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Martin Schäuble: Endland, Hanser 2017 € 15.-

Wie sähe es in Deutschland aus, wenn eine nationale, völkisch gesinnte Partei wieder an die Macht käme? Martin Schäuble hat vor allem das Kleingedruckte des  Wahlprogrammes der AfD genau studiert und die Vorschläge und Maßnahmen, welche diese Partei in Zukunft ergreifen möchte, Wirklichkeit werden lassen. Soldaten und Wachschutz braucht ein zukünftiges Deutschland, die Mauern und Zäune, die wieder errichtet wurden, zu bewachen. Mit dem jungen Soldaten Anton und seinem Freund Noah begibt sich der Leser auf nächtliche Grenzinspektion. Als die Wärmebildkamera anschlägt, weil Flüchtlinge versuchen nach Deutschland zu kommen, sollen die Jungs schießen. Während Anton Systemkonform lebt, beginnt Noah über viele Dinge zu stolpern, die ihn, rege denkend, in den Widerstand treiben. Nichts ist eigentlich neu an diesem Roman und einiges bleibt stereotyp. Und doch, ist dieser Roman gerade für junge Leser eine sehr empfehlenswerte wie packende Letüre. Zum Einstieg in politisches Denken und Handeln sowie zur Bewusstwerdung von Gesellschaftsprozessen geeignet. Aktueller und Wichtiger denn je! Katrin Rüger

Wie sind Sie auf die Idee gekommen so ein Buch zu schreiben, wie die politische Lage umschwingen könnte, denn das macht man ja nicht alle Tage? Martin Schäubele: Zum einen bin ich einer, der gerne reist, wenn ich Bücher mache. Es sind immer Recherche Bücher, nicht Internet Recherche, sondern ich probiere hinzureisen wo etwas passiert. In den letzten Jahren war ich in Viatnam, Naher und Mittlerer Osten und Nordafrika unterwegs. Da ist man vor allem mit vielen Menschen zusammen, denen es nicht so gut geht. Wieder daheim merkt man, dass es uns eigentlich ziemlich gut geht. Wir haben Demokratie, keiner muss so richtig hungern, Bildung ist vorhanden. Es gibt ganz viele poitive Punkte, aber trotzdem gibt es wieder Leute, die so große Unzufriedenheit haben, dass sie Minderheiten suchen, Flüchtlinge zum Beispiel, auf die sie alles abladen wollen. Deswegen hat mich die AFD so wütend gemacht, weil ich dachte das kann doch nicht sein, wie lebensfremd sind die eigentlich, dass sie jetzt behaupten, die Flüchtlinge seien Schuld daran, dass irgendetwas im Land nicht funktioniert. Für mich ist es ganz wichtig, den Lesern zu zeigen wie es wäre, wenn eine Partei wie die AFD gewinnt.

Es waren ja gerade Bundestagswahlen. Glauben Sie, dass wenn die Leute von der AFD so ein Buch läsen, es würde sie überzeugen nicht das Richtige zu tun? Die erste Frage ist: Würden sie es lesen? Naja, eigentlich ist das Buch ja für die gedacht, die sagen, “Endlich mal wieder eine starke Partei, die durchgreift, das wär doch was.“ Für die habe ich dieses Buch geschrieben, dass die mal sehen, ja Moment, was würde  eine solche Politik  denn für Konsequenzen haben.

Glauben Sie, es würde erneut in eine Diktaur führen, wenn die AFD über 50% bekäme? Ich glaube ja, dass es nicht so weit kommen wird, da es sehr viele kritische Stimmen gibt. Es gibt noch Überlebende, die erzählen können, was im dritten Reich passiert ist. Und ihr kennt ja die Szene im Buch, wo Noah in der Kasernenbiblothek steht, wo alle Bücher aus der Zeit des Nationalsozialismus verschwunden sind. Daran merkt man das die Partei versucht diese Geschichte wieder schön zu reden. Das darf nicht passieren.
Warum haben sie sich entschieden, Fana aus Äthiopien kommen zu lassen? Weil sie damit keinen Kriegshintergrund hat. Ich habe bewusst ein Land gewählt, dass die Menschen nicht aus politischen Gründen verlassen,  sondern in dem die Menschen verhungern. Dann haben wir eine schwere Frage zu beantworten. Wir sagen, wenn jemand gefoltert wurde darf er bleiben, aber wenn jemand verhungert darf er nicht rein. Im Buch fällt in  Äthiopien, wegen des Klimawandels,  eine ganze Regenzeit aus. Dort leben 8 von 10 Menschen von der Landwirtschaft. Es haben Millionen Menschen nichts zu essen mehr. Außerdem kommt noch ein Aspekt dazu: Laut der AFD gibt es den Klimawandel nicht.

Gibt es schon Länder die Endland genannt werden können? Ich würde sagen Osteuropa, Ungarn vor allem.
Wir sprachen fast eine Stunde mit Martin Schäuble. Es war sehr spannend und informativ. Wir sagen: Vielen Dank für das Interview.