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Robin Roe: Der Koffer, Verlag Königskinder 2017 € 19,99

Seitdem Julians Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind, wohnt der 14-jährige Waise bei seinem Onkel. Julians etwas sonderbare Art erschweren es ihm, Anschluss zu Gleichaltrigen zu finden und gute schulische Leistungen zu erbringen. Deswegen wird er zu Schulpsychologin geschickt. Von Julians glücklichem und unbeschwertem Leben vor dem Unfall ist nichts übriggeblieben. Nur ein Koffer voller Erinnerungen, auf die er sich immer wieder beruft. Zufällig trifft Julian auf Adam, seinen ehemaligen Pflegebruder, der lebensfroh und beliebt ist. Er sieht in ihm einen älteren Bruder, den er in seiner jetzigen Situation dringend braucht. Doch trotz der emotionalen Bindung, die Julian nach und nach wieder zu Adam entwickelt, fällt es ihm schwer über sein schreckliches Geheimnis zu reden. Denn je näher Adam Julian kommt, desto näher kommt er der unfassbaren Wahrheit, die Julian versucht krampfhaft zu verbergen.
Ich habe es echt ewig vor mir hergeschoben, dieses Buch zu rezensieren, weil ich einfach nicht wusste, wie ich es anstellen sollte. Die Geschichte ist erschreckend doch ich konnte, obwohl ich es wollte, einfach nicht aufhören zu lesen. Letztendlich habe ich es dann doch rezensiert, weil es ein unglaublich gutes Buch ist, das meiner Meinung wichtig für uns alle ist. Die Sprache ist mit ihren kurzen Sätzen recht einfach gehalten. Die Autorin schafft es, den Leser für die Geschichte zu begeistern, ihn zu fesseln und ihn auf eine Art zu berühren, dass es einem oft den Atem raubt. Obwohl man von der Handlung entsetzt ist und sich alles in einem sträubt weiterzulesen, schafft man es nicht das Buch zur Seite zu legen. Durch die Perspektivenwechsel zwischen Julian und Adam, lernt man die sorgfältig ausgearbeiteten Charaktere besser kennen und nimmt die Unterschiede zwischen ihnen deutlicher wahr. Julian, der für sein Alter zu kindlich und außerdem extrem introvertiert ist, steht im genauen Gegenteil zu Adam, der sehr offen und durch seine positive Art sehr beliebt ist. Genau das ist einer der zahlreichen Aspekte, die das Buch so interessant machen, weil man Handlungen und Gefühle der Charaktere wahninnig gut nachempfinden kann. Alles in allem ist das Buch auf jeden Fall sehr empfehlenswert, wobei das Lesealter in diesem Fall dringend berücksichtigt werden sollte. Es geht einem teilweise wirklich unter die Haut. Meiner Meinung nach fordert das Buch die Leser dazu auf, die Augen offen zu halten und sorgsamer auf seine Mitmenschen zu achten, denn das, was Julian erleben muss ist gar nicht so weit weg wie wir glauben. Es passiert auch bei uns in München.