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Wir sind mit Claudia Schreiber für ein Interview im schönsten Leipziger Messerummel verabredet. Die Tische und Stühle sind alle besetzt. Wir finden ein freies Eckchen am Boden. Claudia Schreiber zeigt sich praktisch und unkompliziert. Wir kommen schnell ins Gespräch über ihr neues Buch, dass uns zur musikalisch hochbegabten Clara führt.

Bücherfresser: Wie lange haben Sie für das Buch recherchiert? Claudia Schreiber: Lange, insgesamt eineinhalb Jahre! Ich habe Konzerte besucht und Interviews mit begabten Kindern und Musikern geführt.
BF: Waren die kursiven Gedankengänge so geplant? CSch: Das Lektorat fand, Claras Gedankengänge sollten gekennzeichnet werden. Ich wollte eine unvermittelte Stimme Claras, die ein bisschen mit sich selbst redet.
BF: Spielen sie selbst ein Instrument? CSch: Ja, ich spiele Klavier und Geige, wie Clara. Ich kann es aber nicht ertragen vor Publikum zu spielen, ich spiele lieber nur für mich. Ich find es fantastisch wie die Pianisten ohne Nervosität ihre Stücke auswendig vorspielen können.

BF: Warum wollten sie ein Jugendbuch schreiben? CSch: Ich wollte, dass die Hauptperson und die Leser möglichst nah beieinander sind. Clara ist sehr einsam, ihre Distanz zu ihren Klassenkameraden können Jugendliche, denke ich, besser verstehen als Erwachsene.
BF: Warum haben sie so lange für das Buch recherchiert? CSch: Als Journalistin halte ich gute Recherche für sehr wichtig. Ich wollte authentisch darstellen wie die Personen in einem solchen Umfeld miteinander umgehen und sprechen. Und ich freue mich, wenn meine Figuren für Leser so lebendig werden, wie bei euch.
BF: Ihr Buch ist frei von irgendwelchen typischen Jugendbuch-Schemen, wie kommt das? CSch: Ich schreibe einfach meine Geschichte und denke nicht über Genreliteratur nach.
BF: Dass Clara ihr Idol, eine große Pinanistin, im Buch trifft, ist doch eher unrealistisch gewesen, oder? CSch: Ja, dass ist eigentlich schon unrealistisch. Aber ich habe so viel vom Scheitern geschrieben, da wollte ich auch ein wenig Märchen. Ich habe mir lange überlegt ob ich mir dieses Stück Märchen gönne und mich dann dafür entschieden.
BF: Haben Sie als Autorin auch Vorbilder? CSch: Astrid Lindgren. Ich mag die Einfachheit mit der sie große Geschichten erzählt. Ich hatte sogar das Glück mal eine halbe Stunde mit ihr zu reden. Mir gefiel an ihr, dass sie so auf dem Teppich bleiben konnte, obwohl sie so berühmt war. Und auch John Irving. Der ist so absurd. Er schreibt einfach schrill mit total verrückten Figuren, dass mag ich sehr gerne.
BF: Herzlichen Dank für das Gespräch.