schoessow-krankenhaus

Peter Schössow: Wo ist Oma? Zu Besuch im Krankenhaus, Hanser Verlag 2016 € 17.-

Unzählige Türenfluchten, lange, grünliche Gänge und viele Stockwerke hat so ein Krankenhaus. Henry weiß nicht, was er sich da gerade vorgenommen hat, als er sich entschließt, auf eigene Faust seine Oma zu suchen. Er ist klein und kann noch nicht lesen. Doch das kleine i kennt er schon. Es steht für Information. Da fragt er gleich. Leider kann ihm die Frau an dem Schalter nicht weiterhelfen. Sie weiß noch nicht einmal, dass der Name von Henrys Aupair Mädchen Gülsa "Fröhliche Rose" bedeutet. Gülsa telefoniert. Und das kann dauern. Also stapft Henry los und entdeckt hinter den Türen Ärzte, Babys, Kinder und Alte, Kranke und Besucher oder auch mal gar keinen. Henry sperrt Augen und Ohren auf und hört jedem genau zu. Peter Schössow erzählt von Menschen und Räumen. Henry begegnet über 80 Personen, doch das Buch ist kein Wimmelbuch. Ruhig und unergründlich entfaltet sich die Szenerie vor dem Auge des Betrachters. Alles wirft seine Schatten: das Laub auf Henrys Rücken, die nächste Häuserreihe auf die Glasfront des Krankenhauses, die Rahmen der sonnendurchflutetden Fenster an die Türen gegenüber. Bis es zu regnen beginnt. So ein Krankenhaus schluckt die Zeit. Auch im Keller, zwischen den Heizungrohren, herrscht noch Betrieb. Da steht der Hausmeister auf seinem roten Roller. "Junge, dich suchen sie schon überall." Was ein Glück, denn jedes große Krankhaus hat auch einen Wachdienst, der helfen kann, wenn man sich verlaufen hat.