er ist der Sohn von Dr. Richard Tomlin und Susan Tomlin. Seine Eltern sind Wissenschaftler. Am Anfang findet Ben es doof, dass seine Familie das Affenbaby Zen aufgenommen hat, weil sie dafür umziehen mussten. Ben lernt den Nachbarsjungen Tim kennen und möchte mit ihm auf die staatliche Schule gehen. Doch sein Vater überredet Ben auf eine Privatschule zu gehen, auf der auch die Kinder von Richards Chef Godwin sind. Ben und seine Mutter mögen Zan gerne, derweil das Affenbaby für den Vater immer nur ein wissenschaftliches Projekt bleibt. Zan wird älter, größer, stärker und immer agressiver und der Vater entscheidet, dass Zan weg muss. Der Affe wird zu Jack Helson gegeben, der auf seine Farm andere Schimpansen hält. Helson will Zan gegen Geld an eine biomedizinische Stiftung verkaufen, die Tierversuche macht. Ben versucht Zan mit Hilfe von seiner Mutter, Tim und dem Studenten Peter zu befreien. Das Buch zeigt auch, dass Tiere oft als Versuchskanninchen gebraucht werden, obwohl man das eigentlich nicht machen sollte. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Elli, 11 Jahre

Ruth Feile: Bilder mit Nadel und Faden

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Die Bilder ihrer Bilderbücher sind aus Stoff. Bis zum 12.2.2016 kann man die Originale im Buchpalast bestaunen und befühlen! Als Ruth Feile bei uns zu Gast war, flogen die Stofffetzen, denn jedes Kind durfte sich mit aufbügelbaren Stoffmotiven rund um Rosi und Butz eine eigene Tasche gestalten. Dank des fleißigen Einsatzes einiger Bücherfresser wurden an den Bügelstationen keine Finger mit angebügelt und manche Taschen bekamen noch Knöpfe und Borten. Geschichten, Bücher und Stoffe harmonierten wunderbar und am Ende ging es mit gefülltem Beutel heim. Ein herzliches Dankeschön an Ruth Feile, die für die gute Laune im Gewusel unserer kleinen Gemächer sorgte, für das üppige Bastelmaterial und die tollen Ideen, was sich alles daraus zaubern lässt.

Tanzen, lieben, leben

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Maggie Shipstead, Dich tanzen zu sehen, dtv 2015 € 16,90

Joan träumt seit ihrer Kindheit davon, Ballerina zu werden. Ihr ganzes Leben ist danach ausgerichtet. Dann wird sie schwanger und alles ändert sich. Dieser Roman lässt den Leser hinter die Kulissen der schillernden Welt des Balletts eintauchen und erzählt gleichzeitig von Frauenfreundschaft, Liebesbeziehungen und Familienleben in spannendem, unterhaltsamem Ton.

Gestreifte Toleranz

Orths, Zebra

Markus Orths, Das Zebra unterm Bett, Moritz Verlag 2015 € 9,95

Ein Zebra ist doch ganz normal
Bräuninger ist ein kluger Kopf. Das kletterbegabte Zebra spielt das Frage-Antwortspiel in der Schule so selbstverständlich wie es Nutellabrote verspeist. Hannas erste Begegnung mit dem Zebra unter ihrem Bett ist lakonisch, wie wir es von fantasiebegabten Kindern kennen. Der Leser aber wird von Seite zu Seite neugieriger, denn für ein Erstlesebuch eröffnet sich ein erstaunliches Sujet. Hanna ist neu in der Stadt und wird, dank Bräuninger, zum ersten Mal nicht von ihren Vätern zur Schule gebracht. Richtig:
„Besser man hat zwei Väter als nur eine Mutter“erklärt es Hanna dem Zebra. „Das heißt homosensationell“.
Mutig machen die beiden sich auf den Weg. Orth bespielt das Thema mit vertrauter Leichtigkeit, die ein Erstlesebuch verlangt, und würzt mit Witz und Gefühlen um Freundschaft und Vertrauen. Am Ende steht Hanna am Anfang einer neuen Freundschaft und die Leserin hat das seltene Gefühl ein Erstlesebuch unerhört leidenschaftlich verschlungen zu haben. Geht doch!

Magie des Khushis

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Katja Reider, Ich voll peinlich! Rowohlt 2015 € 9,99

Aus der Sicht von Jule: An dem Tag an dem das Kushi kam veränderte sich mein Leben. Vor der Anreise meiner verrückten Tante war mein Leben noch ganz normal. Ich lebte mit meiner Mama und meinem Papa in einer kleinen Wohnung. Ich habe jeden Tag etwas mit meiner besten Freundin Mali unternommen. Das nicht so Normale war: Mir war alles peinlich. Ich traute mich nicht mal zu unseren Nachbarn zu gehen, um sie nach einem Päckchen Mehl oder so zu fragen. Doch als meine Tante kam und mir das indische Glückspüppchen in die Hand drückte, veränderte sich schlagartig mein ganzes Leben. Ich traute mich auf einmal Klassensprecherin zu werden, zu meinen Nachbarn rüber zu gehen und schlussendlich traute ich mich sogar einen Solotanz vorzuführen... Mehr verrate ich nicht!

Familienskelett

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Anna Shinoda, Die Mitte von allem, Magellan 2015€ 17,95

Der Roman beginnt mit dem Zitat von George Bernard Shaw "Wenn man das Familienskelett nicht loswerden kann, muss man es tanzen lassen."

Wann immer die 17-jährige Clare von ihrer schwierigen Familiensituation und -geschichte eingeholt und bedrängt wird, begleitet sie das Brandy trinkende Familienskelett Skel. Ihr großer Bruder, der strahlende Held und Beschützer Luke, war seit ihrer Kindheit immer wieder im Gefängnis. Die Eltern, besonders die pedantische Mutter, versichern ihr, dass er zu oft "zur falschen Zeit am falschen Ort" gewesen sei, und verzeihen ihm seine Diebstähle ein ums andere Mal. Dabei kommt es Clare und dem Leser so vor, als würden sie Luke der selbständigen, "braven" Clare in Zuneigung und Geldfragen stark vorziehen. Schwierig ist für Clare auch, dass sie in einem kleinen Dorf leben, wo Klatsch und Tratsch rasch Vorurteile gegen sie bilden. Allmählich entdeckt Clare die Wahrheit über ihren Bruder, dessen Verbrechen schlimmer sind als bisher angenommen. Sie versucht, Klarheit zu erlangen, und sich freizumachen von der Einengung durch ihre Familie, eben dem "Familienskelett".Ihr Charakter, der unter anderem von ihrer Liebe zu Luke als großen Bruder, dem Einfluss ihrer Familie sowie ihrer Suche nach Freiheit und Selbständigkeit gesteuert wird, wird sehr glaubhaft beschrieben.Den erzählerischen Kniff, das Familienskelett Skel als Figur auftreten zu lassen, fand ich richtig klasse.Einige Dinge, wie etwa die Erlebnisse in der Kindheit der Mutter, werden nur angedeutet, was mir auch gut gefallen hat; es hat mich ein bisschen an Die Nacht gehört dem Drachen erinnert.Insgesamt ein toll aufgebautes Buch mit einer innovativen Idee, das mich noch lange beschäftigt hat!

Vom Flunkern

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Kinderbuch 2012

Sala Naoura, Matti und Sami und ide drei größten Fehler des Universums, Beltz & Gelberg € 6,95

Lügen haben kurze Beine und wachsen schneller in den Himmel als Bambus. Bei dieser lakonisch witzigen Sommergeschichte handelt es sich natürlich um Notlügen, kleine Unrichtigkeiten oder gar einen Aprilscherz. Und es sind nicht nur die Kinder, denen versehentlich mal das nicht ganz Richtige aus dem Mund fällt. Wie es im Leben so ist, hat doch jeder seine Träume und Wünsche, welche die Wahrheit verbiegen können. Matti und Samis Vater ist Finne. Er träumt Entwickler von Handyspielen zu werden. Ihre Mutter träumt sich raus aus der kleinen 2-Zimmer Wohnung und wünscht sich ein Ferienhaus in Finnland und Sami hat auf den Delfin im Dorfteich gehofft, der in der Zeitung stand. Matti der Pfiffikus steht mittendrin und entwickelt mit etwas Klebstoff und Papier einen außerordentlichen Plan.... Ein großartiges, kurzweiliges Buch mit viel Herz und Fantasie, an dessen Ende der Leser hofft und bangt. Kann das alles überhaupt noch gut ausgehen? Zum selber Lesen aber auch sehr zum Vorlesen zu empfehlen.