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Susann Opel-Götz: Außerirdisch ist woanders, Oetinger TB 2016 € 8,99

Schon die illustrative, mit ungewöhnlich viel Liebe sparsam wie kunstvoll gestaltete und mit dem Text gut verschränkte Gliederung dieses Kinderbuches lässt aufhorchen. Gleich hinter dem Buchtitel findet sich das farbige Deckblatt des Forschungsberichtes von Jona Klinger, in Folge bekommt auch jedes Kapitel großzügig eine eigene Deckseite. Die Rückseiten dieser Vorsatzblätter wurden freigelassen, wie bei großen Büchern mit beigefügten Stichen oder besonderen Illustrationen. Jona lebt wohl behütet in einer quirligen, gut situierten Durchschnittsfamilie. Neben seinem Geheim-Kino im Kopf hat der pfiffige junge Mann auch eine Kurzfass-Schwäche.

Gottseidank! Denn sonst wäre dieser unglaubliche Bericht eines Erdlings wohl nie aufgeschrieben worden. Jonas zweite Schwäche gilt dem Weltraum und außerirdischem Leben, welches er dort ganz sicher vermutet. Als er den Neuen in der Klasse, Henri, zum Außerirdischen werden lässt, denkt man an eine kurzfristige Kinderlaune, an überbordende Fantasie, aber Jona ist zäh, wenn es um seine Vorstellungen geht. Für den Aspekt Ernährung im Forschungsbericht über Erdlinge und Außerirdische vergeht ein ganzer, wundervoller Nachmittag mit Nahrungsmitteltests, bei dem auch dem unbedarften Leser erstmals auffallen wird, dass Henri offensichtlich außerirdisch viel Hunger hat und dieses kindliche Spiel nicht nur eine Freundschaft begründet, sondern auch für Jona und so manchen Leser eine Brücke zu ihm unbekannten Realitäten schlagen wird. Susann Opel-Götz ist mit ihrem ersten Kinderbuch eine intelligent durchkomponierte sensible Geschichte gelungen, in all ihren kleinen Details wohlgesetzt und schlüssig. In einer Kombination von authentischer Ernsthaftigkeit in Jonas Gedankenwelt, kindlicher Leichtigkeit, Witz und der Sprunghaftigkeit wie Zähigkeit ihres Handelns, liefert die Autorin ein treffliches Abbild irdischen Lebens in dem man sich zu Hause fühlen kann, selbst wenn es sich mitunter außerirdisch anfühlt. Die manchmal saloppe und immer temporeiche Sprache, welche in schönem Kontrast zu den Illustrationen und Unterkapiteln mit den Sprichwörtern aus Bullerdiecks Kalender steht, liefert eine weitere Klangfarbe. Hut ab! Ein wunderbares, unbedingt lesenswertes Buch.