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Foto: Nikolaus Nützel mit den Bücherfressern im Buchpalast. Zum Interview

nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Sachbuch 2014

Nikolaus Nützel, Mein Opa, sein Holzbein und der Große Krieg, ars editon € 14,99

Nullachtfuffzehn? Keine Spur! Doch wer weiß schon, dass wir diese Redewendung von den Soldaten des ersten Weltkrieges geerbt haben. Nützel präsentiert eine persönliche, profunde und griffige Spurensuche zu Berührungspunkten in eine ach so ferne Zeit und hält für Leser jeden Alters erhellende und fesselnde Aspekte bereit.

 
Als mir Frau Rüger das Buch zum Lesen gegeben hat, wußte ich eigentlich fast gar nichts über den Ersten Weltkrieg. Doch das hat sich dann mit dem Lesen schnell geändert. Nikolaus Nützel erklärt anhand der Geschichte seines Großvaters den Verlauf des Ersten Weltkrieges und wie es überhaupt zu diesem Krieg gekommen ist. Die insgesamt 21 Kapitel, welche mit einer kurzen Zusammenfassung beginnen ehe sie das jeweilige Thema genauer behandeln, beinhalten viele Bilder, Fotos, Briefe, Landkarten und Propagandaplakate. Das Kapitel "Krieg als Geschäft", das mir besonders gut gefällt, zeigt, was heutige Riesenkonzerne (z.B. BMW oder Renault) mit dem Ersten Weltkrieg zu tun hatten. Renault hat z.B. Panzer für Polen gebaut und BMW die Uniformen für die Deutsche Marine angefertigt. Auch die Bayer-AG, ein ganz großer Pharmakonzern heute, hat zu Kriegszeiten Giftgas und Sprengstoff an die Deutsche Marine geliefert. In dem Kapitel habe ich erfahren, dass deutsche Ingenieure ihren Eifer und ihr Wissen für die Erfindung von Kriegswaffen eingesetzt haben. Ein Produkt davon ist das "Parisgeschütz", dessen Munition 130km weit und 40km hoch geschossen werden konnte. Es heißt "Parisgeschütz", da es von der Deutschen Front bis nach Paris geschossen wurde. Zwar behaupten die meisten Unternehmen, der Krieg habe ihnen mehr geschadet als genützt, trotzdem wurde der Grundstein ihrer Unternehmen in dieser Zeit gelegt. Denn der Krieg bot eine gute Gelegenheit, ihre Produkte (Kanonen, Gewehre, Panzer) , die gefragter als je zuvor waren, zu verkaufen. Von der deutschen Regierung wurde damals versprochen, dass, wenn man sogenannte "Kriegsanleihen" kaufte (Geld, das man der Regierung lieh), man nach dem Krieg 5% Zinsen dafür erhalten würde. Doch dieses Versprechen wurde nie eingelöst.  Spannend fand ich, wie das Geld in der Nachkriegszeit  seinen Wert verlor. Die Deutsche Bank druckte nämlich unentwegt Geld, so dass die Arbeitslöhne nicht mehr im richtigen Verhältnis zu der gesamten Geldmenge standen. Was folgte war die Inflation. Für die Menschen bedeutetet das, dass z.B. am 1. Februar 1923 ein Stück Brot 400 Deutsche Reichsmark kostete und am 3. November des gleichen Jahres die gleiche Menge Brot  9 Milliarden Reichsmark kostete. So lösten sich angesparte Geldmengen in kürzester Zeit ins Nichts auf und das, was die Menschen an einem Tag durch ihre Arbeit verdienten, war bereits am nächsten Tag schon fast nichts mehr wert. Einige heutzutage benutzte  Sprichwörter haben ihren Ursprung in der Zeit des Ersten Weltkrieges. Zum Beispiel wird heute für das Wort "normal" auch öfter der Ausdruck 08/15 verwendet. Diese Zahlen stehen für das Baujahr und den Baumonat  der MG 08/15 (ein normales Gewehr). Das Gewehr wurde damals so häufig produziert, dass es nichts Besonderes mehr war. Insgesamt fand ich dieses Buch für Sachbuchverhältnisse sehr gut, da die vielen Bilder, Zeitungs- und Plakatausschnitte und Karten der Frontverläufe es interessant gemacht haben. Wendelin, 10 Jahre