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Andreas Pflitsch, Dirk Steinhöfel: Irgendwo brennt ein Feuer im Eis, Arena Verlag 2017 €19,99

Der zweite Urlaub bei Urgroßvater Elias, einem Höhlenforscher, beginnt mit einer Schnitzeljagd und verspricht Abenteuer und eine erkenntnisreiche Reise ins Erdinnere. Dieses Mal ergründen Jonas und Sophie den Vulkanismus in Alaska und die alten Gold- und Kupferminen. Dinge, die immer da zu sein scheinen und sich, sehr langsam, doch wandeln. Das unkonventioll gemachte Sachbuch ist Tage- und Wissensbuch zugleich, bei dem Dirk Steinhöfel digitales  Bildmaterial und Fotos für das Entdeckerauge auf verschiedenen Ebenen collagagiert. Das Sachwissen kommt von Andreas Pflitsch, der in der Lava- und Eishöhlenforschung arbeitet.  Tackerklammern, Knöpfe und Schüre halten die Puzzelstücke zusammen, die nach und nach in Raum und Zeit ein Ganzes ergeben. Zum Greifen nah kommen dabei nicht nur der Schnee und die verschiedenen, sich bei Hitze bildenden Gesteine und Erze, die ein Vulkan dann aus den Tiefen an die Erdoberfläche schleudert, auch für die Plattenbewegungen am Meeresgrund und Faltprozesse an der Erdoberfläche finden die Autoren gut nachvollziehbare Beispiele. Ein Buch zum Vor- und Selberlesen, zum Beobachten und Entdecken, vielleicht gleich hinter der eigenen Haustür, denn vulkanische Überreste gibt es überall auf der Welt.

Wie seid Ihr denn auf die Idee für die Bücher über Höhlen und Vulkanen gekommen?
Andreas: Es gab einfach kein vernünftiges Sachbuch zum Thema Höhlen oder Vulkane! Bis dahin gab es nur wissenschaftliche Bücher und ich dachte mir, man muss wirklich mal ein Buch für Kinder und Jugendliche machen, sodass es jeder verstehen kann. Unser Buch lesen jetzt auch meine Studenten und sagen danach oft „ach deswegen ist das so!!!! Das hab ich vorher nie kapiert!“.
Dirk: Ganz ehrlich, in Erdkunde war ich scheiße. Ich habs nicht begriffen. So gar nicht. Und dann hat Andreas mich mit in eine Höhle genommen und mir von seiner Idee erzählt.
Andreas: Der Dirk hat so blöde Fragen gestellt teilweise, da dachte ich mir „das weiß man doch!!!!!“ Wenn man an der Uni ist, merkt man gar nicht, dass das vielleicht doch nicht alle wissen.
Dirk: Deswegen lassen wir in unserem Buch die Kinder Fragen stellen, die dann von Erwachsenen erklärt werden.
Andreas: Um etwas wirklich zu begreifen, muss man dieses Stück weiter gehen.steinhoefel2

Andreas, was für Geräte nimmt man mit in eine Höhle?
Andreas: Ich nehme immer einen Helm mit, eine Kopflampe mit 5 verschiedenen Helligkeitsstufen, je nachdem wie weit ich sehen muss. Ich habe zwei Ersatzlampen dabei, einen Datenlogger, eine Thermalkamera, ein Multitool, Ellbogen- und Knieschützer, Sachen zum Abseilen und einen Klettergurt. Beim Abseilen muss man aufpassen, dass man nicht so schnell wird, dass man nicht mehr bremsen kann. Wieder nach oben klettern wird relativ anstrengend. Wenn ich in eine Eishöhle gehe, habe ich auch Steigeisen und Daunensachen dabei. Außerdem immer etwas zu essen und zu trinken, falls mal etwas schief geht. Man braucht eine Genehmigung, dass man Dinge aus der Höhle mitnehmen darf, aber auch um Sachen in der Höhle zu deponieren.

Und wie viel wiegt diese Ausrüstung?
Andreas: Kommt ganz darauf an, manchmal nur 2 bis 3 kg, manchmal aber auch 25 kg. Aber normalerweise so zwischen 3 und 10 kg.

 
Dirk, warum zeichnest Du Deine Illustrationen am Computer?
Dirk: Als ich vor 15 Jahren damit angefangen habe, war die Computergrafik noch ganz neu und verpönt. Die Leute denken immer das funktioniert so „Hallo Rechner, mach mir mal ein Bild!“. Ja, ich habe Kunst studiert, ja, ich kann auch zeichnen. Ich arbeite übrigens mit 3D Studio Max von Autodesk und nicht mit Photoshop. Manche sagen, dass meine Figuren hölzern oder lebensfern wirken, aber ich mag es. Jetzt mit ein bisschen Abstand zu dem Buch, denke ich manchmal „Boah, was hast Du da gemacht, das würdest Du jetzt ganz anders machen.“ Ich bin auch noch lange nicht da, wo ich hin will. Heutzutage wird auch bei den Büchern viel vom Gaming übernommen, man darf sich digital freimachen und es wird sich noch mehr ändern, weil auch die Käufer mehr Dinge in dieser Richtung haben wollen.

Wieso sehen die Bücher so alt aus?
Dirk: Das Buch ähnelt in der Farbigkeit den Höhlen: da ist unglaublich viel grau, braun, rot, sandfarben… Das wirkt warm und erinnert an Altes. In vielen Schauhöhlen findet man alte Sachen, wie Schuhe oder Glühbirnen, deswegen hat das Höhlenbuch auch so einen Albumcharakter. Und zu den Beispielen, die im Text vorkommen, habe ich etwas gezeichnet, bei den Schildvulkanen zum Beispiel die Schildkröte. Es war uns ganz wichtig, dass die Fotos, die im Buch vorkommen, alle echte Fotos sind, die Andreas gemacht hat, als er zu Höhlen oder Vulkanen gereist ist.

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Dirk, siehst Du Dich eher als Autor oder als Illustrator?
Dirk: Es gibt zwar ein paar geschriebene Sachen von mir, aber für mich stand das nie in Frage, diese Nische ist besetzt durch meinen Bruder. Manche Leute sagen „eigentlich sind Deine Texte besser als Deine Bilder!“ Für mich aber nicht. Mein Bruder Andreas Steinhöfel wird manchmal gefragt, ob er sich zum Schreiben berufen fühlt und er sagt „ nein, das ist eine Technik, die ich beherrsche und weil ich das kann, mache ich das“. Bei mir ist das mit dem Schreiben so: „ Ich kann das, aber ich will das nicht machen.“

Hast Du schon ein neues Buch geplant?
Dirk: Als nächstes würde ich gerne ein Lexikon über Fabelwesen machen und ich mache jetzt 10 Bilder und zeige sie den Verlagen, die interessiert sind. Denn ich arbeite zwei Jahre an so einem Buch und ohne Vertrag würde ich zwei Jahre lang kein Geld bekommen!
Werden Eure Bücher von den Verlagen überarbeitet?
Andreas: Beim Cover haben wir zu über 95% kein Mitspracherecht. Unser Verlag wollte, dass die Charaktere auf dem Vulkanbuch beieinander stehen, das war uns zu langweilig. Wir wollten eigentlich mehr Dynamik, aber da meinte der Verlag, das ist zu bedrohlich. Dabei sehen die Kinder von heute sowas doch schon viel früher, da hat keiner mehr Angst vor! steinhoefel1
Zum Beispiel Star Wars ist viel gruseliger!
Dirk: Genau! In England oder Frankreich zum Beispiel wird bei Bildsprache oder Graphic Novels gar nicht gefragt, ob man Kindern sowas zeigen kann. Bei uns traut man den „Kindern“ nicht zu, dass sie sich mit einem Thema auseinandersetzen! Wenn ihr für euch das Gefühl habt, ich darf mir das zutrauen, ich möchte mich mit diesem Stoff auseinandersetzen, dann ist das der richtige Weg.