Articles tagged with: Afrika

Brisantes Thema im Roman

mbue-getraumte-land

Imbolo Mbue: Das geträumte Land, Kiepenheuer&Witsch 2017 € 22.-

Der Roman von Imbolo Mbue ist sehr aktuell, behandelt er doch die Einwanderungspolitik in den USA. Die Autorin urteilt nicht, aber sie erlaubt eine fantastische Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Roman erzählt von einer kleinen Familie aus Kamerun, deren großer Traum sich erfüllt hat: sie leben in New York. Er, Jende Jonga, hat eine Arbeitserlaubnis, siene Frau Neni bereitet sich auf das langersehnte Pharmaziestudium vor. EIne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben sie noch nicht. Als Jende den Job als Chauffeur eines Bankers von Lehman Brothers bekommt und Neni einige Monate später in dessen Familie das Hausmädchen vertritt, verzahnen sich die Schicksale der beiden Familien mehr, als man sich vorstellen konnte. Ich fand es spannend zu merken, dass manche Hoffnungen und Probleme beider Familien sehr ähnlich sind, den gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz. Imbolo Mbue erzählt leicht und lebendig mit präzisen Beobachtungen und viel Empathie, gleich auf der ersten Seite ist der Leser den Protagonisten sehr nah. Und gerade die letzten Worte des Romans haben mich sehr berührt - von der ersten bis zur letzten Seite ein intensives Leseerlebnis!

Der Zauber der Musik

atogun-tadunos-lied

Odafe Atogun: Tadunos Lied, Arche Verlag, € 20,00

Dieses Buch ist eine Hommage an die Kraft und den Zauber der Musik. Taduno ist ein Musiker, der sich in die Herzen der Menschen gespielt hat. Zunächst mit Liebesliedern, dann mit Protestliedern gegen die menschenverachtende Diktatur in seiner Heimat Nigeria. Er geht ins Exil, aus dem er zurückkehrt, nachdem er erfahren hat, dass seine große Liebe Lela festgenommen wurde. Merkwürdigerweise erkennt ihn niemand mehr in seiner Heimat. Es entspinnt sich eine emotionale und spannende Geschichte in Adunos Suche nach Lela und seinem Produzenten, die ihn in einen großen Gewissenskonflikt manövriert: muss und kann er seine Liebe zu Lela opfern, um dem unterdrückten Volk Hoffnung zu geben? Kann er so leben? Oder ist er selbst ein Verräter?

Arabischer Kampf in Westafrika: Dschihadisten gegen Sufismus

davies-blood-ink

Stephen Davies, Blood & Ink. Die Bücher von Timbuktu, Aladin 2016 € 14,95

Westafrika, Timbuktu 2012: Dschihadisten und Tuareg Rebellen erobern die Stadt. Im Namen Gottes zerstören sie Cafés und Bars, verbieten Musik, zwingen Frauen ab zehn den Schleier zu tragen und schänden die Mausoleen berühmter Gelehrter und Heiliger. Ali (16) ist einer von ihnen, überzeugt mit der Einführung der Scharia als strenger Verteidiger des Glaubens Gott zu dienen. Zu sehr ist er mit sich und seiner Radikalisierung beschäftigt, um die Machtspiele seiner Führer zu durchschauen. Kadija (15) lebt in der Stadt. Ihr Vater wacht stolz über alte Handschriften, für die Timbuktu berühmt ist. Sie und ihre Familie leben den Sufismus, eine anderen Strömung des Islams. Entlang von wahren Begebenheiten strickt der Autor Stephen Davis seinen Roman. Lebensnah und actionreich zieht den Leser gekonnt zwischen die Glaubensfronten. 13 Jahre hat er selbst in Westafrika gelebt. Den Leser berührt der Irrsinn, welcher jeglichem Kampf und aller Zerstörung innewohnt. Kleine Textpassagen großer arabischer Gelehrter nehmen im Geiste den Kampf mit der Kalaschnikow auf. Die Siege Alis und der Dschihadisten schmecken schal. Von den märchenhaften Manuskripten möchte man mehr. Glücklicherweise verhindern zumindest in dieser Geschichte die verwirrenden Gefühle erster Verliebtheit ihren Verlust. Dem Autor gelingt es einen kleine Einblick in den vielfältigen arabischen Kosmos zu schaffen. Er dokumentiert aktuelle politische Ereignisse und macht Lust darauf, sich mehr damit zu beschäftigen.

Lutz van Dijk: Begegnungen mit Afrika

dijk

„In Europa haben viele eine Uhr – in Afrika dagegen haben wir Zeit.“ So lautet ein afrikanisches Sprichwort. An diesem Abend nahmen wir uns die Zeit und lauschten Lutz van Dijks Berichten aus erster Hand. Das Publikum war buntgemischt und zwischen 10 bis 75 Jahre. Ein Kinderspiel für den empathischen Berliner mit holländischem Pass und Wohnsitz in Kapstadt, Südafria. Unmittelbar mogelte er sich in die Herzen aller und entführte seine Zuhörer ins 10.000 km entfernte Township Marsipumelele. Aus dem Xhosa übersetzt heißt das "Wir werden es schaffen." In Südafrika allein gibt es 11 anerkannte Landessprachen. In ganz Afrika sind es über 2000. Wir konnten nur staunen und bekamen unsere erste Lektion in den drei Klicklauten, die zur Sprache Xhosa gehören.
 "Nur das "C", das "X" und das "Q" werden geklickt, alle anderen Buchstaben kann man wie im Deutschen lesen. Ganz einfach!", meint der Autor, der alle Überschriften in seinen Jugenbüchern zweisprachig gestaltet.

Tieren in die Augen schauen

cotton-loewen

Katie Cotton: Löwen zählen, Verlag Freies Geistesleben 2016 € 19,90

Der Löwe auf dem Cover hat magische Anziehungskraft. Man schaut ihm tief in die Augen, gefangen von seinem milden Blick, der doch keine Widerworte duldet. Jedes Haar seiner Mähne ist mit Akrbie gezeichnet, einer schwarzweiß Fotografie auf den flüchtigen Blick täuschend ähnlich. Auf einen Löwen folgen zwei Affen und drei Giraffen, drei Tigerbabys schmiegen sich an ihre Mutter. Vier also. Doch der familiäre Schein trügt. Der Tiger und die Gorillas oder äthiopischen Wölfe zählen zu den stark gefährdeten Tierarten. Nur 500 dieser drahtigen Wölfe leben noch in freier Wildbahn. Sie sind vom Aussterben bedroht. So ist dies nicht nur ein beeindruckendes Zähl- und Tierbuch für Kinder. Neben dem poetischen Sprachgenuss bietet es nachdenkliches und Erzählenswertes über diese Fliehenden und Reisenden, Kämpfer und Wanderer, die Unzertrennlichen und nicht zuletzt den König der Tiere.

 

Afrikakrimi für Kinder

bf-boie

Wir treffen Kirsten Boie auf dem Kinder-Krimi-Festival und nutzen die Gelegenheit, ihr gleich ein paar Fragen zu stellen.

Bücherfresser: Ihr neues Buch "Thabo" spielt in Swasiland, Afrika. Haben Sie schon mal ein Nashorn gesehen? Kirsten Boie: Ja, in einem Safari-Park. Ich bin regelmäßig in Swasiland, weil ich dort mit einer Stiftung Waisenkinder unterstütze.
BF: Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Buch? KB: Diese Idee bekam ich auf einen meiner Besuche. Momentan werden in Afrika viele Nashörner tötet, um ihr Horn als Medizin zu verkaufen. Man zahlt für das Nashornpulver fast so viel wie für Gold.
BF: Sind die ganzen afrikanischen Wörter echt, oder haben Sie sich die Wörter ausgedacht? KB: Die sind echt. Ich hatte in Sansibar eine Frau, die ich nach der Übersetzung von Wörtern fragen konnte. Sie wollte allerdings immer, dass ich keine schlimmen Wörter schreibe
BF: Wie alt ist Thabo eigentlich? KB: Ich habe es im Buch nicht ausgesprochen, aber beim Schreiben habe ich ihn mir als 12-jährigen vorgestelllt.
BF: Kennen Sie ein Kind, dass Thabo heißt? KB: Nicht direkt. Aber Thabo ist kein ungewöhnlicher Name.
BF: Gibt es schon einen zweiten Band? KB: Noch nicht. Ich schreibe daran. Voraussichtlich wird er im September erscheinen.

Lady Afrika

McLain_Lady_Africa

Paula McLain, Lady Africa, Aufbau Verlag 2015, € 19,95

Wer den Film „Jenseits von Afrika“ mochte, wird dieses Buch lieben! Eine Romanbiografie über Beryl Markham, die als kleines Kind 1906 nach British–Ostafrika kommt, dort sehr frei und naturnah aufwächst, was ihr ganzes Leben bestimmt.  Sie wird erfolgreiche Pferdetrainerin, lebt trotz zweier (unglücklicher) Ehen sehr selbstbestimmt und unabhängig, leidenschaftlich und mutig und wird 1936 als erste Frau den Atlantik überqueren. Gute, flüssig zu lesende Unterhaltung, die ein spannendes Stück Zeitgeschichte erzählt. 

Afrikanische Sonne

dijk-afrika
Foto: Lutz van Dijk (rechts) im Gespräch mit den Bücherfressern)

Lutz van Dijk, Afrika. Die Geschichte eines bunten Kontinents, Peter Hammer Verlag 2015

Wie bitte? - Sie wollten grad kein Buch über Afrika kaufen? Ein Kontinent auf dem heute über eine Milliarde Menschen leben, die Hälfte davon jünger als 18 Jahre. In diesem Buch brodelt Afrika vor Energie. Die Menschen sind voll jugendlicher Träume, Hoffnungen, aber auch Verzweiflung. Das Layout strahlt und entgegen. Der Text leuchtet durch den Originalton vieler Menschen, die van Dijk zu Wort kommen lässt. Von der ersten Seite an eine spannende Lektüre. Diese afrikanische Sonne wird alle bereichern.

Fussballplatz und Fremdenhass

Dijk_Romeo

Lutz van Dijk, Romeo und Jabulile, Peter Hammer Verlag 2010 € 12,90

Seit der Wahl Mandelas zum ersten demokratischen Präsidenten erfährt Südafrika ein große Einwanderungswelle, die den Rassenhass schürt. Die Gewalt gegen Ausländer machte 2008 auch vor dem Township Masipumelele nicht halt. Als Jabulile sich in Romeo, einen Flüchtlngsjungen aus Simbabwe verliebt, muss sie den Hass ihres Bruders fürchten. Doch das schreckt die kämpferische Jabulile, der Star der Mädchen Fussballmannschaft, nicht. Das sparsame Setting und die knappe Sprache Lutz van Djiks entbehrt nichts. Schon im ersten Kapitel wird klar was wir, egal wo wir herkommen und leben, gemein haben, was uns trennt und was wir voneinander lernen könnten, wenn wir uns mehr Mühe geben würden. Kurzweilig erzählt das Buch von Politik und Gesellschaft in einem fernen Land und von dem Hass und der Liebe, die wohl jeder kennt. 

Im Township daheim

Dijk_African_Kids
Foto: Lutz van Dijk (rechts) im Gespräch mit den Bücherfressern

Lutz van Dijk, African Kids, Peter Hammer Verlag 2012 € 22.-

"Schon mal gehört was ein Township ist?" fragt der 11-jährige und schaut dabei forsch in die Kamera.

Ist man neugierig wie er und blättert weiter durch die hundert Bilder des Buches, spiegeln sich in den Kindergesichtern viele Gefühle: Spaß, Neugier und Hoffnung, Traurigkeit und Ernst, aber auch Stolz und Selbstbewusstsein. Das Kinderhaus, in dem Sive aufwächst, liegt in Masiphumelele, einem kleineren Township südlich von Kapstadt. Sive ist ein Kind der ersten Stunde. Er wurde von seiner jungen Mutter schon vor der Fertigstellung des Hauses bei Bauarbeitern abgegeben. Seine Überlebenschancen standen damals 50:50. Heute ist er elf und führt die Leser durch seine Welt. Fotos machen das Leben in den dicht gedrängten Verschlägen aus Blech, Holz und Müll lebendig. Sive berichtet von verheerenden Feuern und dem Wiederaufbau der Hütten, von seiner Schule und dem Zauber des Lesenkönnens, seinem Alltag und nicht zuletzt von Aids. Ein Leben mit den Folgen dieser Krankheit vereint die Kinder im Kinderhaus, welches von der Stiftung HOKISA (Homes for Kids in South Africa) getragen wird.Schlimmer als der tägliche Medikamentencocktail gegen die Ausbreitung des HI-Virus im Körper, sind für alle Kinder die Leerstellen, die der Verlust von Eltern und Familie hinterlässt. „Wer ist meine Mama? Lebt sie noch?“ und „Weißt du, was das ist - sterben?“ sind Fragen, auf die Lutz van Dijk und die Erzieher immer wieder eine ehrliche Antwort finden müssen.

Herzkrank in Afrika

Petit_Herz

Xavier-Laurent Petit, Mein kleines dummes Herz, Dressler 2014 €

Sisanda lebt mit ihrer Mutter Swala in ärmlichen Verhältnissen in Afrika. Da Sisanda eine schlimme Herzkrankheit hat und nur eine teure Operation ihr helfen kann, läuft Swala bei einem Marathon mit hohem Preisgeld mit. Sisanda ist sich sicher: Ihre Mutter wird gewinnen. Ich fand die Geschichte schön, weil es eine Mischung aus rührend und spannend ist.

Weltreise

scherz-afrika

Oliver Scherz, Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika, Thienemann 2014 € 12,99

Jeden Abend sieht Marie in den Schatten an den Wänden Tiere oder unheimliche Wesen und jeden Abend muss Joscha seiner kleinen Schwester versichern, dass da doch gar nichts ist. Als sie behauptet am Fenster ein Auge zu sehen, schnappt er sie sich und läuft mit ihr an die Tür. Aber was tut man, wenn das Auge wirklich einem Elefanten gehört und dieser Elefant aus dem Zoo ausgebrochen ist, um seine Großfamilie in Afrika zu besuchen? Und wenn er gar nicht weiß, wo Afrika überhaupt liegt? Man packt Äpfel, Kekse und einen Globus in den Rucksack und begleitet ihn. Genau das tun Joscha und Marie. So weit wird Afrika nicht sein, denken sie und erleben eine Reise, die alles übertrifft, was sie sich vorgestellt haben. Diese schöne Geschichte mit seinen farbenfroh lieben Bildern ist im Buchpalast das Lieblings-Vorlesebuch bei Gross und Klein.

Leben in Swasiland

Boie_Dinge

Kirsten Boie, Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen, Oetinger Verlag 2013 € 12,95

In ihrem neuen Buch „Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“ schildert Kirsten Boie die Lebensgeschichten von verschiedenen Kindern aus Swasiland, die alle schnell erwachsen werden mussten, weil sie ihre Eltern durch AIDS verloren haben. Durch die Kürze der Geschichten kann nicht ganz so genau auf die Charaktere der einzelnen Kinder eingegangen werden, aber man erkennt trotzdem die wichtigsten Charakterzüge, vor allem dadurch, wie wer mit der jeweiligen Situation umgeht. Alle Kinder haben meist keine Idee davon, dass sie auch ein besseres Leben haben könnten. Sie alle kümmern sich, wie selbstverständlich, um jüngere Geschwister und Großeltern und haben viel Verantwortung. Kirsten Boie ist nach Swasiland gereist und hat verschiedene Familien besucht, die Kinder gibt es alle wirklich, genauso wie die etwaigen Lebensumstände, nur die Geschichten sind manchmal erfunden. Jede einzelne Geschichte hat eine etwas andere Sprache, bei der ersten Geschichte wird zum Beispiel bewusst vermieden, dass das Subjekt am Anfang steht, dadurch wird man gezwungen langsamer und genauer zu lesen. Außerdem werden wichtige Dinge wie eine Formel öfters wiederholt, das ist poetisch und hinterlässt einen noch tieferen Eindruck. An sich sind die Geschichten erschreckend, man weiß einfach nicht so viel über Swasiland, in dem die meisten Menschen mit HIV infiziert sind. Die Landschaften und Orte sind nicht sehr viel beschrieben, aber in jeder Geschichte ein bisschen, sodass man es sich trotzdem vorstellen kann. Die Farben des Covers finde ich zwar nicht sonderlich schön, aber eigentlich passen sie ganz gut zu Afrika. Gut gefällt mir, dass der Titel „Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“ an der Stelle vom Mund steht. Mich würde interessieren, für welches Alter dieses Buch gedacht ist, da Kirsten Boie zwar sehr feinfühlig schreibt, aber die Geschichten an sich sind traurig und erschütternd.