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Deutscher Jugendliteraturpreis Sachbuch

Christian Nürnberger: Mutige Menschen. Widerstand im Dritten Reich, Gabriel Verlag 19,99

„Als mein Verleger mich bat ein Jugendbuch zu schreiben sagte ich: Jugendliche kann ich nicht. Ich kann nur Erwachsene.“ Christian Nürnberger in einem Gespräch mit Katrin Rüger

Schade, dass ich vergass zu fragen, wie Sie es dann doch geschafft haben, eins zu schreiben...vermutlich ist es grad deswegen so gelungen, da Sie kein speziell für Jugendliche konzipiertes Buch geschrieben haben, sondern einfach nur ein Buch, welches versucht ein paar Dinge zu klären und von jedem gelesen werden kann, der sich dafür interessiert.

Ist der Widerstand manchen Menschen schon in die Wiege gelegt? Warum verhalten sich die einen so währenddessen die anderen lieber den Kopf in den Sand stecken? Nürnberger zeigt, dass moralisch rechtes oder einfach menschliches Empfinden bezüglich Gesellschaft und Politik keinesfalls ein Frage von Bildung oder Stand ist. In 12 exemplarischen Biographien die er paarweise verschränkt zeigt er, wie es immer wieder gilt moralische Fragen für sich zu entscheiden, wie sich starke und überzeugte Charaktere bilden und vergisst nie, den Leser stark zu machen unsere Demokratie zu pflegen, mitzumischen und sich für menschliche Rechte einzusetzen. Katrin Rüger
In seinen Büchern "Mutige Menschen" -"Widerstand im Dritten Reich" und "für Frieden, Freiheit und Menschenrechte" schildert Christian Nürnberger Menschen mit viel Gerechtigkeitssinn, die Mut bewiesen haben, gegen Unrecht zu kämpfen; in „Wann ist der Held ein Held?“ von Rolf-Bernhard Essig geht es um Personen, die man wegen ihrer Leistungen als Helden ansehen kann.
Mutige Menschen können Helden sein, Helden sind umgekehrt aber nicht immer mutig, wie z.B. die deutsche Fußballmannschaft, die 1954 die WM gewonnen hat, oder Karl-Heinz Böhm; sie hatten andere gute Eigenschaften.  Die mutigen Menschen, von denen Nürnberger erzählt, engagieren sich für Menschen, während die Helden aus verschiedenen Bereichen stammen.
Essig beschreibt Menschen, die man von YouTube, Twitter, vom Fernsehen oder von Handybildern kennt; Nürnberger betont den Wert des Buches. Essig geht noch mehr auf die Fehler der Helden ein, was manchmal deren große Taten in den Schatten stellt.
Manche Personen sind in beiden Büchern vertreten,z.B. Rosa Parks, Nelson Mandela, Mahatma Gandhi, Georg Elser. Nürnberger will, dass man sich für das interessiert, was gerade in der Welt passiert, vor allem mithilfe des Buches und der Zeitung. Er will, dass man sich eine politische Meinung bildet, sich für die Demokratie einsetzt, Zivilcourage zeigt, "von den Meistern lernt".
Essig will, dass die Heldengeschichten den Leser dazu bewegen, die Welt für veränderbar zu erklären und selbst etwas zu ihrer Verbesserung beizutragen.
Mir persönlich hat das Mutige Menschen -Buch besser gefallen, weil es mich angesprochen hat, spannend geschrieben ist und das Layout übersichtlich ist. 
Claire, 13 Jahre
Unglaublich, aber wahr: In den Ohren unserer heutigen „everything goes“ -Gesellschaft erzeugen die Worte Friede, Freiheit, Menschenrechte fast schon gelangweilte Gleichgültigkeit. Wir leben in einem demokratischen, toleranten, multikulturellen Land. Frauen dürfen einen Beruf ausüben und Männer in den Erziehungsurlaub gehen. Bei uns hat jedes Kind ein Recht auf Schulbildung, 10 Jahre lang sogar. Wahlrecht gilt für alle und alles. Bei uns findet man Moscheen neben Kirchen. In der U-Bahn darf sich jeder setzen, wo ein Platz frei ist, egal welche Hautfarbe er hat. Wer sich mit dem Gesetz anlegt, den erwartet ein geordnetes Gerichtsverfahren und ein Pflichtverteidiger.
Mahatma Gandhi, Nelson Mandela und Martin Luther King - ist das nicht Lichtjahre her? Nein. Die meisten Veränderungen liegen vorstellbar kurz, nämlich kaum ein Menschenleben zurück. Auch der Name Alice Schwarzer erzeugt heute fast ein gutmütiges Lächeln. KKK für Frauen - Kirche, Küche, Kinder - ist 40 Jahre her. Und wer sind Anna Politkowskaja oder Ayyan Hirsi Ali ? Kürzliche Nachrichtenschlagzeilen aus fernen Ländern? Den Niederlanden zum Beispiel.
Von der ersten Seite weg entflammt Christian Nürnberger das Interesse für gesellschaftliche Gemeinschaft in Politik, Justiz, Religion und Wirtschaft in junger und jüngster Vergangenheit. Er erzählt von Menschen, die man mutig nennen mag, die aber eigentlich nur die Energie, welche Ungerechtigkeiten und Demütigungen freisetzen, in ein Handeln für besseres Miteinander und existentielles Wohlergehen umgesetzt haben. Sie haben angeklagt und eingeklagt, andere motiviert, es ihnen gleich zu tun, Augen zu öffnen. Sie haben toten Begrifflichkeiten pulsierendes Leben eingehaucht. Frieden. Freiheit. Menschenrechte. Nichts davon ist selbstverständlich! Am Ende dieses Buches schaut man nicht zu mutigen Menschen empor sondern spürt das nicht selbstverständliche Glück heute so zu leben wie sie es erträumt haben. Das Bewusstsein dieser Kostbarkeit ließe dann auch den Mut wachsen für Engagement und Zivilcourage, all das zu bewahren.
Katrin Rüger