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Rob M. Sonntag: Die Scanner, Fischer Tb  7,99

Inhaltszusammenfassung:
Rob ist ein Bücherscanner. Er scannt mit seinem besten Freund diese für den Ultranetz Konzern, welcher das ganze Wissen im Netz vereinigen und für jeden zugänglich machen will. Eines Tages begegnet ihnen ein seltsamer Mann, welcher der Büchergilde angehört. Schließlich erfährt er durch die Büchergilde, das Ultranetz nicht die besten Absichten hegt und Daten einfach verschwinden lässt. Zensur!

Meinung:
Das Thema ist spannend wie aktuell. Die Geschichte mit ihrem futuristischen Lebensraum sehr gut durchdacht und es macht wirklich Spaß dieses Buch zu lesen. Der Erzähler des Buches beginnt am Ende seine Geschichte für die Büchergilde aufzuschreiben. Wenn man den Schutzumschlag entfernt sieht man das Logo der Büchergilde auf dem Umschlag und der wahre Autor versteckt sich hinter dem Erzähler, der hier als Autor (auch auf der U3 mit Biographie) vorgeschoben wird. Das ist ein ungewöhnliches Detail.
Ein klare Empfehlung.
Thiade, 13 Jahre
Kostenlose Information im Überfluss, für alle, jederzeit verfügbar. So heißt das Mantra der Moderne. Im Jahr 2035 jagen Buchagenten den letzten öffentlichen Lesern ihre Bücher ab, um sie, für´s Ultranet gescannt, allen bereit zu stellen. Ihr körperlicher Anteil wird anschließend entsorgt. Der Blick ins Leben führt bei allen durch die Mobril, mit der man seinen Netzanschluß gleich auf der Nase trägt. Doch scheint der Drang, die auf der Straße liegenden Problemzonen einer modernen Gesellschaft zu durchdenken, es seien hier nur die gedopt dahin vegetierenden, arbeitsunfähigen Alten der C-Zone genannt, stark gebremst. Ebenso wenig registrieren die „Mobriller“, dass es gar nicht jedes Buch in diese ach so freie, digitale Bücherwelt schafft. Gedankenlos und geistig erstarrt wirkt die Welt, die augenscheinlich jederzeit in Informationen baden kann.
Wie war das doch noch ehedem, als es in geheimnisvollen Bibliotheken raschelte und raunte, und lebende Bücher ein beliebtes Thema in der Kinderliteratur waren. Die Buchhandlung in der Winkelgasse musste das „Monsterbuch aller Monster“ in Käfigen aufbewahren. Schnappend und beißend wehrte es sich gegen seine Leser. Auch Matthew Skelton erzählt von einem abgewetztem Exemplar in schwerem Ledereinband, dessen Seiten aus Drachenhaut statt Buchstaben fein pulsierende Adern zeigten. Allen Hürden zum Trotz oder vielleicht gerade deswegen, wurden die „lebhaften“ Geheimnisse, die in diesen Bücher schlummerten, mit leidenschaftlichem Wissensdurst ergründet.
Im modernen Informationsalter ist mit diesem Objektfirlefanz endgültig Schluß. In unserer Welt leuchtet das Ende für Druckerzeugnisse am Horizont. Die Abhängigkeit vom Netz wird als Selbstverständlichkeit gepriesen und die Zensur seiner Betreiber bleibt völlig unbeachtet. Der Sozialforscher und Sachbuchautor Martin Schäubele, welcher sich hinter Rob M. Sonntag verbirgt, siedelt seine Dystopie erschreckend dicht an der Gegenwart an. Der literarische Erzählton gelingt dem sonst ein wenig kantig schreibenden Sachbuchautor überraschend gut. Sonst folgt Sonntag vom seinem systemkonformen Denken bis zur Abwendung den Fußstapfen seines Zwillingsbruders Guy Montag und macht seinen Bericht zu einer Neuauflage von Bradburys Science Fiction Klassiker. Warum nicht. Katrin Rüger