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Deutscher Jugendliteraturpreis 2017, Sachbuch

Pjotr Socha, Bienen, Gerstenberg 2016 € 24,95

"Vor Bienen muss man keine Angst haben", verriet uns Pjotr Socha, Sohn eines Imkers, in einem Gespräch. "Mein Vater hatte manchmal 50 Bienenstiche auf ein Mal." Ein wenig ähnelt er beim Erzählen dem Bären auf dem Plakat zu seinem Buch, rund, langsam und gemütlich, vor allem jedoch neugierig und naturverbunden. Ohne die Biene sähen wir ganz schön traurig aus. Nicht nur, weil Honig so gut schmeckt und die Biene beim Nektar sammeln sehr viele Pflanzen bestäubt. Die Menschen haben der Biene auch viel abgeguckt. Ihre Material sparenden, leichten aber extrem stabilen und praktisch konstruierten sechseckigen Wachswaben zum Beispiel. "Dass ein Bienenschwarm von einer Königin statt eines Königs regiert wurde, konnten die Menschen lange nicht glauben", erzählt Socha und schmunzelt verschmitzt. Für sein Steinzeit-Imker-Paar hat er den Kopf samt dicker Nase einfach gespiegelt. Die Nase der Mumie im Sarkophag der Ägyter, auch sie betrieben schon Imkerei, liebt er besonders. Groß und dick steht sie aus dem Sarkophag heraus. Auch spürt man die Freude, die er dabei hatte, seine eigene Bienen-Hieroglyphenschrift für diese Seite zu entwickeln. Seine Leidenschaft für Bienen und sein feiner Humor zieht sich durch all seine Illustrationen.

Zwischen großformatigen Themenbildern wird Wissenswertes und Kurioses im "Bienenblättchen", einer als Zeitung gestalten Doppelseite, präsentiert. Die Tatsache, dass Bienen im Mittelalter als Waffen zum Einsatz kamen, inszeniert Socha wie ein Cartoon, wenn Imker gleich ganze Bienenkörbe zwischen Pfeil und Bogen von der Burgzinne auf ihre Angreifer kippen. Doch immer wieder geht es auch ernsthaft zur Sache. Wenn durch Monokultur noch mehr Bienenvölker sterben, werden wir in Zukunft vielleicht selbst zum Bestäuben auf den Bäumen herumturnen müssen. Damit es nicht soweit kommt, sei Groß und Klein diese großartige, kurzweilige, profunde Annäherung an eins der wichtigsten Insekten unter uns wärmstens an Herz gelegt.
Der strahlenden Sieger des Vorabends empfängt uns mit roten Wangen. Im Messetrubel bleibt der bescheidene und witzige Illustrator gelassen. Vom Sohn eines Imkers werden wir sicher viel über Bienen erfahren. Wir sprechen kein Polnisch und er kein Deutsch. Wir versuchen es mit Englisch. Unsere beiderseitige Suche nach den richtigen Wörtern stört gar nicht.
Bücherfresser: Haben Sie gestern mit den Sieg gerechnet? Pjotr Socha:  Besser man denkt über sowas gar nicht nach, aber es ist wunderbar geehrt zu werden.

Wollten Sie schon als Kind Illustrator werden? Als ich fünf Jahre alt war malte ich Bilder für meinen Lehrer. Mit 18 ging ich dann auf die Kunstschule. Heute liebe ich meine Arbeit und habe viel Spaß damit. Ich liebe es auch zu kochen, aber das ist gar nicht so leicht.socha-signatur

Steht bei Ihnen auf dem Frühstückstisch immer selbstgemachter Honig? Nein, ich finde Honig als Brotaufstrich zu süß.

Haben Sie Angst davor, von einer Biene gestochen zu werden? Ja klar, wie jeder. Aber wenn ich Imkerkleidung anhabe, fühle ich mich sicher. Mein Vater war Imker. Er wurde immer wieder gestochen. Einmal hatte er 50 Bienenstiche auf einmal.

 

Wie beginnt man ein Buch über Bienen für Kinder? Es ist nicht einfach, für Kinder zu zeichnen und zu schreiben. Erst fragte ich meine Tochter, ob sie nicht den Text für das Buch schreiben könnte. Sie hatte aber keine Zeit. Da begann ich einfach zu zeichnen. Für die Texte und all die Details habe ich viele Bücher gelesen. Natürlich wusste ich auch einiges aus der Praxis von meinem Vater. Anderes habe ich mir angeeignet, weil ich Bienen einfach mag.socha-bf

Sind Bienen Ihre Lieblingstiere? Ich bevorzuge Hunde, aber ich weiß, dass Bienen sehr wichtig sind. Jemand sagte mal: Wenn die Bienen sterben, werden auch wir sterben. Bienen sind wichtig, damit wir Obst und Gemüse und vieles mehr erhalten.

Haben Sie als kleiner Junge in der Stadt oder auf dem Land gelebt? Mein ganzes Leben habe ich in der Stadt gewohnt. Aber in den Ferien schickten mich meine Eltern zu meiner Oma aufs Land. Da habe ich die Tiere beobachtet.

Haben Sie vor Bienen schon ein anderes Buch geschrieben? Bienen ist mein fünftes Buch. Vor vielen Jahren zeichte ich für eine Zeitung. Doch vor allem liebte ich naturwissenschafliche Sachbücher mit vielen detailierten Bildern über Insekten. Sie waren meine Inspiration. Wenn ich ein kleines Tier sehe, möchte ich am liebsten alles unter der Lupe betrachten. Ich staune gern, zum Beispiel, wenn ich die kleinen Dinge ganz groß sehen kann, in Nahaufnahmen.

 

 
Mögen Sie auch Wespen? Nein. Wer mag die schon? Aber jedes Insekt ist wichtig, auch Wespen. Viele Künstler lassen sich in ihrer Kunst von Insekten inspirieren. Denkt mal an die Star-Wars-Filme.

Das Buch ist ja in viele Themenbereiche gegliedert. Es erklärt den Körperbau und das Verhalten der Bienen, es erzählt von der Imkerei von der Steinzeit bis heute und es gibt immer wieder Doppelseiten, die im Zeitungsstil von Gerüchten über die Bienen berichten. Welcher Part hat Ihnen am meisten Spaß gemacht? Ja, ich mag es lustig und ich liebe schwarzen Humor. Den Sargdeckel der Mumie zum Beispiel, könnte man gar nicht schließen, weil die Nase klemmt. Bei den Steinzeitmenschen haben Mann und Frau das gleiche Gesicht und ich mag die Seite, wo die Ritter ihre Burg mit der "Bienenstockwaffe" verteidigen. Und den Bienendieb von der Titelseite.

Haben Sie ein neues Projekt? Ja. Ich arbeite an einem Buch über Bäume. Kennt ihr die Sequoias (Riesenbäume) in den amerikanischen Natioalparks? Die habe ich mir angeschaut. Bäume können sehr alt werden. Die ältesten sind 4000 Jahre alt. Das finde ich beeindruckend.

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Lieber Pjotr Socha, wir danken Ihnen für das lustige Gespräch und freuen uns auf ein neues Buch. Hannah (14) und Anna (15). Und dann begann Pjotr zu malen. Bienen und Blätter, Blätter und Bienen, die jeden unserer Namen umrahmten.

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